Ukrainische Drohnen in Lettland, Finnland und Griechenland

Von Florian Rötzer – 9. Mai 2026

Fischer haben vor der Küste der griechischen Insel Lefkada eine ukrainische Magura V5 Marinedrohne entdeckt. Das Boot mit Antennen und Kommunikationssystemen wurde in einer Küstenhöhle gefunden, der Motor lief noch und es befand sich „aktiver Sprengstoff“ an Bord, so dass die griechischen Sicherheitskräfte vermuten, dass damit ein Schiff oder ein Öltanker im Kamikaze-Stil angegriffen werden sollte.

Am Freitag wurden die Zünder entfernt, die Küstenwache, der die Wasserdrohne von den Fischern übergeben worden war, schaltete die Batterien aus, um sie stillzulegen. An Bord wurden auch handschriftliche Dokumente gefunden, was Verwunderung auslöste, weil diese mit der Explosion bei einem Angriff vernichtet würden. Die Behörden gehen einigen spekulativen Theorien nach, beispielsweise dass es sich um eine Provokation, um Drogenhandel oder um einen geplanten Angriff auf einen Tanker der russischen Schattenflotte. Aber es ist völlig unklar, wer die Drohne in griechische Gewässer gebracht hat bzw. wie sie dorthin gelangt ist.

Auch zuvor haben ukrainische Wasserdrohnen nicht nur Ziele im Schwarzen Meer angegriffen. Ende Dezember 2025 wurde der Tanker Qendil nördlich von Libyen mit einer Drohne angegriffen. Vermutet wird auch, dass im März 2026 der LNG-Tanker Arctic Metagaz der russischen Schattenflotte von einer ukrainischen Drohne angegriffen wurde. Das Risiko bestand seither, dass durch das herumtreibende Wrack eine Umweltkatastrophe verursacht werden könnte, das Gas soll aber schon weitgehend ausgetreten sein. Mittlerweile scheint er eingefangen und vor der Küste Libyens verankert worden sein.

Es gibt fast gleichzeitig einen anderen Vorfall mit Drohnen in Lettland. Zwei Drohnen kamen aus russischem Gebiet. Eine stürzte in einem leeren Öldepot in der ostlettischen Stadt Rēzekne ab. Dabei wurde der Tank beschädigt, das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Später vermutete die Polizei, es könnte dort auch eine zweite abgestürzt sein. Andererseits heißt es, die zweite Drohne sei noch nicht gefunden worden.

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Medwedews Artikel über die Remilitarisierung Deutschlands

Von Andrew Korybko – 8. Mai 2026

Medwedws aktueller Artikel ist die bislang ausführlichste Warnung eines hochrangigen russischen Regierungsvertreters darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow – dessen Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist – in Erwägung zieht, um dieser wachsenden, von Deutschland ausgehenden Bedrohung, die an das Jahr 1941 erinnert, entgegenzuwirken.

Der ehemalige russische Präsident und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, veröffentlichte im Vorfeld des Sieges-Tages einen unglaublich detaillierten Artikel über die Remilitarisierung Deutschlands. Er ist viel zu lang, um ihn Punkt für Punkt zu besprechen, daher wird der vorliegende Beitrag zunächst nur die wichtigsten Erkenntnisse hervorheben, bevor er dessen Bedeutung analysiert. Medwedew widmet viel Zeit der Argumentation, dass Deutschland nie vollständig entnazifiziert wurde und dies auch nie ernsthaft versucht wurde. Das bildet den Hintergrund für die Gegenwart.

Ihm zufolge „hat der Prozess der endgültigen Beseitigung der politischen, rechtlichen und moralischen ‚Überbleibsel‘ des Zweiten Weltkriegs in Deutschland nach dem Beginn der militärischen Sonderoperation besondere Dynamik gewonnen.“ Ebenso: „Um die Auswirkungen gescheiterter geopolitischer Investitionen (in der Ukraine) abzumildern, strebt Berlin an, seine Position als führende militärische und politische Macht der Europäischen Union zu festigen.“ Dies führte zu einer beispiellosen Remilitarisierung, die von den USA abhängig ist, sowie zu informellen Diskussionen über den Einstieg in die Atomwaffen.

Zu diesem Thema warnte Medwedew, dass Russland seine eigenen Atomwaffen gegen Deutschland einsetzen könnte, um diese Bedrohung – die seiner Meinung nach auch die USA gefährden könnte – präventiv abzuwenden. Er widmete zudem viel Zeit der Argumentation, dass Deutschlands rechtliche Grundlagen illegitim seien, nicht zuletzt, weil es Ostdeutschland annektiert habe, ohne „allgemein anerkannte rechtliche Verfahren“ wie ein Referendum einzuhalten. Dennoch marschiert der größte Teil Europas nun nach Deutschlands antirussischer Pfeife, genau wie vor 85 Jahren im Jahr 1941.

Deutschland könne Russland niemals besiegen, selbst wenn ganz Europa hinter ihm stünde, glaubt Medwedew; daher sei „sein Ziel, seinen Verbündeten Washington in eine potenzielle Konfrontation zwischen Europa und Russland hineinzuziehen“. In Anbetracht dessen, dass „die Hauptaufgabe unseres Landes darin besteht, eine Wiederholung der Tragödie von 1941 zu verhindern … sollte das schlimmste Szenario eintreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zumindest zu gegenseitiger Zerstörung kommt und in Wirklichkeit zum Ende der europäischen Zivilisation, während unsere eigene Existenz weiterbesteht.“ Das sind sehr deutliche Worte.

Da sie von jemandem in seiner Position stammen, insbesondere von einem Hardliner, dessen Fraktion nun aus den hier erläuterten Gründen teilweise die Gemäßigten übertrumpft – warum Russlands Drohung mit massiven Vergeltungsschlägen gegen Kiew wahrscheinlich kein Bluff ist –, sollten sie vom Westen äußerst ernst genommen werden. Die Botschaft lautet, dass Russland nicht zulassen wird, dass Deutschland die Remilitarisierung Europas anführt, wobei diesmal Polen und die Ukraine als Rammböcke dienen und somit eine weitere Bedrohung ähnlich wie 1941 darstellen.

Frankreich und Großbritannien, unter deren nuklearem Schutzschild sich Deutschland stellen will (bevor es möglicherweise eigene Atomwaffen entwickelt), werden laut Medwedew „es wohl kaum riskieren, für Deutschlands sake in einer nuklearen Apokalypse zu verbrennen“. Dies erklärt seine Einschätzung, dass Deutschland stattdessen versuche, die USA in einen drohenden Krieg mit Russland hineinzuziehen. Es ist daher Aufgabe der USA, entweder ihre Unterstützung für die Remilitarisierung Deutschlands einzustellen, Artikel 5 im Vorfeld dieses Szenarios offiziell aufzuheben oder die Konsequenzen zu akzeptieren.

Medwedews Artikel ist die bislang detaillierteste Warnung eines hochrangigen russischen Beamten darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow, deren Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist, in Erwägung zieht, um diese wachsende, von Deutschland angeführte Bedrohung à la 1941 abzuwenden. Trump könnte sein angestrebtes Vermächtnis als Friedensstifter trotz des Dritten Golfkriegs wiederherstellen, indem er dringend mit Putin zusammenarbeitet, um die europäische Sicherheitsarchitektur zu reformieren. Ob er dies tun wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

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Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Warum Europa sehenden Auges in die Katastrophe steuert

Patrik Baab interviewt Peter Hänseler – 7. Mai 2026

Hinweis: Dieses Interview dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Der Iran-Konflikt und die daraus resultierende Verschiebung der globalen Tektonik markieren eine Zäsur in der modernen Zeitgeschichte. Während die westliche Berichterstattung oft an der Oberfläche bleibt, legt der Jurist und Analyst Peter Hänseler die tieferliegenden Ursachen einer Politik offen, die jeglichen Kontakt zur Realität verloren zu haben scheint. Es ist das Bild eines Westens, der sich in seiner eigenen moralischen Überlegenheit verfängt, während die tatsächliche Macht in den Osten abwandert.

Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Peter Hänseler, warum wir es nicht nur mit einer regionalen Krise zu tun haben, sondern mit dem kollektiven Versagen einer politischen Klasse. Es geht um den „Wahnsinn an der Macht“, der bereit ist, die Stabilität ganzer Kontinente für ideologische Narrative zu opfern.

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Nigeria deutete an, dass es sich auf eine Intervention in Mali vorbereitet

Von Andrew Korybko – 8. Mai 2026

Der nigerianische Verteidigungsminister bereitet die Öffentlichkeit auf einen möglicherweise unvermeidlichen regionalen Krieg vor.

Bloomberg berichtete, dass der nigerianische Verteidigungsminister in einem kürzlich geführten Interview andeutete: „Die internationale Gemeinschaft muss sich über die Vereinten Nationen ‚zusammentun, um diesen Teufel zu bekämpfen‘“, und fügte hinzu: „Wenn man ihnen erlaubt, in Mali Fuß zu fassen, wird es dabei nicht bleiben.“ Der „Teufel“, auf den er sich bezog, ist „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM), die radikalen Islamisten, die mit den Tuareg-Separatisten der „Azawad Liberation Front“ (FLA) verbündet sind und gemeinsam den Nordosten Malis eingenommen haben.

Seine Einschätzung deckt sich mit der früheren Warnung, dass „die jüngste Krise in Mali in einen regionalen Krieg eskalieren könnte“. In dieser Analyse hieß es konkret: „Nigeria befürchtet eine Übernahme oder zumindest eine Destabilisierung des Niger durch Terroristen, was die eigenen Terroristen im Norden stärken könnte und damit den mehrheitlich christlichen Süden noch stärker bedrohen würde, als dies ohnehin schon der Fall ist, und/oder zu einer faktischen Teilung des Landes führen könnte.“ Bloomberg griff diese Sorge in seinem Artikel auf. Unerwähnt blieb, dass Nigeria seine Mission möglicherweise mit den USA koordinieren könnte.

Diese Vorhersage baut auf der hier gezogenen Schlussfolgerung auf, dass die Anti-ISIS-Luftangriffe der USA in Nigeria am Weihnachtstag den Beginn weiterer gemeinsamer Anti-Terror-Operationen in der Region signalisierten. Wie geschrieben wurde: „Die USA streben eine Strategie des ‚Leading from Behind‘ an, während Nigeria in ihrem Namen den westlichen Einfluss über die Sahelzone wiederherstellt, allerdings wahrscheinlich erst nach einiger Zeit und nicht sofort.“ Die Nähe dieser Luftangriffe zur nigerianischen Grenze zeigte, dass „sie über diese Grenze hinaus ausgeweitet werden könnten, um Niger im Vorfeld einer eines Tages von den USA unterstützten nigerianischen Invasion zu schwächen.“

Nigeria entschied sich letztendlich gegen eine Invasion in Niger während der Krise im Sommer 2024, die auf den patriotischen Militärputsch in Niger folgte – vor allem aufgrund der Einschätzung, dass die Hausa-Minderheit im Norden des Landes als Reaktion auf Angriffe gegen ihre ethnischen Gesinnungsgenossen jenseits der Grenze rebellieren würde. Beide Länder sind zudem muslimisch, während die nigerianischen Streitkräfte Christen umfassen, deren Beteiligung an einer solchen Operation den Narrativen vom „Kampf der Kulturen“ Glaubwürdigkeit verleihen könnte, was die Gefahr einer Verschärfung religiös motivierter Konflikte in Nigeria mit sich bringen würde.

Angesichts dieser Bedenken würde Nigeria wahrscheinlich die Zustimmung Nigers für den Transit durch das Land auf dem Weg nach Mali und/oder Burkina Faso einholen, wobei letzteres bereits fast zur Hälfte von JNIM erobert ist. Niger selbst kämpft gegen die lokale ISIS-Zweigstelle, die in dem relativ engen Raum zwischen der Hauptstadt Niamey und den beiden westlichen Nachbarländern des Landes aktiv ist, sodass Nigeria auf dem Weg zu den beiden anderen Mitgliedern der Sahel-Allianz (AES) möglicherweise durch deren Gebiet vorstoßen muss.

Es ist daher möglich, dass Nigeria von Niger Transitrechte erhält, um seinen Kampf gegen die JNIM in Mali und/oder Burkina Faso zu erleichtern, allerdings unter der Bedingung, dass es ISIS auf dem Weg dorthin auslöscht, wobei diese Genehmigung wahrscheinlich nur unter enormem westlichem Druck erteilt würde, sollte es jemals dazu kommen. Schließlich lehnt die AES ausländische Interventionen ab, wie sie der Westen von Nigeria in seinem Namen (und wahrscheinlich unter der Ägide der ECOWAS zur Stärkung ihrer Legitimität) erwartet, sodass Niger zunächst de facto aus dem Block austreten müsste.

Die westafrikanischen Küstenstaaten, die alle dem Westen nahestehen – mit Ausnahme von Guinea und zunehmend auch Togo –, fürchten die Folgen einer Eroberung der AES durch die JNIM. Es wird daher erwartet, dass sie zu einer von dem Westen unterstützten und von Nigeria angeführten ECOWAS-Intervention dort beitragen. Es ist daher möglich, dass Nigeria seine Kampagne von deren Territorium aus startet, anstatt von seinem eigenen, falls Niger sich weigert, ihm Transitrechte zu gewähren. Die frühere Warnung vor einem regionalen Krieg könnte sich dann als prophetisch erweisen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

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Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Einige Tage Waffenruhe in der Ukraine?

Von Thomas Röper – 8. Mai 2026

Russland hat für die Tage der Feierlichkeiten des Sieges über Nazi-Deutschland eine Waffenruhe in der Ukraine angeboten. Die Ukraine hat das für einen propagandistischen Trick genutzt, der schwerwiegende Folgen haben könnte.

Zu wichtigen Feiertagen gab es im Ukraine-Krieg immer wieder Versuche, für einige Tage eine Waffenruhe zu vereinbaren. Zwar wurden diese Waffenruhen gebrochen, wobei sich beide Seiten gegenseitig vorwerfen, daran Schuld zu sein, aber zumindest gab es diese Versuche. Russland wollte nun für den 8. und 9. Mai, die Tage der Feierlichkeiten des Sieges über Nazi-Deutschland, auch wieder eine Waffenruhe vereinbaren.

Um zu verstehen, wie die Ukraine das für einen propagandistischen Trick genutzt hat, müssen wir uns die Chronologie anschauen.

Die Chronologie

Am Mittwoch, dem 29. April, haben die Präsidenten Trump und Putin telefoniert und eines der Themen, über die dabei gesprochen wurde, war der Vorschlag Russlands, für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe in der Ukraine zu vereinbaren.

Am Montag, dem 4. Mai, hat Selensky beim EU-Armenien-Gipfel in Armenien erklärt, am 9. Mai die Parade in Moskau aus Anlass des Sieges über Nazi-Deutschland anzugreifen. Er sagte, es könnten bei der Parade ukrainische Drohnen beim Roten Platz, wo die Parade stattfindet, auftauchen.

Darauf reagierte das russische Verteidigungsministerium umgehend mit einer Erklärung, in der es noch einmal darauf hinwies, dass die russischen Streitkräfte sich an die vom russischen Präsidenten für den 8. und 9. Mai angekündigte Waffenruhe halten werden und hoffen, dass auch die ukrainische Seite dies tun werde. Danach kam jedoch ein Hinweis auf Selenskys Drohung gegen die Feierlichkeiten in Russland und die Parade auf dem Roten Platz, und dazu erklärte das russische Verteidigungsministerium, dass Russland auf Angriffe auf die Parade mit einem massiven Raketenangriff auf das Zentrum von Kiew reagieren werde.

Wie widersprüchlich die Erklärungen von Selensky sind, zeigt sich auch daran, dass er, nachdem er für den 9. Mai mit dem Angriff auf die Parade in Moskau gedroht hatte, am gleichen Tag, also am 4. Mai, auch einen einseitigen Waffenstillstand schon ab dem 6. Mai ankündigte. Wie passt es zusammen, dass Selensky am gleichen Tag mit einem Angriff am 9. Mai auf Moskau droht, dann aber unmittelbar danach eine Waffenruhe beginnend am 6. Mai ankündigt.

Natürlich passt das sehr gut zusammen, denn das ganze ist ein weiterer Trick von Selensky. Und da er sich darauf verlassen kann, dass die westlichen Medien seine Propaganda und schmutzigen Tricks bedingungslos unterstützen, geht der Trick propagandistisch auf. Zumindest für das westliche Publikum, dessen Medien diese Widersprüche verschweigen.

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Großbritannien will europäische „Northern Navies“-Streitmacht gegen Russland anführen

Von Robert Stevens – 8. Mai 2026

Am 29. April kündigte der britische Erste Seelord, Sir Gwyn Jenkins, an, dass die britische Royal Navy den Kern eines neuen multinationalen maritimen Blocks europäischer „Northern Navies“ bilden soll, der sich gegen Russland richtet. Bezeichnenderweise gehören die USA diesem Block nicht an.

Er sprach darüber am Royal United Services Institute (RUSI) im Rahmen des einleitenden Lord-Fisher-Vortrags, benannt nach Admiral Fisher, der eine entscheidende Rolle im britisch-deutschen Marinewettrüsten vor dem Ersten Weltkrieg spielte. Er erklärte, um das zu ermöglichen, werde Großbritannien eine „hybride“ Flotte aufbauen, die traditionelle Kriegsschiffe mit unbemannten Systemen, Drohnen und KI-gestützten Plattformen kombiniere.

Der Erste Seelord Gwyn Jenkins (zweiter von links) bei Gesprächen mit Oberbefehlshabern der Marine der Joint Expeditionary Force in Whitehall am 23. April 2026 [Photo: Royal Navy/X]

Bei diesem „Paradigmenwechsel“ gehe es darum, die „Masse, Überlebensfähigkeit und Letalität unserer Streitkräfte“ zu erhöhen.

Die Northern Navies würde im Mittelpunkt der Joint Expeditionary Force stehen, ein von Großbritannien angeführter Verband aus zehn europäischen Staaten. Sie wurde im Jahr 2014 gegründet und zu ihr gehören Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Island, die Niederlande, Estland, Lettland und Litauen.

Diese Länder erstrecken sich über Nordeuropa und das Baltikum – die Regionen, die Jenkins als „offene Seegrenze zu Russland“ definierte. Auch Kanada hat Interesse an einer Teilnahme geäußert.

Jenkins verwies auf den Krieg in der Ukraine und den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran und warnte: „Das bloße Aufrechterhalten des ‚leistungsfähigen Status quo‘ ist schlichtweg nicht gut genug.“ Die Times, das Sprachrohr der kriegslüsternsten Elemente des Militärs, zitierte Jenkins mit den Worten: „Die Notwendigkeit aufzurüsten und die Kriegsbereitschaft dieses Landes zu verbessern, ist zur absoluten Notwendigkeit geworden. … Wir befinden uns an einem Wendepunkt.“

Zuvor wurden die Labour-Regierung von Premierminister Keir Starmer und führende Militärs wegen der Kürzungen bei der Marine in den letzten drei Jahrzehnten und wegen der Tatsache scharf zurechtgewiesen, dass Großbritannien während der Irankrise nur einen einzigen Zerstörer mobilisieren konnte. Dieser wurde zudem nicht in den Persischen Golf geschickt, sondern zum britischen Stützpunkt in Akrotiri.

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Russischer Überfall in drei Jahren? Hier die Grundlagen dazu

Von Ralph Bosshard – 8. Mai 2026

Die Lage in Ostasien zu Beginn des Monats August 1945. Die Karte wurde von Ralph Bosshard gemacht auf der Basis einer Karte des militärhistorischen Dienstes der US-Army.

Greift Russland im Jahr 2029 die NATO im östlichen Mitteleuropa an und wenn ja, wie? Diese Frage wird in der [westlichen] Öffentlichkeit seit längerem gewälzt. In der jüngeren Vergangenheit haben verschiedene Medien und auch die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags unterschiedlich gut gelungene Versuche unternommen, um aus der Geschichte des Kalten Kriegs Schlussfolgerungen auf das erwartete russische Vorgehen in Mitteleuropa im Jahr 2029 zu ziehen (1). Man erwartet einen russischen Blitzkrieg in Mitteleuropa und überträgt [die] alte sowjetische Doktrin auf die heutige Lage. Aber es wird nicht genügen, die alten Bedrohungsszenarien aus dem Kalten Krieg aufzuwärmen, ohne sie zu verstehen.

Schon einmal rechnete der Westen mit einem überfallartigen Angriff auf Deutschland, extreme Szenarien rechneten gar mit einem Stoß bis an die Pyrenäen (2). Das war in einer ersten Phase des Kalten Kriegs, als die Sowjets nachweislich eine Verteidigungsoperation planten. Woher kam damals diese Bedrohungsperzeption? Eine Antwort mag in den Offensiven der Roten Armee nach dem Sommer 1943 gelegen haben, die allesamt nach den Grundsätzen der „Tiefen Operation“ geführt wurden und in denen Angriffsgeschwindigkeiten erreicht wurden, welche die Westalliierten auf ihrem Feldzug in Frankreich kaum je erzielen konnten (3). Interessanterweise hat aber das Meisterstück operativen Könnens der Sowjets im Westen wenig Beachtung erfahren, nämlich die sogenannte „Mandschurische Strategische Angriffsoperation“ im August 1945 (4).

Eine Ausnahme hiervon bildet das US Command and General Staff College in Fort Leavenworth, wo der US-Oberst David Glantz sowohl sowjetische als auch japanische Quellen zu dieser Operation ausgewertet hat (5). Er analysierte Planung und Durchführung des sowjetischen Feldzugs gegen Japan auf der strategischen Ebene und führte Fallstudien des Vorgehens der Roten Armee auf taktischer Ebene durch. Aufbauen konnte er auf einer Studie von Harmon L. Eaton, die ebenfalls in Fort Leavenworth entstanden war (6).  Ein neueres Werk, das die Operation in den größeren Kontext des Kriegsendes einordnet, stammt aus dem Jahr 2021 aus der Feder von Charles Stephenson (7). 

Im deutschen Sprachraum fand die Operation hingegen kaum Beachtung. Sie wird meist in Gesamtdarstellungen des Zweiten Weltkriegs oder der sowjetischen Militärgeschichte behandelt, wie beispielsweise bei der ins Deutsche übersetzten Darstellung des britischen Militärhistorikers Richard Overy über den Weltenbrand der damaligen Zeit (8).

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Gegen die Europäisierung der Kriegsvorbereitung

Hervorgehoben

Von Bernhard Trautvetter – 8. Mai 2026

Die vorläufige Absage der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ist zu begrüßen, sollte aber nicht zu Illusionen führen. Vielmehr sind die Forderungen der Friedensbewegung nun auszudehnen: gegen die Militarisierung der EU inklusive EU-eigener offensivfähiger und atomar bestückbarer Mittelstreckensysteme.

Teile der Friedensbewegung betrachten Trumps Absage an die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland als Erfolg, der die Chance einer neuen Einigung über Rüstungskontrolle bietet. Natürlich haben Friedenskräfte die Verantwortung, alle Anknüpfungspunkte für Kampagnen, die friedliche Entwicklungen stärken, aufzugreifen.

Aber es ist vor Illusionen über die Intrigen des militärisch-industriellen Komplexes zu warnen. Dabei ist erst einmal generell der 1961 scheidende US-Präsident Eisenhower zu zitieren, der in diesem Zusammenhang warnte:

[W]ir müssen uns davor hüten, dass der militärisch-industrielle Komplex unbefugt Einfluss ausübt, ob dies nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt geschieht. Das Potential für den katastrophalen Anstieg unangebrachter Macht besteht und wird weiter bestehen.

Sein Nachfolger Kennedy drohte mit dem Krieg der USA mit der Atommacht Sowjetunion, sollten sowjetische Atomraketen unweit des Territoriums der USA auf Kuba stehenbleiben:

„Diese … Bereitstellung dieser offensiven Massenvernichtungswaffen bedeutet eine klare Bedrohung des Friedens und der Sicherheit des amerikanischen Kontinents. Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Gemeinschaft der Völker der Welt kann bewusste Irreführung und offensive Drohungen von Seiten irgendeiner Nation … dulden.“

Durch die auch nukleare Militarisierung Osteuropas durch die NATO, die sich in Richtung russische Westgrenze ausgedehnt hat, generieren die USA, die EU und die NATO eine umgekehrte Kubakrise, denn das, was Kennedy der Sowjetunion vorwarf, ist inzwischen die Politik des militärischen Westens, u.a. durch die Stationierung von atomwaffenfähigen Mittelstreckenarsenalen der USA, die als Abwehr tituliert, aber auch offensivfähig sind, die inzwischen in Polen und Rumänien stehen. Die Nuklearisierung der Ukraine ist auch schon längst ein Thema in der NATO. Sie spielte sicher auch eine Rolle in Russland in den Monaten vor der Großinvasion in die Ukraine.

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Siehe auch:

Erklärung aus der Friedensbewegung: US-Nein zur Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen

Der deutsche Militarismus jubelt!

Wenn Trump den Iran mit Vietnam oder dem Irak vergleicht

Von Mitchell Zimmermann – 8. Mai 2026

Satellitenbilder von schwarzem Rauch, der am 13. März während iranischer Angriffe auf Oman aus dem Hafen von Salalah aufsteigt. (CC BY 4.0 /Wikimedia Commons)

Keiner der beiden früheren Sumpfkriege entpuppte sich so schnell als katastrophale Dummheit wie Trumps Krieg gegen den Iran, schreibt Mitchell Zimmerman.

Während Donald Trumps Krieg ohne Ende vor sich hin dümpelt, fordert der US-Präsident uns auf, seinen „kleinen Ausflug“ „ins rechte Licht zu rücken“.

Im Vergleich zu Vietnam und dem Irak, so Trump, habe der Iran-Konflikt „überhaupt nicht sehr lange“ gedauert.

Findet irgendjemand Trost darin, das Iran-Desaster mit zwei früheren katastrophalen Kriegen Amerikas zu vergleichen?

Einst waren US-Streitkräfte erst seit zwei Monaten in Vietnam. Dann wurde Washingtons Engagement unbegrenzt, und der Krieg endete erst, als Millionen Menschen tot waren – über zehn Jahre später.

Der Irakkrieg war gerade einmal zwei Monate alt, als Bush verkündete: „Mission erfüllt!“ Es folgten Jahre des Chaos, des Massentodes und der Verschwendung von Billionen Dollar.

Doch weder der Vietnamkrieg noch der Irakkrieg offenbarten ihre katastrophale Dummheit so schnell wie Trumps Krieg. Nach zwei Monaten haben das amerikanische Volk und unser Lebensstandard sowie die gesamte Weltwirtschaft schwere Schläge erlitten.

Benzin kostet anderthalb Mal so viel. Diesel ist noch stärker gestiegen. Flugbenzin hat sich verdoppelt. Die Lebensmittelpreise werden bald folgen, wegen Engpässen bei wichtigen Düngemittelbestandteilen – zusätzlich zu Trumps Zöllen und dem Mangel an Landwirtschaftsarbeiter*innen aufgrund von Abschiebungen.

Trump beharrt jedoch darauf, dass bald alles gut wird. Die Benzinpreise werden nach Kriegsende „wie ein Stein fallen“, sagt der Präsident.

Gibt es in Amerika noch jemanden, der Donald Trumps Versprechen in Bezug auf die Preise glaubt? Das ist der Mann, der 2024 schwor, dass, sollte er gewählt werden, „die Preise sinken werden und sie werden schnell sinken, bei allem.“ „Wenn ich gewinne, werde ich die Preise sofort senken.“

Derselbe Mann, der letztes Jahr immer wieder behauptete, die Preise seien gesunken, obwohl jeder aus eigener Erfahrung wusste, dass die Preise gestiegen waren.

Zwei Probleme mit Trumps Versprechen

Zwei Probleme mit seinem jüngsten Versprechen: Erstens hat Trump keinen Plan, den Krieg zu beenden, außer vom Iran zu verlangen, dass er „kapituliert“ und „aufgibt“.

Aber die Iraner sind nicht davon überzeugt, dass sie verloren haben, und nur wenige Eigner von 100-Millionen-Dollar-Öltankern, die Erdöl im Wert von bis zu 200 Millionen Dollar transportieren, sind bereit, sich auf Trumps Sicherheitsversprechen zu verlassen.

Zweitens wird das frühere Niveau der Ölexporte aus dem Persischen Golf nach Beendigung der Feindseligkeiten nicht wieder erreicht werden, und die Preise werden nicht sofort fallen. Wie Ökonomen sagen, steigen die Ölpreise „wie eine Rakete und fallen wie eine Feder“.

Die weltweiten Ölvorräte müssen wieder aufgefüllt werden, und Experten der Ölindustrie weisen darauf hin, dass „die hohe Nachfrage, die durch die Wiederauffüllung der verlorenen Ölvorräte entsteht, die Preise auf einem hohen Niveau halten wird“.

Die während des Konflikts ausgesetzte Ölförderung am Persischen Golf wird nicht sofort wieder aufgenommen, wenn dieser endet.

Katar beispielsweise lieferte 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgasangebots. Die dortige Exportanlage wurde durch iranische Raketen beschädigt, und es wird drei bis fünf Jahre dauern, bis sie wieder voll funktionsfähig ist.

Raffinerien in der gesamten Region wurden beschädigt, und es wird Monate dauern, bis stillgelegte Ölquellen wieder hochgefahren werden können

Wann werden die Benzinpreise wieder auf das Niveau vor dem Trump-Krieg zurückkehren? Wahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr. Es werde zwei Jahre dauern, um die verlorene Energieproduktion wiederherzustellen, sagt der Leiter der Internationalen Energieagentur.

Und der Anstieg der Energiekosten wird sich auf den Rest der Wirtschaft auswirken und die Inflation antreiben.

Wie sind wir hierher gekommen?

Trump und seine Regierung aus unfähigen Amateuren glaubten, das US-Militär würde den Iran mühelos zur bedingungslosen Kapitulation zwingen – so mühelos, wie amerikanische Soldaten den Präsidenten von Venezuela entführt hatten.

Da Trump sich mit Heuchlern umgibt, die wissen, dass sie ihm nur das sagen dürfen, was er hören will, begann er seinen Krieg, ohne die tatsächlichen Risiken abzuwägen.

„Präsident Trump und seine Berater waren unvorbereitet“, berichtete das Magazin The Atlantic , „als der Iran … mit Vergeltungsschlägen gegen die Schifffahrt im Persischen Golf und insbesondere durch die Straße von Hormus reagierte. … Die Trump-Regierung räumte in geheimen Briefings ein, wie CNN gestern Abend berichtete, dass sie keine Vorkehrungen für eine Sperrung“ von Hormus getroffen hatte.

Der Iran schlug zurück, nachdem er angegriffen worden war? Wer hätte das ahnen können?

Der Iran war ein wichtiger Lieferant von Militärdrohnen für Russland gewesen, und ukrainische sowie russische Drohnen hatten den Krieg in der Ukraine verändert.

Hormus war ein bekannter Druckpunkt.

Dennoch kam es weder Trump noch Kriegsminister Pete „Lethality“ Hegseth in den Sinn, dass die amerikanische See- und Luftmacht die iranischen Drohnen und Minen möglicherweise nicht unterdrücken könnte, wodurch der Iran die Straße von Hormuz im Würgegriff hätte.

Die Erfahrungen aus Vietnam und dem Irak haben Trump nichts gelehrt.

Aber das amerikanische Volk hat aus diesen Erfahrungen gelernt und schluckt Trumps Lügen nicht. Einundsechzig Prozent lehnen Trumps Umgang mit dem Iran-Konflikt ab, und einundsechzig Prozent glauben, er habe die falsche Entscheidung getroffen, als er beschloss, militärische Gewalt im Iran anzuwenden.

Können die öffentliche Meinung und die politische Realität Trump zwingen, seinen Kurs zu ändern?

Trumps Bedürfnis, sein Debakel als Erfolg darzustellen, macht dies schwierig, und Trump könnte in einem verzweifelten Versuch, den Iran zur Kapitulation zu zwingen, noch dazu übergehen, [weitere] Kriegsverbrechen zu begehen.

[Amnesty International ist zu dem Schluss gekommen, dass US-Streitkräfte bei einem Angriff auf ein Schulgebäude in Minab, Iran, am 28. Februar einen Massenmord an Zivilisten, darunter vor allem Schulmädchen, begangen haben. Eine laufende Untersuchung des US-Militärs zu diesem Kriegsverbrechen tendiert zu demselben Ergebnis.]

Wenn sich Mitglieder seiner eigenen Partei nicht den Versuchen anschließen, einen zunehmend verzweifelten, unberechenbaren und wahrscheinlich geistig angeschlagenen Präsidenten zu zügeln, könnte das US-Militär gezwungen sein, sich seiner Pflicht zu stellen, Trumps illegalen und unmoralischen Befehlen zu widersetzen.

Mitchell Zimmerman ist Rechtsanwalt, langjähriger Sozialaktivist und Autor des Anti-Rassismus-Thrillers Mississippi Reckoning (2019).

Dieser Artikel stammt von Common Dreams. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Consortium News]

Von der Leyens Bemerkung über die Türkei offenbart die Grenzen der türkisch-europäischen Partnerschaft

Von Andrew Korybko – 8. Mai 2026

Die Beziehung zwischen der EU und der Türkei ändert sich. Die heutige Partnerschaft war eine künstliche, hauptsächlich durch US-Strategien zustande gekommen. Nun könnten EU und der „Beitrittskandidat“ Türkei wieder mehr und mehr auf Konfrontation gehen.

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat Ende April mit einer Aussage gegenüber den Medien für einen Skandal in den EU-türkischen Beziehungen gesorgt. Sie sagte: „Wir müssen es schaffen, den europäischen Kontinent zu vervollständigen, damit er nicht von Russland, der Türkei oder China beeinflusst wird.“ Die Gleichsetzung der Türkei – eines NATO-Partners und EU-Beitrittskandidaten – mit dem russischen Rivalen der EU und dem zunehmend als solchem wahrgenommenen China deutet darauf hin, dass Brüssel sie auf dieselbe Weise sieht. Ihre Bemerkung hat die Künstlichkeit der jahrzehntelangen Partnerschaft offenbart.

Obwohl die Türkei gelegentlich opportunistische, temporäre Bündnisse mit den europäischen Großmächten einging, war ihr Vorgängerstaat, das Osmanische Reich, historisch gesehen der Hauptgegner Europas – mehr noch als das Russische Reich, das von den Briten fälschlicherweise so dargestellt wurde. Die Osmanen waren zivilisatorisch grundlegend anders und eroberten den Balkan bis nach Wien. Über mehr als ein halbes Jahrtausend hinweg beherrschten sie Teile Europas. Die Partnerschaft der Türkei mit dem, was später zur EU wurde, kam ausschließlich durch US-amerikanische Strategien nach dem Zweiten Weltkrieg zustande.

Die vermeintliche Notwendigkeit, die UdSSR in Schach zu halten, führte 1949 zur Gründung der NATO; drei Jahre später traten Griechenland und die Türkei bei. Der gleichzeitige Beitritt Ankaras diente unter anderem dem Zweck, Griechenland und Europa insgesamt dabei zu helfen, ihre historische Rivalität mit der Türkei zu überwinden, unter anderem durch die Förderung einer europäisch-türkischen Partnerschaft im Allgemeinen. Eine Ausprägung davon war die massive Einwanderung türkischer Gastarbeiter in die damalige Bundesrepublik Deutschland, die zusammen mit Frankreich den doppelten Kern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bildete, der Vorläuferorganisation der EU. [Mit dem NATO-Beitritt trat die Türkei zugleich die Gebietsansprüchen der Sowjetunion an ihrer Ostgrenze zum Kaukasus entgegen, von denen sie sich bedroht sah; Anm. der Red].

Migration, wirtschaftliche Verflechtungen und militärische Zusammenarbeit setzten sich in den folgenden Jahrzehnten fort, doch es wurde schnell deutlich, dass die zivilisatorischen Unterschiede zwischen Europa und der Türkei es vorprogrammierten, dass der Beitrittsantrag der Türkei zur späteren EU auf verschiedene Vorwände hin auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Engere Handels- und Militärbeziehungen sind in Ordnung, aber der Türkei Stimmrechte in europäischen Angelegenheiten zu geben, kommt nicht infrage – ebenso wenig wie visafreier Reiseverkehr für ihre inzwischen fast 90 Millionen Einwohner (etwas mehr als Deutschland selbst).

Diese Einschätzung galt bereits in der liberal-globalistischen Hochphase der 1990er und 2000er Jahre, bis die Migrationskrise 2015 und vor allem die Wahl Trumps 2016 zu einer Wiederbelebung konservativ-nationalistischer Stimmungen in ganz Europa führten. Diese Stimmungen haben sich seitdem weiter verstärkt, insbesondere durch die jüngste Phase des Stellvertreterkriegs in der Ukraine. Trumps Rückkehr an die Macht in Kombination mit den schweren sozioökonomischen Folgen des anhaltenden Krieges für den Durchschnittseuropäer haben diese Entwicklung weiter beschleunigt. und den Beginn des Zeitalters der Zivilisationsstaaten eingeläutet.

Damit sind jene politischen Gebilde gemeint, die über Jahrhunderte hinweg nachhaltige soziopolitische Spuren in anderen hinterlassen haben. Europa als Ganzes ist hierfür ein Paradebeispiel, auch wenn es darin mehrere unterschiedliche Zivilisationen gibt. Das Zeitalter der Zivilisationsstaaten führt daher zur Neuverfestigung dieser Sphären – wie von der Leyen mit ihrem erklärten Ziel anvisiert, „den europäischen Kontinent zu vervollständigen“ – und zu ihrem Wachstum, etwa durch den neu beschleunigten Einflussgewinn des „neo-osmanischen“ türkischen Einflusses in Zentralasien.

Das bedeutet nicht, dass Zivilisationen zwangsläufig aufeinanderprallen müssen, aber ebenso wenig, dass sie sich zwangsläufig angleichen, wie manche bei der Beitrittsbewerbung der Türkei zur EU-Vorgängerorganisation angenommen hatten. Vielmehr dämmert allen Beteiligten allmählich die Realität der zivilisatorischen Unterschiedlichkeit – doch gerade die EU und die Türkei werden aus geografischen und historischen Gründen sowie aufgrund ihrer jeweiligen Rolle bei der aktiven Eindämmung ihres gemeinsamen historischen Rivalen, Russlands, auf Geheiß ihres gemeinsamen Senior-Partners, der USA, stets eine besondere Beziehung zueinander haben.

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.