Wie sieht Russlands Strategie in Afghanistan aus?

Von Andrew Korybko – 17. Oktober 2026

Eine strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern in allen Bereichen steht bevor.

Russlands jüngstes Lob für die Erfolge der Taliban bei der Terrorismusbekämpfung, der historische Besuch des Chefs des Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, in Kabul sowie die bevorstehende Reise des stellvertretenden Ministerpräsidenten Alexej Overchuk als Teil einer Wirtschaftsdelegation haben weltweit Interesse an Russlands Strategie in Afghanistan geweckt. Es ist ganz offensichtlich, dass etwas Bedeutendes in Vorbereitung ist. Es geht mit ziemlicher Sicherheit über die Bewaffnung der Taliban durch Russland im Kampf gegen ISIS-K hinaus und betrifft höchstwahrscheinlich den Abschluss einer strategischen Partnerschaft in allen Bereichen.

Was den Sicherheitsbereich betrifft, könnte dies Waffen, Ausbildung im Drohnenkrieg und gemeinsame Anti-Terror-Übungen umfassen, wobei letztere nach dem Vorbild der jährlichen Übungen gestaltet werden könnten, die Russland gemeinsam mit Pakistan durchführt. Dies würde die Taliban in die Lage versetzen, den ISIS-K aus seinen Hochburgen nahe der Grenze zu Russlands zentralasiatischen Verbündeten zu vertreiben, vor denen Außenminister Sergej Lawrow letzte Woche gewarnt hatte. Diese „terroristische ‚Internationale‘“, wie er sie einprägsam beschrieb, versucht aktiv, Zentralasien zu unterwandern, und muss um jeden Preis gestoppt werden.

Die sicherheitspolitische Dimension der russisch-afghanischen strategischen Partnerschaft mündet in den Investitionsbereich, der das Interesse des Kremls an der 1-Billionen-Dollar-Bergbauindustrie des Landes betrifft. Russland liegt im Technologiewettlauf, der die „Vierte Industrielle Revolution“ prägen wird, weit hinter den USA und China zurück, kann diesen Rückstand jedoch durch Afghanistans kritische Mineralien aufholen, die für KI, Rechenzentren, Robotik und das „Internet der Dinge“ unverzichtbar sind. Gespräche über einen vorrangigen Zugang zu diesen Ressourcen – natürlich zu fairen Bedingungen – werden wahrscheinlich den Besuch von Overchuk prägen.

Russlands miteinander verknüpfte Sicherheits- und Bergbauinteressen bilden die Grundlage für seine wirtschaftlichen Interessen hinsichtlich der Rolle, die es beim Wiederaufbau Afghanistans nach Jahrzehnten des Krieges spielen könnte. Ein Teil der Erlöse aus Russlands Bergbauinvestitionen könnte in von Russland gebaute (oder zumindest entworfene) Kraftwerke, Schulen, städtische Infrastruktur, landwirtschaftliche Initiativen und Infrastrukturprojekte fließen. Auf Wunsch wird Russland Afghanistan gerne dabei helfen, einen realistischen Wiederaufbauplan zu entwerfen, der den Kern ihrer Partnerschaft bilden könnte.

Um die vorgenannten sowie ergänzende Bemühungen anderer Partner Afghanistans wie Indien und China zu erleichtern – die den Kern des BRICS-Netzwerks bilden, welches den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität beschleunigt –, wird Russland wahrscheinlich sehr bald einen Finanzkanal mit Afghanistan eröffnen. Russland ist bislang das einzige Land, das die Rückkehr der Taliban an die Macht offiziell anerkannt hat, sodass seine Bankdienstleistungen legal mit Afghanistan verbunden werden können und somit den Kapitalfluss in beide Richtungen erleichtern. Auch Halal-Kredite können angeboten werden.

Die letzte Säule der russisch-afghanischen strategischen Partnerschaft betrifft die regionale Vernetzung, insbesondere die Eisenbahnverbindung Pakistan–Afghanistan–Usbekistan, von der Russland sich vorstellt, dass sie eines Tages bis nach Indien reicht, falls Russland und Pakistan ihren jahrzehntelangen Streit um Kaschmir endlich beilegen sollten. Damit dies jedoch geschehen kann, muss zunächst der afghanisch-pakistanische Krieg beendet werden. Russlands Sonderbeauftragter für Afghanistan, Zamir Kabulov, bot an, zu vermitteln – allerdings unter der Bedingung, dass beide Seiten dies beantragen; Pakistan stellte sich jedoch gegenüber seinem Angebot einfach taub.

Dies führt zu dem sprichwörtlichen Elefanten im Raum, nämlich Pakistan, das wütend darauf besteht, dass die Taliban mit Terroristen verbündet seien. Das Establishment des Landes – also das mächtige Militär und die Geheimdienste, die das Land tatsächlich regieren – könnte daher auf eine möglicherweise bevorstehende russisch-afghanische strategische Partnerschaft, insbesondere auf deren sicherheitspolitische Dimension, überreagieren.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Apokalypse jetzt

Von Felix Feistel – 17. Oktober 2026

Kollapspropheten verlegen den kommenden Untergang immer in die Zukunft – in Wahrheit ist er längst im Gange.

Immer wieder gibt es Warnungen vor einem künftigen Kollaps. Ökonomen mahnen den Zusammenbruch des Finanzsystems an. Andere Stimmen warnen vor Blackouts und Energiearmut. Dabei werden all diese Szenarien eines drohenden Untergangs immer in eine nahe oder doch unbestimmte Zukunft verlagert. Schaut man sich die Ereignisse im Westen aber genauer an, muss man feststellen, dass der Kollaps bereits vor unseren Augen stattfindet. Dabei handelt es sich nicht um einen plötzlichen, apokalyptischen Zusammenbruch. Wie der Untergang jeder Zivilisation zuvor vollzieht sich auch der heutige in Zeitlupe durch eine Aneinanderreihung gradueller Verschlechterungen in allen Bereichen.

Die Situation im Nahen Osten versetzt zunehmend die Ökonomen der Welt in Sorge. Seit Monaten findet auf wechselnden Ebenen ein Krieg der USA gegen den Iran statt. Auf die ursprüngliche Aggression durch Bomben und Raketen reagierte der Iran seinerseits mit Angriffen in der gesamten Region. Dabei wurden ziemlich schnell auch Raffinerien und Ölinfrastruktur unter Beschuss genommen. Hinzu kommt die Blockade der Straße von Hormus durch die iranischen Revolutionsgarden. Diese Lebensader der globalen Ökonomie pumpt eigentlich zwischen 20 und 30 Prozent des global benötigten Erdöls, Flüssiggases sowie verschiedener Ausgangsstoffe für Düngemittel und andere Industriegüter in alle Regionen der Welt. Mit der Blockade kam der Durchfluss an Frachtschiffen weitgehend zum Erliegen. Passierten früher um die 130 Schiffe am Tag die Meerenge, so liegt dieser Wert heute im einstelligen Bereich.

Verstärkt wird dieser Effekt noch durch eine von den USA verhängte Gegenblockade iranischer Schiffe. Zur Umgehung der Straße hat vor allem Saudi-Arabien den Öltransport durch die Ost-West-Pipeline an die Küste am Roten Meer drastisch erhöht. Doch im Laufe des Sommers 2026 verschärfte sich der Konflikt mit der jemenitischen Huthi-Miliz. Diese ging dazu über, Saudi-arabische Ölinfrastruktur anzugreifen und saudische Schiffe im Roten Meer zu blockieren. Ein lange schwelender Krieg zwischen den Huthis und der von Saudi-Arabien gestützten offiziellen Regierung des Jemen in Aden flammte wieder auf.

Im September eroberten die Huthis innerhalb weniger Tage die Küste des Jemen am Roten Meer, sowie wichtige Inseln in der Meerenge Bab al-Mandeb. Diese Meerenge ist der einzige Zugang zum Roten Meer und damit zum Suezkanal von dieser Seite aus. Die Huthis, die als mit dem Iran verbündet gelten, können diese Meerenge nun jederzeit sperren.

Und das ist für die saudischen Transportschiffe ein großes Problem. Denn der größte Teil der Ölexporte aus Saudi-Arabien geht nach Asien. Der Weg ist aber durch die Sperrung des Roten Meeres versperrt. Saudische Tanker müssten den Umweg über den Suezkanal und ganz Afrika nehmen – eine zusätzliche Fahrtzeit von vielen Wochen. Hinzu kommt, dass ein großer Teil der saudischen Super-Tanker den Suezkanal gar nicht voll beladen befahren kann. Denn dieser hat nur eine Tiefe von etwa 20 Metern. Der Tiefgang voll beladener VLCC (Very Large Crude Carriers) – also der Supertanker – liegt aber oft bei 20 Metern oder sogar mehr.

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Europa im Teufelskreis der Eskalation

Von Michael Silnizki – 17. Oktober 2026

Putin im Vostochny Cosmodrome. Bild: Kreml/Ria Novosti/CC BY-SA-4.0

Gefangen zwischen Abschreckung und nuklearer Bedrohung.

  „Die Nato ist viel stärker als Russland, daher haben sie keine Chance, uns zu besiegen. … sind ein Verteidigungsbündnis. Hört auf mit den nuklearen Drohungen. Sie sind völlig unnötig und nützen nichts.“ – Der Nato-Generalsekretär Mark Rutte, 30.09.2026

 „Eskalation der Feindseligkeiten und Sanktionen sind keine neuen Praktiken. Sie wurden in vielen Konflikten angewendet und sind nie einseitig. Provokative Aktionen der einen ziehen eine Reaktion der anderen nach sich. So verschärft sich die Spirale, und die zerstörerischen Folgen nehmen zu.“ – Putin, Waldai-Diskussionsklub, 1.10.2026

1. Schrecken die Atomwaffen noch ab?

    Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine wird immer wieder über den Einsatz von Atomwaffen diskutiert. Kann es zum Einsatz von Nuklearwaffen wirklich kommen oder ist er nichts weiter als nur ein Hirngespinst und dient allein und ausschließlich als Abschreckung?

Die Frage ist so alt wie die ersten und letzten Abwürfe der Atombomben kurz vor der Kapitulation Japans. Nach den Erfahrungen von Hiroshima und Nagasaki stehen Nuklearwaffen nicht mehr wirklich zur Verfügung.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die heutige japanische Geschichtspolitik. Bei einer Gedenkfeier zum 79. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima äußerte der japanische Premierminister, Fumio Kishida (2021-2024), seine Besorgnis über Russlands Atomwaffen. Er verschwieg dabei, dass die USA und nicht die UdSSR Atombomben auf japanische Städte abgeworfen haben. In den letzten Jahren hat das offizielle Tokio die Erwähnung der USA in öffentlichen Stellungnahmen stets vermieden.

Als am 6. und 9. August 2026 in Hiroshima und Nagasaki Gedenkfeiern zum 81. Jahrestag der Atombombenabwürfe stattfanden, schwieg die japanische Premierministerin, Sanae Takaichi, in ihrer Rede dazu ebenfalls und gab mit keinem Wort zu verstehen, wer die Atombomben abgeworfen hat.

Auch Hiroshimas Bürgermeister, Kazumi Matsui, vermied es, die USA zu erwähnen und warf stattdessen Russland vor, Atomwaffen als Mittel der Einschüchterung einzusetzen. Lediglich der Bürgermeister von Nagasaki erklärte explizit, dass ein amerikanisches Kampfflugzeug die Atombombe auf die Stadt abgeworfen hat.

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Russland könnte in seinem Wettrüsten mit Europa indirekte Unterstützung von den USA erhalten

Von Andrew Korybko – 17. Oktober 2026

Selbst eine teilweise Lockerung der Sanktionen – mit oder ohne Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine – würde in Russland das dringend benötigte BIP-Wachstum generieren, um in diesem Wettrüsten besser mit Europa mithalten zu können.

Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz forderte Mitte Oktober, dass die EU ihre militärisch-industrielle Produktion auf „Kriegsmodus“ hochfahren solle. Der öffentlich finanzierte Sender TVP seines Landes stellte dies in einen Zusammenhang, indem er einen Bericht zitierte, wonach Russland im vergangenen Jahr „rund sieben Millionen Artillerie-, Mörser-, Panzer- und Raketenmunitionen“ produziert habe, während alle 27 EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen in diesem Jahr nur zwei Millionen produziert hätten. Der umfassendere Hintergrund betrifft die Nationale Verteidigungsstrategie der USA und die neue „Theorie des Sieges“ der NATO.

Was die erste betrifft, so wird darin eingeschätzt, dass „die europäische NATO Russland in Bezug auf wirtschaftliche Größe, Bevölkerungszahl und damit latente Militärmacht in den Schatten stellt“; daher die Logik hinter den NATO-3.0-Plänen der USA, wonach die Europäer die Führung bei der Eindämmung Russlands übernehmen sollen, während sich die USA „(wieder) nach (Ost-)Asien ausrichten“, um China stärker in Schach zu halten. Was den zweiten Punkt betrifft, so fordert dieser den Einsatz konventioneller Streitkräfte, Drohnen und Präzisionsmunition, um Russland jeweils zu blockieren, abzuschwächen und zu brechen. In ihrer Gesamtheit haben diese Entwicklungen zur Folge, dass ein weiteres Wettrüsten ausgelöst wird.

Der zuvor erwähnte Bericht, auf den sich TVP berief, behauptete, dass Russland im vergangenen Jahr schätzungsweise 7,5 Prozent seines BIP für Verteidigung ausgegeben habe, was voraussichtlich weiter steigen wird, sobald das neue Wettrüsten mit der europäischen NATO (E-NATO) wie erwartet in Gang kommt. Russlands BIP dürfte in diesem Jahr nach eigenen Schätzungen des Kremls jedoch nur um 0,6 Prozent wachsen, sodass höhere Verteidigungsausgaben eine größere Belastung darstellen werden. Der militärisch-industrielle Komplex nimmt bereits einen erheblichen Anteil an der Wirtschaft ein und kann das Wachstum nicht auf Dauer ankurbeln.

Dringend erforderlich ist daher eine Rückkehr zu der Wachstumsrate von 5,6 Prozent im Jahr 2021 aus der Zeit vor der besonderen Operation, die auf natürliche Ursachen zurückzuführen war und nicht auf die militärisch-industrielle Produktion – wie jene, die das Wachstum von 4,1 Prozent im Jahr 2023 und 4,9 Prozent im Jahr 2024 prägte, bevor es im vergangenen Jahr auf nur noch ein Prozent einbrach. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass dies in den kommenden Jahren eintritt, es sei denn, Russland erhält eine gewisse Erleichterung bei den Sanktionen, was wiederum Putins Pläne in einen Zusammenhang stellt, den Ukraine-Konflikt rasch zu beenden und bedeutende Abkommen mit den USA zu schließen.

Um das erste Ziel zu erreichen, wird Russland im Laufe des Winters seine systematischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur verstärken, während das Dieselabkommen eine „Geste des guten Willens“ war, die als Schritt in Richtung des zweiten Ziels dient. Die Logik des vorangegangenen Hyperlinks wurde durch den nachfolgenden Bericht der Washington Post über die von den USA geplante Sanktionserleichterung für Russland untermauert, die auf die „wirtschaftliche Integration von Russland, der Ukraine und Europa durch ein Energieabkommen“ abzielt. Eine mögliche Beteiligung der USA an Nord Stream könnte dabei eine herausragende Rolle spielen.

Im Gegenzug für spekulative Zugeständnisse bei seinen maximalistischen Zielen im Ukraine-Konflikt würde Russland die Sanktionserleichterungen erhalten, die für eine komfortable Teilnahme an diesem neuen Wettrüsten mit der E-NATO erforderlich sind, von dem die USA durch Waffenverkäufe an ihre Verbündeten profitieren werden. Trump ist der Ansicht, dass die USA langfristig mehr von einer ressourcenorientierten strategischen Partnerschaft mit Russland profitieren – auch wenn dies auf Kosten der Erleichterung der russischen Teilnahme an dem oben genannten Wettrüsten geht –, als wenn sie den finanziellen Druck auf Russland zum militärischen Vorteil der E-NATO aufrechterhalten.

Ob man diese Strategie nun als teuflisch oder als pragmatisch beurteilt, sie stellt eine Art machiavellistischen Balanceakt dar, wenn auch einen, der die E-NATO begünstigt, da die USA ihr Waffen verkaufen werden, die eines Tages Russen töten könnten, diese aber niemals an Russland verkaufen würden, um Europäer zu töten. Allerdings würde Russland selbst durch die teilweise Aufhebung der Sanktionen eine gewisse indirekte Unterstützung von den USA im Wettrüsten mit der E-NATO erhalten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Somalia: Eine Million Kinder, Frauen und Männer hungern

Von Heinrich Fein – 17. Oktober 2026

Zwei Kinder, die in einer ländlichen Gegend Somalias mit Kanistern Wasser holen (Foto: Pexels/Najim Kurfi)

In Europa schauen wir verständlicherweise auf den Krieg in der Ukraine und wegen der Folgen auch auf den US-amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran. Dabei gerät das geschehen in anderen Teilen der Welt leider schnell in Vergessenheit. Der Autor Heinrich Frei erinnert uns daran, was in Somalia passiert.

Die Zahl der Hungernden steigt erstmals seit 20 Jahren, wie die Welthungerhilfe schreibt. Auch in Somalia mit 17 Millionen Einwohnern gibt es heute mehr Hungernde. Dieses Land hat heute drei Millionen Binnenvertriebene. Laut Angaben der UNO sind in Somalia 4,4 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Eine Million Kinder, Frauen und Männer leiden bereits jetzt unter extremen Hunger. 

Tausende sind in Somalia vor der Dürre, des Krieges und angesichts eines starken Rückgangs der Lieferung von Hilfsgütern, des Welternährungsprogrammes in die Städte geflohen. Tausende von Hunger betroffene Familien haben aufgrund der jahrelangen Dürre in Somalia ihr Vieh und ihre Höfe verloren.

Die US-Regierung unter Donald Trump hat die Hilfe gekürzt und viele andere Länder auch. Die USA haben bisher weltweit am meisten Hilfe geleistet.

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Zunächst abgelehnt, jetzt zugelassen: Neue Wendung im Verfahren gegen Bill Gates in Leeuwarden

Von uncut.news.ch – 16. Oktober 2026

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Das Zivilverfahren gegen Bill Gates im niederländischen Leeuwarden hat eine bemerkenswerte Wendung genommen. Nach zwei juristisch begründeten Einwänden des Rechtsanwalts Peter Stassen hat das Gericht Noord-Nederland am 14. Oktober entschieden, mehr als drei Stunden eidesstattlich abgegebener Sachverständigenaussagen doch noch als Beweismittel zuzulassen. Damit erhält das aussergewöhnliche Verfahren wenige Tage vor der nächsten Verhandlung eine neue Dynamik.

Sieben Kläger gegen Bill Gates und weitere prominente Beklagte

Im Mittelpunkt des Verfahrens stehen sieben Menschen, die nach eigenen Angaben durch COVID-19-Impfungen schwere gesundheitliche Schäden erlitten haben. Sie machen eine Reihe prominenter Persönlichkeiten und Institutionen persönlich haftbar, darunter Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, Pfizer-Chef Albert Bourla, den ehemaligen niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte, den niederländischen Staat sowie dreizehn weitere Beklagte aus Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft.

Bei der Klage handelt es sich nicht um eine Sammelklage, sondern um ein Zivilverfahren wegen einer behaupteten unerlaubten Handlung. Damit steht theoretisch auch das Privatvermögen der persönlich beklagten Personen auf dem Spiel.

Die Argumentation der Kläger geht weit über mögliche Impfschäden hinaus. Sie vertreten die Auffassung, COVID-19 sei keine tatsächliche Pandemie gewesen, sondern ein inszeniertes Projekt. Die mRNA-Impfstoffe bezeichnen sie in ihren Schriftsätzen als biologische Waffen.

Für den 22. Oktober ist in Leeuwarden die erste inhaltliche Verhandlung vorgesehen, bei der die Gegenseite formell Stellung nehmen muss.

Fiona Rose Diamond erläuterte den Kurswechsel des Gerichts in einem Beitrag auf X. […]

Gericht wollte Videoaussagen zunächst ausschliessen

Ein zentraler Streitpunkt war bislang die Frage, ob die vollständigen Videoaussagen der von den Klägern benannten Sachverständigen überhaupt Bestandteil der Gerichtsakten werden dürfen.

Das Gericht hatte ursprünglich entschieden, diese Aufzeichnungen nicht als Beweismittel zuzulassen. Rechtsanwalt Peter Stassen widersetzte sich dieser Entscheidung mit zwei juristischen Einwänden. Auf einen ersten formellen Einspruch folgte am 1. Oktober eine ergänzende Eingabe.

Stassen berief sich dabei ausdrücklich auf Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention, der das Recht auf ein faires Verfahren garantiert. Seine Argumentation: Wenn ein Gericht sich weigert, vorgelegte Beweismittel zur Kenntnis zu nehmen, werde damit ein grundlegendes rechtsstaatliches Prinzip infrage gestellt.

Am 14. Oktober revidierte das Gericht seine ursprüngliche Entscheidung. Die eidesstattlichen Aussagen von vier Sachverständigen werden nun doch in die Gerichtsakten aufgenommen.

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Putin beim Waldai-Klub: Gemeinsame Verantwortung für Zukunft statt Konfrontation

Von Gabor Stier – 17. Oktober 2026

Russlands Präsidemt Wladimir Putin am 1. Oktober 2026 beim Waldai-Jahrestreffen mit Moderator Fjodor Lukjanow (rechts) (Foto: http://en.kremlin.ru/events/president/news/80910/photos)

»Kriege sind Teil unseres Lebens geworden« und das globale Kräfteverhältnis befindet sich im Umbruch: So beschrieb Wladimir Putin am 1. Oktober auf dem jüngsten Treffen des Waldai-Klubs in Moskau die aktuelle Weltlage. Der ungarische Journalist Gábor Stier ist langjähriges Mitglied des Klubs und war persönlich vor Ort – wo Gäste aus dem Westen mittlerweile selten geworden sind. Seine Analyse wirft ein anderes Licht auf das Treffen und stellt der westlichen Berichterstattung die Aussagen vor Ort gegenüber.

»Das Fehlen allgemein anerkannter Regeln führt häufig zu egoistischem Verhalten. […] Die globale Politik liefert dafür fast täglich Beispiele. Jedes erdenkliche Tabu wird gebrochen.« Das erklärte Wladimir Putin auf der Plenarsitzung des 23. Jahrestreffens des Internationalen Waldai-Diskussionsklubs.

Laut dem russischen Präsidenten habe die Welt einen entscheidenden Wendepunkt erreicht, und nicht nur das globale Kräfteverhältnis, sondern unser gesamtes Leben verändere sich. Er mahnte die Staaten der Europäischen Union zur Mäßigung und machte deutlich, dass Russland den Krieg in der Ukraine zu Ende führen werde. Er gab auch zu verstehen, dass die globalen Spannungen in den kommenden Jahren nicht abnehmen würden, sodass Unsicherheit nicht nur für die Russen, sondern für alle ein natürlicher Teil des Lebens sei.

Die Entwicklung der Welt habe einen entscheidenden Punkt erreicht. Dies sei nicht nur eine politische Frage, da Politik wie immer das Produkt tiefgreifender Veränderungen sei. Von Technologie über gesellschaftliche Strukturen, Klima, Medizin, militärische Angelegenheiten und Bioethik bis hin zur Zukunft der Energie, demografischen Veränderungen, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz und völlig neuen wirtschaftlichen Entwicklungsmodellen fänden in allen Bereichen gewaltige Umwälzungen statt.

»Dies ist der Beginn einer völlig neuen Welt, einer ganz neuen Realität. Bedrohungen und Gefahren sind eng mit Chancen und Perspektiven verflochten. Wir müssen verstehen: Unser gesamtes Leben verändert sich.«

Dabei gehe es keineswegs nur – und nicht einmal in erster Linie – um eine Verschiebung des Machtgefüges oder die Umverteilung von wirtschaftlichem und technologischem Einfluss. Wichtiger sei, dass diese Veränderungen die biologische und moralische Natur des Menschen, sein Wesen, unsere Lebensweise und die Grundlagen unseres Weltbildes beeinflussten. Die Technologie eröffne buchstäblich phantastische Perspektiven zur Verlängerung des Lebens und zur Verbesserung der Lebensqualität. Gleichzeitig hebe sie jedoch durch militärische Konflikte, schnelle Umweltzerstörung oder den Verlust der Kontrolle über technologische Prozesse die Möglichkeit einer universellen Vernichtung auf eine neue Stufe.

Eine natürliche Begleiterscheinung dieser Veränderungen sei eine erhöhte Nervosität, Unsicherheit und innere Spannungen, die aus dem Mangel an Verständnis für die Zukunft resultierten.

Eine Folge davon sei der innenpolitische Aufruhr in vielen Ländern, insbesondere da traditionelle Parteiensysteme die sich rasch verändernde Sozialstruktur immer weniger widerspiegelten. Um die innere Stabilität zu wahren, gingen Regierungen unterdessen immer größere Risiken ein und exportierten dadurch Instabilität. All dies verschärfe und verstärke die in der Welt herrschende Spannung nur noch weiter. Unabhängig davon, welches Szenario sich in den kommenden Jahren global herausbilde, würden internationale Konflikte daher leider dauerhaft bestehen bleiben. Während wir uns strategisch von der westlichen Hegemonie hin zu einer stabileren, demokratischeren und freieren multipolaren internationalen Ordnung bewegten, werde sich die globale Lage allmählich zum Besseren verändern.

Heute seien Vorsicht und Umsicht das Wichtigste. Dies könne helfen zu verhindern, dass die Veränderungen unkontrollierbar würden.

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Putin könnte Trumps angeblichen Friedensplan akzeptieren

Von Andrew Korybko – 16. Oktober 2026

Er stellt einen pragmatischen Interessenausgleich zwischen allen Seiten dar, meint unser Autor.

Die Washington Post berichtete, dass Trumps Sonderbeauftragte Steve Witkoff und Jared Kushner an einem vierteiligen Friedensplan zur Lösung des Ukraine-Konflikts arbeiten. Der erste Teil betrifft den Wiederaufbau der Ukraine, bei dem BlackRock und die Weltbank die Führung übernehmen würden. Das ist angesichts ihrer jeweiligen Erfahrung in den Bereichen Vermögensverwaltung und Kreditvergabe sinnvoll. Der zweite Teil befasst sich mit Sicherheitsgarantien, wobei die Ukraine voraussichtlich Garantien ähnlich denen aus Artikel 5 erhalten soll. Diese hat sie jedoch de facto bereits.

Wie hier im März 2025 erläutert wurde, verpflichtet Artikel 5 nicht zur Entsendung von Truppen, sondern lediglich dazu, dass die Verbündeten in Betracht ziehen, ihren Verbündeten, die angegriffen werden, ein gewisses Maß an Unterstützung zu gewähren. Genau das tut die NATO seit Beginn der militärischen Sonderoperation, indem sie der Ukraine Waffen, Finanzmittel und Geheimdienstinformationen zur Verfügung stellt. Trumps angeblicher Friedensplan würde diese Verbindungen vermutlich formalisieren, um Russland davon „abzuschrecken“, die Feindseligkeiten wieder aufzunehmen, könnte die Ukraine jedoch dazu ermutigen, zu diesem Zweck eine False-Flag-Aktion durchzuführen.

Der dritte Teil ist der interessanteste der vier und sieht „eine wirtschaftliche Integration von Russland, der Ukraine und Europa durch ein Energieabkommen“ vor, um allen ein gemeinsames Interesse an der Wahrung des Friedens zu verschaffen. Der Bericht erwähnt es zwar nicht, doch dies könnte potenziell durch eine zumindest teilweise US-Kontrolle über die Pipelines „Nord Stream“, „Yamal“ und/oder „Brotherhood“ im Rahmen der ressourcenorientierten strategischen Partnerschaft vorangetrieben werden, über die Russland und die USA derzeit verhandeln. Leser können hier mehr darüber erfahren.

Und schließlich fordert der letzte Teil einen vollständigen Waffenstillstand, der den Konflikt entlang der Kontrolllinie auf unbestimmte Zeit einfrieren würde, vermutlich jedoch ohne dass eine der beiden Seiten ihre Ansprüche gegenüber der anderen aufgibt, damit ihre Staatschefs angesichts der Brisanz eines solchen Kompromisses vor ihrem jeweiligen Volk noch „ihr Gesicht wahren“ können. Was die jeweiligen Standpunkte Russlands betrifft – in der Reihenfolge, in der sie erwähnt wurden: Russland ist es egal, wer den Wiederaufbau der Ukraine übernimmt; es will lediglich nicht, dass seine im Westen eingefrorenen Vermögenswerte zu diesem Zweck gestohlen werden.

Was die Formalisierung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Stil von Artikel 5 betrifft, lehnt Russland diese natürlich ab, doch sie haben Russland nicht dazu provoziert, die europäische NATO anzugreifen. Es ist daher zu erwarten, dass Russland diese Garantien – wenn auch widerwillig – akzeptieren wird, da es trotz fast eines halben Jahrzehnts der Bemühungen nicht gelungen ist, diese Verbindungen zu kappen. Darüber hinaus hat Russland stets die vollständige Aufhebung der westlichen Sanktionen gefordert, einschließlich derer gegen seine Energieindustrie. Es wird daher wahrscheinlich ein umfassendes Energieabkommen zwischen sich selbst, der Ukraine und der EU befürworten.

Dazu gehört auch das Szenario einer teilweisen Kontrolle der USA über seine Pipelines, um dies zu ermöglichen. Und schließlich: Auch wenn Russland die gesamten umstrittenen Regionen als sein Eigentum betrachtet, könnte Putin zustimmen, diese Ansprüche auf diplomatischem Wege statt militärisch durchzusetzen, sofern ihm die übrigen Bedingungen eines Gesamtpakets zusagen. Schließlich hat er kürzlich erneut bekräftigt, während seiner Fragerunde auf der jüngsten Jahrestagung des Waldai-Clubs, dass er den Bedingungen der USA in Anchorage zugestimmt habe, was Berichten zufolge einen territorialen Kompromiss irgendeiner Art beinhaltete.

Angesichts der in dieser Analyse dargelegten Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass Putin Trumps angeblichen Friedensplan akzeptieren wird (sofern die von der Washington Post berichteten Details zutreffen), insbesondere wenn der dritte Teil über ein groß angelegtes Energieabkommen zustande kommt; von Selenskyj hingegen wird erwartet, dass er sich dem widersetzt. Es wird daher an Trump liegen, Selenskyj zur Zustimmung zu zwingen, beispielsweise durch die Einstellung von Waffenlieferungen und/oder der Geheimdienstzusammenarbeit; andernfalls wäre die harte Arbeit seiner Sonderbeauftragten in den letzten Monaten umsonst gewesen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in https://korybko.substack.com/p/putin-might-accept-trumps-reportedenglischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Es ist widersinnig, gegen Nazis zu sein, aber nicht gegen Kriegstüchtigkeit

Von Bernhard Trautvetter – 16. Oktober 2026

Aktuell werden viele Friedenskräfte mit dem Argument der „Rechtsoffenheit“ angegriffen. Gleichzeitig können ihre Kritiker selbst mit völkerrechtlich und ethisch unhaltbaren Forderungen bis zur Atomkriegsgefahr in der Öffentlichkeit punkten. Die Forderungen „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“ sollten eine Einheit bilden.

Die Kampagne gegen BSW und die Friedensbewegung ist ein Element der Kriegsstrategie der NATO-nahen Kräfte in unserem Land. Die Demonstration mit dem Auftritt von Militärminister Pistorius am Bebelplatz nach der Wahl des Parlamentspräsidenten in Sachsen-Anhalt stellt keine Entgleisung, sondern nur eine logische Konsequenz der bisherigen Entwicklungen dar.

Die Führungen der Bündnisgrünen und der SPD drängen in der Öffentlichkeit auf ein Verbot der AfD als praktischem Kern ihrer antifaschistischen Konzeption. Grundlegend für die Grünen Bundestagsageordneten Misbah Khan, Irene Mihalic, Konstantin von Notz, Lamya Kaddor und Marcel Emmerich, die dafür verantwortlich zeichneten, ist die Trennung der beiden Forderungen „Nie wieder Faschismus!“ und „Nie wieder Krieg!“. Sie nannten ihren Text „Entschlossen gegen Rechtsextremismus”. Zentrale Aussage:

„Die demokratischen Kräfte müssen gerade vor dem Hintergrund unserer historischen Erfahrung alles tun, um sich totalitären Plänen und menschenfeindlichen Aktionen entgegenzustellen, … in der Arbeit in den Regierungen und Parlamenten. … Wir stehen hinter unseren Sicherheitsbehörden und wollen sie befähigen, noch konsequenter gegen rechtsextreme Umtriebe vorzugehen.“

Militärminister Pistorius und der Grüne Ministerpräsident Cem Özdemir beziehen eine ähnliche Stellung, wenigstens erwähnen sie noch den Krieg als Ergebnis von 1933 – Zitat:

„Was wäre geschehen, wenn man 1930 auf eine Gruppe preußischer Beamter um den Juristen Robert Kempner gehört hätte, die … die Absicht der Nazis dokumentiert hatten, die … auch auf ein Verbotsverfahren drangen? … Ob all das die Diktatur, den Krieg und die Schoa verhindert hätte, wissen wir nicht. … Auch heute haben wir es wieder mit einer Gefahr für die Demokratie durch extreme Rechte zu tun. Mit einer AfD, die zunehmend als rechtsextremistisch betrachtet wird … Die rechtliche Prüfung der Verfassungsmäßigkeit einer politischen Partei ist dann geboten, wenn diese den Fortbestand unserer Demokratie infrage stellt und bedroht.”

Dazu passt auch der Antrag von Bundestagsabgeordneten aus SPD, Grüne, Linkspartei und CDU, der Bundestag möge das Bundesverfassungsgericht auffordern, die Verfassungswidrigkeit der AfD festzustellen.

Pistorius und Özdemir stellen immerhin fest, dass diese Fragen etwas mit der von Krieg und Frieden zu tun haben, indem sie die Frage stellen, ob der Krieg durch ein NSDAP-Verbot hätte verhindert werden können.

Inzwischen sind die Verrücktheiten so weit gediehen, dass in vielen grün-sozialdemokratischen Spektren jene bekämpft werden, die dem NATO-Narrativ der einseitigen Verantwortung für den Ukrainekrieg die Fakten seiner Vorgeschichte entgegenhalten und die mit dieser Aufklärung gegen die Priorität der Hochrüstung auf Kosten des Sozialstaates, der Ökologie und der Bildung entgegentreten.

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Stimmen aus Russland – Trumps neuer Russland-Kurs: Wenn die Ukraine plötzlich keine Rolle mehr spielt

Von Fjodor Lukjanow – 16. Oktober 2026

Eine erneute Wende in den US-amerikanisch-russischen Beziehungen hat Kiew schockiert, die europäischen Verbündeten empört und weltweit für Ratlosigkeit gesorgt: Zum ersten Mal hat die US-Regierung gegenüber Moskau eine Entscheidung getroffen, bei der die Interessen Kiews schlicht übergangen wurden. Eine Analyse von Fjodor Lukjanow, Forschungsdirektor des Waldai-Klubs, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik sowie Chefredakteur der Zeitschrift Russia in Global Affairs, über die Hintergründe und was sie für die Zukunft bedeutet. Aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.

Die überraschende Entscheidung der US-Regierung unter Donald Trump, die Sanktionen gegen Lieferungen von russischem Dieselkraftstoff vorübergehend auszusetzen, steht in direktem Widerspruch zu den jüngsten Schritten Washingtons — etwa der Verabschiedung eines scharfen Sanktionsgesetzes und der Absicht, damit den Druck auf Moskau zu erhöhen.

Manche führen diesen Schritt auf die Eigenmächtigkeit des US-Präsidenten zurück, andere sehen darin die Ansätze einer neuen Strategie, und wieder andere deuten ihn als grundlegenden Kursschwenk in der Ukraine-Politik. Um die tatsächliche Logik dahinter zu verstehen, muss man den Blick von den Äußerlichkeiten befreien — allen voran vom gewohnt schrillen Auftreten des US-Präsidenten. Seine oft grenzwertig anmutenden Auftritte sind meist nur die äußere Hülle einer knallharten Zielsetzung. Ob diese im Ergebnis richtig oder falsch ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wolodymyr Selenskyj wurde zum Sündenbock für die steigenden Spritpreise an den US-Tankstellen gemacht – und wer Trump kennt, weiß: Es ist unmöglich, ihm eine einmal gefasste Meinung wieder auszureden. Der eigentliche Auslöser für Trumps Schwenk dürfte in der US-Innenpolitik liegen: In wenigen Wochen stehen die Zwischenwahlen zum US-Kongress an, und die Aussichten für die Republikaner sind düster. Trump gibt sich nach außen hin zwar unbeeindruckt, doch der Verlust beider US-Kongresskammern würde für ihn zwei Jahre Dauerfeuer und zermürbenden Machtkampf bedeuten.

[Hier weiterlesen auf den NachDenkSeiten]