Russlands zweiter Einsatz der Oreshniks war eine Reaktion auf die drei jüngsten Provokationen

Von Andrew Korybko – 9. Januar 2026

Bei diesen Provokationen handelt es sich um den versuchten Mordanschlag der Ukraine auf Putin kurz vor Neujahr, die offiziellen Pläne Frankreichs und Großbritanniens, Truppen in die Ukraine zu entsenden, falls ein Waffenstillstand vereinbart wird, und die Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers im Atlantik durch die USA.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte am Freitagmorgen, dass die Oreshniks zum zweiten Mal eingesetzt wurden, nachdem mehrere davon auf Ziele in der Region Lemberg abgefeuert worden waren. Berichten zufolge gehörten das Gasfeld Stryi und eine Gasspeicheranlage zu den getroffenen Zielen. Zum ersten Mal waren die Oreshniks im November 2024 eingesetzt worden, nachdem die USA und Großbritannien der Ukraine erlaubt hatten, ihre Langstreckenraketen für Angriffe tief im Inneren Russlands einzusetzen. Die drei jüngsten Provokationen waren wohl für ihren zweiten Einsatz verantwortlich.

In der oben genannten Bestätigung wurde ausdrücklich erwähnt, dass der Versuch der Ukraine, kurz vor Neujahr einen groß angelegten Angriff auf Putins Residenz in der russischen Region Nowgorod zu verüben, der Auslöser für diese Vergeltungsmaßnahme war. Diesbezüglich wurde die Einschätzung abgegeben, dass „die CIA Trump gegen Putin manipuliert“, nachdem dieser seine Meinung geändert hatte und nun nicht mehr Putins Behauptung glaubte, dass es sich bei diesem Angriff um ein Attentat handelte, sondern der Meinung des CIA-Chefs, dass er angeblich nur auf eine nahegelegene Militärbasis abzielte. Dies kann also als Putins Antwort auf Trump interpretiert werden.

Auch wenn das russische Verteidigungsministerium keine weiteren Provokationen der letzten Zeit als Grund für den zweiten Einsatz der Oreshniks durch sein Land genannt hat, kann man davon ausgehen, dass Putin wahrscheinlich noch zwei weitere im Sinn hatte, als er die Genehmigung für diesen jüngsten Angriff erteilte. Dabei handelt es sich um die offiziellen Pläne Frankreichs und Großbritanniens, Truppen in die Ukraine zu entsenden, falls ein Waffenstillstand vereinbart wird, sowie um die Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers im Atlantik durch die USA. Beide Vorfälle sind auf ihre Weise provokativ.

Putin selbst hatte erst im September gewarnt, dass Russland westliche Truppen in der Ukraine als „legitime Ziele für Zerstörung“ betrachten würde. Zwar gab der russsiche Auslandsgeheimdienst SVR später im selben Monat bekannt, dass sich bereits britische und französische Truppen in Odessa befänden, doch ist dies nicht mit dem konventionellen Einsatz vergleichbar, zu dem sich diese beiden Länder verpflichtet hatten. Noch beunruhigender ist, dass Trumps Sondergesandter Steve Witkoff die britisch-französischen Pläne unterstützte, was Russland möglicherweise zu der Frage veranlasst hat, ob die USA ihre offizielle Position, dass Artikel 5 nicht für NATO-Truppen in der Ukraine gilt, revidieren könnten.

Was die dritte Provokation betrifft, die Putin wahrscheinlich im Sinn hatte, als er den zweiten Einsatz der Oreshniks durch Russland genehmigte, so hatte die Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers im Atlantik durch die USA den schmerzhaften Anschein, dass Washington Moskau extraterritorial sein innerstaatliches Recht aufzwingt. Hätte Russland danach keine starke Botschaft gesendet, wenn auch indirekt und asymmetrisch, könnten die USA ermutigt worden sein, weitere Schiffe der russischen „Schattenflotte” an anderen Orten der Welt, darunter in der Ostsee und im Schwarzen Meer, zu beschlagnahmen.

Diese beiden zugegebenermaßen spekulativen Motive hinter dem jüngsten Oreshnik-Angriff erklären, warum Ziele in der Region Lemberg getroffen wurden und nicht andere Ziele irgendwo anders in der Ukraine. Russland wollte Frankreich, Großbritannien und ihrem gemeinsamen Schutzherrn, den USA, wohl zeigen, dass es in der Lage ist, Ziele innerhalb der NATO bei Bedarf schnell und unentdeckt zu treffen. Dies könnte der Fall sein, wenn auf die geplante Truppenentsendung der beiden ersten Länder in die Ukraine eine beispiellose Krise folgt oder wenn die USA hypothetisch weitere russische Schiffe beschlagnahmen sollten.

Putin ist fast schon pathologisch abgeneigt, die Lage in der Ukraine zu eskalieren, da dies zu einem Dritten Weltkrieg eskalieren könnte. Daher ist es bezeichnend, dass er trotz allem gerade den zweiten Einsatz der Oreshniks genehmigt hat. Er hat dies nicht einmal nach der „Operation Spiderweb” der Ukraine getan, von der Trump möglicherweise im Voraus wusste und mit der Kiew im vergangenen Sommer auf Russlands nukleare Triade abzielte. Dies zeigt, wie ernst er den Mordversuch der Ukraine an ihm und wahrscheinlich auch die beiden anderen Provokationen nimmt.

*Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Die Lügen der EU über Russlands angebliche Aggressivität

Von Thomas Röper – 9. Januar 2026

Die EU verstrickt sich immer mehr in Lügen, wenn es um Russland geht. Nun musste die EU als Antwort auf eine offizielle Anfrage eines Europa-Abgeordneten eine weiter Lüge, dieses Mal von Kaja Kallas, einräumen

Kaja Kallas, ihres Zeichens EU-Chefdiplomatin, ist für ihren ausgeprägten Russenhass, für ihre mangelnden intellektuellen Fähigkeiten und ihren Mangel an Bildung bekannt. Am 26. November behauptete Kallas öffentlich, Russland habe in den letzten hundert Jahren 19 Länder angegriffen und begründete die aggressive Politik der EU gegenüber Russland damit, dass die EU das angeblich aggressive Russland abschrecken müsse.

Diese von deutschen Medien kaum bis gar nicht beachtete Aussage von Kallas hat in Russland hohe Wellen geschlagen, denn die Aussage war offensichtlich gelogen.

Der luxemburgische EU-Abgeordnete Fernand Kartheiser hat dem Europäischen Auswärtigen Dienst, dessen Chefin Kallas ist, daher am 1. Dezember eine offizielle Anfrage geschickt und darin unter anderem um eine Erklärung zu der Aussage von Kallas und vor allem um eine Liste der 19 Länder gebeten, die Russland angeblich in den letzten hundert Jahren angegriffen haben soll. Seine Anfrage und die nun erhaltene offizielle Antwort der EU hat er auf X veröffentlicht. […]

In der auf den 7. Januar datierte Antwort des EU-Außenministeriums heißt es unter anderem:

„Russland – und davor die UdSSR – hat in den vergangenen 100 Jahren unprovozierte Aggressionen, darunter Invasionen und Besetzungen, gegen zahlreiche Länder in Europa und darüber hinaus verübt. Dieser Hinweis unterstreicht den systematischen und andauernden Charakter dieser Aggressionen.“

Das Schreiben des Diplomatischen Dienstes der EU enthält jedoch nicht nur keine vollständige Liste der 19 angeblich von Russland angegriffenen Staaten, sondern nennt nicht ein einziges Land, das angeblich von Russland angegriffen wurde.

Das bedeutet, dass die Behörde von Kallas de facto eingestehen musste, dass ihre Chefin gelogen, oder aus Dummheit und mangelnder Bildung die Unwahrheit gesagt hat. Beides wirft kein gutes Licht auf Kallas.

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Gipfeltreffen in Paris: Europa am Rande eines Kriegs gegen Russland und Amerika

Von Alex Lantier – 9. Januar 2026

Am 6. Januar trafen sich führende europäische Regierungschefs mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, dem kanadischen Premierminister Mark Carney und den beiden Russland-Unterhändlern der Trump-Regierung Steve Wittkoff und Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn.

Die versammelten NATO-Vertreter erklärten ihre Bereitschaft, die Ukraine mit Waffen zu beliefern und dort auf unbefristete Zeit Truppen zu stationieren, um das Land als Militärbasis an der Grenze zu Russland aufzubauen, sobald ein Waffenstillstand vereinbart ist. Russland wollte eben diese Situation durch seinen Überfall auf die Ukraine verhindern und hat bereits gedroht, auf NATO-Truppen zu schießen, wenn sie in der Ukraine ankommen. Angesichts dessen ist die Behauptung der USA und Europas, sie wollten mit Russland über ein Ende des Krieges verhandeln, eine Farce. Vielmehr zielt die Pariser Erklärung darauf ab, Russland zu einer Fortsetzung des Krieges zu provozieren und potenziell die Bedingungen für eine Eskalation zu einem totalen Krieg in ganz Europa zu schaffen.

Der Elefant im Raum waren jedoch Trumps offen illegaler Überfall auf Venezuela und die gefährlichen Konflikte zwischen Washington und seinen NATO-Verbündeten, nachdem der amerikanische Präsident damit gedroht hatte, das zu Dänemark gehörige Grönland zu besetzen. Die BBC berichtete, die „Grundatmosphäre bei dem Gipfeltreffen war äußerst angespannt“, während die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen neben Witkoff und Kushner saß. Laut BBC war Frederiksen „von ihren europäischen Kollegen unter Druck gesetzt worden, sich wegen Grönland nicht mit den USA anzulegen, um deren Unterstützung für die Ukraine nicht zu gefährden“.

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Bundesregierung verweigert Antwort: Auf welcher Quellen-Grundlage beruht Merz-Aussage zu Maduro und Venezuela?

Von Florian Warweg – 9. Januar 2026

Das US-Justizministerium hat kurz vor der ersten Anhörung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro vor dem Bundesgericht in New York die Anklageschrift massiv überarbeitet und einen der zentralen Vorwürfe, dass Maduro Chef des Drogenkartells „Los Soles“ sei, zurückgenommen. Kanzler Merz hatte bei seiner ersten Stellungnahme zum US-Angriff ebenfalls auf die angeblich zentrale Rolle von Maduro und Venezuela im internationalen Drogengeschäft verwiesen. Gleichzeitig spricht das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) davon, dass Venezuela, sowohl was Drogentransfer als auch Drogenproduktion angeht, nur eine marginale Rolle spielt, insbesondere was den Export in die USA angeht. Vor diesem Hintergrund wollten die NachDenkSeiten wissen, auf welcher Quellenlage der Kanzler seine diffamierende Aussage getroffen hat.

Hintergrund

Einer der Hauptanklagepunkte des US-Justizministeriums gegen Nicolás Maduro, beruhend auf einer Anklageschrift von 2020, mit welcher auch die Bombardierung der Hauptstadt Caracas und drei weiterer Bundesstaaten sowie die Entführung des venezolanischen Präsidenten und seiner Frau Cilia Flores gerechtfertigt wurde, lautete, er sei Anführer des Drogenkartells Los Soles. In der Anklageschrift wird der Name des Kartells insgesamt 32-mal erwähnt:

NICOLAS MADURO MOROS, der Angeklagte, half bei der Leitung und führte schließlich das Cártel de Los Soles, als er in Venezuela an Macht gewann. Unter der Führung von MADURO MOROS und anderen versuchte das Cártel de Los Soles nicht nur, seine Mitglieder zu bereichern und ihre Macht zu stärken, sondern auch, die Vereinigten Staaten mit Kokain zu „überfluten” und den Konsumenten in diesem Land die schädlichen und suchterzeugenden Wirkungen der Droge zuzufügen.

Während die meisten Drogenhandelsorganisationen in Süd- und Mittelamerika versucht haben, sich aus ihrer Rolle als Importeure von Betäubungsmitteln in die Vereinigten Staaten zurückzuziehen, um einer Strafverfolgung in den USA zu entgehen, hat das Cártel de Los Soles unter der Führung von MADURO MOROS und anderen es sich zur Aufgabe gemacht, Kokain als Waffe gegen Amerika einzusetzen und so viel Kokain wie möglich in die Vereinigten Staaten zu importieren.

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Ist die NATO schon tot? Wer Trumps Pläne verstehen will, muss seine Sicherheitsstrategie lesen

Von Thomas Röper – 8. Januar 2026

Die Aufregung um Trumps Aktionen ist groß und sie wächst fast täglich, dabei kommen sie nicht überraschend. Wer seine Sicherheitsstrategie vom November verstanden hat, der kann nicht überrascht sein – und kann sich denken, was noch kommen dürfte.

Viele glauben immer noch, Trump habe keine Strategie, gehe chaotisch vor, ändere ständig seine Meinung und so weiter. Ich habe das nie gedacht und auch oft gesagt, dass ich der Meinung bin, dass Trump sehr genau weiß, was er tut, und dass er einer festgelegten Strategie folgt. Man darf nicht allen seinen Erklärungen vor der Presse und Posts auf TruthSocial allzu viel Bedeutung beimessen, denn seine Erklärungen und Posts wirken in der Tat chaotisch.

Aber das ist seine Verhandlungsstrategie: Er will seine Gegner und Verhandlungspartner verunsichern und ihnen auch Angst machen, weil er dann in Verhandlungen mehr erreichen kann. Viele seiner Erklärungen und Posts sind eher als Psychoterror gegen seine Gegner und Verhandlungspartner zu verstehen.

Wer diese, oft wirr erscheinenden Erklärungen und Posts aber ausblendet und nur auf das schaut, was Trump tatsächlich tut, der kann eine recht klare Linie in seiner Politik erkennen.

Es steht alles in Trumps Sicherheitsstrategie

Und diese Linie hat Trump in seiner Nationalen Sicherheitsstrategie vom November zu Papier bringen lassen. Ich habe bereits in einem Artikel erklärt, dass weder Trumps Vorgehen bei Venezuela noch seine Sanktionen gegen EU-Bürger wegen Zensur von amerikanischen Internetplattformen überraschend kamen, denn beides konnte man Wochen vorher mehr oder weniger deutlich in seiner Sicherheitsstrategie nachlesen.

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Russland muss Putin ersetzen, bevor seine endlose Duldung von Provokationen im finalen Krieg endet

Von Paul Craig Roberts* – 8. Januar 2026

Russlands Reaktion auf die illegale Beschlagnahmung seines Schiffes Marinera auf hoher See – ein Kriegsakt – besteht darin, von Washington zu verlangen, eine würdige Behandlung der russischen Staatsbürger an Bord sicherzustellen. Washington kümmert sich überhaupt nicht um russische Forderungen. Putin hat Washington schon vor langer Zeit bewiesen, dass Russlands Bellen keinen Biss hat.

Wie ich seit Jahren schreibe, treibt das völlige Fehlen eines Bisses hinter Russlands Bellen die Welt in einen Atomkrieg. Indem Putin jede Provokation duldet, hat er die Provokationen ermutigt, zuzunehmen und sich zu verschärfen. So weigerte sich Putin beispielsweise, den Angriff auf Russlands strategische Bomberflotte als Kriegsakt anzuerkennen. Als die Vereinigten Staaten versuchten, Putin in seiner Residenz zu ermorden, weigerte sich Putin ebenfalls, dies als Kriegsakt anzuerkennen.

Die Beschlagnahmung von Schiffen auf hoher See ist ein Kriegsakt. Die Vereinigten Staaten haben im Laufe ihrer Geschichte stets anerkannt, dass die Beschlagnahmung von Schiffen auf hoher See ein Kriegsakt ist. 1801 entsandte Präsident Thomas Jefferson die US-Marine und die US-Marines an die Küste von Tripolis, um die arabische Beschlagnahmung amerikanischer Schiffe in internationalen Gewässern und den Verkauf der Passagiere in die Sklaverei zu stoppen. Als die Briten amerikanische Schiffe beschlagnahmten, führte dies zum Krieg von 1812. Nun behaupten die Vereinigten Staaten, dass US-Recht für alle Schiffe in allen Ozeanen gelte, und ein Bundesrichter hat diese lächerliche Behauptung untermauert, indem er einen Haftbefehl zur Beschlagnahmung eines leeren Schiffes unter russischer Flagge auf hoher See erließ – 5.500 Kilometer von den Vereinigten Staaten entfernt.

*Der Autor ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Publizist und seit Jahren scharfer Kritik der US-Politik. Er war stellvertretender Finanzminister der Regierung Reagan und ist Mitbegründer von deren wirtschaftspolitischem Programm („Reaganomics“). Paul Craig Roberts war u. a. Mitherausgeber und Kolumnist des Wall Street Journal und Kolumnist von Business Week

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

„Feigenblattartikel“: Würde der „Spiegel“ immer so über das Völkerrecht und die Lage Europas schreiben, wäre der „Anti-Spiegel“ überflüssig

Von Thomas Röper – 8. Januar 2026

[…] Dass der Anti-Spiegel mal einen Spiegel-Artikel lobend erwähnt, ist selten, aber nun ist im Spiegel ein Artikel mit der Überschrift „US-Intervention in Venezuela – Ein Epochenbruch? Europa lernt gerade, was andere Weltregionen seit Langem wissen“ über das Völkerrecht und die Lage Europas erschienen, der durchaus in die richtige Richtung weist.

Auch in deutschen Mainstream-Medien erscheinen ab und zu recht brauchbare Artikel, die ich als „Feigenblattartikel“ bezeichne, weil man in ihnen zwar durchaus mal ein bisschen Wahrheit über geopolitische Vorgänge erfahren kann, aber diesem einen „Feigenblattartikel“ hunderte Artikel gegenüberstehen, die weiterhin Märchen verbreiten. Die „Feigenblattartikel“ haben die Funktion, dass die Medien auf den Vorwurf, sie würden etwas verschweigen, immer antworten können: „Nein, sieh her, hier haben wir das doch mal geschrieben“.

Der aktuelle „Feigenblattartikel“ des Spiegel ist gut, weil er endlich einmal das thematisiert, worüber ich gerade gestern in meinem langen Artikel mit der Überschrift „Was bedeutet das für Europa? Es gibt kein Völkerrecht mehr, nur noch das Recht des Stärkeren“ (übrigens hier als Podcast anzuhören) ausführlich geschrieben habe: Es gibt schon lange kein Völkerrecht mehr, aber dass Europa das nun beklagt, liegt nur daran, dass Europa bisher zu den Gesetzlosen gehört hat, die das Völkerrecht fröhlich gebrochen haben, um andere Länder zu unterdrücken und auszubeuten, nun aber damit konfrontiert ist, dass die USA sich jetzt gegen Europa wenden und sich gegenüber Europa so verhalten, wie die Europäer es bisher gegenüber anderen, schwächeren Ländern getan haben. Diese Wahrheit im Spiegel zu lesen, ist recht überraschend.

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Nach Maduro-Entführung: Russisches Fernsehen ändert Ton gegenüber Trump

Von Ulrich Heyden – 8. Januar 2026

Der populäre russische Fernsehsender Rossia 1 zeigte ausführlich Bilder von Demonstranten gegen die Entführung von Maduro und seiner Frau. (Screenshot)

Hauptthema in den Nachrichtensendungen des russischen Fernsehkanals Rossija 1 ist seit Tagen die Entführung des Präsidenten von Venezuela, Nicolas Maduro, durch US-Militärs. Über die Lage in Venezuela und die politischen Folgen berichtete Rossija 1 – einer der wichtigsten russischen Nachrichtensender – in den letzten Tagen ausführlicher als über den Krieg in der Ukraine. Seit dem Amtsantritt von Trump und insbesondere seit dem Treffen von Trump und Putin auf der US-Militärbasis in Anchorage (Alaska) wurde im russischen Fernsehen über den US-Präsidenten in einem hoffnungsvollen Ton berichtet. Doch seit dem 3. Januar hat sich das geändert. Positiv berichtet Rossija 1 jetzt nur noch über die Demonstranten in Washington, die gegen den Krieg in Venezuela protestieren und US-Kongressabgeordnete der Demokraten, die Trump vorwerfen, er stifte Chaos.

Ähnlich wie zu Sowjetzeiten, als die schwarze Menschenrechtsaktivistin Angela Davis ein großer Star im sowjetischen Fernsehen war, wird jetzt im russischen Fernsehen über die Demonstranten berichtet, die vor dem Weißen Haus und vor dem Untersuchungsgefängnis demonstrieren, in dem Nicolai Maduro und seine Frau Cilia Flores einsitzen. Das „gute Amerika“ ist für das russische Fernsehen jetzt nicht mehr Trump, es sind jetzt die Demonstranten, die in den USA mit Plakaten „Kein Blut für Öl“ demonstrieren.

Ausführlich kommen bei Rossija 1 auch US-amerikanische Abgeordnete zu Wort, die scharf kritisieren, dass der Präsident einen Krieg gegen Venezuela führte und dass er diesen Militäreinsatz nicht im Kongress zur Abstimmung stellte. Im russischen Fernsehkanal sah man den US-Kongressabgeordneten Chack Schumer, der zu der Maduro-Entführung erklärte, „kein Plan, nur Chaos“. Trump habe die Büchse der Pandora geöffnet. Die Lage werde „außer Kontrolle“ geraten.

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Drei Erkenntnisse aus der Beschlagnahmung eines unter russischer Flagge fahrenden Tankers durch die USA im Atlantik

Von Andrew Korybko – 8. Januar 2025

Der übergeordnete Trend ist, dass die USA ihre historische „Einflusssphäre” über Amerika militärisch wiederherstellen und die maritime Komponente [eine seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesene Flotte von US-Kriegsschiffen inklusive Flugzeugträger und Luftwaffe; die Red.] der „Festung Amerika” für Trump 2.0 so wichtig ist, dass Washington bereit ist, die „regelbasierte Ordnung” dafür zu opfern und sogar einen möglichen unbeabsichtigten Krieg mit Russland zu riskieren.

Der unter russischer Flagge fahrende Tanker Marinera wurde gerade von den USA [in einem Akt offener staatlicher Piraterie; die Red.] im Atlantik beschlagnahmt. Er hieß früher Bella 1 und steht aufgrund seiner Verbindungen zur Hisbollah unter US-Sanktionen. Er fuhr unter guyanischer Flagge von Iran nach Venezuela und versuchte, die Blockade der USA zu durchbrechen. Das misslang, er kehrte um, änderte seinen Namen in Marinera und erhielt eine vorübergehende Genehmigung, unter russischer Flagge zu fahren, bevor er beschlagnahmt wurde. Russland forderte daraufhin, dass seine Bürger an Bord human behandelt und nach Hause zurückgebracht werden.

Kriegsminister Pete Hegseth schrieb: „Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt weltweit in VOLLER WIRKUNG.“ Zuvor hatte Generalstaatsanwältin Pam Bondi damit gedroht, strafrechtliche Schritte gegen die Besatzung einzuleiten. Ihr Tweet und der andere Tweet von Hegseth, in dem er erklärt, dass die USA nur „legitimen und rechtmäßigen“ Energiehandel mit Venezuela zulassen werden, zeigen, dass die USA erneut sogenannte „Polizeifunktionen“ übernehmen. Hier sind drei Erkenntnisse aus diesem Vorfall:

1. Die USA zeigen sich überraschend gelassen angesichts eines versehentlichen Krieges mit Russland.

Selbst für US-Verhältnisse war es dreist, einen unter russischer Flagge fahrenden Tanker zu beschlagnahmen, insbesondere nachdem westliche Medien berichtet hatten, dass Russland Schiffe und ein U-Boot zu seiner Eskorte entsandt hatte, was Russland jedoch nicht bestätigte, und von denen sich zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung keines in der Nähe befand. Dennoch ging Trump 2.0 davon aus, dass es keine Vergeltungsmaßnahmen geben würde, obwohl der stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des russischen Parlaments gewarnt hatte, dass „jeder Angriff auf unsere Frachter als Angriff auf unser Territorium angesehen werden kann, selbst wenn das Schiff unter ausländischer Flagge fährt“.

Interessanterweise ereignete sich dieser Vorfall parallel zu den von den USA unterstützten europäischen Waffenstillstandsgarantien für die Ukraine, die auch die Zusage Großbritanniens und Frankreichs beinhalten, während dieser Zeit Truppen dorthin zu entsenden, obwohl Russland wiederholt gewarnt hat, dass diese legitime Ziele seien. Es ist ganz offensichtlich, dass die USA derzeit überraschend gelassen gegenüber einem möglichen unbeabsichtigten Krieg mit Russland sind, sei es wegen der Beschlagnahmung eines unter ihrer Flagge fahrenden Schiffes auf See oder wegen der Tötung von NATO-Verbündeten in der Ukraine. Diese Beobachtung wird Russland nicht entgehen.

2. „Fortress America“ umfasst auch eine wichtige maritime Komponente

Das Ziel der Wiederherstellung der unipolaren Hegemonie der USA über Amerika, das in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie als höchste regionale Priorität bezeichnet wird, kann als Aufbau einer „Festung Amerika“ bezeichnet werden. Dieses Ziel verfolgen die USA nicht nur aus Prestigegründen, um ihre Macht zu demonstrieren, sondern auch aus pragmatischen Erwägungen. Wenn die USA jemals aus der östlichen Hemisphäre vertrieben werden oder sich aus irgendeinem Grund entschließen sollten, sich dort zurückzuziehen, könnten sie [bzw. die sie beherrschende Oligarchie; die Red.] dennoch in der westlichen Hemisphäre überleben und sogar florieren, solange sie die volle Kontrolle über die Ressourcen dieser Länder und bevorzugten Zugang zu ihren Märkten haben.

Wie aus diesem Vorfall sowie den Beiträgen von Hegseth und Bondi dazu hervorgeht, gibt es auch eine wichtige maritime Komponente im Zusammenhang mit der Kontrolle des Ölexports aus Venezuela, das über die größten Reserven der Welt verfügt. Dieses Ziel kann nur durch die Aufrechterhaltung der einseitigen Blockade und die Beschlagnahmung aller Schiffe erreicht werden, die gegen diese verstoßen, und zwar unter dem Vorwand der Strafverfolgung, der das Konzept der Extraterritorialität verkörpert. Ohne diese maritime Komponente könnte die „Festung Amerika” niemals wirklich errichtet werden, aber sie ist nicht ohne Kosten.

3. Die USA zerstören die „regelbasierte Ordnung“, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben

Der oben genannte Punkt geht nahtlos in den letzten Punkt über, nämlich wie die von den USA gegenüber Venezuela militärisch durchgesetzte Extraterritorialität die „regelbasierte Ordnung“ zerstört, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben, um ihre unipolare Hegemonie über die Welt nach dem Ende des alten Kalten Krieges aufrechtzuerhalten. Dies verstößt gegen die internationalen Gesetze, die die USA früher weltweit nach ihren willkürlichen Maßstäben äußerst selektiv durchgesetzt haben. Anstelle internationaler Gesetze setzen die USA nun ihre eigenen durch, aber auch hier mit dem Ziel der Hegemonie.

Das Völkerrecht ist aufgrund der inhärenten Dysfunktionalität der UNO, die mit der Pattsituation zwischen den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats zusammenhängt, von denen eines in der Regel wichtige Vorschläge der anderen mit seinem Veto blockiert, zunehmend illusorisch geworden. Wenn sich die Großmächte dennoch in ihren Beziehungen untereinander daran halten würden, gäbe es mehr Vorhersehbarkeit und weniger Risiko für Kriege aufgrund von Fehleinschätzungen. Wie dieser Vorfall jedoch zeigt, sind die USA nicht einmal mehr daran interessiert, da der Aufbau der „Festung Amerika” nun Vorrang vor allem anderen hat.

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Der Trend, der die drei oben genannten Erkenntnisse verbindet, ist, dass die USA ihre historische „Einflusssphäre“ über Amerika militant wiederherstellen wollen, und dies ist für Trump 2.0 so wichtig, dass er bereit ist, die „regelbasierte Ordnung“ dafür zu opfern und sogar einen versehentlichen Krieg mit Russland zu riskieren. Die maritime Komponente vor der karibischen Küste Venezuelas, die vor allem anderen aufgebaut wurde, wird von der Regierung als Strafverfolgungsmaßnahme gerechtfertigt, bei der nationale Gesetze Vorrang vor internationalen Gesetzen haben.

Da dies auf der anderen Seite der Welt stattfindet, wo keine der beiden Parteien der chinesisch-russischen Entente über Militärstützpunkte verfügt, können sie dies nicht einmal indirekt in Frage stellen, anders als die USA, die Russlands Wiederherstellung seines eigenen historischen „Einflussbereichs“ in der Ukraine durch den andauernden Stellvertreterkrieg in Frage gestellt haben. Das bedeutet nicht, dass das große strategische Ziel der USA, ihre unipolare Hegemonie über Amerika wiederherzustellen, erfolgreich sein wird, sondern nur, dass dies im Falle des Misslingens auf innerhemisphärische Gründe und nicht auf externe Kräfte zurückzuführen sein wird.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache]

Israels Kritik am Bandera-Kult in der Ukraine

Von Thomas Röpers – 8. Januar 2026

Der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hat einer deutschen Zeitung ein Interview gegeben, in dem er etwas Interessantes über die Nazi-Vergangenheit der Ukraine sagte. Deutsche Medien haben das jedoch nicht aufgegriffen.

In Europa wird behauptet, die Ukraine kämpfe für „westliche Werte“, aber wie lässt sich das damit vereinbaren, dass die wichtigsten Nationalhelden der Ukraine Nazi-Kriegsverbrecher sind? In Israel wird dieser ukrainische Kult um Bandera und andere ukrainische Nazi-Kollaboraturen immer wieder scharf kritisiert, aber deutsche Medien, die sonst so Israel-freundlich sind, übersehen das aus irgendeinem Grund.

In Kiew finden zu Neujahr jedes Jahr Fackelmärsche von Nazi-Sympathisanten statt, die damit Stepan Bandera, den wichtigsten Nationalhelden der Ukraine, ehren, der an einem 1. Januar geboren wurde. In Israel wird das jedes Mal kritisiert, so schrieb die Jerusalem Post am 3. Januar 2022 beispielsweise:

„Am Samstag versammelten sich in Kiew mehrere Tausend Menschen zum jährlichen Marsch zu Ehren des Geburtstags von Stepan Bandera, dem Anführer der Ukrainischen Aufständischen Armee, die im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis kollaborierte und Tausende Juden und Polen ermordete. „Israel verurteilt den nationalistischen Bandera-Marsch“, twitterte die israelische Botschaft in der Ukraine. „Die Verherrlichung derer, die die Nazi-Ideologie unterstützten, verunglimpft das Andenken an die Opfer des Holocaust in der Ukraine.““

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