Deutschland bestellt russischen Botschafter ein und eskaliert Konfrontation mit Moskau

Von Johannes Stern – 22. April 2026

Die Bundesregierung hat am Montag den russischen Botschafter in Berlin einbestellt und damit die Konfrontation mit Moskau auf eine neue Stufe gehoben. Offiziell begründete das Auswärtige Amt diesen Schritt mit angeblichen „direkten Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland“, um „unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen“. Die Antwort Berlins sei „klar“. Man lasse sich „nicht einschüchtern“.

Berichten zufolge hatte das russische Verteidigungsministerium in der vergangenen Woche Adressen von in Deutschland ansässigen Rüstungsfirmen veröffentlicht. Dies war eine Reaktion auf die Ankündigung der Bundesregierung, neue Drohnen und weitreichende Waffen an die Ukraine zu liefern bzw. diese dort in Kooperation mit deutschen Rüstungsunternehmen produzieren zu lassen.

Mit anderen Worten: die Bundesregierung reagiert auf russische Warnungen, bei den von Deutschland forcierten ukrainischen Angriffen auf russisches Territorium, möglicherweise militärische Einrichtungen in Deutschland ins Visier zu nehmen, mit einer weiteren Eskalation. Die Einbestellung des russischen Botschafters zielt darauf ab, die ohnehin schwer beschädigten Beziehungen weiter zu zerschlagen und den Übergang zu einer offenen militärischen Konfrontation vorzubereiten.

Die Einbestellung des Botschafters gehört zu den schärferen Mitteln der Diplomatie. In einer Situation, in der Deutschland bereits eine zentrale Rolle im NATO-Stellvertreterkrieg gegen Russland in der Ukraine spielt, sind sie ein politisches Signal von erheblicher Tragweite. Sie stehen nicht für „Dialog“, sondern für dessen systematische Aufkündigung. Die Einbestellung ist der Vorbote weiterer Schritte – bis hin zum vollständigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Man muss es klar aussprechen: 85 Jahre nach dem Überfall des NS-Regimes auf die Sowjetunion befindet sich Deutschland de facto erneut im Krieg gegen Russland. Diese Entwicklung hat nicht mit der Verteidigung von „Freiheit“ und „Demokratie“ gegen einen „russischen Aggressor“ zu tun, wie es die offizielle Propaganda glauben machen will. Sie ist das Ergebnis einer langfristig verfolgten Politik der herrschenden Klasse, die ihre imperialistischen Interessen mit wachsender Aggressivität durchsetzt.

[Hier weiterlesen]

USA beschlagnahmen iranischen Tanker im Arabischen Meer

Von Andre Damon – 22. April 2026

Das iranische Schiff „Tousca“ in der Straße von Hormus, Blick vom amphibischen Angriffsschiff „USS Tripoli“ vor Beschuss und Beschlagnahme [Photo: US Central Command]

Die Beschlagnahmung – ein Akt internationaler Piraterie und nach internationalem Recht völlig illegal – markiert eine neue Eskalation im seit 52 Tagen andauernden amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. Sie erfolgt zwei Tage vor dem geplanten Ablauf eines nominellen Waffenstillstands zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran.

Das Schiff, die M/V Touska, war auf dem Weg nach Bandar Abbas. In den sechs Wochen vor der Beschlagnahmung hatte es zweimal in Zhuhai im Süden Chinas angelegt.

In einem Bericht vom Montag identifizierte das Wall Street Journal die Touska als Teil einer Flotte, die von einer Tochtergesellschaft der Islamic Republic of Iran Shipping Lines betrieben wird und „häufig nach China fährt, einem der wichtigsten Unterstützer Teherans“.

Die Touska unterliegt seit 2018 Sanktionen des US-Finanzministeriums. Das US-Militär hat keine Angaben zur Ladung gemacht. Die Durchsuchung des 294 Meter langen Schiffes folgt, nachdem Schlepper es ins Hafenbecken gebracht haben.

Die Beschlagnahmung setzt ein Muster von US-Angriffen auf russische und chinesische Schiffe fort, das mit der amerikanischen Militäraktion gegen Venezuela begann. US-Präsident Donald Trump ordnete am 17. Dezember letzten Jahres eine Blockade der venezolanischen Ölexporte an. Dies ging einher mit einer Reihe von Raketenangriffen auf kleine Boote in der Karibik und im Pazifik, bei denen mindestens 181 Menschen ums Leben kamen und die Human Rights Watch als außergerichtliche Tötungen bezeichnet hat. Seit Dezember hat die US-Marine mindestens 10 Tanker mit venezolanischem Rohöl geentert und beschlagnahmt.

[Hier weiterlesen]

Was der „Spiegel“ alles über die Einberufung des russischen Botschafters verschweigt

Von Thomas Röper – 21. April 2026

Am Dienstag hat das Außenministerium den russischen Botschafter einberufen. In seinem Artikel darüber verschweigt der Spiegel, worum es dabei tatsächlich geht. Die deutsche Öffentlichkeit soll von der Kriegsgefahr, die die Bundesregierung und die EU provozieren, nichts erfahren.

Es ist schockierend, wie konsequent deutsche Medien wie der Spiegel die Kriegsgefahr verschweigen, die die EU und ihre Mitgliedsstaaten provozieren, denn dabei spielt die Bundesregierung inzwischen eine führende Rolle. Schauen wir uns am Beispiel des Spiegel an, was der deutschen Öffentlichkeit alles verschwiegen wird.

Propaganda durch Verschweigen

Der Spiegel berichtet unter der Überschrift „Konflikt mit Moskau – Auswärtiges Amt bestellt russischen Botschafter ein“ und in der Einleitung des Artikels erfährt der Spiegel-Leser:

„Wegen »Drohungen gegen Ziele in Deutschland« muss der russische Botschafter zum Rapport. Nach SPIEGEL-Informationen ist eine vor wenigen Tagen in Moskau veröffentlichte Liste der Grund für die Einbestellung.“

Leser des Anti-Spiegel wissen, worum es dabei tatsächlich geht, denn ich habe letzte Woche über die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums berichtet, die Details dazu finden Sie hier. Bei seinem Berlinbesuch haben der ukrainische Machthaber Selensky und Kanzler Merz letzte Woche eine strategische Zusammenarbeit verkündet, in der unter anderem die Produktion ukrainischer Drohnen für Langstreckenangriffe auf Russland durch ukrainische Firmen an Standorten in Deutschland beschlossen wurde.

Das ist völkerrechtlich eine eindeutige Kriegsbeteiligung Deutschlands, weil Deutschland sich damit als sicheres Hinterland für die Produktion ukrainischer Waffen zur Verfügung stellt. Es ist völkerrechtlich nämlich das Eine, dass Deutschland der Ukraine Waffen liefert, aber es ist etwas ganz anderes, ukrainischen Rüstungsunternehmen Schutz zu bieten, indem man ihnen Produktionsstandorte in Deutschland zur Verfügung stellt.

Darauf hat das russische Verteidigungsministerium in seiner Erklärung in aller Deutlichkeit hingewiesen und auch 21 Standorte im Ausland genannt, an denen ukrainische Rüstungsunternehmen Waffen für Angriffe auf Russland produzieren. Die meisten dieser Standorte liegen in der EU, drei davon in Deutschland.

Danach haben russische Offizielle die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums unterstützt. Sowohl Dmitri Medwedew, der stellvertretende Chef des russischen Nationalen Sicherheitsrates, als auch dessen Chef Sergej Schoigu haben darauf hingewiesen, dass das in der UN-Charta verbriefte Recht auf Selbstverteidigung Angriffe auf Staaten einschließt, die sich am Krieg gegen Russland beteiligen, indem sie ukrainischen Firmen Produktionsstandorte zur Verfügung stellen, die sicher vor russischen Angriffen sind, oder indem sie der Ukraine erlauben, ihren Luftraum für Angriffe mit Langstreckendrohnen auf Ziele in Russland zu nutzen, was Polen, die drei Baltenstaaten und Finnland tun.

[Hier weiterlesen]

Analyse der Pläne von „Trump 2.0“ für „Groß-Nordamerika“

Von Andrew Korybko – 21. April 2026

Die USA stellen ihre unipolare Vorherrschaft über die Hemisphäre wieder her, beginnend mit ihrem „Viertel der Hemisphäre“, da es keine Kontrollmechanismen gibt.

US-Kriegsminister Pete Hegseth sprach Anfang März über „Groß-Nordamerika“, das „jede souveräne Nation und jedes Territorium nördlich des Äquators, von Grönland bis Ecuador und von Alaska bis Guyana“ umfasst. Er fügte hinzu: „Es ist unser unmittelbarer Sicherheitsbereich in dieser großen Nachbarschaft, in der wir alle leben. Jedes dieser Länder grenzt entweder an den Nordatlantik oder an den Nordpazifik.“ Dieses Konzept ist eigentlich durchaus sinnvoll, aber es ist auch verständlich, warum es bei einigen innerhalb dieses Raums Ängste hervorruft.

Die russische Schule des Multipolarismus lehrt, dass Groß- und Regionalmächte, insbesondere Zivilisationsstaaten (diejenigen, die über die Jahrhunderte hinweg bleibende soziopolitische Spuren bei anderen hinterlassen haben), die Hauptrolle im globalen systemischen Wandel spielen. Sie verfügen zudem über Einflusssphären, die sich manchmal mit ihrem zivilisatorischen Fußabdruck überschneiden und in denen sie am empfindlichsten auf Sicherheitsbedrohungen reagieren. Russlands Einflussbereich ist der ehemalige sowjetische Raum („Nahes Ausland“), Indiens ist ganz Südasien und der der USA ist „Groß-Nordamerika“ usw.

Das ist natürlich, aber es ist auch natürlich, dass einige innerhalb dieser Einflussbereiche Angst davor haben, dass diese führenden Länder eine größere Rolle in ihren Regionen spielen, was sowohl auf historische als auch auf aktuelle politische Gründe zurückzuführen ist, die manchmal auch von Demagogen und Dritten ausgenutzt werden. Um auf die früheren Beispiele zurückzukommen: Die Balten hassen Russland, Pakistan empfindet dasselbe gegenüber Indien (und Bangladesch tritt in dessen Fußstapfen), und ebenso empfinden viele Mexikaner und Latinos gegenüber den USA.

Russland kann die von den baltischen Staaten ausgehenden Bedrohungen aufgrund der NATO-Mitgliedschaft dieser Länder nicht direkt beseitigen, und Indien kann die von Pakistan ausgehenden Bedrohungen aufgrund von dessen Nuklearstatus nicht vollständig beseitigen, aber die USA können das beseitigen, was ihre Führung als Bedrohungen für ihre Sicherheit im „Viertelkreis“ wahrnimmt oder auch nur einfach als solche behauptet. Es spielt keine Rolle, ob man den Einschätzungen der USA zustimmt oder nicht, denn der Punkt ist, dass keines der Länder des „Großraums Nordamerika“ über Atomwaffen oder gegenseitige Verteidigungsabkommen mit atomar bewaffneten Ländern verfügt.

Diese Verwundbarkeit, die realistisch gesehen nicht behoben werden kann, ermutigt Trump 2.0 dazu, die Geopolitik von „Großnordamerika“ einseitig zu seinen Gunsten umzugestalten, wie seine kühne [sowie vor allem illegale und völkerrechtswidrige; die Red,] Gefangennahme von Präsident Maduro und die de facto (aber nicht streng durchgesetzte [und ebenso völkerrechtswidrige; die Red.] Blockade Kubas zum Zwecke der „Regimeanpassung“ beweisen. Möglicherweise wird Washington bald auch Mexiko wieder stärker unterwerfen, obwohl noch unklar ist, welche Mittel genau zu diesem Zweck eingesetzt werden könnten. Der Punkt ist, dass die einzigen Beschränkungen für das Verhalten der USA diejenigen sind, die sie sich selbst auferlegen.

Der Demonstrationseffekt der Entführung und Gefangennahme Maduros und der De-facto-Blockade Kubas könnte daher dazu führen, dass sich mehr Länder den USA anschließen, anstatt ein Gegengewicht zu ihnen zu bilden und so den den Zorn der Trump-Adminisreation zu riskieren. In diesem Szenario würde der Einfluss von Ländern außerhalb der Hemisphäre wie China und Russland auf ein absolutes Minimum reduziert, während eine engere Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Bedrohungen durch illegale Einwanderung und Kartelle wahrscheinlich wäre. Das Endergebnis wäre eine Stärkung der „Festung Amerika“ als nahezu exklusiver Einflusssphäre der USA.

Um auf die Einleitung zurückzukommen: Aus der Perspektive der Herrschenden in Washington ist dies durchaus plausibel, unabhängig davon, wie man dazu steht, und es ist verständlich, warum dies auch bei einigen in diesem Umfeld Ängste hervorruft. Die USA stellen ihre unipolare Hegemonie über die Hemisphäre wieder her, beginnend mit ihrem „Viertel der Hemisphäre“, da es keine Kontrollmechanismen gibt. Russland, Indien und ähnliche Mächte haben Mühe, dasselbe in ihren eigenen Einflusssphären zu tun, nicht zuletzt, weil die USA ihre Gegner zu Zwecken der Eindämmung als Waffen einsetzen.

https://korybko.substack.com/p/analyzing-trump-20s-plans-for-greater

Weißes Haus schickt Delegation mit Kriegsultimatum nach Kuba

Von Andrea Lobo – 21. April 2026

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel bei einer Rede anlässlich einer Gedenkfeier zur Invasion in der Schweinebucht 1961, 17. April 2026 [Photo: @Presidencia Cuba]

Nachdem mehrere Medien berichtet hatten, das Pentagon beschleunige auf Befehl der Trump-Regierung seine Vorbereitungen für eine Militäraktion gegen Kuba, hat das Weiße Haus erstmals seit 2016 eine hochrangige Delegation auf die Insel geschickt.

Während der frühere Besuch unter Führung von Barack Obama im Rahmen einer vorübergehenden Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen stattfand, trägt das Vorgehen der jüngsten Delegation alle Merkmale eines Ultimatums, das einer Aggression vorausgeht.

Die Delegation traf am 10. April an Bord einer US-Regierungsmaschine in Havanna ein und legte der kubanischen Regierung eine Reihe umfassender Forderungen vor. Dazu gehören eine zweiwöchige Frist zur Freilassung prominenter politischer Gefangener, die Umsetzung umfassender Marktreformen, die Ausweitung der Privatwirtschaft und die Anwerbung von Investitionen aus dem Ausland.

Diese Forderungen wurden laut US-Regierungsvertretern während eines „Geheimtreffens“ unterbreitet. Gleichzeitig wurde die Entschädigung für amerikanische Konzerne und Einzelpersonen gefordert, deren Vermögen nach der Revolution von 1959 verstaatlicht worden waren.

Washington bestand zudem auf „größeren politischen Freiheiten“, die in sogenannten „freien und fairen Wahlen“ gipfeln sollten – ein bekannter Vorwand für Regimewechsel-Operationen weltweit.

Diese Gespräche waren alles andere als wirkliche Diplomatie. Vielmehr erinnern sie an das Vorgehen des US-Imperialismus im Vorfeld von Militärinterventionen in Ländern wie dem Iran und Venezuela: Man erklärt die Regierung für nicht-kooperativ, und daraufhin folgt die Behauptung, alle friedlichen Mittel seien ausgeschöpft.

[Hier weiterlesen]

52./53. Tag im Angriffskrieg Israels und der USA gegen den Iran – Tagesbericht

Von Jochen Mitschka – 21. April 2026

Der vorgestrige Tag war erfüllt mit Drohungen der USA und Israel gegen den Iran und mit Waffenstillstandsverstößen bzw. Zerstörungen von Dörfern durch die IDF im Süden des Libanon. Am Abend schließlich verkündete der Iran nicht an nächsten Gesprächen mit den USA teilnehmen zu wollen, solange durch die Blockade der iranischen Häfen gegen den Waffenstillstand verstoßen wird, und dass auch die Straße von Hormus so lange gesperrt bleiben wird. Was in der Nacht und am 20. und 21. April im Nahen Osten in dieser Krise passierte nun in diesem Artikel.

Gestern, am Montag, dem 20. April 2026, und heute, am Dienstag, dem 21. April 2026, blieb der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon (sowie die Spannungen mit dem Iran) im Rahmen eines fragilen Waffenstillstands, der seit dem 16./17. April gilt und bis zum 22. April laufen soll. Es gab keine großflächigen neuen Angriffe, aber anhaltende militärische Aktivitäten Israels im Südlibanon und diplomatische sowie maritime Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran. Der Fokus lag auf der Eroberung , israelischer Positionen im Libanon und auf Vorbereitungen für weitere Verhandlungen.

Ebenfalls gestern veröffentlichte die israelische Armee (IDF) eine Karte ihrer neuen „Forward Defence Line“ (auch „Yellow Line“ genannt) im Südlibanon und warnte die Bewohner ausdrücklich, nicht in die betroffenen Gebiete zurückzukehren. Ähnlich wie in Gaza droht Israel jeden zu erschießen, der die gelbe Linie überschreitet. Damit hält die IDF weiterhin Positionen bis zu sechs Kilometer tief im libanesischen Territorium und zerstört systematisch Viertel in Grenzdörfern, um die Rückkehr der Bewohner unmöglich zu machen, wie schon in der Nabka 1948 praktiz9iert. In Bint Jbeil im Südlibanon meldete die IDF den Tod mehrerer „Terroristen“. Die Hisbollah wiederum zündete einen Sprengsatz gegen einen israelischen Militärkonvoi nahe Deir Siriane. Trotz des Waffenstillstands bezeichnete Israel diese Aktionen als „Selbstverteidigung gegen Bedrohungen„.

Gleichzeitig bestätigten die USA gestern eine zweite Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon, die für Donnerstag (23./24. April 2026) im US-Außenministerium in Washington geplant sind. Der libanesische Präsident Joseph Aoun ernannte den ehemaligen Botschafter Simon Karam als Verhandlungsführer und erklärte in einer Fernsehansprache: „Diese Verhandlungen sind keine Schwäche. Sie sind kein Rückzug. Sie sind kein Zugeständnis. Sie sind eine Entscheidung, die aus der Stärke unseres Glaubens an unsere Rechte und unserer Sorge um unser Volk erwächst.“ Die Hisbollah lehnte die Gespräche hingegen ab. Das US-Außenministerium begrüßte die Fortsetzung: „Die Vereinigten Staaten begrüßen den produktiven Dialog, der am 14. April begann. Wir werden weiterhin direkte und in gutem Glauben geführte Gespräche zwischen den beiden Regierungen fördern.“ Kritiker bezeichnen die Verhandlungen als drohende Spaltung des Landes und Aufgabe des Südens durch die Zentralregierung zur Besatzung und späteren Annexion durch Israel und erinnern an die schleichende Annexion Palästinas nach so genannten „Friedensverhandlungen“.

[Hier weiterlesen]

Wie bedeutsam war Bulgariens Wahlentscheidung?

Von Andrew Korybko – 21. April 2026

Wer mit nennenswerten – außen und innenpolitisch – Veränderungen in Bulgarien rechnet, der dürfte enttäuscht werden. Doch symbolisch gleicht der Sieg des russlandfreundlichen Rumen Radev die Niederlage Orbáns aus.

Die Koalition „Progressives Bulgarien“ des ehemaligen bulgarischen Präsidenten Rumen Radev haben bei den jüngsten Parlamentswahlen am Sonntag, den achten in den letzten fünf Jahren, mit sensationellen 44,7 Prozent der Stimmen einen Erdrutschsieg errungen.

Dies ist auf das Verhältniswahlrecht zurückzuführen, da kleinere Parteien die 4-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament nicht überwinden konnten. Die beiden nächstplatzierten Parteien erhielten nur 13,4 Prozent bzw. 13,2 Prozent.

Radev und seine Koalition „Progressives Bulgarien“ stehen, anders als der Name vermuten lässt, für einen Sozialkonservatismus ähnlich dem von Robert Fico in der Slowakei. Manche glauben, dass die Rückkehr des russlandfreundlichen Radev ein Schlag gegen die anti-russische und pro-ukrainische Linie der EU gewesen wäre, weil er einen pragmatischeren Kurs vertritt. Eine Niederlage hätte diese Politik hingegen gestärkt. Doch Radev wird es schwer haben. Der amtierende Ministerpräsident hat kurz vor den Wahlen ein umstrittenes zehnjähriges Militärabkommen mit der Ukraine durchgepaukt hatte, das Radevs außenpolitischen Spielraum deutlich einschränken könnte.

Trotzdem stellt seine Rückkehr an die Macht eine symbolische Niederlage für die EU dar – genauso wie die Niederlage des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bei den jüngsten Wahlen eine symbolische Niederlage für Russland war. Ähnlich wie manche russische Experten die Folgen von Orbáns Abwahl für Russland herunterspielen, wird man wohl auch in Brüssel versuchen, die Konsequenzen von Radevs Sieg kleinzureden.

In Wahrheit ändert keines der beiden Ergebnisse etwas Grundlegendes. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte bereits zu Orbán gesagt: „So oder so hätte die EU einen Weg gefunden, die Gelder freizugeben – mit oder ohne ihn.“ Und selbst wenn Radev das Militärabkommen mit der Ukraine kündigen würde (was er mit einer sechsmonatigen Frist schriftlich darf), könnte die EU Bulgarien „kreativ bestrafen“ – die Hebel, die Brüssel gegenüber dem Land hat, sind enorm.

Bulgarien ist nach wie vor arm und korrupt. Genau deswegen haben die Wähler Radev mit der ersten absoluten Mehrheit seit fast drei Jahrzehnten zurückgeholt – in der Hoffnung, dass er endlich aufräumt. Sollte die EU aus Rache die Mittel wegen Korruptionsvorwürfen kürzen, würde das das Land hart treffen. Es wäre dann nicht schwer vorstellbar, dass Radevs Koalition zerbricht, Neuwahlen ausgerufen werden und er selbst wieder abgesetzt wird. Er wird daher innerhalb enger Grenzen agieren müssen.

Zusammengefasst: Es ändert sich nichts Wesentliches. Die Symbolik eines russlandfreundlichen Führers, der genau dann zurückkehrt, als ein anderer abgesetzt wird, gleicht das Ergebnis dieser beiden „Schlachten“ wieder aus. Sowohl Russland als auch die EU werden versuchen, das Ganze zu ihren Gunsten zu drehen, aber faktisch bleibt der Status quo erhalten.

Der Blick richtet sich daher bereits auf die nächsten Parlamentswahlen in Armenien im Juni. Dort wird sich entscheiden, ob das Land den West-Kurs fortsetzt oder sich wieder stärker Russland zuwendet. Die erste Variante würde die westliche Einkreisung Russlands weiter vorantreiben, die zweite könnte Russlands ursprüngliche Rolle als Schutzmacht dieses Korridors wiederherstellen und die Einkreisung ausgleichen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

TV-Serie The Pitt: Das Arztdrama, das mit sozialem Realismus und Ehrlichkeit Millionen Menschen in seinen Bann zieht

Von Isabel Roy und David Walsh – 21. April 2026

The Pitt, eine Szene mit ICE-Agenten

Die Art und Weise, wie die TV-Krankenhaus-Serie The Pitt Millionen von Menschen in den USA und weltweit in ihren Bann zieht und fesselt, ist von großer Bedeutung. Die Serie hat sich zu einem regelrechten soziokulturellen Phänomen entwickelt.

Die Premiere der zweiten Staffel von The Pitt lockte in den ersten drei Tagen fast 200 Prozent mehr Zuschauer an als der Serienstart im Vorjahr. Bis Mitte Januar verzeichnete die Serie 1,19 Milliarden Streaming-Minuten pro Woche und durchschnittlich rund 12 Millionen US-Zuschauer pro Folge. Zwar wurden keine Zuschauerzahlen für das Finale publiziert, doch in den sozialen Medien sind die Schluss- und Post-Credits-Szenen viral gegangen und auf eine überwältigende und positive Reaktion gestoßen.

Der tiefe Eindruck, den die Fernsehserie hinterlassen hat, deutet auf die besonderen Bedingungen im Gesundheitswesen und auf dessen Krise hin. Ganz allgemein zeigt sie jedoch eine wohlwollende Reaktion auf eine ungewohnt humane Darstellung des gesellschaftlichen Lebens in den Vereinigten Staaten.

In einer Zeit, in der die Regierung unter Donald Trump und viele offizielle Ebenen und Einrichtungen mehr und mehr nur noch mit Grausamkeit, Unterdrückung und Gangstertum assoziiert werden, suchen breite Schichten der Bevölkerung nach sozialen Kräften und Mitteln, die einen Ausweg aus den immer unerträglicheren Bedingungen bieten.

Angesichts eines feindseligen politischen Systems, das von zwei korrupten Wirtschaftsparteien dominiert wird, haben zahlreiche Menschen ihr Augenmerk auf ein Krankenhaus in Pittsburgh und dessen Notaufnahme gerichtet: als ein Mikrokosmos, in dem große Probleme des Lebens auf vernünftige, menschliche Weise gelöst werden.

Der Realismus von The Pitt ist ungewöhnlich und sehr zu begrüßen. Viele der populären Streaming-Erfolge der letzten Jahrzehnte zeugten von einem Mangel an Menschlichkeit, wenn nicht gar von regelrechter Menschenfeindlichkeit; allgemein fehlte das echte Interesse an komplexen Motiven und Interaktionen. Es dominierte die Erkundung der sogenannten „dunklen Seite“ des Lebens: je kälter und abstoßender, desto besser. Was als rau oder „knallhart“ daherkam, zeichnete sich oft durch Zynismus und Pessimismus aus. Es bestand die Tendenz, schockierende und brutale Wendungen sowie unerbittliche Niederlagen oder Tragödien mit „hochwertigem“ Drama gleichzusetzen. Ein Großteil dieser „düsteren“ Stoffe ist schlichtweg billiger, marktgängiger Kram, der höchstens Passivität und Abstumpfung fördert.

[Hier weiterlesen]

Nach der Schließung der Straße von Hormus durch die Revolutionsgarden: Trump droht mit Bombardierung iranischer Kraftwerke und Brücken

Von Andre Damon – 21. April 2026

US-Präsident Donald Trump drohte am Sonntag mit der Bombardierung des zivilen Stromnetzes und der Brücken des Iran, nachdem die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) die Straße von Hormus erneut gesperrt hatten. Am Samstagabend und Sonntagmorgen schrieb er auf Truth Social, falls der Iran seine Bedingungen nicht akzeptiere, werden „die USA jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran zerstören. SCHLUSS MIT MISTER NICE-GUY!“

In einem vorher aufgezeichneten Telefoninterview, das am Sonntag in der Sendung „Fox News Sunday“ ausgestrahlt wurde, erklärte Trump gegenüber dem Chef-Auslandskorrespondenten Trey Yingst: „Sie werden sehen, wie Brücken und Kraftwerke im ganzen Land einstürzen.“ Weiter erklärte er, sollte kein Deal zustande kommen, erwäge er, „alles in die Luft zu jagen und das Öl zu übernehmen“. Und in der ABC-Sendung This Week behauptete Trump, die USA und der Iran könnten die Straße von Hormus als „Joint Venture“ betreiben.

Der US-Präsident gab in den sozialen Netzwerken außerdem bekannt, dass das unter iranischer Flagge fahrende Frachtschiff Touska im Golf von Oman von US-Marines geentert worden war. Zuvor habe der Zerstörer USS Spruance dessen Maschinenraum beschossen.

Ein durch mehrere Luftangriffe während des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran beschädigter Fischerhafen auf der iranischen Insel Qeschm am 13. April 2026. Im Hintergrund US-Schiffe in der Straße von Hormus [AP Photo/Asghar Besharati]
Die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRNA gab daraufhin bekannt, Teheran werde an der angeblich für Montag geplanten zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad nicht teilnehmen. Die pakistanische Hauptstadt wurde am Sonntagabend abgeriegelt, außerdem wurden 10.000 zusätzliche Sicherheitskräfte mobilisiert.

Trumps Drohungen und die Beschlagnahme des iranischen Schiffs durch die USA erfolgten am 51. Tag des US-israelischen Kriegs gegen den Iran und am zwölften Tag der zweiwöchigen Waffenruhe, die in 72 Stunden auslaufen soll. Am Freitag schrieb der iranische Außenminister Abbas Araghtschi auf X, die Straße von Hormus sei für die Handelsschifffahrt auf einer Route nahe der iranischen Küste geöffnet.

Am Freitag- und Samstagmorgen durchquerten 19 Schiffe die Straße von Hormus – der erste nennenswerte Güterverkehr seit Beginn des Kriegs am 28. Februar. Die USA reagierten jedoch nicht auf die iranische Öffnung der Straße. Weil die US Navy weiterhin iranische Häfen blockierte, konnte der Iran kein einziges Barrel Öl exportieren.

[Hier weiterlesen]

Big Brother und die Israel-Lobby

Von Roy Eidelson – 20. April 2026

Anmerkung: Dieser Meinungsbeitrag gibt meine persönlichen Ansichten wieder und nicht die einer Organisation, der ich angehöre.

In George Orwells dystopischem Roman 1984 ist Ozeanien eine totalitäre Gesellschaft, in der der Große Bruder bedingungslose Konformität und Gehorsam verlangt; in der die Gedankenpolizei ständig jede Regelverletzung überwacht und bestraft; und in der das Ministerium für Wahrheit verkündet: „Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“ und „Unwissenheit ist Stärke“. Laut dem Protagonisten der Geschichte ist der größte Ketzerei in Ozeanien der gesunde Menschenverstand, und das wichtigste Gebot lautet, die Beweise deiner Augen und Ohren zu verwerfen. Letztendlich entkommt niemand diesem totalen Überwachungsstaat – „Big Brother Is Watching You!“ –, denn diejenigen, die in irgendeiner Weise rebellieren, werden identifiziert, gefangen genommen, gebrochen und oft „verdampft“, als hätten sie nie existiert.

Manchmal muss ich an Orwells Ozeanien denken, wenn ich die täglichen beunruhigenden und empörenden Nachrichten aus Palästina und der gesamten Region lese. Ich denke darüber nach, wie die heutige Israel-Lobby, ganz ähnlich wie der Große Bruder, völlige Loyalität, Gehorsam und Unterwerfung verlangt. Und wie auch sie oft außergewöhnliche Anstrengungen unternimmt, um diejenigen zum Schweigen zu bringen und zu disziplinieren, die ihre trügerische und betrügerische Propaganda hinterfragen oder ablehnen.

So „friert“ beispielsweise die herrschende Partei Ozeaniens die Geschichte ein, wann immer es nötig ist, um sie ihrer bevorzugten Erzählung anzupassen, in der Überzeugung: „Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.“ Israel-Befürworter versuchen etwas Ähnliches, wenn sie die Ansicht vertreten, dass Israels relevante Geschichte scheinbar mit den schrecklichen, von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober 2023 beginnt und endet. Durch diese verzerrte Brille ignorieren sie Jahrzehnte palästinensischen Leidens und der Unterdrückung, während sie behaupten, dass nach moralischen Maßstäben nichts, was Israel seit jenem Tag getan hat, ihm angelastet werden kann. Nach ihrer Darstellung sind alle israelischen Gräueltaten der letzten zweieinhalb Jahre entweder nie geschehen oder vollständig gerechtfertigt (Israels eigene Version von Ozeaniens „Doppeldenk“). Natürlich haben unwiderlegbare Beweise für Israels Kriegsverbrechen und Verachtung grundlegender menschlicher Anständigkeit diese Fiktion entlarvt. In den letzten Wochen hat Israels wahlloser Angriff auf Wohngebiete und zivile Infrastruktur im Libanon und im Iran zudem jeden noch bestehenden Anschein entlarvt, dass „Selbstverteidigung“ stets die einzige Grundlage für seine Akte massiver Gewalt und Zerstörung sei.

Bedenken Sie auch, dass in Nineteen Eighty-Four der Große Bruder die Geschichte nach Bedarf umschreibt und dafür sorgt, dass die Bürger Ozeaniens in ständiger Angst um ihre Sicherheit leben. Während eines täglichen Pflichtrituals namens „Zwei Minuten Hass“ zeigen Teleschirme überall wutauslösende, erfundene Bilder von feindlichen Soldaten – eine Erinnerung daran, dass Ozeanien sich in einem Zustand des ewigen Krieges befindet und Loyalität daher absolut sein muss. Seit vielen Jahren, lange vor dem 7. Oktober, verfolgt die israelische Propagandamaschinerie ihre eigeneOrwellsche Kampagne derKontrolleund Desinformation, die auf die Dämonisierung und Delegitimierung des palästinensischen Volkes ausgerichtet ist.Palästinenser aller Altersgruppen wurden entmenschlicht und dargestellt als Tiere, die eine existenzielle Bedrohung für das Überleben Israels darstellen. Und ihre brutale und gnadenlose Vertreibung vor Jahrzehnten aus dem heutigen Staat Israel wurde wiederholt heruntergespielt oder geleugnet.

Doch Israel und seine treuen Unterstützer verlieren an all diesen PR-Fronten an Boden. Trotz der Tötung von Hunderten von Journalisten und Medienmitarbeitern haben sich herzzerreißende Berichte aus dem Gazastreifen, darunter Bilder von einigen der Tausenden von Kindern, die abgeschlachtet oder verwaist wurden, als schwer zu ignorieren erwiesen.

Fanatische Siedler im Westjordanland, die ganze Dörfer plündern und dem Erdboden gleichmachen, haben selbst bei einigen der freundlichsten Verbündeten Israels Besorgnis ausgelöst. Neu entdeckte offizielle Dokumente aus der Gründungszeit Israels lassen keinen Zweifel daran, dass Hunderttausende Palästinenser durch rücksichtsloses Terrorverfahren aus ihren Häusern vertrieben wurden. Und zumindest einigen Sympathisanten, die sich für vorsätzliche Ignoranz entschieden haben, fällt es nun zunehmend schwer, den sich entfaltenden, live übertragenen Völkermord zu übersehen.

Es gibt noch eine weitere Parallele zu Nineteen Eighty-Four, die hier hervorzuheben ist. Um unkonforme Äußerungen und unabhängiges Denken zu unterbinden, schafft Big Brother „Newspeak“ – eine neue Sprache mit weitaus weniger Wörtern. Ein Parteianhänger erklärt es so:

Es ist eine schöne Sache, die Zerstörung von Wörtern … Die größte Verschwendung liegt bei den Verben und Adjektiven, aber es gibt auch Hunderte von Substantiven, die man loswerden kann… Das ganze Ziel von Neusprech ist es, den Gedankenraum einzugrenzen … Am Ende werden wir Gedankenverbrechen buchstäblich unmöglich machen, weil es keine Wörter mehr geben wird, um sie auszudrücken.

Die Israel-Propagandamaschinerie scheint ihre eigene Version übernommen zu haben, mit einem ähnlichen Ziel: die Darstellung Israels zu kontrollieren, indem die Sprache streng eingeschränkt wird, sodass unwillkommene Ideen und Wahrheiten viel schwerer auszudrücken oder gar zu denken sind. Wörter wie „Palästina“ und „Palästinenser“ tauchen daher im Wörterbuch „Newspeak for Israel“ nicht auf. Sie wurden durch „anti-israelisch“, „antizionistisch“ und ähnliche Ausdrücke ersetzt, die die Unterscheidung zwischen Opfer und Täter verwischen. Diese bildliche Auslöschung des palästinensischen Volkes entspricht seiner tatsächlichen Vertreibung und Vernichtung und trägt dazu bei, dass Israels Kriegsverbrechen aus den Köpfen und Gesprächen verschwinden. In ähnlicher Weise fehlen auch „Besatzung“, „Apartheid“, „Völkermord“ und andere für Israel beleidigende Wörter im Wörterbuch „Newspeak for Israel“. Sie wurden alle durch ein einziges Wort ersetzt, das Israel-Befürworter dazu angehalten werden, so oft und so laut wie möglich zu verwenden: „Antisemitismus“ (mit einem impliziten Ausrufezeichen). Das ultimative Ziel ist ein „Groß-Israel“ in Wort und Tat.

Big Brothers eiserner Griff hält in Nineteen Eighty-Four an, doch der Anhang des Romans deutet darauf hin, dass Newspeak in Ozeanien nie vollständig übernommen wird und das Regime schließlich gestürzt wird. Auch die israelische Propagandamaschinerie zeigt Anzeichen des Nachlassens. Hier in den Vereinigten Staaten verliert die seit langem bestehende „Palästina-Ausnahme“ – die energische Unterdrückung und Bestrafung von Äußerungen, die die Rechte und die Freiheit der Palästinenser verteidigen – an Einfluss. Heute versteht die amerikanische Öffentlichkeit zunehmend, wer das palästinensische Volk ist und wie es von Israel und seinen Unterstützern zutiefst falsch dargestellt und misshandelt wurde. Nationale Umfragedaten bestätigen diese vielversprechenden Entwicklungen, ebenso wie jüngste Erklärungen und Positionswechsel vieler politischer Führer in Washington, D.C.

Wir wissen nicht genau, wie Israels engagierte Fürsprecher nun reagieren werden, während ihre Spiegelwelt zusammenbricht, ihre Propagandablasen platzen und ihre Verzweiflung wächst. Klar ist jedoch, dass wir die wachsende Welle der Unterstützung für Palästina nicht als selbstverständlich hinnehmen dürfen. Sie spiegelt die unermüdlichen Bemühungen vieler mutiger Menschenrechtsverteidiger wider, die ihren Lebensunterhalt, ihre Freiheit und in manchen Fällen sogar ihr Leben riskiert haben. Auf große und kleine Weise können wir alle dazu beitragen, die Auslöschung des palästinensischen Volkes zu bekämpfen, indem wir seine Sache in unseren Gedanken, unseren Worten und unseren Taten in den Vordergrund stellen. Von der israelischen Propagandamaschinerie werden Sie das nicht hören, aber „Nie wieder“ gilt jetzt und für alle Menschen.

Dr. Roy Eidelson ist ehemaliger Präsident von „Psychologists for Social Responsibility“, Mitglied der „Coalition for an Ethical Psychology“ und Autor des Buches „Doing Harm: How the World’s Largest Psychological Association Lost Its Way in the War on Terror“ (erscheint im September 2023 bei McGill-Queen’s University Press). Roys Website ist https://www.royeidelson.com/und er ist auf Twitter unter @royeidelsonzu finden.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Counterpunch]