Eine der Gruben, die ukrainische Regimenter zur Bestrafung von Soldaten benutzen. Foto zur Verfügung gestellt von der Schwester eines vermissten Soldaten des Shkval-Bataillons. Bild: texty
Schon seit einiger Zeit wurde von Misshandlungen, Todesfällen und Folter in ukrainischen Regimenten berichtet. An erster Stelle stand das 425. Sturmregiment „Skala“, das direkt dem Oberkommandierenden Syrsky unterstand ‒ und das größte Angriffsregiment der ukrainischen Streitkräfte ‒ ist, der von Selenskij zögerlich entlassen wurde, nachdem Kritik an der vorhergehenden Entlassung von Fedorov als Verteidigungsminister laut geworden war. Bislang wurde von brutalen Bestrafungen meist nur in der russischen Armee gesprochen.
Im Juni machte Babel.ua auf die Zustände in „Skala“ aufmerksam, das auch Syrsky-Regiment genannt wird. 25-26 Rekruten, also Zwangsmobilisierte, seien dort seit Ende 2025 in den Ausbildungslagern, nicht im Kampfeinsatz, gestorben. Berichtet wurde von Schlägen, Misshandlungen, Einsperren und verspäteter medizinischer Hilfe. Rekruten würden zu Tode geprügelt. So gelang Alexander Semjonow die Flucht aus dem Stützpunkt seines Regiments in ein Krankenhaus in Kropywnyzkyj. Dort wurden schwere Verletzungen am Kopf, gebrochene Fingern, eine Schnittwunde am Rücken und zerkratzte Händen dokumentiert. Es gibt Fotos.
Die meist eingefangenen Rekruten, darunter offenbar viele Drogensüchtige und Alkoholiker, aber auch psychisch Kranke, kamen zuerst in das Verteilungslager, eine große Baracke ohne Fenster, wo sie wie Gefangene eingesperrt wurden. Ihnen wurde das Handy weggenommen, sie mussten sich ausziehen, wurden durchsucht und durch bewaffnete Wärter eingeschüchtert: „Die erste Erfahrung mit dem Toilettengang war ‚unbezahlbar‘ – in Gruppen, unter den Mündungen von Maschinengewehren, mit ‚raffinierten‘ Beleidigungen und harten Tritten, wenn die Formation oder das Erscheinungsbild nicht ausreichend einheitlich waren. Endlose Kniebeugen, Übungen, Planks“ … Damit sie „erkennen, in welcher Situation sie sich befinden“, keine Zeit verschwenden, sondern sich auf die bevorstehende „Mission“ vorbereiten. Auf der Toilette, im Speisesaal – überall mit bewaffneter Eskorte.“
Von dort wurden sie in Ausbildungslager verteilt, wo sie wieder wie Gefangene gehalten wurden und nicht einmal allein auf die Toilette gehen durften. Wenn jemand zu flüchten versuchte, wurde auf ihn geschossen. Einer, der wieder eingefangen wurde, erzählte: „Kurz gesagt: Sie haben uns gefunden. Sie haben uns die Zähne ausgeschlagen und die Rippen gebrochen. Und dieser Wachmann, vor dem ich weggelaufen bin, sagt: ‚Willst du, dass ich an deiner Stelle an die Front gehe, du Schlampe?‘“ Die derart Gequälten und Unterworfenen galten als „disposable“, als Wegwerfware, für die Front. Natürlich haben sich Männer der Tortur und Demütigung auch durch Suizid entzogen.
Babel hat einen weiteren Bericht über die Erfahrungen von vier Soldaten in dem Regiment veröffentlicht.
Nach einer fünftägigen Pause haben amerikanische Kampfflugzeuge am Donnerstagmorgen Ortszeit erneut Ziele im Iran angegriffen. Das stundenlange Bombardement, bei dem laut den iranischen Staatsmedien eine dreiköpfige Familie mit einem zweijährigen Kind auf der Insel Qeschm getötet wurde, wurde von Washington als Vergeltung für Teherans Angriffe auf US-Einrichtungen in Jordanien und Ägypten am Dienstag und Mittwoch dargestellt.
Im Vorfeld der US-Angriffe erklärte Präsident Donald Trump am Mittwoch im Weißen Haus im Stil eines Mafia-Killers, die USA würden „den Iran windelweich prügeln.“ Er fügte hinzu: „Wir werden hart zuschlagen, denn jetzt sind wir an der Reihe. Sie wissen, dass es kommt. Sie haben uns gebeten, es nicht zu tun.“
Die iranische Revolutionsgarde bekannte sich zu den Vergeltungsangriffen, die am Donnerstag gegen Militärstützpunkte in Kuwait, Jordanien und Bahrain – wo US-Militärkräfte stationiert sind – geführt wurden. Washington dementierte iranische Behauptungen, bei dem Angriff in Jordanien seien drei F-35-Kampfjets zerstört und drei weitere beschädigt worden. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist das bürgerlich-klerikale Regime in Teheran eindeutig weiterhin in der Lage, US-Stützpunkte in der gesamten Region anzugreifen. Es behält zudem die Kontrolle über die wichtige Straße von Hormus, auf die vor dem Krieg etwa ein Fünftel des weltweiten Öltransports per Tanker entfiel.
Trump ordnete letzten Freitag eine Pause in den seit dreizehn Nächten andauernden US-Luftangriffen an – vor dem Hintergrund schwindender US-Munitionsbestände, insbesondere bei den Raketenabwehrsystemen. Doch die letzten Tage haben gezeigt, dass der US-Imperialismus und seine Verbündeten den Krieg weiterhin systematisch eskalieren. Am letzten Samstag attackierte die Ukraine erstmals ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer, wobei ein iranischer Seemann getötet wurde. Der Vorfall zeigt, wie der US/NATO-Krieg gegen Russland und der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran rasch zu einem globalen Flächenbrand verschmelzen.
Die US-Angriffe auf den Iran erfolgten kurz nach dem ersten öffentlich angekündigten koordinierten Angriff Saudi-Arabiens und der USA auf die mit dem Iran verbündeten Milizen im Irak. Riads zunehmende Aggression folgt auf die Warnung der Huthi im Jemen Anfang letzten Monats, sie würden die Straße von Bab al-Mandab im Roten Meer blockieren, was ein erhebliches Risiko für die saudischen Energieexporte darstellt.
Die Volksmobilisierungskräfte, schiitische Milizen, die in die Sicherheitskräfte des Landes eingebunden wurden, meldeten zwanzig Todesopfer und über dreißig Verwundete infolge der Angriffe. Die Gruppe veröffentlichte eine Erklärung, in der sie die saudisch-amerikanischen Angriffe als „gefährliche Eskalation, Verstoß gegen die Souveränität des Irak und Angriff auf seine offiziellen Sicherheitsbehörden“ verurteilte.
Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Frachtschiff im Kaspischen Meer markiert eine neue Stufe in der Verschmelzung des NATO-Kriegs gegen Russland mit dem US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran. Er bestätigt David Norths Warnung in seiner Rede am 1. Mai 2026: „Ein Weltkrieg ist keine zukünftige Bedrohung, sondern eine Realität, die sich bereits entfaltet.“
Der Weltkrieg entsteht nicht durch eine einzelne Erklärung. Er entfaltet sich als Prozess: durch die Verknüpfung regionaler Kriege, Stellvertreteroperationen, Sanktionen, Blockaden, Marineeinsätze und Langstreckenangriffe. Die Intervention der Ukraine gegen ein iranisches Ziel bringt diesen Prozess scharf zum Ausdruck.
Der ukrainische Langstrecken-Drohnenangriff tötete einen Matrosen und verletzte einen weiteren. Er richtete sich gegen das iranische Schiff Ana im Kaspischen Meer – einem Gewässer, an das Russland, Iran, Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan grenzen, nicht aber die Ukraine. Kiew behauptete, das Schiff habe Drohnen und Raketen nach Russland transportiert. Teheran verurteilte den Angriff als Aggression gegen ein Handelsschiff.
Der Angriff entlarvt die offizielle Propaganda über den Ukrainekrieg als Betrug. Seit Jahren wird der Krieg von den imperialistischen Mächten und ihren Medien als rein defensiver Kampf der Ukraine gegen eine „unprovozierte“ russische Invasion dargestellt. Diese Lüge wird vor allem in Deutschland benutzt, um die größte Aufrüstung seit Hitler und eine erneute Militäroffensive gegen Russland zu rechtfertigen.
Die Invasion der Ukraine durch den Kreml im Jahr 2022 war reaktionär. Sie war die Antwort eines kapitalistischen Oligarchenregimes auf die unerbittliche Einkreisung und Provokation Russlands durch die NATO. Sie spaltete die russischen und ukrainischen Arbeiter, stärkte die NATO und lieferte den imperialistischen Mächten einen Vorwand zur Eskalation. Aber sie war weder „unprovoziert“, noch ändert sie den Charakter des Kriegs, der nun von der NATO durch ihre ukrainische Marionette geführt wird.
Der ukrainische Angriff auf ein iranisches Schiff macht dies unmissverständlich deutlich. Ein Krieg, der angeblich zur Verteidigung der ukrainischen Souveränität geführt wird, hat einen ukrainischen Angriff auf ein iranisches Schiff weit entfernt von den Grenzen der Ukraine hervorgebracht – genau in dem Moment, in dem die Vereinigten Staaten und Israel einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Iran führen.
Die Kriegsfronten sind nicht voneinander getrennt. Sie werden bewusst miteinander verbunden. Die Ukraine ist nicht mehr nur der Stellvertreter der NATO gegen Russland; sie wird zu einer Hilfstruppe in der umfassenderen imperialistischen Offensive gegen den Iran und alle Staaten, die als Hindernisse für die Vorherrschaft der USA und Europas über Eurasien betrachtet werden.
Pakistans Balanceakt zwischen China und den USA, der ohnehin schon stark zugunsten der USA ausfällt, geriete in Gefahr, sollte ein Bericht zutreffen, wonach China plant, MANPADS an den Iran zu liefern
Reuters berichtete, dass „der Iran voraussichtlich innerhalb weniger Wochen eine erste Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten wird“, die angeblich über Pakistan verschickt werden sollen. China und Pakistan haben den Bericht erwartungsgemäß dementiert, und Trump hatet zuvor behauptet, dass „Präsident Xi mir bei unserem jüngsten Treffen in Peking, China, gesagt hat, dass er unter keinen Umständen Waffen an die Islamische Republik Iran liefern oder verkaufen würde – und diese Aussage bezog sich auch auf chinesische Unternehmen.“
Sollte der Bericht jedoch zutreffen, wäre Pakistan in einer Zwickmühle. Reuters berichtete kürzlich, dass Pakistan ein Rettungspaket in Höhe von mehreren Milliarden Dollar von den USA anstrebt, was die Vermittlungsbemühungen zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Licht erscheinen lässt: Sie sind nun eher als Versuch zu sehen, das besagte Rettungspaket zu erhalten, statt als selbstloser diplomatischer Dienst für den regionalen Frieden. Für diejenigen Leser, die es nicht wissen: Pakistan praktiziert seit Jahrzehnten einen Balanceakt zwischen China und den USA, neigt jedoch seit dem postmodernen Putsch im April 2022 deutlich stärker zu den USA.
In den vergangenen fast fünf Jahren kam es zu einer Reduzierung des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), dem Vorzeigeprojekt der Belt & Road Initiative (BRI), sowie zu einer Verlangsamung der Projektumsetzung. Parallel dazu hat Pakistan unter Trump 2.0 eine rasche Annäherung an die USA vollzogen, was dazu führen könnte, dass die USA Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus in Afghanistan unterstützen – im Gegenzug dafür, dass Pakistan die Rückkehr der US-Militärpräsenz auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram, wie von Trump gewünscht, und/oder nach Zentralasien erleichtert.
Kürzlich wurde berichtet: „Lawrow warnte, dass westliche Waffen und Munition von der Ukraine an ISIS-K in Afghanistan geliefert werden“, die realistisch gesehen nur über Pakistan ins Land gelangen könnten. Dies wiederum untermauert die hier bereits im Frühjahr geäußerte Einschätzung hinsichtlich der latenten Bedrohungswahrnehmung Russlands gegenüber Pakistan. Der Grund für die Erwähnung all dieser Punkte liegt darin, zu unterstreichen, wie eng Pakistan heutzutage mit den USA verbunden ist – weitaus enger als mit China –, da alles, was gerade beschrieben wurde, die Agenda der USA vorantreibt.
Gleichzeitig bleibt China ein wichtiger Handels- und Investitionspartner und teilt Pakistans Bedrohungsanalyse in Bezug auf Indien. Wichtig ist, dass China den überwiegenden Teil der militärtechnischen Ausrüstung Pakistans liefert, obwohl Pakistan den Status eines „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ hat; laut einem Bericht des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) belief sich dieser Anteil im Zeitraum 2021–2025 auf satte 80 Prozent der pakistanischen Importe. Pakistan wäre daher kaum in der Lage, eine chinesische Anfrage zur Nutzung seines Hoheitsgebiets für den Versand von MANPADS (Man-Portable Air-Defence Systeme) in den Iran abzulehnen.
Seine Annäherung an die USA könnte augenblicklich zunichte gemacht werden, sollte sich herausstellen, dass Pakistan eine Rolle bei Chinas angeblichen Plänen gespielt hat, dem Iran dabei zu helfen, amerikanische Piloten zu töten – sei es auch nur zur Selbstverteidigung –, insbesondere wenn tatsächlich welche durch eben diese MANPADS getötet würden. Pakistan könnte zudem mit Strafzöllen seitens der USA bestraft werden, die sein wichtigster Exportmarkt sind, was die sozioökonomischen Probleme im eigenen Land möglicherweise verschärfen würde. Auch sein traditioneller Balanceakt zwischen China und den USA würde zusammenbrechen, was wahrscheinlich dazu führen würde, dass sich die USA entschieden Indien zuwenden.
Aus diesen Gründen wäre Pakistan sicherlich in einer Zwickmühle, sollte der Bericht über Chinas Pläne, MANPADS über sein Territorium an den Iran zu liefern, wahr sein, da es gezwungen wäre, sich zwischen seinen Schutzmächten zu entscheiden. Angesichts der Tatsache, wie eng Pakistan inzwischen mit den USA verbunden ist, würde das Land jedoch eine solche Bitte Chinas wahrscheinlich ablehnen. Ob China Pakistan daraufhin bestrafen würde, ist ungewiss, aber die USA würden dies mit Sicherheit tun, sollte Pakistan China dabei unterstützen, dem Iran bei der Tötung US-amerikanischer Piloten zu helfen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Roger Waters, einer der Gründungsmitglieder der britischen Rockband Pink Floyd, hat zusammen mit der palästinensischen Sängerin Mona Miari eine neue neunminütige Version des bekannten Pink-Floyd-Songs „Comfortably Numb“ aufgenommen. Es ist eine starke Neuinterpretation eines klassischen Rock-Klageliedes in Form einer Anklage gegen den Völkermord im Gazastreifen und eines Plädoyers für internationale Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung.
Roger Waters und Mona Miari
Mehrere neue englische und arabische Verse verändern den ursprünglichen satirischen Refrain der Resignation „I have become comfortably numb“ zu dem Schwur „I will never become comfortably numb / لن أسمحَ أن أُصبحَ مُخدَّرًا ومرتاح.“ Die neue Version endet mit der Aussage „Palestine must be free… with equal rights, for everyone, from the river to the sea.“
„Comfortably Numb Re-Imagined“ wurde am 12. Juni veröffentlicht, als Interpreten werden Waters und Miari genannt. Der Song ist um Piano, Streich- und Schlaginstrumente und mehrschichtigen Gesang arrangiert. Waters und Miari erklären ausdrücklich, das Projekt sei eine Antwort auf den „anhaltenden Völkermord im Gazastreifen“.
Die Veröffentlichung geht zudem mit einer Spendensammlung für den Palestine Children’s Relief Fund einher und steht in Verbindung mit einem Netzwerk von Gruppen, die Projekte für politische Bildung, Graswurzelorganisation und unabhängige Medien betreiben, bei denen Palästina im Mittelpunkt steht.
Das Musikvideo zeigt abwechselnd Aufnahmen von Waters und Miari im Studio in New York und Schwarzweißaufnahmen des palästinensischen Fotografen Suhail Nassar und seines Teams von den Trümmern im Gazastreifen. Es stellt das Bildmaterial des Projekts als etwas dar, das denjenigen gehört, die den Krieg durchgemacht haben.
Für Miari, die unter israelischer Besatzung aufwuchs, ist die Zusammenarbeit einen Akt des Erzählens. Sie erklärt: „Ich bin mein Volk, ich erzähle meine Geschichte.“ Waters beschrieb die Komposition als „organische“ Korrespondenz zwischen „einem alten Typen in New York City“ und einer palästinensischen Künstlerin auf der anderen Seite des Ozeans.
Waters erklärte die Abweichung von der bekanntesten Zeile des Originals eine Botschaft der bewussten Verweigerung gegenüber dem Druck, sich angesichts der Gräueltaten, die an den Palästinensern verübt werden, herauszuhalten, auf politische Aussagen zu verzichten und sich in Taubheit zurückzuziehen.
Ausschnitt aus dem Musikvideo
In einem Interview mit Wired erklärt Waters, er hoffe darauf, dass seine Hörer schließlich erkennen werden, dass „es ein Richtig und ein Falsch gibt. Das ist nicht kompliziert und dieser Song steht auf der richtigen Seite der Geschichte“. Er verbindet die Weigerung, passiv zu sein, mit moralischer Klarheit und politischem Bewusstsein.
Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam – 30. Juli 2026
Screenshot Googlesuche
Regierende Bedrohungslügner gefährden den Frieden, beeinträchtigen das Kulturleben und ruinieren den Sozialstaat
Russenhass, Russenangst. Genau danach sieht es aus, wenn ein deutscher Minister (unser kriegstüchtiger Pistorius) lieber den Krieg gegen Russland vorbereitet statt sich strikt auf friedensbewahrende Verteidigungspolitik gemäß Grundgesetz zu beschränken. Aus Worten und Taten Präsident Putins müsse man schließen: „Es besteht eine Bedrohung, und die kann sich ab 2029 realisieren.“ Ach ja? Die ARD-Tagesschau, geübt in der Kunst der staatsbürgerlichen Meinungsverbildung, gab noch eins drauf: Laut Geheimdienst-„Erkenntnissen“ sei eigentlich schon 2028 damit zu rechnen. Hingegen unterschlug die Regierungströte, dass Russland eine umfassende Nichtangriffsgarantie anbietet.
Außenminister Lawrow: „Wir haben mehrmals gesagt, dass wir nicht die Absicht hatten und haben, irgendein derzeitiges NATO- oder EU-Mitglied anzugreifen. Wir sind bereit, diese Position in künftigen Sicherheitsgarantien für diesen Teil Eurasiens zu verankern.“Die Bundesregierung lehnte bekanntlich ab, ohne den Vorschlag auch nur zu prüfen.Mit Russen redet unser Berliner Nulpen-Regime nicht.
„Das Deutsche Volk, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen …Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ Wie wohltuend, diese hehren Worte in unserem Grundgesetz! Nur ist das deutsche Volk kein gleichberechtigtes Mitglied in einem „vereinten Europa“ geworden, sondern (seit 1990 komplett) unter Washingtons Fuchtel geblieben. Wenn Donald Trump böse guckt, scharwenzelt Kanzler Merz vor ihm herum und gibt brav Pfötchen. Und erfüllt dann die Aufträge der transatlantischen Rüstungsindustrieellen.
Der vormalige CIA-Analyst Larry C. Johnson: „Mit der lächerlichen Behauptung, dass Russland EUropa erobern und besetzen wolle, erzeugen Merz, Pistorius und überhaupt alle europäischen Kriegstreiber Massenhysterie. Warum eigentlich? Europa hat nichts mehr, was Russland braucht oder will.“
Ob das einfache deutsche Volk „vom Willen zum Frieden beseelt“ ist, wissen wir nicht. Es wird ja traditionell gar nicht ernsthaft nach seinem Willen gefragt. Unübersehbar aber ist: Die herrschenden Eliten haben ihre angejahrten Friedensmasken abgelegt und betätigen sich wieder als Kriegstreiber, als menschenverachtende Rüstungslobbyisten, als Lügner, schamlose Propagandisten und gnadenlose Sozialabbau-Fetischisten.
Von Herzls kolonialistischen Schriften bis hin zu Kampfhunden, Wildschweinen und Gefängnissen mit Krokodilgräben – Tiere werden seit Langem im zionistischen Projekt eingesetzt, um die Palästinenser zu terrorisieren
Anfang dieses Monats kündigte Israels Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, an, dass Israel Nilkrokodile als Gefängniswächter für palästinensische politische Gefangene einsetzen werde.
Das Programm soll im Ketziot-Gefängnis, Israels größtem Gefängnis, in der Naqab-Wüste (Negev) beginnen. Das Gefängnis diente während der Ersten Intifada zwischen 1988 und 1995 als Konzentrationslager, in dem Tausende Palästinenser inhaftiert waren. Die Palästinenser kannten Ketziot als Lager „Ansar III“.
Um diesen Plan zu ermöglichen, erklärte Umweltministerin Idit Silman das Krokodil zum „gezüchteten Wildtier“. Im Rahmen dieser neuen Taxonomie sollen die Reptilien in Gräben rund um Israels Kerker freigelassen werden, in denen Palästinenser inhaftiert und wie Tiere behandelt werden.
Ben Gvir ließ sich inspirieren von dem neuen Migrantenhaftzentrum in Florida, das als „Alligator Alcatraz“ bezeichnet wird und das der US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr besichtigte. Dieses Schreckensgefängnis „liegt in einem riesigen subtropischen Feuchtgebiet voller Alligatoren, Krokodile und Pythons“.
Es ist ein Fall, in dem eine Siedlerkolonie eine andere inspiriert.
Tiere spielen seit langem eine Rolle in den israelischen Strategien zur Unterwerfung und Unterdrückung der Palästinenser sowie zur „Rückführung“ Palästinas in seine fantasierte hebräische Vergangenheit. Zionistische und israelische Führer haben Palästinenser regelmäßig mit Tieren verglichen, doch Israels „Tierkrieg“ geht über Metaphern hinaus und bezieht echte Tiere mit ein.
Tierkrieg
Zionistische und israelische Führer haben Palästinenser seit Langem als „Tiere“ bezeichnet und dabei oft die jeweilige Tierart genau benannt.
Um beispielsweise den Beginn seines Völkermords im Gazastreifen zu rechtfertigen, bezeichnete Israels damaliger Verteidigungsminister Yoav Gallant die Palästinenser als „menschliche Tiere“.
Im Gegensatz dazu konnte sich Israels Verteidigungsminister Moshe Dayan in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren nicht entscheiden, welcher Insekten- oder Säugetierart die Palästinenser am meisten ähnelten, und nannte sie im Interesse der Nichtdiskriminierung „Wespen“ und „Hunde“.
Seit Jahrzehnten nutzt Israel Tiere, um Palästinenser zu unterdrücken und zu demütigen, während es beide mit seiner Tötungsmaschine ins Visier nimmt
In den 1980er Jahren erhob der israelische Ministerpräsident Menachem Begin sie zu „zweibeinigen Bestien“, während der ehemalige israelische Generalstabschef Rafael Eitan sie erneut zu „Kakerlaken“ herabstufte. Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Shamir bevorzugte die entomologische Kategorie und bezeichnete palästinensische Demonstranten als „Heuschrecken“.
Ironischerweise bezeichnete Premierminister Ehud Barak im Jahr 2000 die Palästinenser als „Krokodile“. Ben Gvirs Plan scheint darin zu bestehen, echte Krokodile zur Bewachung der metaphorischen Krokodile einzusetzen.
Abgesehen von Gleichnissen und Metaphern leitet das Vorhaben des Ministers keinen Krieg mit Tieren gegen die Palästinenser ein. Seit Jahrzehnten setzt Israel Tiere ein, um sie zu unterdrücken und zu demütigen, während es sowohl Palästinenser als auch deren Tiere mit seiner Tötungsmaschine ins Visier nimmt und sie als dieselbe Spezies behandelt.
In einem erschreckenden Bericht von Al JazeeraEnglish vom 28. November 2023 führt der palästinensische Schriftsteller und Dichter Refaat Alareer, der ehrenamtlich für die Stadtverwaltung von Gaza tätig ist, die Zuschauer durch den verwüsteten städtischen Zoo und dokumentiert tote und hungernde Tiere.
Eine Woche später führte Israel im Rahmen seines andauernden Völkermords die mittlerweile berüchtigte Erschießung von Alareer und mehreren Mitgliedern seiner Familie durch.
Wenn sie palästinensische Tiere nicht töten, haben israelische Siedler sie auch gestohlen, zusammen mit Rindern und anderem palästinensischen Vieh. Israel stahl 2018 sogar die einheimische palästinensische Viper und erklärte sie zu seiner „Nationalschlange“.
Das Interesse der Zionisten an Tieren, insbesondere an Schlangen, geht auf den Gründer der Zionistischen Organisation, Theodor Herzl, zurück, der in seinen Tagebüchern darlegte, was mit den einheimischen Menschen und Tieren Palästinas geschehen solle.
Nachdem er erörtert hatte, wie man die Palästinenser vertreiben und durch europäische jüdische Kolonisten ersetzen könne, schrieb er:
„Wenn wir in eine Region ziehen, in der es wilde Tiere gibt, an die die Juden nicht gewöhnt sind – große Schlangen usw. –, werde ich die Einheimischen, bevor ich ihnen in den Transitländern Arbeit gebe, zur Ausrottung dieser Tiere einsetzen. Hohe Prämien für Schlangenhäute usw. sowie für deren Nachkommen [werden von den Juden angeboten].“
Nach mehr als einem Jahrhundert zionistischer Kolonisierung und Vertreibungen sind die Palästinenser und ihre Schlangen – zum Leidwesen Israels und seiner jüdischen Kolonisten – nach wie vor im Land.
Biblische Fantasien
Während des britischen Mandats importierten die grausamen, kolonisierenden Briten Ende der 1930er Jahre „rassistische“ Hunde aus Südafrika und ließen sie in ihren Kerkerzellen auf palästinensische antikoloniale Revolutionäre los. Die Briten hungerten die Hunde aus und provozierten sie, bevor sie sie auf die Gefangenen hetzten, damit diese deren Fleisch „verschlingen“ sollten.
Seit 1967 führen die einfallsreicheren Israelis jedoch einen regelrechten Tierkrieg gegen die Palästinenser. Lange vor dem Krokodil-Wächter-Projekt setzten sie Hunde, Wildschweine, Schafe, Kühe, Rehe, Wildesel und Vögel als Instrumente der Unterdrückung ein und tun dies auch weiterhin.
Biblische Fantasien inspirierten Avraham Yoffe, einen General der israelischen Armee von 1948, der später der erste Leiter der Israelischen Natur- und Parkbehörde wurde, dazu, das zu starten, was die Israelis als „Rückkehr“ und „Wiederansiedlung“ von in der Bibel erwähnten Tierarten bezeichneten.
Zwei solcher Tiere wurden – genau wie die Juden „zurückgekehrt“ sind – aus dem Iran nach Israel „zurückgebracht“, wo beide Arten weiterhin existiert hatten: das Persische Damwild und der Asiatische Wildesel.
Der Wildesel wurde zwischen 1982 und 1987 im Negev angesiedelt, nachdem er Israel vor dem Sturz seines Regimes vom Zoo des Schahs in Teheran geschenkt worden war. Vier Damhirsche wurden unterdessen am Vorabend der Islamischen Revolution gewagt aus der Wildnis entführt und von Israel aus dem Iran „gerettet“, wodurch sie vor dem neuen Regime „bewahrt“ wurden.
Die im Buch Hiob erwähnten Wildesel wurden im Negev „wiederangesiedelt“ und drangen in die Weidegebiete der palästinensischen Beduinen ein. Ihre Besitzer wurden bestraft, weil sie ihren Kamelen erlaubt hatten, aus den üblichen Wasserquellen zu trinken, die nun den „zurückkehrenden“ Wildeseln vorbehalten waren. Allein in den Jahren 2018 und 2019 verhängte Israel 76 Bußgelder in Höhe von insgesamt 544.300 Schekel (160.000 US-Dollar) gegen palästinensische Beduinen wegen des Betretens des neuen Wildeselgebiets durch ihre Kamele.
Was die Damhirsche betrifft, so veranlasste deren „Rückkehr“ Israel dazu, die Wildhundepopulation in den Jerusalemer Hügeln zu töten, bevor die Hirsche 2005 wieder angesiedelt wurden. Die Hunde wurden als „verwildert“ eingestuft, um ihre legale „Keulung“ im Namen des Schutzes der Hirsche zu ermöglichen.
Das Töten palästinensischer Hunde und die Vertreibung palästinensischer Kamele aus ihrem Heimatgebiet ist ein Schicksal, das dem nicht unähnlich ist, das Israel dem palästinensischen Volk selbst zugefügt hat – alles, um das Land biblisch und „wieder jüdisch“ zu machen, wie die israelische Rechtsprofessorin und Umweltanwältin Irus Braverman argumentiert hat.
Wildtiere als Waffen
Israel hat zudem die weit verbreitete Praxis der Stieglitzhaltung unter Strafe gestellt – kleine Vögel, die in Palästina und den benachbarten arabischen Ländern wegen ihrer schönen Farben und ihres verlockenden Gesangs geschätzt werden.
Doch Israels „Tierkrieg“ ist weitaus gewalttätiger als die Geschichte der Rehe, Wildesel und Stieglitze.
Seit 2009, wenn nicht sogar schon früher, hat die israelische Siedlerkolonie Wildschweine als Waffe gegen Palästinenser im Westjordanland eingesetzt. Dies geschah erneut in den Jahren 2014 und 2022, als israelische Siedler die Wildschweine auf Lastwagen verladeten und in der Nähe palästinensischer Gemeinden freiließen, die – im Gegensatz zu den umzäunten und illegalen israelischen Siedlungen in der Nähe – für Wildschweininvasionen ungeschützt sind.
Die Wildschweine haben Menschen und Nutztiere angegriffen und verletzt sowie Ernten zerstört. Israel verbietet den Palästinensern, sie zu töten, da sie eine geschützte Tierart sind.
Der Einsatz als Waffe geht weiter. Im April 2025 ließ die israelische Armee 18 Wildschweine in Iktaba frei, einem belagerten palästinensischen Dorf in der Nähe des Flüchtlingslagers Nur Shams im besetzten Westjordanland. Israel hatte die Bewohner des Lagers vertrieben und mit der Zerstörung des Lagers begonnen. Die Wildschweine sollten Palästinenser terrorisieren, die versuchten, in ihre Heimat zurückzukehren.
Neben der Rettung von Damhirschen vor der drohenden Islamischen Republik im Jahr 1978 hat Israel auch versucht, die Esel im Gazastreifen vor der palästinensischen „Sklaverei“ zu retten, während es gleichzeitig Völkermord an den Palästinensern verübt.
Die Palästinenser im Gazastreifen sind auf Esel und Pferde für den Transport, die Wasserversorgung, das Sammeln von Brennholz, die Landwirtschaft sowie den Transport von Journalisten und Hilfsteams angewiesen, sodass der Diebstahl von Eseln Teil der völkermörderischen Bemühungen Israels ist.
Hunderte der überlebenden Esel wurden entführt und gestohlen, da mehr als 97 Prozent der Tierpopulation Gazas – darunter Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Maultiere und Esel – seit Beginn des Völkermords ausgelöscht wurden, ebenso wie 84 Prozent der Vegetation.
Auch im Westjordanland greifen Siedler regelmäßig palästinensisches Vieh an, stehlen es und töten es. Ein Bericht von Amnesty International beschreibt detailliert diesen Krieg gegen das Vieh, einschließlich der Übernahme palästinensischer Weideflächen durch Israel.
Kampfhunde
Während palästinensische „wilde“ Hunde getötet wurden, damit persische Damhirsche Israel wieder „jüdisch“ machen konnten, werden europäische Hunde importiert, um Palästinenser anzugreifen und, in jüngerer Zeit, sie zu vergewaltigen.
Die Niederlande, seit 1948 ein Feind des palästinensischen Volkes, sind ein wichtiger Lieferant dieser rassistischen Kampfhunde. Israels Oketz-Hundestaffel importiert zudem Hunde von anderen europäischen Lieferanten und bildet sie aus, um Zivilisten zu terrorisieren.
Noch schrecklicher ist, dass Israel diese „rassistischen“ Hunde darauf trainiert hat, palästinensische Gefangene zu vergewaltigen, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde
Zwischen Oktober 2023 und 2025 führte Israel mindestens 146 „Oketz“-Angriffe durch, bei denen Mohammad Bhar, ein 24-jähriger Palästinenser mit Down-Syndrom und Autismus, in seinem Haus getötet und Dutzende verletzt wurden. Menschenrechtsorganisationen haben einen Großteil dieser Kriegshandlungen mit Hunden aufgedeckt.
Noch erschreckender ist, dass Israel diese „rassistischen“ Hunde darauf trainiert hat, palästinensische Gefangene zu vergewaltigen, wie im vergangenen Jahr bekannt wurde. Angesichts des Ausmaßes dieses Grauens hat sich sogar die „New York Times“ schließlich dazu herabgelassen, über die von Israel ausgebildeten Vergewaltigungshunde zu berichten.
Damit wir nicht vergessen, wie human das israelische Recht gegenüber Wildtieren im Gegensatz zu palästinensischen Tieren und Menschen ist: Die mitfühlenden Richter des israelischen Obersten Gerichtshofs gehörten 2003 zu den ersten weltweit, die die Foie-gras-Produktion verboten haben, um domestizierte Gänse und Enten vor der Folter durch Zwangsfütterung zu schützen.
Dasselbe Gericht erlaubt natürlich die Folter von Palästinensern. Im Jahr 2015 legalisierte Israel hingegen die Zwangsernährung palästinensischer Hungerstreikender in seinen Kerkerzellen – eine Praxis, die international als Folter verurteilt wird.
Vor diesem Hintergrund ist Ben Gvirs Vorhaben, „menschliche Krokodile“ mit Nilkrokodilen bewachen zu lassen, nicht empörend, sondern zeugt von Israels humaner Liebe zu jeder Tierart – mit Ausnahme der palästinensischen „menschlichen Tiere“, deren Ausrottung es beharrlich vorantreibt – diesmal, indem es sie an Nilkrokodile verfüttert.
Joseph Massad ist Professor für moderne arabische Politik und Geistesgeschichte an der Columbia University in New York. Er ist Autor zahlreicher Bücher sowie wissenschaftlicher und journalistischer Artikel. Zu seinen Büchern zählen „Colonial Effects: The Making of National Identity in Jordan“, „Desiring Arabs“, „The Persistence of the Palestinian Question: Essays on Zionism and the Palestinians“ und zuletzt „Islam in Liberalism“. Seine Bücher und Artikel wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt.
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Die Halbinsel Krim war das Ferienparadies par excellence – und ist es zumindest für russische Touristen bis heute. Vor allem die Südküste zwischen Sewastopol und Feodossija ladet zum Baden, wie das Bild zeigt. (Foto: Christian Müller)
Die Ukraine beschießt mehr und mehr Ziele im Innern Russlands, notabene mit Waffen aus dem Westen und mit westlicher Steuerung der Drohnen und Raketen. Und seit einiger Zeit gehört auch die Krim zu den Zielen des ukrainischen Militärs. De facto verstärkt die Ukraine damit sogar den Willen der Krim-Bewohner, nicht zur Ukraine, sondern zu Russland zu gehören. (cm)
In den letzten Wochen hatte die Ukraine ihre Angriffe auf die Krim massiv verstärkt, jene Halbinsel, die seit langem ein Zankapfel zwischen Russland und der Ukraine ist. Die Angriffe mit Drohnen und Raketen haben systematisch nicht nur militärische Ziele wie Flugplätze getroffen, sondern auch Kraftwerke, Eisenbahnstrecken und Brücken. Russische Schiffe, die Öl und Benzin transportieren, wurden in großer Zahl im Asowschen Meer östlich der Krim getroffen. Auch die Straßen, die von der Südukraine zur Krim führen, sind zu Zielen geworden. Die berühmte Kertsch-Brücke, die die Ukraine in der Vergangenheit zu zerstören versuchte, blieb jedoch vorerst verschont. Tausende Menschen haben die Krim in den vergangenen zwei Monaten über diese Brücke verlassen. Die Ukraine will angeblich die Brücke als Fluchtweg offen lassen — für diejenigen, die die Halbinsel verlassen wollen.
Die ukrainischen Angriffe auf die Krim haben zu häufigen Strom- und Wasserausfällen sowie zu Benzinknappheit geführt. Maria ist Reiseleiterin und Lehrerin, sie wohnt in Sewastopol, wo bis 2022 die russische Flotte stationiert war. „Auf der Krim ist die Lage schwierig“, sagte Maria. „In Dschankoi [im nördlichen Teil der Halbinsel, Anm. d. Red.] gibt es seit über einer Woche keinen Strom mehr. Kühlschränke funktionieren nicht, Geschäfte schließen. Manche haben Generatoren, dort kann man sein Handy für 200 Rubel [etwa 2 Euro, Anm. d. Red.] aufladen.“
In Sewastopol, das weiter von der Front entfernt liegt, scheint die Lage etwas besser zu sein: „Auch hier in Sewastopol haben wir Stromengpässe, Strom haben wir jeweils nur drei Stunden lang. So hat man zumindest Zeit, sein Handy und so weiter aufzuladen. Die Kühlschränke werden nicht warm, die Lebensmittel bleiben gut erhalten. Viele Geschäfte werden mit Generatoren betrieben.“
Und wie reagieren die Menschen auf der Krim? Die Leute seien müde, sagte Maria, aber sie würden alles „mit Verständnis“ hinnehmen: „Wir sind das gewissermaßen gewohnt. Als wir noch zur Ukraine gehörten, wurden Strom, Wasser und Gas ständig rationiert. Wir erinnern uns auch an 2014, als sie [die Ukraine, Anm. d. Red.] die gesamte Stromversorgung unterbrochen haben. Für uns war die Ukraine immer mit Engpässen verbunden.“
Es gibt jedoch etwas, das man nicht so leicht hingenommen hat. Am 10. Juni griff die Ukraine das Museum „Panorama“ an, gewidmet dem Krimkrieg des 19. Jahrhunderts. Das Museum wurde bei dem Angriff „praktisch zerstört“. „Der Brand im Panorama-Museum war das Schrecklichste. Meine Freunde und Kollegen haben mich angerufen und geweint. Das wird man nicht verzeihen können.“
Am Montag verloren mehr als 300.000 haitianische Immigranten in den USA durch die Aufhebung ihres befristeten Schutzstatus (TPS) ihren legalen Aufenthaltsstatus und ihre Arbeitserlaubnis. Durch diese brutale Maßnahme droht Arbeitern und ihren Familien die Inhaftierung und Abschiebung in ein Land, das durch jahrzehntelange imperialistische Interventionen der USA verwüstet wurde.
Einen Tag später führte das Heimatschutzministerium eine weitreichende neue Regelung ein, die es Asylbeamten erlaubt, Hunderttausende von Anträgen direkt in Abschiebeverfahren zu überführen, ohne die Antragsteller zuvor anzuhören. Diese Maßnahme könnte bis zu 444.724 laufende Verfahren sowie schätzungsweise 132.000 künftige Anträge pro Jahr betreffen.
Berichten zufolge wurden in Städten mit großem haitianischem Bevölkerungsanteil schwer bewaffnete und maskierte ICE-Agenten mobilisiert, u.a. in New York City, Boston, San Diego, Orlando, Miami und Springfield (Ohio). Anwohner berichteten, dass normalerweise belebte und stark frequentierte Straßen leer seien, da die Bewohner zu Hause blieben, um der Einwanderungs-Gestapo aus dem Weg zu gehen.
Die Operation trägt die Züge eines modernen Pogroms. Bundesagenten, die niemandem Rechenschaft schuldig sind, werden in Arbeiterviertel geschickt, um Jagd auf Arbeiter, Eltern, Schüler, Studenten, Pflegekräfte und Lehrer zu machen, die kein Verbrechen begangen haben. Den Festgenommenen drohen wochen-, monate- oder sogar jahrelange Haft in dem wachsenden Netzwerk größtenteils privat betriebener Konzentrationslager in den gesamten USA, bevor sie in eines der gefährlichsten Länder der Welt abgeschoben werden.
Guerline Jozef, die geschäftsführende Direktorin der Haitian Bridge Alliance, erklärte gegenüber dem Miami Herald: „Wir hören von Leuten aus dem ganzen Land, dass sie Angst haben, verwirrt sind, traumatisiert, weil es keine klaren Richtlinien gibt.“
Jozef erklärte, haitianische Gemeinden hätten bereits am Wochenende über eine zunehmende Präsenz der ICE berichtet. Arbeitern wurden bereits die Schichten gestrichen, während Schüler, die sich auf die Rückkehr in die Schule im Herbst vorbereiten, nach dem Verlust ihres Aufenthaltsstatus von der Schule abgemeldet werden.
Am 13. Juli eröffnete Bundeskanzler Friedrich Merz an der Universität Köln feierlich die „Adenauer School of Government“. Von diesem Institut sollen, so der Ehrengast Merz in seinem Festvortrag, „künftige Führungskräfte“ kommen für „die selbstbewusste Neuordnung der Welt“, mit der „Digitalisierung und Modernisierung unseres Staates, gerade auch unserer kritischen Infrastruktur, in Form der Befähigung unserer Streitkräfte“.[1]
Höchste „Sicherheits“stufe
Die Eröffnung war eine Veranstaltung der höchsten „Sicherheits“stufe. Der Albertus-Magnus-Platz vor der Universität war hermetisch abgeriegelt, umstellt von Polizeiwagen und Sicherheitspersonal, bevor die sechsspännige Mercedes-Kanzler-Kolonne, ebenfalls abgeschirmt von Polizeiwagen, einfahren konnte.
Sprengstoffexperten mit ihren Spürhunden kontrollierten das Hauptgebäude, suchten nach Bomben, kontrollierten die Fotoapparate und Aufnahmegeräte der zahlreichen Journalisten. Auch im Saal mit der Rede von Merz galten strenge Vorschriften: Der Zutritt war streng geregelt, beim Beifallklatschen durften die ausgewählten Zuschauer nicht aufstehen, sondern mussten sitzenbleiben. „Sitzenbleiben!“ ist ja sowieso die Parole des Bundeskanzlers an die Bevölkerung, bei der er gerade noch 13 Prozent Zustimmung hat und er zu Recht das Aufstehen befürchten muss.
Zur Eröffnung sprachen auch die Wissenschaftsministerin des Landes NRW, der Universitätsdirektor und der schon eingesetzte Institutsdirektor. Und Merz verließ nach seinem Auftritt als Erster den Saal, als Vorsichtsmaßnahme, damit ihn keiner und keine unter den braven Sitzenbleibklatschern am schnellen Verschwinden behindern oder ihm gar eine ungeplante Frage stellen konnte.
Breiter Protest, studentisch, gesellschaftlich – und gut vorbereitet
Die „Sicherheit“ für den Minderheits-Feier-Kanzler galt den mehreren Tausend Studierenden, die auf der Uniwiese hinter dem Hauptgebäude der Universität protestierten.
„74 % unzufrieden – für wen regiert Merz?“, hieß es auf einem der vielen Dutzend hochgehaltenen Protestschilder; auf anderen Transparenten stand die ganze fantasievolle Palette, meist kurz und knapp: „Halt den Mund, Friedrich“, „Köln steht auf – Merz muss weg“, „Merz ist nicht die Mitte“, „Mehr Herz statt Merz“, „Lieber Merz los statt Herzlos“, „Behinderte gegen Rechts“, „Tax the Rich“, „Reformen – das ist Klassenkrieg“ und zum Beispiel: „Ich habe meine Arbeit unterbrochen, um gegen Merz zu protestieren – Klassenkampf“ – und so weiter.[2]
Der Protest war seit Wochen gut vorbereitet, durch ein breites Bündnis. Auch bei Studierenden ist inzwischen mehr an Selbstorganisation und Widerstand los, als der „normale“ Medienkonsument und Wähler ahnt (und ahnen soll). Die Themen betreffen natürlich die Universität, gehen aber auch weit in die Gesellschaft hinein.