Zurück nach Preußen

Von German-Foreign-Policy.com – 24. April 2026

Immer mehr deutsche Maschinenbauer gehen, um der Krise der Branche zu entkommen, zur Zulieferproduktion für die Rüstungsindustrie über. Die Hannover Messe hatte erstmals einen Rüstungsbereich; in Deutschland entstehen neue Rüstungsmessen.

Immer mehr Unternehmen des schwer in die Krise geratenen deutschen Maschinenbaus suchen sich per Hinwendung zur Rüstungsproduktion vor Verlusten oder gar einem Bankrott zu retten. Dies hat die diesjährige Hannover Messe bestätigt, die am heutigen Freitag zu Ende geht. Erstmals gab es dort einen eigenen Bereich für Unternehmen, die als Zulieferer in die Herstellung von Waffen aller Art integriert sind. Die Krise des Maschinenbaus verstärkt sich zusehends; die Produktion bricht ein, die Zahl der Beschäftigten schrumpft kontinuierlich. Als Ausweg bietet sich die Umstellung auf Rüstungsgüter an. So erklärt ein Hersteller von Maschinen zur Zündkerzenfertigung, seine Maschinen ließen sich leicht für die Fertigung von Patronenhülsen transformieren. Dabei wird als Vorteil eingestuft, dass die inzwischen sehr starke chinesische Konkurrenz für Rüstungsaufträge nicht in Frage kommt. Der Rüstungsanteil im Maschinenbau könne leicht auf das Doppelte steigen, heißt es in der Branche. Die Militarisierung der Wirtschaft zieht auch den Arbeitsalltag der Beschäftigten in ihren Bann und macht eine zunehmende Anzahl an Menschen materiell abhängig von Rüstung und Militär – auch in anderen Branchen.

Maschinenbau in der Krise

Wie Deutschlands Paradebranche, die Autoindustrie, und der drittgrößte Sektor, die Chemie, steckt auch die zweitgrößte Branche der Bundesrepublik, der Maschinenbau, in einer ernsten Krise. Zuletzt erzielte sie einen Jahresumsatz von 280 Milliarden Euro und beschäftigte 933.000 Menschen, rund 22.000 weniger als im Jahr 2024 und 70.000 weniger als 2019. Die Produktion der Branche ging 2024 um acht Prozent, 2025 erneut um fünf Prozent zurück [1]; in den ersten zwei Monaten 2026 schrumpfte sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um weitere zwei Prozent [2]. Die Auslastung der Fabriken wird zur Zeit mit nur noch 77 Prozent angegeben. Auch die Bestellungen kollabieren: Im Zeitraum von Dezember 2025 bis Februar 2026 brachen sie um real acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein.[3] Ursachen sind nicht zuletzt die US-Zölle, die die bislang äußerst lukrative Ausfuhr in die USA belasten, aber auch die rasant erstarkte Konkurrenz in China, die inzwischen Maschinen mit ähnlicher Qualität zu erheblich niedrigeren Preisen liefert, und dies in höherem Tempo.[4] Die deutsche Ausfuhr in die Volksrepublik schrumpft, während die Maschinenimporte aus China steigen. Beides drückt den Absatz der deutschen Branchenunternehmen. Prinzipielle Verbesserungen sind aus deutscher Perspektive trotz diverser Appelle nicht in Sicht.

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USA verschärfen Angriffe auf Fischerboote vor Lateinamerika

Von Andrea Lobo – 23. April 2026

Vom US-Militär bombardiertes Boot im Ostpazifik [Photo: USSOUTHCOM]

Einige der wenigen Überlebenden von US-Raketenangriffen auf kleine Boote vor der Küste Südamerikas haben eindeutige Beweise vorgelegt, dass die Opfer der mörderischen Angriffe im Ostpazifik und der Karibik keine Drogenschmuggler, sondern verarmte Fischer waren.

Ecuadorianische Fischer haben ausgesagt, sie seien am 26. März auf dem Fischerboot Don Maca Ziel eines Doppelschlags („Double Tap“) durch eine US-Drohne geworden. Danach wurden sie von amerikanischen Soldaten verhaftet und in Handschellen, mit Kapuzen über den Köpfen und mit vorgehaltenen Waffen auf ein US-Patrouillenschiff gebracht.

Die Presse in den USA hat kaum über diese Serie von außergerichtlichen Morden berichtet, obwohl sie in den letzten Monaten dramatisch ausgeweitet wurde. Kein einziges der großen etablierten Medienhäuser erwähnte die Aussagen der Fischer, die die Angriffe überlebten.

Die Don Maca, ein 35-Tonnen-Fischkutter, war gemeinsam mit sechs kleineren Booten unterwegs und etwa eine Woche zuvor aus dem ecuadorianischen Hafen Manta ausgelaufen. Am 26. März verschwand er etwa 320 Kilometer nordwestlich der Galapagos-Inseln.

Als der Angriff begann, war die zwanzigköpfige Besatzung mit normalen Tätigkeiten im Rahmen des Fischfangs beschäftigt.

Jhonny Sebastián Palacios erklärte: „Wir haben gearbeitet und auf die Rückkehr des letzten Fischerboots gewartet. Alles war ganz normal.“ Nur Sekunden später wurde das Boot von einem Drohnenangriff zerstört. Palacios erklärte gegenüber dem Guardian: „Ich rannte nach oben und sah, dass das Boot zerstört war … Das ganze Schiff war leergefegt.“

Mehrere Besatzungsmitglieder wurden ernsthaft verletzt. Erick Fabricio Coello Saltos (27) ist infolge des Angriffs zu 90 Prozent erblindet, erlitt gerissene Trommelfelle und Verletzungen durch Schrapnell: „Als ich eine Explosion hörte, zerriss es mir furchtbar das Trommelfell… Ich war blutüberströmt.“

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Wollte der Iran Israel angreifen?

Von Jürgen Hübschen – 23. April 2026

Ahmadineschad
Mostafameraji, CC0, via Wikimedia Commons

Die falsche Behauptung, Iran wolle Israel vernichten: Eine historische Begründung für den heutigen Irankrieg.

Am 26. Oktober 2005 zitierte der damalige iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in einer Rede auf einer Konferenz mit dem Thema „Die Welt ohne Zionismus“ den damaligen religiösen Führer, Ayatollah Khomeini und sagte auf Farsi:

„Imam-e rahel dashtand in rezhim-e ishghalgar-e qods bayad az safheh-ye ruzgar mahv shavad.“

Dieser Satz wurde wie folgt falsch ins Englische und Deutsche übersetzt „Israel must be wiped off the map.“ („Israel muss von der Landkarte weggewischt werden.“)

Klar wird die falsche Interpretation der Aussage von Ahmedinadschad in einer Übersetzung von Memri, dem Middle East Media Research Institute, das übrigens von einem ehemaligen Offizier des israelischen Militärgeheimdienstes gegründet wurde. Die auf dem Farsi-Text beruhende, von der offiziellen iranischen Nachrichtenagentur Isna veröffentlichte und von Memri herausgegebene Version der Aussage vom 26. Oktober 2005 lautet:

„This regime that is occupying Qods must be eliminated from the pages of history.“

(„Dieses Regime, das Jerusalem besetzt, muss von den Seiten der Geschichte entfernt werden.“)

Qods – die Heilige – ist der arabische und auch persische Name für Jerusalem.

Bei dem Zitieren des iranischen Präsidenten Ahmedinadschad ist auch der Kontext unberücksichtigt geblieben, in dem er diesen Satz gesagt hat. Seine Äußerung war – wie bereits geschrieben – nämlich ein Zitat Khomeinis, und Ahmadinedschad hatte hinzugefügt, dass das israelische Besatzungsregime verschwinden müsse, so wie das Regime des Schahs verschwunden sei, wie dies Khomeini einst prophezeit habe.

Der britische Journalist Jonathan Steele hatte bereits am 2. Juni 2006 im Guardian auf die fehlerhafte Übersetzung hingewiesen und geschrieben:

„Ahmedinadschad sprach keine militärische Drohung aus. Er forderte ein Ende der Besatzung Jerusalems, irgendwann in der Zukunft. Die ,page of time‘-Formulierung legt nahe, dass er nicht davon ausging, dies werde bald geschehen. Das beinhaltete nicht, dass Chomeini, als er die Äußerung als Erster machte, oder Ahmadinedschad, als er sie wiederholte, dachte, dass dies bald bevorstünde oder dass Iran eine Rolle dabei spielen würde, es Wirklichkeit werden zu lassen.“

Khomeini selbst hatte sich sich wenige Tage nach dem Wirbel um die Äußerungen Ahmadinedschads um Schadensbegrenzung bemüht und gesagt: „Iran wird gegen keine Nation eine Aggression begehen.“

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Warum die EU die Türkei nun als „Feind“ betrachtet

Von Peter F. Mayer – 23. April 2026

Man muss den geopolitischen Zyklen nur aufmerksam folgen, um zu erkennen, dass wir uns in einer Phase der massiven Destabilisierung befinden. Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei einer Rede zum 80. Jubiläum der [Wochenzeitung Die] Zeit in Hamburg die diplomatische Maske gegenüber der Türkei fallen gelassen.

Mit der Aussage, Europa müsse „die Vervollständigung des europäischen Kontinents“ sicherstellen, damit dieser nicht unter den Einfluss von „Russland, der Türkei oder China“ falle, hat sie die Türkei – einen nominellen NATO-Partner – in eine Reihe mit den erklärten strategischen Rivalen des Westens gestellt. Die EU verschiebt ihre Haltung gegenüber der Türkei radikal – von einem strategischen NATO-Partner, wobei die EU ja mittlerweile deckungsgleich mit der NATO ist, zu einer Bedrohung, die man mit Russland und China in einen Topf wirft. Genau diese Entwicklung hat Ursula von der Leyen mit einer einzigen Aussage in Hamburg öffentlich gemacht und damit den Bruch sichtbar werden lassen. Statt Allianz: Misstrauen. Statt Kooperation: geopolitische Abgrenzung. Das ist nicht nur ein diplomatischer Fauxpas – das ist der nächste Schritt in einem sich ausweitenden Kriegscyclus, der Allianzen auflöst und neu definiert.

Diplomatischer Tabubruch als System-Signal

Was Leyen hier betreibt, ist nicht ein bloßer „Versprecher“, wie es die nachgeschobenen Klarstellungen der Kommission verzweifelt zu suggerieren versuchen. Es ist das Signal einer neuen geopolitischen Realität. In den Augen der Brüsseler Eliten ist die Türkei kein Partner mehr, sondern eine Bedrohung für das „europäische Projekt“.

Und es hat weiter reichende Konsequenzen und Implikationen:

Am selben Tag, an dem die EU erneut versagt, ihren Einfluss zu nutzen, um Israel zu bremsen, erklärt von der Leyen: „Wir müssen Erfolg haben, den europäischen Kontinent zu vollenden, damit es nicht von russischem, türkischem oder chinesischem Einfluss geprägt wird.“

Die Türkei wird erstmals in dieselbe Kategorie wie Russland und China gestellt: eine systemische Bedrohung, gerade als auf der anderen Seite des Mittelmeers ein imperialistischer Krieg, angeheizt von religiösem Fanatismus, tobt.

Und das geschieht genau in dem Moment, in dem Netanyahu seinen Feldzug gegen die Türkei eskaliert.

Wie die Türkei von der Mehrheit der Europäer als größere Bedrohung denn Israel gesehen werden kann, ist ein Rätsel.

Das ist liberaler Nationalismus, der seine Verankerung und seine Logik der „Clash of Civilizations“ entblößt.

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90 Milliarden für die Ukraine freigegeben

Von Thomas Oysmüller – 23. April 2026

Die Ukraine bekommt weitere 90 Milliarden von der EU, um die Staatspleite abzuwenden. Offiziell handelt es sich um einen Kredit, ob man aber jemals etwas zurückbekommt, bleibt fraglich. Der Krieg kann damit aber weitergehen. 

Monatelang haben Ungarn und die Slowakei die 90 Milliarden für Kiew blockiert. Die beiden NATO-Staaten haben sich ohnehin eine Ausnahme herausverhandelt: Anders als das (auf dem Papier) neutrale Österreich haften Budapest und Bratislava nicht für den Kriegskredit. Trotzdem blockierten sie, solange die Ukraine den Energietransit über die Druschba-Pipeline blockierte. Jetzt (zufällig direkt nach dem Wahlsieg des Orbán-Gegners) ist der Ölhahn wieder aufgedreht. Fico und der scheidende Orbán haben die Blockade beendet.

Das Paket soll Kiew 2026 und 2027 vor einer Staatspleite bewahren und umfasst rund 60 Milliarden für militärische Unterstützung sowie 30 Milliarden für Haushalts- und Investitionszwecke. Offiziell handelt es sich um zinsfreie Darlehen, die die EU über den Kapitalmarkt aufnimmt und mit ihrem Haushalt absichert. Ob und wann das Geld jemals zurückfließt, ist jedoch höchst fraglich. Die Rückzahlung aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten wird zwar diskutiert, scheint aber politisch kaum umsetzbar. Das Paket deckt etwa zwei Drittel des geschätzten Finanzbedarfs der Ukraine in diesen zwei Jahren.

Österreichs Beteiligung als neutraler Staat ist politisch höchst brisant  – TKP hat darüber berichtet. Die Außenministerin jubelt jedenfalls darüber, dass der Kredit freigegeben wurde. Man haftet mit bis zu 2,5 Milliarden Euro (zuzüglich rund 100 Millionen Zinsen). Sobald ein Zahlungsausfall der Ukraine eintritt, muss der österreichische Steuerzahler aufkommen. Dass sich auch kleine Staaten eine Ausnahme aushandeln konnten, beweisen Ungarn und die Slowakei. Sie haften nicht – anders als Österreich, Deutschland und der Rest der EU.

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54. Tag im Angriffskrieg von USA und Israel gegen den Iran und den Libanon – „Waffenstillstand“ eine Farce (Ticker 21:00 Uhr)

Von Peter F. Mayer – 22. April 2026

Status im völkerrechtswidrigen US-Israel Angriffskrieg gegen den Iran und den Libanon: Der „Waffenstillstand“ ist eine Farce – Blockade, Zerstörung und Besatzung gehen unvermindert weiter. Auch der heutige Tag brachte Blockade und aufgehaltene Schiffe. Im Libanon bricht mittlerweile Israel regelmäßig den Waffenstillstand und tötet Zivilisten, Journalisten und Sanitäter, offenbar bewusst und absichtlich.

Während die Mainstream-Medien in Europa und den USA Donald Trumps jüngsten Tweet als „Schritt zur Deeskalation“ feiern, sieht die Realität – wie immer – völlig anders aus. Der selbsternannte Friedenspräsident hat den „Ceasefire“ mit dem Iran verlängert. Aber: Die US-Marine blockiert weiterhin die iranischen Häfen, zerstört Handelsschiffe und übt maximalen wirtschaftlichen Druck aus. Das ist kein Waffenstillstand. Das ist Krieg mit anderen Mitteln. Und im Libanon baut Israel gerade eine neue Besatzungszone südlich des Litani-Flusses auf – genau wie im Gazastreifen, nur dass hier niemand hinschaut.

Trump auf Truth Social, 21. April 2026:

„Der Iran steht finanziell vor dem Zusammenbruch! Sie wollen, dass die Straße von Hormus sofort geöffnet wird. Sie sind buchstäblich auf Bargeld angewiesen! Sie verlieren täglich 500 Millionen Dollar. Armee und Polizei beklagen sich darüber, dass sie keinen Lohn erhalten.“

Der Mann, der angeblich „America First“ will, gibt zu, dass er den Iran wirtschaftlich aushungern lässt. Gleichzeitig bittet er Pakistan um Vermittlung, weil Teheran angeblich „gebrochen“ sei. Die iranische Reaktion kam prompt und unmissverständlich. Außenminister Abbas Araqchi nannte die Blockade der Häfen einen „act of war“ und einen klaren Verstoß gegen jeden Waffenstillstand. „Teheran weiß, wie man sich gegen Schikanen wehrt“, ließ der iranische Außenminister wissen. Und das ist keine leere Drohung.

Iranische Quellen (Press TV, Tasnim, Fars) berichten von beeindruckender Widerstandsfähigkeit: Über 170 US-israelische Drohnen wurden in den letzten Wochen abgeschossen, sechs gesprengte Brücken in nur 96 Stunden wieder aufgebaut, die Ghadir-U-Boote haben die Straße von Hormuz zur Todesfalle für Aggressoren gemacht. Die Sejjil-2-Raketen und „Operation True Promise 4“ haben gezeigt, dass die iranische Raketenabwehr und Gegenangriffe die US- und israelische Kriegsmaschinerie ernsthaft in Verlegenheit gebracht haben. Ein IRGC-Kommandeur warnte unmissverständlich: „Sobald der Feind nach dem Waffenstillstand einen Fehler macht, schlagen wir dort zu, wo du es sagst.“

Libanon: weiter illegale israelische Besetzung und Zerstörungen im Süden

Im Libanon läuft das gleiche perfide Spiel.Trotz angeblichem Waffenstillstand zerstört die israelische Armee weiterhin Häuser, Schulen und Brücken im Süden des Landes – unter anderem in al-Bayyadah und Khiam. Israel kündigt offen an, Brücken und das Gebiet südlich des Litani-Flusses unter Kontrolle zu bringen und eine „Sicherheitszone“ zu errichten. Über 50 Dörfer sollen evakuiert bleiben. Die Bilanz der israelischen Angriffe: 2.454 Tote und über 7.658 Verletzte allein im Libanon. Hezbollah antwortet mit gezielten Raketen- und Drohnenangriffen auf israelische Stellungen – genau wie es das Recht auf Selbstverteidigung vorsieht. Der libanesische Premierminister träumt von der Entwaffnung von Hezbollah, während Israel gleichzeitig die Besatzung ausbaut. Das ist keine Friedenspolitik. Das ist klassische zionistische Landnahme.

Keine Verhandlungen ohne echten Waffenstillstand

Die iranische Führung lehnt jede Verhandlung unter Drohung und Blockade ab. Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf: „No talks under threat.“ Iran hat neue militärische „Überraschungen“ vorbereitet und bleibt auf 100 Prozent Gefechtsbereitschaft. Der Angriff auf das iranische Handelsschiff „Touska“ im Golf von Oman wird von Teheran als „Piraterie und Terrorakt“ verurteilt – zu Recht.

Was hier wirklich passiert, ist der verzweifelte Versuch des US-israelischen Machtblocks, die Achse des Widerstands (Iran, Hezbollah, Jemen) zu brechen.

Der wirtschaftliche Krieg mit Blockade und Sanktionen funktioniert nicht mehr so wie früher. Stattdessen steigen die Preise für Düngemittel und Energie weltweit, die globale Lieferketten geraten unter Druck – und der Westen zahlt am Ende selbst den Preis dafür. Während Trump auf Truth Social von „collapsing Iran“ fantasiert, zeigen die Bilder aus Teheran und Beirut etwas ganz anderes: ein Volk, das sich nicht einschüchtern lässt, und eine Widerstandsachse, die militärisch und moralisch standhält.

EU folgt NATO-Narrativ

Die EU und die deutschsprachigen Medien schweigen oder wiederholen brav die NATO-Narrative. Dabei ist klar: Dieser Konflikt ist kein „Nahost-Problem“. Er ist der Versuch, eine multipolare Welt zu verhindern. Solange Washington und Tel Aviv mit Blockaden, Besatzung und gezielter Zerstörung weitermachen, bleibt der „Ceasefire“ genau das, was er ist – eine Lüge, um Zeit zu gewinnen und die nächste Eskalationsstufe vorzubereiten.

Die Iraner und Libanesen haben es längst verstanden: Frieden gibt es nur aus einer Position der Stärke. Und genau diese Stärke zeigen sie gerade – trotz aller westlichen Propaganda und trotz aller Versuche, sie wirtschaftlich und militärisch in die Knie zu zwingen.

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Unser Krieg – eine neue Epoche in Europa

Von Sevim Dagdelen – 23. April 2026

Mit dem EU-Kredit für die Ukraine beginnt eine grundlegende politische und wirtschaftliche Verschiebung – mit weitreichenden Folgen für Europa.

Mit dem heutigen Beschluss der EU, der Ukraine einen 90-Milliarden-Euro-Kredit zu gewähren, beginnt nichts anderes als eine neue Epoche in Europa. Europa ist jetzt Kriegspartei. Europa übernimmt die alleinige Finanzierung des Krieges. Deutschland bürgt für rund 25 Prozent davon, 22,5 Milliarden Euro!

Dabei sind die Begleitumstände des Kredits, der allein von den europäischen Steuerzahlern – vor allem in Deutschland – abgesichert wird und dessen Profiteure US-Finanzinvestoren wie BlackRock, der größte Anteilseigner von Rheinmetall, sind, fast schon Nebensache. Entscheidend ist, dass die EU unter deutscher Führung allein die Finanzierung des Ukraine-Krieges übernimmt. Für die nächsten beiden Jahre wird damit der Fehlbedarf des ukrainischen Haushalts, der nur zur Hälfte durch Steuereinnahmen gedeckt ist, ausgeglichen.

Arbeitsteilung innerhalb der NATO

Brüssel übernimmt nun selbst die Verantwortung für die Ukraine. Während sich die USA zurückziehen und sich auf den Krieg in Westasien konzentrieren, mit dem Ziel, China von der Energieversorgung abzuschneiden, übernehmen EU-Kommissionschefin von der Leyen und Bundeskanzler Friedrich Merz die Führung.

Eine analytische Fehlleistung wäre es jedoch, in der Kriegsübernahme durch die EU und Deutschland eine Schwächung der USA und der NATO zu erkennen. Die EU verfolgt die strategischen Interessen von NATO und USA. Immer deutlicher wird dabei der arbeitsteilige Charakter und die Rolle, die der europäische Teil der NATO im Verbund mit der EU übernehmen soll.

Es sind die kleinen Meldungen, die aufhorchen lassen: Die USA haben ihre Munitionslieferungen an Estland eingestellt – zumindest bis zum Ende des Iran-Krieges. Was das Baltikum angeht, ist die Türkei bereits durch umfangreiche Rüstungslieferungen, unter anderem gepanzerte Radfahrzeuge, in die Bresche gesprungen. In naher Zukunft ist die Eröffnung einer Munitionsfabrik der türkischen Rüstungsindustrie in Estland geplant.

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Wird der bulgarische Wahlsieger ein neuer Orban?

Von Igor Lenkin/TASS (Übersetzung: Thomas Röper) – 23. April 2026

In Bulgarien hat ein eher Russland freundlicher Kandidat die Wahlen gewonnen. Wird er ein neuer Orban, oder sind die Meldungen westlicher Medien übertrieben?

Das kleine Land Bulgarien könnte in der EU bald eine wichtige Rolle spielen, nachdem ein eher Russland freundlicher Kandidat die Wahlen gewonnen hat und mit absoluter Mehrheit regieren wird. Westliche Medien warnen, er könnte zu einem neuen Orban werden und die EU in ihrer anti-russischen Politik behindern.

Der Bulgarien-Korrespondent der TASS hat sich in einem Artikel mit dieser Frage beschäftigt und ich habe den Artikel übersetzt. […]

Ist der künftige Ministerpräsident pro-russisch? Ein „progressiver“ Tsunami verändert die politische Landschaft Bulgariens

Igor Lenkin, TASS-Korrespondent in Bulgarien, analysiert die Ergebnisse der Parlamentswahlen in der Balkanrepublik und die Haltung der neuen Regierung zu Russland und der EU.

Die Koalition „Progressives Bulgarien“ unter Führung des ehemaligen Präsidenten Rumen Radev hat überraschend die Alleinregierung in der Balkanrepublik errungen. Meinungsforscher waren sich sicher, dass die Koalition bei den vorgezogenen Wahlen zur 52. Nationalversammlung (dem Einkammerparlament) erfolgreich sein würde, doch selbst die Prognosen nach der Wahl lagen falsch.

Die Prognosen

Die Berechnungen vor der Wahl lauteten wie folgt: Im 240 Sitze umfassenden Parlament würde das von Radev geführte Bündnis keine absolute Mehrheit erringen und in einer Koalition regieren, möglicherweise mit den Sozialisten, die laut Prognosen auf Platz sechs erwartet wurden. Radevs Sieg war jedoch überwältigend: 1.444.924 Wähler, fast 45 %, stimmten für Progressives Bulgarien. Dieses Ergebnis sicherte den Anhängern des ehemaligen Präsidenten mehr als 130 Sitze im Parlament und veränderte die politische Landschaft des Landes grundlegend. Seit 1997 hat keine politische Bewegung in Bulgarien eine solche Unterstützung erhalten.

Eine weitere Sensation dieser Wahlen war, dass die Bulgarische Sozialistische Partei zum ersten Mal in der modernen Geschichte des Landes den Einzug in die Nationalversammlung verpasste und die Vier-Prozent-Hürde nicht überschritt.

Damit brach eine ganze Ära der bulgarischen Politik zusammen und auf Radevs Schultern liegt eine enorme Verantwortung für die zukünftige Entwicklung des Landes.

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Die „europäische Führungsrolle“ der Bundeswehr

Von German-Foreign-Policy.com – 23. April 2026

Das Bundesverteidigungsministerium legt erstmals eine offizielle Militärstrategie für die Bundesrepublik vor. Deutschland soll auch militärisch zur Zentralmacht Europas werden, die Bundeswehr soll „technologisch überlegen“ sein.

Das Bundesverteidigungsministerium legt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine ausformulierte Militärstrategie für die Bundeswehr vor. Das Papier, dessen Hauptelemente Verteidigungsminister Boris Pistorius am Mittwoch öffentlich vorstellte, bekräftigt das Vorhaben, die Bundeswehr solle bis 2035 zur „stärksten konventionellen Armee in Europa“ werden. Auch müsse sie „ihre europäische Führungsrolle festigen“. Von einer nicht bloß „innovativen“, sondern künftig „technologisch überlegenen“ Streitmacht ist die Rede. Entsprechend sieht ein neues Fähigkeitsprofil für die Bundeswehr nicht bloß eine massive Aufrüstung mit weitreichenden Waffen, sondern auch eine „Nutzung von Automatisierung und autonomen Fähigkeiten“ in der künftigen Kriegführung vor. Damit ist unter anderem ein breiter Einsatz von KI durch die Truppe gemeint. Spätestens im Jahr 2035 soll die Bundeswehr gemeinsam mit der Reserve eine Stärke von gut 460.000 Soldaten erreichen. Die Reserve ist dabei auch als „Brücke“ in die Zivilgesellschaft zugunsten einer sozialen Militarisierung konzipiert. Mit den Maßnahmen will die Bundesrepublik auch militärisch zur Zentralmacht Europas werden. Dies festigt ihre Dominanz über den Kontinent.

Die Zentralmacht Europas

Die neue Militärstrategie der Bundeswehr skizziert zunächst den Rahmen der möglichen künftigen Kriege, die die Bundesregierung ins Visier nimmt. So heißt es, Einsätze seien auch weiterhin im Rahmen des „internationale[n] Krisenmanagement[s]“ denkbar, „wenn deutsche oder europäische Interessen dies gebieten“.[1] Ein solcher Einsatz könnte schon bald etwa in der Straße von Hormuz erfolgen (german-foreign-policy.com berichtete [2]). Allerdings konzentriert sich die Militärstrategie explizit „vor allem auf die Bedrohung durch Russland“, das „für die deutsche, europäische und transatlantische Sicherheit auf absehbare Zeit“ als „größte und unmittelbare Bedrohung“ bezeichnet wird. In diesem Kontext ist Berlin bestrebt, sich eine zentrale Stellung innerhalb des westlichen Bündnisses zu sichern. Schon seit Jahren bereitet sich die Bundesrepublik darauf vor, im Rahmen eines Aufmarschs gegen Russland die bedeutende Funktion einer logistischen Drehscheibe einzunehmen, ohne die im Ernstfalle nichts geht.[3] In der Militärstrategie heißt es nun, man werde „aus der Mitte Europas die Kohäsion zwischen Ost-, Zentral- und Westeuropa erhöhen“ und außerdem „die Verbindung zu Nordamerika halten“. Damit werde Deutschland „zum militärischen Anlehnungspartner für seine europäischen Verbündeten“, also auch militärisch zur Zentralmacht Europas.

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Breaking News: BAP-Barde Niedecken erhält den Georg-Elser-Preis

Von Wolf Reise – 23. April 2026

Wie man uns heute Mitläufertum als Zivilcourage verkauft.

Am 14. April 2026 erhielt Wolfgang Niedecken (75) alias der Dylan von der Domplatte die Georg-Elser-Auszeichnung der in Konstanz stationierten „Crescere Stiftung Bodensee“. Eine Jury aus Politik, Kirche und Kultur erkannte in seinem Lebenswerk ein unermüdliches Engagement für eine offene und tolerante Gesellschaft sowie eine stets klare Kante gegen Rechtspopulismus, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Auch wurde oft der Begriff Zivilcourage strapaziert, für J. F. Kennedy die wichtigste Eigenschaft des politischen Menschen, weil sie darin besteht, gegen eigene frühere Überzeugungen zu handeln wie auch gegen die Parteilinie und vor allem auch gegen die öffentliche Meinung.

Einige wundern sich hier zu Recht, denn seit mehr als einem halben Jahrhundert vertritt der Preisträger stets Meinungen, die von 80 Prozent der Deutschen und bis ins Heute hinein von 95 Prozent der Medien geteilt werden. Diese Irritation löst sich aber auf, wenn man erfährt, dass er direkter Ehrungsnachfolger von Dunja Hayali ist, die an selber Stelle 2025 für ihren ebenfalls unermüdlichen Einsatz in Sachen bedrohter Demokratie und gelebter Weltoffenheit beklatscht wurde, „auch und gerade wegen ihres Migrationsvordergrunds,“ wie der verschmitzte Laudator anmerkte.

Der Mundartkünstler glänzt also seit letzter Woche „im Geiste des Widerstandskämpfers Georg Elser und dessen Einsatz für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte.“ Es sei kurz angemerkt, dass Herbert Grönemeyer im Juni den Deutschen Nationalpreis erhält, mit einer nahezu identischen Begründung aus dem Bellevue-Bausatz.

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