50.000-60.000 Menschen, vor allem junge Männer und Marokkaner, haben versucht, die spanische Enklave Ceuta zu stürmen, was vorübergehend auch gelungen ist. Die Stadt wurde überschwemmt von Menschen aus Marokko.
Die spanischen Sicherheitskräfte haben keine Schusswaffen eingesetzt, trotzdem starben 67 Menschen, mehr als bei ähnlichen Anstürmen zuvor. Ganz offensichtlich handelte es sich um eine organisierte Aktion, hinter der vermutlich die marokkanische Regierung steckt, möglicherweise angestiftet durch die Trump-Regierung, die ebenso wie rechte europäischen Parteien die Bilder, die an die Flüchtlingsmassen von 2015 erinnern, für ihre Antimigrationspolitik ausschlachteten (dazu siehe auch Ralf Steck: Erneut setzt Marokko seine Bevölkerung in Ceuta zur Erpressung ein).
Es wurden in Marokko nicht nur gezielte Falschmeldungen verbreitet, die Hoffnung auf eine erfolgreiche Einwanderung bei jungen Menschen erweckten, Menschen wurden auch in dicht bepackten Lastwagen Richtung Ceuta gebracht, die Polizei spielte mit oder unterstützte zunächst die Aktion. Das zeigen Videos. Zwar wurden die Zugänge zur Grenze am Donnerstagnachmittag blockiert, aber die Sicherheitskräfte ließen Zehntausende Mole schwimmend und gehend überqueren, die Ceuta von Castillejos trennt. Rabat zieht es vor, nichts zu sagen, nur die marokkanische Botschafterin in Spanien, Karima Benyaich, machte allein „kriminelle Mafiagruppen“ für den Ansturm auf die Grenze von Ceuta verantwortlich. Der spanische Regierungschef Sánchez übernahm diese Interpretation, wohl um eine Verständigung mit Marokko nicht zu verhindern.
Motiviert wurden die Auswanderungswilligen wohl durch die Verbreitung der vermutlich bewusst falsch interpretierten Information, dass der Oberste Gerichtshof Spaniens geurteilt hatte, dass direkte Ausweisungen von aus dem Meer geretteten Flüchtlingen nicht legal seien. Wenn sie über das Meer kommen oder schwimmen, glaubten die Menschen offenbar, sie würden nach Spanien und in die weitere EU gelangen. Entsprechend jubelten sie, als sie nach Ceuta kamen.
Aber Ceuta und Melilla haben aus gutem Grund einen Sonderstatus. Und anstatt weiter reisen zu dürfen, wie sie erwartet hatten, erhielten die Eindringlinge, die oft nur mit einer Hose bekleidet waren und sonst nichts bei sich hatten, weder Essen und Trinken, mussten im Freien und in der Sonne ausharren und erkannten die Vergeblichkeit ihres Tuns. In der Stadt kam es zu Auseinandersetzungen von Bewohnern mit den Migranten.
Im Zuge der neuen Flüchtlingskrise in den spanischen Exklaven Ceuta and Melilla sorgt ein Bericht des US-Parlaments für Aufsehen, denn die USA haben darin ihren Standpunkt zu den Exklaven geändert und bezeichnen sie nun nicht mehr als spanische, sondern als „spanisch verwaltete Städte“.
Die Flüchtlingskrise in den spanischen Exklaven Ceuta and Melilla beherrscht die Schlagzeilen in Deutschland und der EU, wobei die Medien sich fragen, wie es nun zu dieser Situation kommen konnte, in der immer mehr EU-Staaten sogar fordern, Spanien aus dem Schengen-Abkommen über offene Grenzen in der EU auszuschließen, bis es die Lage in den Griff bekommt.
Ich möchte hier auf einen Bericht des US-Parlaments vom 30. April 2026 hinweisen. Der Bericht wurde im Zuge der Planung des US-Haushaltes für 2027 erstellt und sein Thema waren „Nationale Sicherheit, das Außenministerium und verwandte Programme“. Auf Seite 88 finden sich dort über Marokko folgende Hinweise:
„Der Ausschuss setzt seine Unterstützung für Marokko zur Wahrung der nationalen Sicherheitsinteressen der USA fort und stellt im Rahmen von Investitionsprogrammen in die Nationale Sicherheit mindestens 20.000.000 US-Dollar und im Rahmen des Programms zur Finanzierung ausländischen Militärs mindestens 20.000.000 US-Dollar bereit. Der Ausschuss verweist auf das historische Bündnis zwischen den USA und Marokko, das 1786 durch den marokkanisch-amerikanischen Friedens- und Freundschaftsvertrag besiegelt wurde. Der Ausschuss stellt fest, dass die spanisch verwalteten Städte Ceuta und Melilla auf marokkanischem Territorium liegen und weiter Gegenstand langjähriger Ansprüche Marokkos bleiben. Der Ausschuss unterstützt die Bemühungen des Außenministers, den diplomatischen Dialog zwischen Marokko und Spanien über den künftigen Status von Ceuta und Melilla zu fördern.“
Entscheidend ist hier, dass das US-Parlament plötzlich von „spanisch verwalteten“ Städten spricht, während die USA zuvor nie Zweifel daran haben aufkommen lassen, dass sie Spaniens Autorität über die Städte anerkannt haben. Das war also eine wichtige Änderung der US-Position, die zu dem Zeitpunkt natürlich nur Experten und Medien bemerkt haben, die auf das Thema spezialisiert sind.
Als nun im Zuge der aktuellen Flüchtlingskrise die ersten Analysten auf diesen Bericht gestoßen sind, haben die meisten von ihnen geschrieben, dass der Kurswechsel der USA eine Strafe für die spanische Regierung sei, weil sie den USA im Irankrieg die Unterstützung verweigert hat.
Das ist natürlich möglich, aber das dürfte kaum der ursprüngliche Grund sein, denn solche Berichte entstehen nicht spontan, sondern an ihnen wird lange gearbeitet. Und dazu passt, dass die spanische Regierung bei der Trump-Regierung schon letzten Sommer in Ungnade gefallen ist, als Spanien sich beim NATO-Gipfel 2026 offen geweigert hat, 5 Prozent seines BIP in Rüstung und Kriegsvorbereitung zu stecken, worauf die US-Regierung sehr wütend reagiert hat.
Es dürfte also so sein, dass die US-Regierung schon im letzten Jahr entschieden hat, der spanischen Regierung das Leben schwer zu machen, indem sie beispielsweise Marokko im Streit um die Städte Ceuta und Melilla unterstützt. Und vielleicht hat die US-Regierung bei der Gelegenheit noch weitere Ideen entwickelt, mit denen sie der spanischen Regierung das Leben schwer machen will.
Das Bewusstsein für diese Tatsache könnte die künftige russische Politikgestaltung verbessern.
Ivan Timofeev, einer der Programmdirektoren des Valdai-Clubs und Generaldirektor des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten, veröffentlichte Ende Juni einen zum Nachdenken anregenden Beitrag mit dem Titel „Zeitgenössische internationale Politik: Anarchie oder Weltkrieg?“ Er argumentiert, dass die weltweit zunehmende Tendenz zu Konflikten, darunter bedeutende wie der Krieg in der Ukraine und der US-israelische Krieg gegen den Iran, eher ein Zeichen für eine sich verschärfende Anarchie im internationalen System (im Sinne der realistischen Denkschule) sei als für einen Weltkrieg.
Nach Timofeevs Ansicht „weisen bewaffnete Konflikte in verschiedenen Teilen der Welt kaum eine einheitliche Logik des Kampfes zwischen bestimmten Machtzentren auf, wie sie die Weltkriege der Vergangenheit geprägt hat. Die Krise am Persischen Golf steht nur in losem Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt. Beide könnten als Teil der Bemühungen der Vereinigten Staaten dargestellt werden, ihre Hegemonie zu bewahren. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass es Washington an einem einheitlichen Gegner mangelt … Dementsprechend gibt es derzeit keine klaren globalen Koalitionen gegnerischer Seiten.“
Tatsächlich zielt die oben erwähnte Kampagne der USA zur Wahrung ihrer Hegemonie gleichzeitig auf Russland, China und den Iran ab, ganz im Sinne des Grundsatzes des verstorbenen Zbigniew Brzezinski, diese Länder – insbesondere die chinesisch-russischeEntente – daran zu hindern, den Superkontinent zu konsolidieren und die USA anschließend daraus zu verdrängen. Keine dieser drei Mächte ist mit einer anderen verbündet, doch das ist für die einheitliche Logik des Stellvertreterkriegs in der Ukraine, des NATO-ähnlichen AUKUS+, das China einkreist, und des Krieg gegen den Iran irrelevant.
Im weiteren Verlauf führte Timofeev aus: „Ist der aktuelle Konflikt zwischen dem Westen und Russland Teil eines Weltkriegs? Nein – denn es gibt keinen Weltkrieg. Vielmehr stellt er eine langwierige Folge des Endes des Kalten Krieges und des Zusammenbruchs der UdSSR dar. In dieser anhaltenden Konfrontation hat der Westen versucht, das Ergebnis zu seinen Gunsten zu festigen, indem er seine militärische Infrastruktur nach Osten ausdehnte und postsowjetische Staaten in seinen Einflussbereich zog. Die Ukraine war dabei ein zentrales Ziel.“
Wie dem auch sei, die im vergangenen August vorgestellte „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) dient nicht nur diesem vorgeblichen, sondern zugleich dem Zweck eines militärischen Logistikkorridors der NATO nach Zentralasien und bedroht damit gleichzeitig Russland, China und den Iran, während sie die Pläne der USA, diese Länder zu spalten und zu beherrschen, in beispielloser Weise optimiert. Darüber hinaus ist sie nur ein Teil des „Cordon sanitaire“, der sich um Russland herum in der Arktis und im Baltikum durch von Großbritannien geleitete Bemühungen, in Mitteleuropa durch von Polen geleitete Bemühungen und in Nordostasien durch von Japan geleitete Bemühungen herausgebildet hat.
Je mehr sich diese Eindämmungsschlinge zuzieht, desto schwieriger werden die geostrategischen Positionen Russlands, Chinas und des Irans, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie ungleiche Abkommen mit den USA schließen, um einen leichten Druckabbau zu erreichen – auf Kosten der Aufrechterhaltung und möglicherweise sogar der Stärkung der US-Hegemonie. Russland und China sind jedoch Atommächte, sodass der Druck der USA auf diese Länder im Bereich der hybridenKriegsführung bleiben wird – im Gegensatz zu einem direkten konventionellen Krieg gegen sie, wie es der Dritte Golfkrieg gegen den Iran war.
Daher ist die heutige internationale Politik wohl bereits durch einen nicht erklärten Weltkrieg gekennzeichnet, wenn auch einen hybriden. Timofeev beschreibt zu Recht andere Konflikte wie die indisch-pakistanischen Zusammenstöße im Frühjahr 2025 und den fortdauerndenKrieg in Karabach als teilweise durch die sich verschärfende Anarchie des internationalen Systems ausgelöst; dies ändert jedoch nichts daran, dass die eurasienweite Kampagne der USA gegen Russland, China und den Iran de facto ein Weltkrieg ist. Russische Entscheidungsträger sollten daher entsprechend planen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Die regierende liberale Koalition in Warschau glaubt offensichtlich nicht an ihre eigene Rhetorik über einen bevorstehenden russischen Angriff.
Die auf Satellitendaten basierende Einschätzung des französischen Open-Source-Intelligence-Analysten Clément Molin zum polnischen „East Shield“-Programm im Wert von rund 2,5 Milliarden US-Dollar (10 Milliarden PLN) – bei dem es sich um das im Mai 2024 unter der Regierung des liberalen Ministerpräsidenten Donald Tusk angekündigte Programm zur Befestigung der Grenzen handelt – hat große Aufmerksamkeit erregt. Seinem kurzen Bericht auf X zufolge sind sowohl die Kaliningrader als auch die belarussische Flanke unzureichend verteidigt und weisen jeweils eklatante Schwachstellen auf.
Was die erste Flanke betrifft: „Befestigungen gibt es nur in vier Zonen, wobei die größte sich über 2 km erstreckt (bei einer Gesamtlänge der Grenze zu Russland von 210 km). Die Verteidigungsanlagen weisen keine Tiefe auf; wo Bunker oder Schützengräben vorhanden sind, befinden sie sich auf offenem Feld, und der überwiegende Teil der Grenze, einschließlich wichtiger Straßen, ist nach wie vor ungeschützt.“ Was die zweite Flanke betrifft: „Es sind lediglich Barrieren gegen Migranten zu sehen, wobei derzeit nur minimale Verstärkungsmaßnahmen durchgeführt werden. Eine große Schwachstelle ist das Fehlen von Verteidigungslinien, die die strategisch wichtige Suwalki-Lücke abdecken.“
Der polnische Europaabgeordnete Michał Dworczyk, der die neu gespaltene konservative Oppositionspartei „Recht und Gerechtigkeit“ vertritt, die das Land von 2014 bis 2023 regierte, brachte in seinem Beitrag auf X die allgemeine Stimmung der Opposition zum Ausdruck.
Darin hieß es unter anderem: „Es lässt sich jedoch kaum leugnen, dass mehr als zwei Jahre nach der Ankündigung des Projekts ‚East Shield‘ (Mai 2024) und der Erklärung von Ministerpräsident @donaldtusk, dass ein Krieg nur noch eine Frage von Monaten sein könnte, @MON_GOV_PL und @MSWiA_GOV_PL es nicht eilig haben.“
Zum Hintergrund: Tusk schürte in seinem Interview mit der Financial Times Ende April Ängste, dass Russland Artikel 5 bereits in wenigen Monaten auf die Probe stellen könnte, und nicht erst in mehreren Jahren, wie andere behauptet hatten. Später wurde bekannt, dass seine regierende liberale Koalition bereits im Frühjahr, auf dem Höhepunkt des US-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran, heimlich zugestimmt hatte, fünf Patriot-Abfangraketen an die Ukraine zu liefern – obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass diese in den nächsten Jahren knapp werden würden. Diese Entscheidung allein ließ Zweifel an seiner Vorhersage aufkommen.
Während Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz versuchte, diesen Schritt als Schutz Polens vor Russland darzustellen, ist es mittlerweile eine Tatsache, dass „East Shield“ unter seiner Führung so gut wie keine Fortschritte gemacht hat, wodurch sein Land weiterhin einer hypothetischen russischen Invasion aus Kaliningrad und/oder Weißrussland ausgesetzt bleibt. Wie Dworczyk andeutete: Hätte Tusks Regierung wirklich befürchtet, dass so etwas auch nur im Entferntesten im Bereich des Möglichen läge, hätte sie bei „East Shield“ inzwischen weitaus größere Fortschritte erzielt als die wenigen, die sie vorweisen kann.
Diese Beobachtung untermauert die Behauptungen der Zyniker, dass Tusks antirussische Panikmache und die Hexenjagd seines Außenministers Radek Sikorski gegen die „fünfte Kolonne“ in Polen Teil eines Manövers im Vorfeld der nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 sind, um die Polen einzuschüchtern, die Opposition zu diskreditieren und die Macht zu behalten. Dies gilt übrigens nicht nur für Polen, denn Molins kurzer Bericht kam zu dem Schluss, dass auch die „Baltische Verteidigungslinie“ der baltischen Staaten, die zusammen mit „East Shield“ die „EU-Verteidigungslinie“ bildet, beschämend unterentwickelt ist.
Fast ein halbes Jahrzehnt nach dem Ausbruch der groß angelegten Phase des NATO-Stellvertreterkriegs gegen Russland in der Ukraine hat sich herausgestellt, dass vier der Länder, deren Vertreter am lautesten vor einer angeblich bevorstehenden russischen Invasion der NATO gewarnt haben, praktisch nichts unternommen haben, um ihre Grenzen zu verteidigen. Dies zeigt, dass sie selbst nicht wirklich an ihre eigene Rhetorik glauben, die eindeutig von innenpolitischen Motiven getrieben ist und nicht von Erkenntnissen über Russlands Pläne. Das wachsende Bewusstsein für diese Tatsache könnte tiefgreifende Auswirkungen auf Wahlen haben.
Trainieren die US-amerikanischen ICE-Beamten den Umgang mit ihren Opfern gemeinsam mit israelischen Sicherheitsbeamten? Patrick Lawrence […] macht auf diesen Punkt aufmerksam. – In seinem Originaltext braucht er statt der offiziellen Abkürzung IDF „Israeli Defence Force“ für die israelische Armee oft die Abkürzung IOF für „Israeli Occupation Force“, also Israelische Besetzungsarmee. Da dieser IDF-kritische Begriff im deutschen Sprachbereich nicht üblich ist, haben wir ihn in der Übersetzung weggelassen. Den Link zum Originaltext in US-englischer Sprache findet man am Schluss des Textes. (cm)
Es gibt ein Video, das am 25. Mai 2020 aufgenommen wurde und sich mittlerweile in das Gedächtnis der meisten Amerikaner eingebrannt hat. Es zeigt Derek Chauvin, einen Polizeibeamten aus Minneapolis, wie er auf dem Nacken von George Floyd kniet, einem schwarzen Einwohner, der im Verdacht stand, einen gefälschten 20-Dollar-Schein in Umlauf gebracht zu haben, während dieser, Floyd, nach Luft ringt und ruft: „Ich kann nicht atmen, ich kann nicht atmen!“ Floyd starb nach 10 Minuten unter Chauvins Knie an Erstickung. Chauvin, der derzeit eine lange Haftstrafe verbüßt, war zum Zeitpunkt der Tötung von Floyd bereits Gegenstand von 18 Beschwerden wegen strafbaren Fehlverhaltens im Dienst gewesen.
Ist es ein Zufall, dass die brutalste Selbstverteidigungsmethode – Krav Maga – auch aus Israel stammt? Das Bild stammt von einem Krav Maga Trainingskurs.
Es gibt noch eine weitere Sache, an die sich viele Amerikaner im Zusammenhang mit George Floyds Schicksal erinnern. Jahre vor seiner Ermordung absolvierte die Polizei von Minneapolis ein „Wahrnehmungskontroll“-Training bei den israelischen Sicherheitskräften. Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise dafür, dass Derek Chauvin die Technik des Knie-auf-den-Nacken-Drucks vom zionistischen Regime gelernt hat, doch sie ist eine gängige Praxis der israelischen Besatzungstruppen und der israelischen Polizei bei ihren Übergriffen auf die palästinensische Bevölkerung.
Am Freitag, 24. Juli, begann ein New Yorker Gericht mit der Wahl einer Jury für den Prozess gegen Omar Habib, einen Polizisten aus der Bronx, dem vorgeworfen wird, dieselbe Technik – die in New York mittlerweile verboten ist – angewendet zu haben, um einen Anwohner zu bändigen, der vor drei Jahren in betrunkenem Zustand vor einem Festsaal in eine Straßenschlägerei geraten war. So ahmen Polizeibehörden überall in den USA die Praktiken des berüchtigt brutalen israelischen Sicherheitsapparats nach.
Amerikanische Polizeibehörden werden seit vielen Jahren „militarisiert“. Es ist seit langem gängige Praxis, sie mit überschüssiger militärischer Ausrüstung – Artillerie, Sprengstoff für den Kampfeinsatz, Mannschaftstransporter usw. – auszustatten, sodass Polizeieinheiten mehr oder weniger nicht mehr von Armeeeinheiten zu unterscheiden sind. Und es ist seit langem bekannt, dass hochrangige Strafverfolgungsbeamte, Bundesagenten und Polizeichefs in Israel unter der Aufsicht der israelischen Streitkräfte und der israelischen Polizei ausgebildet wurden. Sicherheits- und Überwachungstechnologien, in denen das zionistische Regime sich auszeichnet, werden in amerikanischen Städten und Gemeinden häufig eingesetzt.
Anmerkung: Was die amerikanische Polizei von den Israelis lernt und welche Technologien sie aus Israels Hochtechnologiesektor bezieht, sind Techniken, Vorgehensweisen und Ausrüstung, die das zionistische Regime gegen die Palästinenser im Gaza-Streifen und im Westjordanland einsetzt. Das Ziel ist in beiden Fällen eine totale Kontrolle ohne Rückgriff auf das Gesetz oder irgendetwas, das einem ordentlichen Verfahren ähnelt. Es ist lediglich eine Frage des Ausmaßes.
Eine der Gruben, die ukrainische Regimenter zur Bestrafung von Soldaten benutzen. Foto zur Verfügung gestellt von der Schwester eines vermissten Soldaten des Shkval-Bataillons. Bild: texty
Schon seit einiger Zeit wurde von Misshandlungen, Todesfällen und Folter in ukrainischen Regimenten berichtet. An erster Stelle stand das 425. Sturmregiment „Skala“, das direkt dem Oberkommandierenden Syrsky unterstand ‒ und das größte Angriffsregiment der ukrainischen Streitkräfte ‒ ist, der von Selenskij zögerlich entlassen wurde, nachdem Kritik an der vorhergehenden Entlassung von Fedorov als Verteidigungsminister laut geworden war. Bislang wurde von brutalen Bestrafungen meist nur in der russischen Armee gesprochen.
Im Juni machte Babel.ua auf die Zustände in „Skala“ aufmerksam, das auch Syrsky-Regiment genannt wird. 25-26 Rekruten, also Zwangsmobilisierte, seien dort seit Ende 2025 in den Ausbildungslagern, nicht im Kampfeinsatz, gestorben. Berichtet wurde von Schlägen, Misshandlungen, Einsperren und verspäteter medizinischer Hilfe. Rekruten würden zu Tode geprügelt. So gelang Alexander Semjonow die Flucht aus dem Stützpunkt seines Regiments in ein Krankenhaus in Kropywnyzkyj. Dort wurden schwere Verletzungen am Kopf, gebrochene Fingern, eine Schnittwunde am Rücken und zerkratzte Händen dokumentiert. Es gibt Fotos.
Die meist eingefangenen Rekruten, darunter offenbar viele Drogensüchtige und Alkoholiker, aber auch psychisch Kranke, kamen zuerst in das Verteilungslager, eine große Baracke ohne Fenster, wo sie wie Gefangene eingesperrt wurden. Ihnen wurde das Handy weggenommen, sie mussten sich ausziehen, wurden durchsucht und durch bewaffnete Wärter eingeschüchtert: „Die erste Erfahrung mit dem Toilettengang war ‚unbezahlbar‘ – in Gruppen, unter den Mündungen von Maschinengewehren, mit ‚raffinierten‘ Beleidigungen und harten Tritten, wenn die Formation oder das Erscheinungsbild nicht ausreichend einheitlich waren. Endlose Kniebeugen, Übungen, Planks“ … Damit sie „erkennen, in welcher Situation sie sich befinden“, keine Zeit verschwenden, sondern sich auf die bevorstehende „Mission“ vorbereiten. Auf der Toilette, im Speisesaal – überall mit bewaffneter Eskorte.“
Von dort wurden sie in Ausbildungslager verteilt, wo sie wieder wie Gefangene gehalten wurden und nicht einmal allein auf die Toilette gehen durften. Wenn jemand zu flüchten versuchte, wurde auf ihn geschossen. Einer, der wieder eingefangen wurde, erzählte: „Kurz gesagt: Sie haben uns gefunden. Sie haben uns die Zähne ausgeschlagen und die Rippen gebrochen. Und dieser Wachmann, vor dem ich weggelaufen bin, sagt: ‚Willst du, dass ich an deiner Stelle an die Front gehe, du Schlampe?‘“ Die derart Gequälten und Unterworfenen galten als „disposable“, als Wegwerfware, für die Front. Natürlich haben sich Männer der Tortur und Demütigung auch durch Suizid entzogen.
Babel hat einen weiteren Bericht über die Erfahrungen von vier Soldaten in dem Regiment veröffentlicht.
Nach einer fünftägigen Pause haben amerikanische Kampfflugzeuge am Donnerstagmorgen Ortszeit erneut Ziele im Iran angegriffen. Das stundenlange Bombardement, bei dem laut den iranischen Staatsmedien eine dreiköpfige Familie mit einem zweijährigen Kind auf der Insel Qeschm getötet wurde, wurde von Washington als Vergeltung für Teherans Angriffe auf US-Einrichtungen in Jordanien und Ägypten am Dienstag und Mittwoch dargestellt.
Im Vorfeld der US-Angriffe erklärte Präsident Donald Trump am Mittwoch im Weißen Haus im Stil eines Mafia-Killers, die USA würden „den Iran windelweich prügeln.“ Er fügte hinzu: „Wir werden hart zuschlagen, denn jetzt sind wir an der Reihe. Sie wissen, dass es kommt. Sie haben uns gebeten, es nicht zu tun.“
Die iranische Revolutionsgarde bekannte sich zu den Vergeltungsangriffen, die am Donnerstag gegen Militärstützpunkte in Kuwait, Jordanien und Bahrain – wo US-Militärkräfte stationiert sind – geführt wurden. Washington dementierte iranische Behauptungen, bei dem Angriff in Jordanien seien drei F-35-Kampfjets zerstört und drei weitere beschädigt worden. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist das bürgerlich-klerikale Regime in Teheran eindeutig weiterhin in der Lage, US-Stützpunkte in der gesamten Region anzugreifen. Es behält zudem die Kontrolle über die wichtige Straße von Hormus, auf die vor dem Krieg etwa ein Fünftel des weltweiten Öltransports per Tanker entfiel.
Trump ordnete letzten Freitag eine Pause in den seit dreizehn Nächten andauernden US-Luftangriffen an – vor dem Hintergrund schwindender US-Munitionsbestände, insbesondere bei den Raketenabwehrsystemen. Doch die letzten Tage haben gezeigt, dass der US-Imperialismus und seine Verbündeten den Krieg weiterhin systematisch eskalieren. Am letzten Samstag attackierte die Ukraine erstmals ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer, wobei ein iranischer Seemann getötet wurde. Der Vorfall zeigt, wie der US/NATO-Krieg gegen Russland und der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran rasch zu einem globalen Flächenbrand verschmelzen.
Die US-Angriffe auf den Iran erfolgten kurz nach dem ersten öffentlich angekündigten koordinierten Angriff Saudi-Arabiens und der USA auf die mit dem Iran verbündeten Milizen im Irak. Riads zunehmende Aggression folgt auf die Warnung der Huthi im Jemen Anfang letzten Monats, sie würden die Straße von Bab al-Mandab im Roten Meer blockieren, was ein erhebliches Risiko für die saudischen Energieexporte darstellt.
Die Volksmobilisierungskräfte, schiitische Milizen, die in die Sicherheitskräfte des Landes eingebunden wurden, meldeten zwanzig Todesopfer und über dreißig Verwundete infolge der Angriffe. Die Gruppe veröffentlichte eine Erklärung, in der sie die saudisch-amerikanischen Angriffe als „gefährliche Eskalation, Verstoß gegen die Souveränität des Irak und Angriff auf seine offiziellen Sicherheitsbehörden“ verurteilte.
Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer markiert eine neue Stufe in der Verschmelzung des NATO-Kriegs gegen Russland mit dem US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran. Er bestätigt David Norths Warnung in seiner Rede am 1. Mai 2026: „Ein Weltkrieg ist keine zukünftige Bedrohung, sondern eine Realität, die sich bereits entfaltet.“
Der Weltkrieg entsteht nicht durch eine einzelne Erklärung. Er entfaltet sich als Prozess: durch die Verknüpfung regionaler Kriege, Stellvertreteroperationen, Sanktionen, Blockaden, Marineeinsätze und Langstreckenangriffe. Die Intervention der Ukraine gegen ein iranisches Ziel bringt diesen Prozess scharf zum Ausdruck.
Der ukrainische Langstrecken-Drohnenangriff tötete einen Matrosen und verletzte einen weiteren. Er richtete sich gegen das iranische Schiff Ana im Kaspischen Meer – einem Gewässer, an das Russland, Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan grenzen, nicht aber die Ukraine. Kiew behauptete, das Schiff habe Drohnen und Raketen nach Russland transportiert. Teheran verurteilte den Angriff als Aggression gegen ein Handelsschiff.
Der Angriff entlarvt die offizielle Propaganda über den Ukrainekrieg als Betrug. Seit Jahren wird der Krieg von den imperialistischen Mächten und ihren Medien als rein defensiver Kampf der Ukraine gegen eine „unprovozierte“ russische Invasion dargestellt. Diese Lüge wird vor allem in Deutschland benutzt, um die größte Aufrüstung seit Hitler und eine erneute Militäroffensive gegen Russland zu rechtfertigen.
Die Invasion der Ukraine durch den Kreml im Jahr 2022 war reaktionär. Sie war die Antwort eines kapitalistischen Oligarchenregimes auf die unerbittliche Einkreisung und Provokation Russlands durch die NATO. Sie spaltete die russischen und ukrainischen Arbeiter, stärkte die NATO und lieferte den imperialistischen Mächten einen Vorwand zur Eskalation. Aber sie war weder „unprovoziert“, noch ändert sie den Charakter des Kriegs, der nun von der NATO durch ihre ukrainische Marionette geführt wird.
Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Schiff macht dies unmissverständlich deutlich. Ein Krieg, der angeblich zur Verteidigung der ukrainischen Souveränität geführt wird, hat einen ukrainischen Angriff auf ein iranisches Schiff weit entfernt von den Grenzen der Ukraine hervorgebracht – genau in dem Moment, in dem die Vereinigten Staaten und Israel einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran führen.
Die Kriegsfronten sind nicht voneinander getrennt. Sie werden bewusst miteinander verbunden. Die Ukraine ist nicht mehr nur der Stellvertreter der NATO gegen Russland; sie wird zu einer Hilfstruppe in der umfassenderen imperialistischen Offensive gegen den Iran und alle Staaten, die als Hindernisse für die Vorherrschaft der USA und Europas über Eurasien betrachtet werden.
Pakistans Balanceakt zwischen China und den USA, der ohnehin schon stark zugunsten der USA ausfällt, geriete in Gefahr, sollte ein Bericht zutreffen, wonach China plant, MANPADS an den Iran zu liefern
Reuters berichtete, dass „der Iran voraussichtlich innerhalb weniger Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten wird“, die angeblich über Pakistan verschickt werden sollen. China und Pakistan haben den Bericht erwartungsgemäß dementiert, und Trump hatet zuvor behauptet, dass „Präsident Xi mir bei unserem jüngsten Treffen in Peking, China, gesagt hat, dass er unter keinen Umständen Waffen an die Islamische Republik Iran liefern oder verkaufen würde – und diese Aussage bezog sich auch auf chinesische Unternehmen.“
Sollte der Bericht jedoch zutreffen, wäre Pakistan in einer Zwickmühle. Reuters berichtete kürzlich, dass Pakistan ein Rettungspaket in Höhe von mehreren Milliarden Dollar von den USA anstrebt, was die Vermittlungsbemühungen zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Licht erscheinen lässt: Sie sind nun eher als Versuch zu sehen, das besagte Rettungspaket zu erhalten, statt als selbstloser diplomatischer Dienst für den regionalen Frieden. Für diejenigen Leser, die es nicht wissen: Pakistan praktiziert seit Jahrzehnten einen Balanceakt zwischen China und den USA, neigt jedoch seit dem postmodernen Putsch im April 2022 deutlich stärker zu den USA.
In den vergangenen fast fünf Jahren kam es zu einer Reduzierung des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), dem Vorzeigeprojekt der Belt & Road Initiative (BRI), sowie zu einer Verlangsamung der Projektumsetzung. Parallel dazu hat Pakistan unter Trump 2.0 eine rasche Annäherung an die USA vollzogen, was dazu führen könnte, dass die USA Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan unterstützen – im Gegenzug dafür, dass Pakistan die Rückkehr der US-Militärpräsenz auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram, wie von Trump gewünscht, und/oder nach Zentralasien erleichtert.
Kürzlich wurde berichtet: „Lawrow warnte, dass westliche Waffen und Munition von der Ukraine an ISIS-K in Afghanistan geliefert werden“, die realistisch gesehen nur über Pakistan ins Land gelangen könnten. Dies wiederum untermauert die hier bereits im Frühjahr geäußerte Einschätzung hinsichtlich der latenten Bedrohungswahrnehmung Russlands gegenüber Pakistan. Der Grund für die Erwähnung all dieser Punkte liegt darin, zu unterstreichen, wie eng Pakistan heutzutage mit den USA verbunden ist – weitaus enger als mit China –, da alles, was gerade beschrieben wurde, die Agenda der USA vorantreibt.
Gleichzeitig bleibt China ein wichtiger Handels- und Investitionspartner und teilt Pakistans Bedrohungsanalyse in Bezug auf Indien. Wichtig ist, dass China den überwiegenden Teil der militärtechnischen Ausrüstung Pakistans liefert, obwohl Pakistan den Status eines „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ hat; laut einem Bericht des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) belief sich dieser Anteil im Zeitraum 2021–2025 auf satte 80 Prozent der pakistanischen Importe. Pakistan wäre daher kaum in der Lage, eine chinesische Anfrage zur Nutzung seines Hoheitsgebiets für den Versand von MANPADS (Man-Portable Air-Defence Systeme) in den Iran abzulehnen.
Seine Annäherung an die USA könnte augenblicklich zunichte gemacht werden, sollte sich herausstellen, dass Pakistan eine Rolle bei Chinas angeblichen Plänen gespielt hat, dem Iran dabei zu helfen, amerikanische Piloten zu töten – sei es auch nur zur Selbstverteidigung –, insbesondere wenn tatsächlich welche durch eben diese MANPADS getötet würden. Pakistan könnte zudem mit Strafzöllen seitens der USA bestraft werden, die sein wichtigster Exportmarkt sind, was die sozioökonomischen Probleme im eigenen Land möglicherweise verschärfen würde. Auch sein traditioneller Balanceakt zwischen China und den USA würde zusammenbrechen, was wahrscheinlich dazu führen würde, dass sich die USA entschieden Indien zuwenden.
Aus diesen Gründen wäre Pakistan sicherlich in einer Zwickmühle, sollte der Bericht über Chinas Pläne, MANPADS über sein Territorium an den Iran zu liefern, wahr sein, da es gezwungen wäre, sich zwischen seinen Schutzmächten zu entscheiden. Angesichts der Tatsache, wie eng Pakistan inzwischen mit den USA verbunden ist, würde das Land jedoch eine solche Bitte Chinas wahrscheinlich ablehnen. Ob China Pakistan daraufhin bestrafen würde, ist ungewiss, aber die USA würden dies mit Sicherheit tun, sollte Pakistan China dabei unterstützen, dem Iran bei der Tötung US-amerikanischer Piloten zu helfen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Roger Waters, einer der Gründungsmitglieder der britischen Rockband Pink Floyd, hat zusammen mit der palästinensischen Sängerin Mona Miari eine neue neunminütige Version des bekannten Pink-Floyd-Songs „Comfortably Numb“ aufgenommen. Es ist eine starke Neuinterpretation eines klassischen Rock-Klageliedes in Form einer Anklage gegen den Völkermord im Gazastreifen und eines Plädoyers für internationale Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung.
Roger Waters und Mona Miari
Mehrere neue englische und arabische Verse verändern den ursprünglichen satirischen Refrain der Resignation „I have become comfortably numb“ zu dem Schwur „I will never become comfortably numb / لن أسمحَ أن أُصبحَ مُخدَّرًا ومرتاح.“ Die neue Version endet mit der Aussage „Palestine must be free… with equal rights, for everyone, from the river to the sea.“
„Comfortably Numb Re-Imagined“ wurde am 12. Juni veröffentlicht, als Interpreten werden Waters und Miari genannt. Der Song ist um Piano, Streich- und Schlaginstrumente und mehrschichtigen Gesang arrangiert. Waters und Miari erklären ausdrücklich, das Projekt sei eine Antwort auf den „anhaltenden Völkermord im Gazastreifen“.
Die Veröffentlichung geht zudem mit einer Spendensammlung für den Palestine Children’s Relief Fund einher und steht in Verbindung mit einem Netzwerk von Gruppen, die Projekte für politische Bildung, Graswurzelorganisation und unabhängige Medien betreiben, bei denen Palästina im Mittelpunkt steht.
Das Musikvideo zeigt abwechselnd Aufnahmen von Waters und Miari im Studio in New York und Schwarzweißaufnahmen des palästinensischen Fotografen Suhail Nassar und seines Teams von den Trümmern im Gazastreifen. Es stellt das Bildmaterial des Projekts als etwas dar, das denjenigen gehört, die den Krieg durchgemacht haben.
Für Miari, die unter israelischer Besatzung aufwuchs, ist die Zusammenarbeit einen Akt des Erzählens. Sie erklärt: „Ich bin mein Volk, ich erzähle meine Geschichte.“ Waters beschrieb die Komposition als „organische“ Korrespondenz zwischen „einem alten Typen in New York City“ und einer palästinensischen Künstlerin auf der anderen Seite des Ozeans.
Waters erklärte die Abweichung von der bekanntesten Zeile des Originals eine Botschaft der bewussten Verweigerung gegenüber dem Druck, sich angesichts der Gräueltaten, die an den Palästinensern verübt werden, herauszuhalten, auf politische Aussagen zu verzichten und sich in Taubheit zurückzuziehen.
Ausschnitt aus dem Musikvideo
In einem Interview mit Wired erklärt Waters, er hoffe darauf, dass seine Hörer schließlich erkennen werden, dass „es ein Richtig und ein Falsch gibt. Das ist nicht kompliziert und dieser Song steht auf der richtigen Seite der Geschichte“. Er verbindet die Weigerung, passiv zu sein, mit moralischer Klarheit und politischem Bewusstsein.