Bogdan Syrotjuk mit einem Bild von Leo Trotzki in einer alten sowjetischen Ausgabe von John Reeds 10 Tage, die die Welt erschütterten, April 2023
Weltweit wächst die Opposition gegen die Inhaftierung des 27-jährigen Sozialisten Bogdan Syrotjuk, der von einem ukrainischen Gericht wegen „Hochverrats“ zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er in seinen Artikeln geschrieben hat, russische und ukrainische Arbeiter sollten sich gegen den Krieg vereinen, und weil er sich gegen die offizielle Glorifizierung von Nazi-Kollaborateuren gewandt hat.
Arbeiter, Akademiker und bekannte Intellektuelle von vier Kontinenten haben die Petition für seine Freilassung unterzeichnet oder Protestschreiben an das Bezirksgericht in Perwomajsk geschickt, welches das Urteil gefällt hat.
In den vergangenen Tagen haben hunderte Menschen weltweit die Petition für seine Freilassung unterzeichnet, die seit ihrer Veröffentlichung mehr als 5.700 Unterschriften erhalten hat.
Die Unterzeichner seit der Bekanntgabe des Urteils kommen aus den USA, Großbritannien, Australien, Kanada, Deutschland, Italien, Neuseeland, Sri Lanka, Spanien, Frankreich, Österreich, Irland, Finnland, der Türkei, Belgien, Schweden, Portugal, Indien, China, Taiwan, Polen, Norwegen, Dänemark, Südkorea, Rumänien, den Niederlanden, Litauen, den Philippinen, Brasilien, Kroatien, der Schweiz, Peru – und aus der Ukraine selbst.
Die Anklage stützte sich ausschließlich auf Bogdans Artikel, die sich sowohl gegen die russische Invasion als auch gegen den Stellvertreterkrieg von USA und NATO richten, und auf seine Kommunikation mit den Redakteuren der WSWS. Das Gericht ordnete an, Bogdans Eigentum zu beschlagnahmen und die Bücher und Schriften der von ihm angeführten Jungen Garde der Bolschewiki-Leninisten zu zerstören.
Bogdan sitzt in Haft, seit er am 25. April 2024 vom Sicherheitsdienst der Ukraine verhaftet und zu einem russischen Agenten erklärt wurde. Diese Behauptung hat der ukrainische Staat zu keinem Zeitpunkt belegt.
Mario Kessler, ein auf den Kommunismus spezialisierter Historiker und leitender Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, schickte am Mittwoch ein Protestschreiben, in dem er erklärte: „Ich, Professor Dr. Mario Keßler, Historiker in Berlin, protestiere hiermit entschieden gegen die Verurteilung von Herrn Bogdan Syrotiuk…
Muss ich daran erinnern, dass Leo Trotzki als Volkskommissar für Verteidigung den Aufbau der Roten Armee sicherstellte, die in der Lage war, dem Massenmord an ukrainischen Juden während des Bürgerkriegs Einhalt zu gebieten? Muss ich außerdem daran erinnern, dass Trotzki 1939 die Teilung der Westukraine zwischen Deutschland und der Sowjetunion entschieden verurteilte und für eine von der Sowjetunion – einschließlich Stalins Sowjetunion – unabhängige Ukraine eintrat? Wie passt dies zu dem Vorwurf, Herr Syrotiuk, der sich selbst als Sozialist und Trotzkist bezeichnet, spiele Putins Spiel mit?
Marta Hawryschko, eine ukrainische Holocaust-Historikerin, die am Strassler Center for Holocaust and Genocide Studies der Clark University in Worcester (Massachusetts) unterrichtet, verbreitete am Mittwochmorgen auf X den Bericht der WSWS über das Urteil und zwar unter ihrer eigenen Überschrift: „Politische Unterdrückungen in der Ukraine unter Selenksyj.“ Der Post wurde binnen weniger Stunden mehr als 10.000-mal angesehen und erhielt 500 Likes.
Die Ukraine hat das Schwarze Meer zum Kriegsschauplatz gemacht, indem sie seit Monaten wahllos Handelsschiffe angreift. Der Spiegel berichtet seinen Lesern nun, Russland lehne eine Waffenruhe im Schwarzen Meer ab, was eine Verdrehung von Ursache und Wirkung ist.
Die Ukraine ist Ende letzten Jahres dazu übergegangen, im Schwarzen Meer zivile Handelsschiffe anzugreifen, wobei sie keinerlei Rücksicht auf die Herkunft der Schiffe nimmt. So hat die Ukraine in letzter Zeit sogar türkische Handelsschiffe angegriffen, was in der Türkei für Unmut sorgt, schließlich hat die Türkei immer wieder versucht, in dem Konflikt zu vermitteln und unterhält gute Beziehungen zu Kiew. Der türkische Außenminister telefonierte deswegen am 24. Juli mit seinem ukrainischen Amtskollegen, aber die Ukraine griff auch danach weiterhin türkische Handelsschiffe an.
Die Eskalation im Schwarzen Meer
Auch die USA haben offenbar gegen die ukrainischen Angriffe im Schwarzen Meer protestiert. Den USA geht es um Schiffe und Anlagen, die zum Caspian Pipeline Consortium (CPC) gehören, das kasachisches Öl über den russischen Hafen Noworossijsk exportiert. Dabei handelt es sich weder um russisches Öl noch sind russische Firmen daran beteiligt. Die Aktionäre des CPC sind kasachische Firmen und westliche Ölkonzerne wie beispielsweise Chevron.
Laut ihren eigenen Angaben haben die ukrainischen Streitkräfte im Schwarzen Meer alleine im Juli etwa 200 Handelsschiffe angegriffen, die russische Häfen anliefen. Europäische Politiker, wie beispielsweise Kanzler Merz, lobten dieses Vorgehen der Ukraine ausdrücklich.
Ab dem 11. Juli hat Russland als Reaktion auf die verstärkten ukrainischen Angriffe begonnen, ukrainische Schwarzmeerhäfen massiv zu bombardieren und ebenfalls Schiffe anzugreifen, die ukrainische Häfen anlaufen. Das hat dazu geführt, dass die ukrainischen Schwarzmeerhäfen de facto die Arbeit einstellen mussten, was für die Ukraine ein schmerzhafter Schlag ist, da über die Häfen einerseits westliche Waffen geliefert werden, während über sie andererseits vor allem ukrainisches Getreide exportiert wird, was eine der wenigen verbliebenen Einnahmequellen der Ukraine ist.
Der türkische Außenminister forderte am 8. August in einem Interview „die Einrichtung eines Mechanismus, um die Vereinbarung eines Moratoriums zu ermöglichen“, denn „er Konflikt hat sich auf das gesamte Schwarze Meer ausgeweitet“. Obwohl es die Ukraine ist, die schon letztes Jahr damit begonnen hat, Handelsschiffe anzugreifen, vermeidet die türkische Regierung es, in ihren Erklärungen zu erwähnen, welches Land ihre Schiffe angegriffen hat, sondern fordert in ihren Erklärungen von Russland und der Ukraine einen Stopp der Angriffe.
Unter dem wachsenden Druck hat Kiew nun versucht, propagandistisch die Initiative zu ergreifen und Russland laut Reuters vorgeschlagen, dass beide Seiten die Angriffe auf zivile Ziele im und am Schwarzen Meer einstellen.
Am Freitag wurde Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, nach dem türkischen Vorschlag für ein Moratorium gefragt, und sie antwortete darauf unter anderem, Russland habe „über offizielle Kanäle keine formelle türkische Anfrage erhalten, die die Bedingungen dieser Initiative konkretisiert“. Weiter äußerte sie sich skeptisch zu solchen Vorschlägen, weil die von Kiew und dem Westen immer dann kommen, wenn es für die Ukraine schlecht läuft und sie dringend eine Feuerpause braucht, um ihre Wunden zu lecken. Wörtlich sagte Sacharowa:
„Wir sehen derzeit regelmäßig ungezügelte Terrorangriffe, die die ukrainischen Streitkräfte mit Drohnen auf zivile Schiffe von Anrainerländern des Schwarzen Meeres durchführen, die sich mehrmals monatlich ereignen. Wir betrachten diese Angriffe als gezielte Politik zur Destabilisierung der zivilen Schifffahrt im Schwarzmeerraum, mit dem Ziel, die Situation weiter zu eskalieren und den Konflikt zu verlängern – und zwar mit dem offenkundigen Einverständnis der Nachbarn in der Region. Gleichzeitig sehen wir keinerlei Anzeichen einer Besserung der Lage und somit keine Grundlage für Halbheiten, die dem Kiewer Regime lediglich eine vorübergehende Atempause verschaffen.“
Das beliebteste Mittel der westlichen Propaganda
Der Spiegel hat unter der Überschrift „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine – Moskau lehnt Waffenruhe im Schwarzen Meer ab“ darüber berichtet, wobei er eines der beliebtesten Mittel der westlichen Propaganda benutzt hat. Dieses Mittel ist es, alle zum Verständnis wichtigen Informationen wegzulassen. Daher erfährt der Spiegel-Leser nicht, dass es die Ukraine war, die die Lage im Schwarzen Meer so stark eskaliert hat und dass Russland erst nach vielen Monaten begonnen hat, mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Folgerichtig beginnt der Spiegel-Artikel mit folgender Einleitung:
„Mitten in der Erntezeit nimmt Russland vermehrt ukrainische Häfen und internationale Getreidefrachter im Schwarzen Meer ins Visier. Nun soll die Ukraine eine Feuerpause vorgeschlagen haben. Moskau sieht dafür keine Grundlage.“
In dem Artikel vertauscht der Spiegel kurzerhand Ursache und Wirkung, denn der Spiegel schreibt:
„Russland greift zur Erntezeit derzeit massiv ukrainische Häfen und auch internationale Frachtschiffe im Schwarzen Meer an, die Getreide exportieren. Die Ukraine hat ihrerseits Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer in den vergangenen Wochen verstärkt.“
Der russische Historiker Artjom Drabkin darüber, wie man auf den Aufruf, Russen zu töten, reagieren muss. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.
Am 8. August 2026 stellte der Korrespondent der deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung, Michael Martens, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Wolodymyr Selenskyj und Aleksandar Vučić in Belgrad folgende Frage: „Was genau können wir, die Europäer, tun, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? … Mehr russische Soldaten natürlich.“ Die Präzisierung folgte nach einer kurzen Pause. Diese öffentlich geäußerte Formulierung zeigt, wie weit sich die Grenze des Sagbaren verschoben hat. Der deutsche Journalist nennt die Nationalität noch vor dem militärischen Status. Er spricht weder von der Beendigung des Krieges noch vom Schutz von Zivilisten oder auch nur von der Niederlage der gegnerischen Armee. Sein praktischer Erfolgsindikator wird zur nackten Zahl getöteter Russen. Und das geschieht vor laufenden Kameras, auf einer internationalen Pressekonferenz, im Namen „unserer, der Europäer“.
Und sofort fanden sich bei uns Stimmen, die bedauerten, dass unsere Vorfahren „mit Deutschland nicht zu Ende gearbeitet“ hätten. Der Historiker und Direktor der Stiftung „Historisches Gedächtnis“, Alexander Djukow, schreibt dazu: „Nach 1945 haben wir unsere Arbeit mit Deutschland katastrophal nicht zu Ende gebracht. Man hat der DDR die Reparationen erlassen, nationalsozialistische Verbrecher begnadigt und als Geste des guten Willens an die BRD übergeben, und über den nationalsozialistischen Völkermord hat man mit maximal gedämpfter Stimme gesprochen, um den Internationalismus und die weltweite Solidarität nicht zu erschüttern. Und das Ergebnis sehen wir genau jetzt: Die Worte ‚Russen töten‘ rufen keine Panik und kein Entsetzen vor der Vergeltung hervor – sondern den Wunsch, sich daran zu beteiligen. Eine Vergeltung hat ja nicht stattgefunden, man hat alle verschont, alle freigelassen, allen vergeben, 1945 noch Lebensmittel verteilt und sie später mit Gas unterstützt. Es gibt keinen Grund zur Panik. Nun, wenn es nicht gelingt, alle Russen zu töten – die Übriggebliebenen werden es ja wieder verzeihen.“
Wer, wenn nicht die Generation des Großen Vaterländischen Krieges, die in Auschwitz und Berlin stand, die durch verbrannte Dörfer und an Massengräbern vorbeiging, hätte ein Recht auf Rache gehabt? Hätten sie alle Deutschen bis zum „siebten Glied“ vernichten können? Sie hätten es gekonnt. Sie hatten das volle moralische Recht dazu.
Und sie haben es nicht getan. Darin liegt eine weitere große Heldentat: Sie hielten ihren Namen rein. Sie stellten sich nicht mit den Nationalsozialisten auf dieselbe Stufe. Sie verwandelten den großen Sieg nicht in einen Rachefeldzug. Sie haben vergeben, so wie wir zu vergeben wissen.
Der russische Präsident hat die EU gewarnt, ihre Politik der Piraterie fortzusetzen. Andernfalls werde Russland „spiegelbildlich“ reagieren und ebenfalls Schiffe der Länder festsetzen, die russische Schiffe kapern.
Der Westen ist schon vor einiger Zeit zu offener Piraterie übergegangen. So hat Großbritannien beispielsweise schon 2019 einen iranischen Tanker gekapert, die USA haben 2021 iranische Tanker gekapert und seit 2022 kapern Länder der EU immer wieder Tanker mit russischem Öl. Als Vorwand für diese Piraterie nennen die Länder des Westens ihre Sanktionen, die sie beliebig gegen jedes Land verhängen, dessen Politik ihnen nicht gefällt. Natürlich ist das völkerrechtswidrig, denn die Freiheit der zivilen Schifffahrt ist ein völkerrechtlich hohes Gut, das nur durch Sanktionen der UN-Sicherheitsrates eingeschränkt werden kann, nicht aber durch von einzelnen Ländern einseitig und willkürlich verhängte Sanktionen.
Diese fortgesetzte Piraterie, die derzeit vor allem die EU betreibt, ist gefährlich, weil das schon einige Male dazu geführt hat, dass russische Kriegsschiffe oder Kampfflugzeuge Handelsschiffen zur Hilfe kommen mussten, die von Kriegsschiffen aus EU-Staaten bedrängt wurden.
Im Juni hat Großbritannien einen Tanker mit russischem Öl festgesetzt und darüber nachgedacht, die Ladung zu verkaufen und den Erlös der Ukraine zukommen zu lassen. Inzwischen will auch die EU so verfahren.
Darauf hat der russische Präsident Putin vor zwei Tagen bei einem Besuch der russischen Pazifikflotte reagiert, als er an die Adresse der EU sagte:
„Es gibt noch ein Problem, auf das ich aufmerksam machen möchte. Der Kommandeur erwähnte soeben die Eskortierung unserer Schiffe im Verantwortungsbereich der Pazifikflotte. Ich möchte Sie auf die jüngsten Beschlüsse der EU aufmerksam machen. Wir sehen, dass die Regierungen einiger Länder unter Verstoß gegen das Internationale Seerecht versuchen, die friedliche Bewegung der Schiffe unserer Wirtschaftsakteure einzuschränken und kürzlich sogar daran gedacht haben, unsere Schiffe zu beschlagnahmen und das gestohlene Gut zu verkaufen. Das ist natürlich nichts anderes als Piraterie und Raub. Sollte das umgesetzt werden, sind wir gezwungen, spiegelbildlich zu reagieren. Und zwar nicht unbedingt in den Gewässern, in denen Angriffe auf unsere Schiffe geplant werden, sondern überall dort, wo wir es für notwendig und angemessen halten, auch innerhalb des Verantwortungsbereichs der Pazifikflotte. Ich bitte Sie, das zu beachten. Der entsprechende Befehl wurde dem Verteidigungsministerium gegeben und ist, wie ich weiß, auch dem Kommando der Pazifikflotte übermittelt worden.“
Heute hat sich auch der russische Außenminister Lawrow dazu geäußert und die Warnung von Putin wiederholt:
„Die EU hat das schon vor langer Zeit erfunden. Es wird in keinem Dokument erwähnt. Die EU hat entschieden, ihr eigenes Recht, wenn man Brüssels illegale Enteignungen überhaupt als Recht bezeichnen kann, anzuwenden, um Russlands Möglichkeiten, auf den Weltmärkten Geld zu verdienen, einzuschränken und Russland faktisch den Handel mit Energieträgern verboten. Alle Schiffe, egal unter welcher Flagge, die nicht auf die EU hören, werden zur „Schattenflotte“ erklärt. Das ist ein sehr gefährlicher Weg, denn sie behaupten, ihre Entscheidungen stünden über dem Völkerrecht. Sie haben sich nicht nur erlaubt, Schiffe anzuhalten und zu inspizieren, sondern auch die Ladung zu beschlagnahmen und zu verkaufen, um Einnahmen zu generieren und diese an die Ukraine weiterzuleiten, damit die ihr Nazi-Regime weiter festigen kann. Putin hat ganz klar und ruhig erklärt, dass wir auf diesen Raub, auf diese Piraterie spiegelbildlich reagieren und unsere Ziele selbst aussuchen werden. Die Ziele werden Schiffe sein, die im Interesse von Ländern operieren, die Raub und Piraterie zu ihrer offiziellen Politik erklärt haben.“
Nun berichten auch deutsche Medien über Unstimmigkeiten bei dem Drohnenvorfall vom Leipzig. Sie erwähnen nun, dass auch die Ukraine als Täter in Frage kommt, meinen aber, die hätte kein wirkliches Motiv. Stimmt das?
In der Zeit ist ein Artikel erschienen, der über neue Informationen über den Drohnenvorfall von Leipzig berichtet, der seit einer Woche Schlagzeilen macht. Während deutsche offizielle Stellen sich über die Frage der Täterschaft bedeckt halten, suggerieren deutsche Medien, dass Russland hinter dem Vorfall steckt, weil es ukrainische Transportflugzeuge angreifen wollte, die in Leipzig stationiert und an den Waffenlieferungen an die Ukraine beteiligt sind.
Der Artikel aus der Zeit berichtet nun von mindestens einer Explosion, über die bisher nichts bekannt war. Demnach haben Zeugen sie vier Stunden vor der Entdeckung der Drohne auf dem Flugplatz gehört, just zu dem Zeitpunkt, an dem die Drohne – wie man inzwischen weiß – auf das Gelände des Flugplatzes geflogen ist.
An dem Vorfall ist einiges merkwürdig, worauf ich schon in meinem ersten Artikel darüber hingewiesen habe. Warum hat jemand die Drohne gegen 19.30 Uhr auf den Flugplatz geflogen und sie dort gelassen, bis sie etwa vier Stunden später von einem Busfahrer entdeckt wurde? Selbst wenn es einen Versuch gab, die Drohne in einen Flügel einer der ukrainischen Transportmaschinen zu steuern, sie dabei aber nicht explodiert ist, weil der Zünder anscheinend nicht funktioniert hat, hätte ein Täter die Drohne doch vom Flugplatzgelände weggeflogen, denn im Falle einer Entdeckung der unbeschädigten Drohne könnte man die Täter recht leicht ermitteln. So macht die Geschichte jedoch den Eindruck, als hätten die Täter gewollt, dass die Drohne erstens keinen Schaden anrichtet und dass sie zweitens unbeschädigt gefunden wird.
Auch die Geschichte mit dem Busfahrer ist merkwürdig, denn sie wurde mehrfach verändert. Zuerst soll er die Drohne im Flug erwischt und mit einem Schlag zu Boden befördert haben. Dann soll die Drohne über dem Boden geschwebt sein und er habe sie mit einem Tritt außer Gefecht gesetzt. Nun lag die Drohne bereits am Boden und er hat einfach nur auf sie draufgetreten, wobei man sich fragt, wieso jemand freiwillig auf eine Drohne treten sollte, die am Boden liegt und einen verdächtigen Behälter trägt, in dem der Sprengstoff war.
Hinzu kommen nun noch die ungeklärte Explosion, über die die Zeit berichtet, und die Durchsuchung eines nahegelegenen verlassenen Dorfes durch die Polizei, wovon wir ebenfalls aus der „Zeit“ erfahren.
Die „Zeit“ stellt nun fest, dass die Bauart der Drohne und auch der von ihr mitgeführte militärische Semtex-Sprengstoff darauf hindeuten, dass hinter dem Vorfall ein Staat steht. Die „Zeit“ nennt als mögliche Verdächtige die Ukraine und Russland, dass auch die Bundesregierung, also Deutschland, in Frage kommt, erwähnt die Zeit nicht.
Schauen wir uns also einmal an, wie die Zeit argumentiert und welcher Staat welche Motive hatte.
Berlin im August 2026: Die Steine in der Straße zeichnen nach, wo hier, vorm „Checkpoint Charlie“ in der Friedrichstraße, die „Mauer“ verlief (Foto: Tilo Gräser)
Vor 65 Jahren, am 13. August 1961, hat die DDR die Grenze zur BRD und zu Westberlin gesichert, auch durch den Bau der sogenannten Mauer. Das wird dem untergegangenen Land bis heute vorgeworfen. Die internationalen Ursachen für das Ereignis werden oft übersehen, verschwiegen oder verdreht. Eine Spurensuche.
Wie jedes Jahr wird in den medialen Beiträgen und offiziellen Reden zum 65. Jahrestag des „Mauerbaus“ ein Zitat des damaligen DDR-Partei- und Staatschefs Walter Ulbricht wiederholt, das zum geflügelten Wort wurde: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Auch dieses Mal wird zwar wiedergegeben, was Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz auf eine Frage der Journalistin Annemarie Doherr antwortete – aber nicht, was er hinzufügte. Ein Beispiel dafür liefert seit Jahren der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) auf seinem Online-Portal „Die Berliner Mauer“. Im Video der damaligen Pressekonferenz ist nur noch kurz zu hören, dass der DDR-Staatschef weiterredet. Doch was er sagt, geht im Off-Kommentar „Ulbrichts Worte werden zur Lüge des Jahrzehnts“ unter.
So wird bewusst ein Detail weggelassen, das helfen könnte, die Ereignisse von damals zu verstehen. Darauf machte der ehemalige Ulbricht-Mitarbeiter Herbert Graf (2019 verstorben) vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dem Autor des Beitrages aufmerksam. Graf war damals Leiter der Hauptabteilung Staatsorgane im Staatsrat der DDR und aktiv in die Ereignisse um den Bau der Mauer 1961 einbezogen. In seinem 2011 veröffentlichten Buch „Interessen und Intrigen: Wer spaltete Deutschland?“ hat er die ganze Antwort Ulbrichts an Doherr, Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, zitiert:
„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten. Ich habe vorhin schon gesagt: Wir sind für vertragliche Beziehungen zwischen Westberlin und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik. Das ist der einfachste und normalste Weg zur Regelung dieser Fragen.“
Aber nur die ersten acht Worte werden immer wieder gebracht und danach das Zitat abgebrochen. Weggelassen werde ebenso, worum es Wochen vor dem Mauerbau ging, sagte Graf:
„Im Zentrum stand die Forderung nach einem Friedensvertrag für Deutschland, verbunden mit der damals international erörterten Idee der Schaffung einer entmilitarisierten Freien Stadt Westberlin.“
Die vielzitierte Antwort sei gegeben worden, nachdem die Veranstaltung schon mehrere Stunden lief. Und: „Zu dem Zeitpunkt, als Ulbricht auf der Pressekonferenz sprach, war die letzte Entscheidung, was passiert, noch nicht getroffen. Niemand wusste, was wir machen.“ Der DDR-Partei- und Staatschef sei immer für eine Verhandlungslösung der Probleme um Westberlin gewesen, „und nicht für eine Mauer-Lösung“. Die sei erst später gekommen. In einem Vortrag zum Thema hatte Graf erklärt:
„Das vorrangige Ziel dieser seit Jahrzehnten laufenden und sich zunehmend verstärkenden Medienkampagne ist es, Ursachen und Folgen der Berliner Mauer wahrheitswidrig dem Sozialismus, der Sowjetunion und der DDR anzulasten.“
Die folgende Erklärung gegen die Verurteilung des ukrainischen Trotzkisten Bogdan Syrotjuk schickte Professor Mario Keßler an die World Socialist Web Site.
Keßler ist Experte für jüdische Geschichte und die Geschichte der Arbeiterbewegung.Im Jahr 2011 war er einer von 14 Historikern, Politikwissenschaftlern und Publizisten, die sich gegen die Veröffentlichung der verleumderischen Trotzki-Biografie von Robert Service im Suhrkamp Verlag aussprachen.Zuvor hatte David North, Chefredaktor der WSWS, Services Schmähschrift einervernichtenden Kritik unterzogen.
Zu Keßlers jüngsten Publikationen gehören: „Leo Trotzki oder: Sozialismus gegen Antisemitismus“ (Dietz Verlag Berlin, 2022), „Sozialisten gegen Antisemitismus.Zur Judenfeindschaft und ihrer Bekämpfung (1844–1939)“ (VSA Verlag, 2023) und Flucht in Ketten, Sehnsucht hinter Mauern. Essays zur Geschichte, Politik und Kultur (2021-2024), (trafo Wissenschaftsverlag), 2024. Keßler, der heute im Ruhestand lebt, war Gastprofessor an der Yeshiva University in New York City und leitender Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.
Wir rufen unsere Leser auf: Unterschreibt die Petition mit der Forderung nach Bogdan Syrotjuks Freilassung! Schreibt einen Kommentar dazu und unterstützt diese wichtige Kampagne!
Aus Nachrichtendiensten werden Geheimdienste – das hat am Mittwoch das Bundeskabinett beschlossen. Der Entwurf muss noch den Bundesrat und den Bundestag passieren. Am 1. Januar 2027 soll er in Kraft treten. Die Regierung will dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Verfassungsschutz weitreichende operative Handlungsmöglichkeiten geben – auch im Inland. Worauf man in Jahrzehnten des Kalten Krieges nicht zuzugreifen brauchte, das will die Politik nun greifbar haben. Diese Entwicklung ist gefährlich. Sie schafft nicht mehr Sicherheit, sondern legt den Grundstein zur Bespitzelung der Bürger. Sind die Fesseln erst einmal rechtlich und politisch gelöst, besteht die Gefahr, dass die Entwicklung weitergeht und die Dienste zu gegebener Zeit von der Politik als Rammbock gegen unliebsame Gruppen, Bewegungen und Bürger genutzt werden können.
„Die Sicherheitslage hat sich verändert. Deshalb müssen unsere Nachrichtendienste Bedrohungen früher erkennen und, falls erforderlich, aktiv handeln können, um Deutschland besser zu schützen“, verkündet Friedrich Merz über seinen Kanal auf der Plattform X. So wackelig der Inhalt dieser Zeilen, so desaströs das Vorhaben, die Nachrichtendienste der Bundesrepublik zu echten Geheimdiensten umzubauen.
Die Kritik muss an der Tragfähigkeit der Regierungsprämissen ansetzen und sich auf das Ausmaß der Entwicklung konzentrieren.
Merz spricht von einer „veränderten Sicherheitslage“ so, wie die Politik der Öffentlichkeit das Wort „Zeitenwende“ vor die Füße wirft. Jeder mit einem halbwegs funktionierenden Verstand weiß: Es gibt keine „Zeitenwende“, sondern unverantwortliche politische Entscheidungen, die zu einer immer stärkeren Konfrontation zwischen NATO und Russland führen.
Und was die „Sicherheitslage“ angeht: Wieso hat die sich verändert? Welche konkreten, handfesten, gerichtsverwertbaren Beweise gibt es denn für diese Aussage? Oder bewegt sich die Qualität dieser „Beweise“ auf dem Niveau von Spiegel-Recherchen, wonach die Russen kommen und deutsche Autos mit „Bauschaum“ (ja, Bauschaum!) angreifen? Oder reicht als Beweis schon aus, wenn die Politik „Leipzig“ sagt?
Am 5. August traten 162 ukrainische Gefangene, darunter 92 politische Gefangene, in einen eintägigen Hungerstreik, um gegen unmenschliche Bedingungen, Folter und Tötungen im ukrainischen Gefängnissystem zu protestieren. Laut der Website anti-imperialism.by schlossen sich über 200 Menschen aus 15 weiteren Ländern, darunter Russland, die Türkei, Großbritannien, Deutschland und Griechenland, dem Hungerstreik an. Auch etwa 50 linke Aktivisten und Antifaschisten sowie 20 Familienmitglieder von politischen Gefangenen in der Ukraine beteiligten sich an der Protestaktion.
Die World Socialist Web Site bringt ihre volle Unterstützung für die politischen Gefangenen zum Ausdruck und fordert ihre sofortige Freilassung sowie ein Ende der unmenschlichen Bedingungen, unter denen Gefangene festgehalten werden!
In der Ukraine beteiligten sich Gefangene aus sechs Gefängnissen und Untersuchungshaftanstalten an dem Hungerstreik, darunter in Kiew, Lwow (Lwiw), Winnyzja und der Oblast Dnipropetrowsk in der Ostukraine. Im Untersuchungsgefängnis von Nikolajew in der Südukraine traten neun Gefangene in den Hungerstreik. In dieser Untersuchungshaftanstalt wird auch der ukrainische Trotzkist und Kriegsgegner Bogdan Syrotjuk festgehalten, den ein ukrainisches faschistisches Gericht soeben wegen „Hochverrats“ zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt hat – trotz des vollständigen Fehlens jeglicher Beweise. Ein politischer Gefangener in der Untersuchungshaftanstalt von Mykolajiw, Igor Sawizkyj, wurde Berichten zufolge für seine Teilnahme am Hungerstreik mit der Verlegung in Einzelhaft bestraft. Gegen diese grausame Bestrafung protestierten sofort Dutzende linke Aktivisten.
Zu den Teilnehmern des Streiks gehören auch die Brüder Michail und Alexander Kononowitsch, zwei führende Vertreter des Kommunistischen Jugendverbands der Ukraine (Komsomol), die zu Beginn des Krieges verschleppt und vom ukrainischen Geheimdienst SBU gefoltert wurden, der bekanntermaßen vollständig von neonazistischen Kräften durchsetzt ist. Die Brüder Kononowitsch stehen inzwischen unter Hausarrest.
Die Brüder Kononowitsch (links und rechts) mit einem Plakat, das den Hungerstreik vom 5. August ankündigt [Photo: anti-imperialism.by ]
Mitorganisiert wurde der Hungerstreik von der Vereinigung für die Rechte politischer Gefangener und Menschenrechte – die von den Brüdern Kononowitsch mitbegründet wurde – und der Plattform für internationale Solidarität mit politischen Gefangenen.
Während der Hungerstreik von den pro-NATO-Medien mit ohrenbetäubendem Schweigen übergangen wurde, wirft er ein Licht auf die entsetzlichen Bedingungen im ukrainischen Gefängnissystem. Er bestätigt, dass das rachsüchtige 15-jährige Gefängnisurteil gegen Bogdan Syrotjuk, der dafür gekämpft hat, die russische und ukrainische Arbeiterklasse gegen den Krieg zu vereinen, einem Todesurteil gleichkommt – wie die World Socialist Web Site gewarnt hat.
Eine einzige Frage eines FAZ-Journalisten in Belgrad hat historische Abgründe aufgerissen. Zwischen Kölnisch Wasser, einem Nazi-Großvater und Heinrich Himmlers Posener Rede zeigt sich, wie dünn die Grenze zwischen Realpolitik und Vernichtungsfantasien werden kann.
Am 8. August 2026 sorgte der FAZ-Korrespondent Michael Martens auf einer Pressekonferenz in Belgrad mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und dem serbischen Staatschef Vučić für einen medialen Eklat, als er fragte, was die Europäer konkret tun könnten, um der Ukraine zu helfen, „mehr Russen zu töten“ – und nachschob: „russische Soldaten natürlich“.
Die Formulierung löste scharfe Kritik und historische Vergleiche aus und wurde von Martens selbst auf X und in Interviews verteidigt, indem er sie als notwendige Realpolitik im Krieg gegen Russland darstellte. Die FAZ berichtete über den Besuch, distanzierte sich jedoch nicht von der Aussage ihres Korrespondenten – und bis heute haben auch kritische Medien aus dem konservativen Spektrum den Vorfall weitgehend ausgespart.
Um die ganze Tragweite der Aussage Martens’ zu begreifen, ist es hilfreich, in die tiefsten Abgründe der menschlichen Niederungen abzutauchen – dorthin, wo das ultimative Böse sich Bahn gebrochen hat, hin zu Heinrich Himmler, einem der mächtigsten und brutalsten Funktionäre des nationalsozialistischen Regimes. Und hier speziell zu einer Rede des Reichsführers SS bei der SS-Gruppenführertagung in Posen am 4. Oktober 1943. [Im Link auf Volltext klicken].
Diese sogenannte Posener Rede macht deutlich, in welche Höllen der Mensch sich verlieren kann, wenn niemand mehr da ist, der Widerstand leistet. Himmler schaut hier auf den Russlandfeldzug. Stalingrad ist bereits verloren.
Damit soll nichts gleichgesetzt, sondern allenfalls hilfreich verglichen werden. Aber zuvor noch ein paar Worte, die geeignet sein können, die Massentötungsfantasien des FAZ-Journalisten besser zu verstehen. Und Michael Martens macht es einem hier leicht, weil er selbst umfangreich und immer mal wieder in der FAZ über seinen Seelenzustand referiert hatte. So auch im Oktober 2024, als er zunächst berichtete, sein Großvater sei „der Held meiner Kindheit“ gewesen:
„Nach seinem Tod 1988 hatte ich jahrelang denselben Traum: Er ist gar nicht gestorben, lebt noch immer in Celle, wir hatten nur den Kontakt verloren, nun telefonieren wir und verabreden ein Wiedersehen. Manchmal habe ich diese Träume noch heute. Es sind glückliche Träume, weil ich darin wieder das Kind bin, das außer sowjetischen Atombomben und saurem Regen nichts fürchten muss.“
Als der Großvater starb, war Martens 14 Jahre alt. Von da an begann die Beschäftigung mit seinem Helden der Kindheit noch lange bevor der „Spiegel“ fragte: War dein Opa ein Nazi?
Martens recherchierte, wer Großvater wirklich war: „Später erst lernte ich, dass er Mitglied in der SA und der NSDAP war und 1936 von Hitler zum Staatsanwalt ernannt wurde. Die Ernennungsurkunde mit Hitlers Originalunterschrift haben wir noch, weit unten in einem Stapel mit Familiendokumenten. Von 1941 an war er Offizier im Wehrmachtsführungsstab. Daran erinnert ein Kerzenständer mit den eingravierten Daten seiner Dienstzeit, den er zu seiner Verabschiedung aus dem Stab geschenkt bekam.“
Mehrfach sei Großvater Martens am Mittagstisch mit Hitler gesessen. Opa hat all das aufgeschrieben und dem Enkel hinterlassen. Der Held der Kindheit hatte als Jurist im Krieg Todesurteile für Deserteure gefordert, der Rest soll Routine gewesen sein – auch das hat Martens über Opa erfahren.
Aber was ergibt sich für Martens daraus? Er erklärte es vor knapp zwei Jahren in der FAZ: „Aus den kindlichen Erinnerungen an einen wunderbaren Großvater und diesen späteren Einsichten ergab sich ein innerer Zwiespalt, der sich nicht mehr auflösen lassen wird. Ich habe sozusagen Hitler lebenslänglich bekommen, mitsamt einem unstillbaren Interesse an allem, was die Deutschen der Generation meines Großvaters angerichtet haben.“
Aber die Geschichte von Martens, die er der FAZ erzählt, ist noch aus einer anderen Perspektive interessant. Denn im Wesentlichen geht es darum, dass der Nazi-Enkel der FAZ in Breslau zu einem jüdischen Fest eingeladen wurde und hinfährt. Und als er von dort wiederkommt, endet sein Bericht mit folgender Szene:
„Am nächsten Tag verlasse ich Breslau, bereichert von der eindrucksvollen Zeremonie in der Synagoge, verwirrt von den Gesprächen danach. Wieder zu Hause in Wien entdecke ich zufällig eine Parfümerie, die Kölnisch Wasser führt. Dabei dachte ich, es werde längst nicht mehr hergestellt. Ich kaufe ein Flakon, öffne es gleich vor dem Geschäft und rieche daran. Ich fühle mich jung.“
Da ist das Parfüm des Nazi-Großvaters, an das sich Martens eingangs seines Textes erinnert hatte. Nach der Bar-Mizwa in Breslau in der Synagoge ‚Zum Weißen Storch‘ kehrt Michael Martens also olfaktorisch in den Schoß seiner Familie zurück, da, wo es nach Kölnisch Wasser riecht und der Opa nach dem Mittagstisch mit dem Führer reihenweise Deserteure an die Wand stellen ließ.
Nicht in Breslau, sondern in Belgrad stand nun vor wenigen Tagen der FAZ-Redakteur Michael Martens im klimatisierten Palace of Serbia – ob er dabei nach Kölnisch Wasser duftete, ist nicht überliefert. Dokumentiert ist allerdings, was Martens den ukrainischen Präsidenten fragte. Und diese Frage findet sich trotz massiver Beschwerden auch im Artikel, den Martens aus Belgrad mitbrachte und der von der FAZ auch ohne mit der Wimper zu zucken abgedruckt wurde. Dort schreibt Martens über seine Frage an Selenskyj:
„Die beiden Präsidenten äußerten sich auch zu einer weiteren Frage der F.A.Z. (…) Auf die eigentlich an Selenskyj gerichtete Frage, was die Europäer tun könnten, um die Ukraine dabei zu unterstützen, mehr russische Soldaten zu töten, und ob eine Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik Teil seiner Gespräche in Serbien gewesen sei, antwortete Vučić: „Wir haben über keinerlei militärische Zusammenarbeit gesprochen heute und zum jetzigen Zeitpunkt.““
Und jetzt lässt es sich nicht weiter hinauszögern, sich mit der Posener Rede des Parteigenossen von Martens’ Opa, Heinrich Himmler, zu beschäftigen. Durchaus im Bereich des Möglichen liegt übrigens, dass Opa beim Mittagstisch bei Hitler auch den Reichsführer SS getroffen haben könnte.
Wo können wir helfen, russische Soldaten zu töten?
Himmler in seiner Posener Rede über den Kampf gegen den Russen: „(Beim Russen) macht es nur die Masse, und diese Masse muss eben zertreten und abgestochen, abgeschlachtet werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird und allmählich ausbluten muss. Ohne Zweifel hat der Russe seine Armee noch einmal um 1 Million Menschen verstärkt durch die Übernahme von Hilfskräften, also vor allem von Frauen und Jungens in die Trosse …“
Und Himmler gibt hier in seiner Posener Rede 1:1 die ganz große Vorlage für die Kölnischwasser-Kartentischfantasien des FAZ-Autors, der ein Ende des Krieges sieht, wenn nur genügend Russen verreckt sind. Himmler: „Endlos ist überhaupt nichts auf der Erde, endlos ist auch das Potential der Russen nicht.“
Und die Bestie Himmler wusste sehr wohl, dass es sich leichter tötet, wenn der Gegenüber zur Bestie erklärt wird: „Genau so wahr (ist), dass der Russe, hoch oder niedrig, zu den perversesten Dingen neigt, bis zum Auffressen seines Kameraden und bis zum Aufbewahren der Leber seines Nachbarn in seinem Brotbeutel.“
Und wo es endet, auch darüber machte Himmler in seiner Posener Rede kein großes Gewese: „Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, indem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns großziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird.“
Michael Martens ist selbstverständlich kein zweiter Himmler, der war in allererster Linie Vertreter einer rassenideologischen Vernichtungspolitik, Martens ist Redakteur der FAZ. Aber was genau ist der nach Kölnisch Wasser duftender Martens in dem Moment, wo er den Präsidenten der Ukraine im Kontext der Idee eines Abnutzungskrieges fragt?
„Can you tell us Europeans what can we concretely do to help you to kill more Russians?“ – mit der raschen Ergänzung „more Russian soldiers, of course“. (Können Sie uns Europäern sagen, was wir konkret tun können, um Ihnen zu helfen, mehr Russen zu töten? … natürlich mehr russische Soldaten?)
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Anmerkung von Doris und George Pumphrey:
In seinem Artikel (siehe oben) zitiert Alexander Wallasch Auszüge aus der Rede Himmlersam 4. Oktober 1943.
Siehe Himmlers ganze Rede hier(dort auf Volltext klicken).
Der Text von Himmlers Rede zum Krieg gegen Russland und die Russen sollte heute ins Gedächtnis gerufen werden, nicht um gleichzusetzen, wie Alexander Wallasch schreibt, sondern weil er hilfreich sein kann im Vergleich mit den Aussagen und erklärten Absichten heutiger deutscher anti-russischer Fanatiker in Regierung, Parteien, Medien, und „zivilgesellschaftlichen“ Organisationen und ihrer „Russland-Experten“.
Wenn man Himmlers Rede liest, wird man sich des Ausmaßes des Dankes bewusst, den Deutschland, Europa und die Welt der Roten Armee und Sowjetunion schuldet, für die Befreiung vom Faschismus. Nicht nur der Dank, sogar das Gedenken daran wird in Deutschland inzwischen auch durch Strafandrohung verboten und soll vollständig gecancelt werden.
Währenddessen wurde das faschistische Kiewer Regime mit Waffen und Milliarden im Stellvertreterkrieg gegen Russland unterstützt und zur Vorhut der „westlichen Werte“ gekürt.
Es zeigt sich immer deutlicher was Sergej Lawrow so passendformulierte: „Die Metastasen des Nazismus dringen in der deutschen Gesellschaft unter der Führung von Bundeskanzler Friedrich Merz weiter nach oben.“
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