Der Präsident sollte mutig ein „Friedensrennen“ mit Teheran einleiten.

Von Andrew Day – 12. August 2026

US-Präsident Donald Trump steckt in einer Zwickmühle.

Es ist an der Zeit, sich einer unangenehmen Wahrheit zu stellen: Amerika hat den Iran-Krieg verloren. Diese Entwicklung ist nicht nur beunruhigend, sondern auch weltgeschichtlich bedeutsam und markiert das erbärmliche Ende der amerikanischen Vorherrschaft und der „von den USA geführten internationalen Ordnung“.

Präsident Donald Trump steckt in einer Zwickmühle. Eine Eskalation des Krieges in der Hoffnung, den Ausgang zu wenden, würde dessen verheerende Auswirkungen noch verschlimmern und es mit ziemlicher Sicherheit nicht schaffen, den Iran zur Kapitulation zu zwingen. Doch ein Friedensabkommen zu erzielen ist schwierig, da das Vertrauen des Iran in jegliche Zusagen, die Trump machen könnte, so gut wie nicht vorhanden ist.

Die Lösung für Trumps missliche Lage, so bin ich mittlerweile überzeugt, lässt sich an einer unerwarteten Stelle finden: in einem wenig beachteten Werk der politischen Psychologie, das vor mehr als einem halben Jahrhundert veröffentlicht wurde. Mehr dazu später, aber kurz gesagt sollte Trump ein „Friedensrennen“ mit der Islamischen Republik initiieren: einseitig ein mutiges Zugeständnis machen, Teheran auffordern, sich daran zu beteiligen, und diesen Zyklus so lange fortsetzen, bis die USA und der Iran ihre gegenseitige Abneigung in konstruktive Beziehungen verwandelt haben.

Doch bevor ich zu den „Aufrufen zum Handeln“ in dieser Kolumne komme, lassen Sie uns zunächst Bilanz über die erstaunliche Niederlage ziehen, die Amerika erlitten hat.

Der Iran wird seine neu gewonnene Kontrolle über die Straße von Hormus nicht so schnell aufgeben, daher müssen die USA ihre Rolle als globaler Garant für Handelswege aufgeben. Ein Rückzug der USA aus der Nachbarschaft des Irans scheint unvermeidlich, sowohl weil Teheran dies fordert, als auch weil unsere Stützpunkte in der Region zerstört sind und deren Wiederaufbau ein Vermögen kosten würde. Nach den unprovozierten Angriffen der USA und Israels hat der Iran einen größeren Anreiz und eine größere Bereitschaft, sich eine nukleare Abschreckung zu verschaffen. Darüber hinaus hat der Krieg den Niedergang Amerikas im Vergleich zu China, seinem Hauptrivalen und einzigen gleichwertigen Konkurrenten, beschleunigt.

Wie konnte es dazu kommen?

Wir haben so ziemlich alles, was wir hatten, gegen den Iran eingesetzt – einschließlich des Großteils unserer offensiven Langstreckenraketen und defensiven Abfangraketen –, und dennoch haben wir unsere Ziele nicht erreicht. Trump gelang es zwar im Juni, einen Waffenstillstand zu erwirken, doch dieser brach schnell zusammen, nachdem die USA ihn wohl durch die Schaffung einer außerhalb der iranischen Kontrolle liegenden Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus verletzt hatten. In den letzten Wochen hat Teheran das Tempo und den geografischen Umfang der Feindseligkeiten bestimmt und eine von Trump initiierte Kampfpause abgelehnt. Die Iraner scheinen entschlossen zu sein, den USA jeglichen Spielraum zu verweigern, um sich wieder zu bewaffnen, die Märkte zu beruhigen und den Krieg unter günstigeren Bedingungen wieder aufzunehmen.

Offensichtlich hat das Weiße Haus die Widerstandsfähigkeit und Entschlossenheit Teherans stark unterschätzt – eine unverzeihliche Fehleinschätzung angesichts der eindringlichen Warnungen, die Iran-Experten vor dem Krieg ausgesprochen hatten. Inmitten dieser düsteren Aussichten gibt es nicht viele Lichtblicke. (Ein vielversprechender Kandidat ist der Rückzug der USA aus dem Nahen Osten, einer Region mit längst geschwächtem strategischem Wert und einem Sumpf, in dem die US-Außenpolitik immer wieder versinkt.)

Theoretisch könnte Trump eine Bodeninvasion starten oder zivile Infrastruktur zerstören, doch er ist durch die öffentliche Meinung, die Energiepreise, die Munitionsvorräte und die Vergeltungsfähigkeiten des Iran eingeschränkt, die auch nach der strategischen Bombardierungskampagne der USA weitgehend intakt geblieben sind. Trump hat angedeutet, dass er den wirtschaftlichen Druck aufrechterhalten wird, in der Hoffnung, dass der Iran das Handtuch wirft. Doch die Iraner haben eine hohe Schmerztoleranz bewiesen und glauben, dass sie einen existenziellen Krieg führen. Angesichts steigender Ölpreise, sinkender Umfragewerte und der bevorstehenden Zwischenwahlen könnte Trump feststellen, dass seine eigene Schmerztoleranz deutlich geringer ist.

Angesichts dieser Zwänge drängt Amerikas oberster General Dan Caine Berichten zufolge die Trump-Regierung dazu, einen Ausweg zu finden. Doch genau diesen einfachen Ausweg wollen die aufstrebenden Hardliner im Iran dem amerikanischen Präsidenten verwehren. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung forderte der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrates von den USA erhebliche militärische und wirtschaftliche Zugeständnisse, bevor die Straße von Hormus wieder geöffnet werde. Am Montag schloss ein Berater des iranischen Verhandlungsführers die Möglichkeit einer Einigung mit Trump aus.

Kurz gesagt: Trump kann weder den Krieg wieder aufnehmen noch ein Abkommen erzielen. Und er kann das Problem wahrscheinlich weder lange schwelen lassen – wegen der Frage der Schmerztoleranz – noch einfach davonlaufen, da der Iran Zugeständnisse verlangt, um die Straße von Hormus zu öffnen. Es ist eine erstaunliche Zwickmühle. Dennoch hat er sich schon früher aus scheinbar ausweglosen Fallen befreit, und er kann dies erneut tun. Das bringt mich zurück zu dem „wenig diskutierten Werk der politischen Psychologie“, das ich zuvor erwähnt habe.

Charles Osgood verfasste An Alternative to War or Surrender als Leitfaden zur Entspannung der Lage mit der Sowjetunion und zur Abwendung eines nuklearen Holocausts. Das 1962 veröffentlichte Buch richtete sich eindeutig an Präsident John F. Kennedy, und der Kontext war die gefährlichste Phase des Kalten Krieges. In unserem eigenen gefährlichen Kontext könnte es den Schlüssel enthalten, den Trump braucht, um den Iran-Stillstand zu überwinden und seine Präsidentschaft zu retten.

In dem Buch entwickelte Osgood eine Strategie, die er als Graduated Reciprocation in Tension-reduction (GRIT) bezeichnete. (Die Abkürzung, so bemerkte er, deute auf die Art von entschlossener Standhaftigkeit hin, die zur Umsetzung dieser Strategie erforderlich sei. GRIT ist schließlich eine Alternative zu Krieg und Kapitulation.) Die „Kernidee von GRIT“, so schrieb Osgood, sei einfach: „dass die Spirale aus Spannungen und Wettrüsten das Modell für ihre eigene Umkehrung bieten könnte.“ Das Ziel bestand darin, bilaterale Spannungen durch gegenseitiges Vertrauen zu ersetzen. Wie kann Trump also den GRIT-Prozess in Gang bringen?

Anstatt ein schriftliches Abkommen zu unterzeichnen, das eine Reihe von Verpflichtungen enthält, von denen weder die Amerikaner noch die Iraner glauben, dass die jeweils andere Seite sie einhalten wird, sollte Trump einfach verkünden, dass er ein dramatisches Zugeständnis macht, und Teheran dazu auffordern, mit einem eigenen Zugeständnis zu reagieren. Osgood betonte, dass kein Zugeständnis die Fähigkeit Amerikas beeinträchtigen dürfe, Aggressionen zu vereiteln (was hier weniger ein Problem zu sein scheint als im Kalten Krieg, als die USA einem gleichwertigen, atomar bewaffneten Konkurrenten gegenüberstanden). Gleichzeitig sollten Zugeständnisse ausreichend bedeutend sein, um einen ernsthaften Wunsch nach Frieden zu signalisieren.

Osgood empfahl außerdem, dass einseitige Initiativen „in einem angemessenen Zeitabstand vor ihrer Umsetzung öffentlich angekündigt und als Teil einer bewussten Politik zur Verringerung und Eindämmung von Spannungen dargestellt werden sollten“. Dieser Zeitraum gibt der anderen Nation Zeit, ihre Reaktion zu überdenken, und ermöglicht es den Friedensbefürwortern – sowie Vermittlern aus Drittländern –, Druck auf die eigene Regierung auszuüben, damit diese im Gegenzug reagiert. Zudem verstärkt er die psychologische Wirkung, wenn man sieht, dass der amerikanische Präsident eine versprochene Geste des guten Willens tatsächlich umsetzt.

Zunächst wird die andere Seite eine Art Trick vermuten, doch da es bei GRIT um Taten und nicht nur um bloße Worte geht, sollte dies zur Erkenntnis führen, dass hier eine echte Chance geboten wird. Osgood vertrat die Ansicht, dass ein US-Präsident bereit sein sollte, ein zweites einseitiges Zugeständnis zu machen, selbst wenn das erste nicht erwidert wurde. Wenn die andere Seite dann doch auf die Geste eingeht, können die Amerikaner ein weiteres einseitiges Zugeständnis aus einem vorab festgelegten „Vorrat potenzieller Maßnahmen“ auswählen, „die nach dem Grad des damit verbundenen Risikos abgestuft und über verschiedene Bereiche und Anwendungsorte verteilt sind“. Und der Zyklus setzt sich hoffentlich fort.

Es ist kein großes Geheimnis, welche Art von sinnvollen Zugeständnissen Trump machen könnte. Wie die New York Times berichtet, forderte die oben erwähnte Erklärung des iranischen Nationalen Sicherheitsrates „die Vereinigten Staaten auf, ihre Seeblockade und Sanktionen gegen den Iran aufzuheben, die US-Streitkräfte aus der Umgebung des Iran abzuziehen, Kriegsreparationen zu zahlen und eingefrorene iranische Vermögenswerte freizugeben sowie Angriffe auf die Verbündeten des Iran in der Region und Drohungen gegen das Land einzustellen“.

Nun könnten iranische Falken einwenden, dass ich Trump im Grunde dazu dränge, den unerhörten iranischen Forderungen nachzugeben. Kapitulation! Verrat! Die Islamische Republik hat allein in diesem Jahr 2.000 – nein, sogar zwei Millionen Demonstranten getötet!

Ein paar Punkte zu meiner Verteidigung: 1) Trump hat bereits mehr oder weniger all dem in der im Juni unterzeichneten Absichtserklärung zugestimmt; 2) Im Rahmen von GRIT würde er diese Schritte nacheinander und nicht alle auf einmal umsetzen, und dazwischen würde der Iran seinerseits Zugeständnisse machen; 3) Die Iran-Falken haben uns in diese Katastrophe gebracht und sollten sich aus der geopolitischen Kommentierung zurückziehen.

GRIT scheint gut zu Trumps Psychologie zu passen. Anstatt sich in scheinbarer Niederlage davonzuschleichen, würde er die Initiative ergreifen. Er müsste große, aufmerksamkeitsstarke Ansprachen im Oval Office halten, um neue Zugeständnisse anzukündigen und das jüngste Zugeständnis des Iran anzuerkennen. Als Mann der Tat hat Trump genug von langwierigen, sich in die Länge ziehenden diplomatischen Verfahren und liest möglicherweise nicht einmal die Abkommen, die er unterzeichnet. Im Rahmen von GRIT würden er und der Iran den Friedensprozess sichtbar vorantreiben, anstatt ihre Unterhändler über juristische Formulierungen streiten zu lassen.

Es ist einen Versuch wert.

Andrew Day ist leitender Redakteur bei The American Conservative. Er hat an der Northwestern University in Politikwissenschaft promoviert. Sie können ihm auf X unter @AKDay89 folgen.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf The American Conservative]

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Grauenhafte Zustände an Bord der USS Abraham Lincoln: Die Verachtung der herrschenden Klasse für die Soldaten, die sie in den Krieg schickt

Von Kevin Reed – 17. August 2026

Marinematrosen an Deck des Flugzeugträgers USS Abraham Lincoln (CVN 72) beim Munitionstransport für den illegalen Krieg gegen den Iran, 3. März 2026 [AP Photo/U.S. Navy]

Mehrere Suizidversuche von Matrosen auf der USS Abraham Lincoln haben die unerträglichen Bedingungen an Bord des Flugzeugträgers offenbart, der seit 268 Tagen, davon 200 Tage ohne Anlaufen eines Hafens, im Krieg der USA gegen den Iran im Einsatz ist.

Am 3. August versuchte ein Matrose, sich durch einen Sprung von der Lincoln ins Arabische Meer umzubringen. Zuvor hatte er wegen psychischer Probleme und Burnout Hilfe gesucht, diese wurde ihm jedoch verweigert. Der Matrose wurde schnell von seinen Schiffskameraden gerettet und nach einer medizinischen Untersuchung von Bord gebracht.

Obwohl die US-Marine keine genauen Zahlen nennt, deuten Berichte darauf hin, dass mindestens sechs Matrosen während der Rekordzeit auf See des Flugzeugträgers versucht haben, über Bord zu gehen, oder dies angedroht haben.

Am Sonntag berichtete der Guardian  über Schilderungen dreier Marinefamilien, deren Angehörige auf der Lincoln und dem amphibischen Kriegsschiff USS Tripoli dienen. Sie berichteten über Männer, die 20 bis 30 Pfund abgenommen hatten. Die Mutter eines Matrosen auf der Tripoli, die selbst sechs Jahre bei der Marine gedient hatte, sagte von ihrem Sohn, er sei „ausgemergelt“.

Die Krise beschränkt sich nicht auf diese beiden Schiffe. Wie The Daily Beast am 14. August berichtete, ist die USS George H.W. Bush, ein anderer, derzeit im Arabischen Meer kreuzender Flugzeugträger, seit 146 Tagen auf See und hat an Bord, in den Worten eines Familienangehörigen, „praktisch kein Essen, Wasser oder Seife“.

Ein Matrose von der Lincoln schrieb an seine Schwester: „Das Wasser ist so schlecht, dass man die Trinkbrunnen entfernt hat.“ Er beschrieb den Zustand der psychologischen Betreuung an Bord des Flugzeugträgers: „Unser Berater für psychische Belastbarkeit im Einsatz hat vor Monaten gekündigt. Um den EINZIGEN PSYCHIATER zu sehen, muss man fünf Wochen warten – es sei denn, man macht es wie drei unserer Schiffskameraden und springt von Bord oder nimmt 27 Schlaftabletten.“

Auf der atomgetriebenen Lincoln leben und arbeiten fünftausend Matrosen in 12-Stunden-Schichten unter einem Flugdeck, welches das Schiff Tag und Nacht mit ohrenbetäubendem Lärm erfüllt. Sie schlafen in Schlafkabinen mit drei übereinanderliegenden Kojen, essen in Kombüsen, die täglich 15.000 Mahlzeiten ausgeben, und trainieren in Fitnessräumen, in denen es oft fast 40 Grad heiß ist.

Auf den immer schlechteren psychischen Zustand der Besatzung hat die Marine mit einer 200.000 Dollar teuren Renovierung reagiert. Dabei sind die Bibliotheksräume des Schiffes in drei USO-„Notfallzentren“ umgewandelt worden. Die Marine weigert sich nach wie vor, den Familien und Matrosen ein Rückkehrdatum mitzuteilen.

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Historiker, Ärzte und Arbeiter auf fünf Kontinenten fordern Freilassung des inhaftierten ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk

Von Andre Damon – 17. August 2026

Die Opposition gegen die Inhaftierung von Bogdan Syrotjuk wächst international. Am letzten Montag hatte ein ukrainisches Gericht den 27-jährigen Sozialisten zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er zur Einheit ukrainischer und russischer Arbeiter gegen den Krieg aufgerufen hatte.

Die Petition für seine Freilassung erhielt bereits mehr als 6.000 Unterschriften. Fast 500 Personen aus mehr als 40 Ländern auf fünf Kontinenten haben sich seit der Urteilsverkündung eingetragen. Zudem haben die Richter in Perwomajsk Briefe von Historikern, Ärzten, Lehrern und Arbeitern erhalten, die alle die Aufhebung der Strafe forderten.

In den letzten vier Tagen hat das Gericht Stellungnahmen von einer bekannten Geschichtsprofessorin aus Texas, einem Historiker für sowjetische Landwirtschaft in West Virginia, einem Anthropologen am Forschungszentrum der slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste und von einem Arzt aus Sri Lanka bekommen. Weitere Schreiben kamen von einem pensionierten Lehrer aus Australien, einem Leser aus Großbritannien und weiteren Personen aus Frankreich, der Türkei und den USA.

Victory Bynum, eine emeritierte Ehrenprofessorin für Geschichte an der Texas State University und Autorin von The Free State of Jones, schrieb:

Als Historikerin und emeritierte Ehrenprofessorin bin ich empört darüber, dass der ukrainische Sozialist Bogdan Syrotjuk zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er seine politischen Ansichten in historischen Kritiken geäußert hat, die auf der World Socialist Web Site veröffentlicht wurden. Ich beschwöre das Bezirksgericht von Perwomajsk, dieses Urteil aufzuheben und Syrotjuk sein Recht auf freie Meinungsäußerung zu gewähren.

Mark B. Tauger, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität von West Virginia und Historiker für sowjetische Landwirtschaft, schrieb, Bogdan „hat nichts Falsches getan, indem er gegen den wahnsinnigen russisch-ukrainischen Krieg Stellung bezogen hat“. Ihn zu verurteilen sei „vor allem ein schwerer Verstoß gegen seine Bürger- und Menschenrechte“. Weiter schrieb er:

Wie bereits viele vor mir erklärt haben, erinnert dieses Vorgehen an die Unterdrückung von Kriegsgegnern in Russland. Deswegen sind mir Zweifel an meiner Unterstützung für die Ukraine in diesem Konflikt gekommen. (…) Viele Ukrainer teilen Syrotjuks Ansichten, deshalb sollten diese nicht unterdrückt werden, und er sollte nicht eingesperrt werden, weil er sie geäußert hat.

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Die extremistische Kaja Kallas: Jetzt soll die „weitreichendste Sanktionsliste seit Beginn des Krieges“ kommen

Von Tobias Riegel – 17. August 2026

Die selbstzerstörerische und ansonsten wirkungslose EU-Sanktionspolitik gegen Russland soll nicht etwa überdacht werden: Wenn es nach der EU-„Chefdiplomatin“ Kaja Kallas geht, soll der gescheiterte und gefährliche Kurs nochmals intensiviert werden. Dieser krasse Irrweg muss endlich korrigiert werden.

Kaja Kallas Von © European Union, 2026, CC BY 4.0

Kaja Kallas, die „Chefdiplomatin“ der EU, hat in einem Gespräch mit der Welt angekündigt:

Im Herbst werde ich die weitreichendste Sanktionsliste seit Beginn des Krieges vorlegen. Sollte sie beschlossen werden, wird sich die Zahl der sanktionierten russischen Personen, Unternehmen und Organisationen sofort um ein Drittel erhöhen.“

Sie fügte an, der Druck müsse verstärkt werden, „bis Russland den Krieg beendet“.

Skrupellose Kriegstreiberei

Mit dieser Ankündigung will Kallas den selbstzerstörerischen Kurs der EU nicht nur fortsetzen, sondern nochmals zuspitzen.

Es bleibt zu hoffen, dass Mitgliedsstaaten sich querstellen – auf die Bundesregierung ist dabei nicht zu hoffen: Sie gehört zu den treibenden Kräften des Wirtschaftskrieges gegen Russland und gehört in Europa zu den unverantwortlichsten Kriegstreibern. Diese Gruppe zögert nicht, ihre Bürger der Gefahr eines direkten Krieges gegen eine Atommacht auszuliefern, von den wirtschaftlichen Schäden durch eine groteske Energiepolitik ganz zu schweigen.

Offenbarungseid einer „Chefdiplomatin

„Bis Russland den Krieg beendet“ – auch dieser Satz von Kallas ist ein Offenbarungseid für eine „Chefdiplomatin“. Denn mutmaßlich meint Kallas, dass Russland den Krieg unter den Maximalforderungen der Ukraine beenden soll. Das wird nicht passieren, darum bedeutet das Aufrechterhalten dieser harten westlichen Position unweigerlich eine Verlängerung eines Krieges, den die Ukraine nicht gewinnen kann und der täglich großes Leid schafft. Ein Stellvertreterkrieg, der nicht der unsere ist und nicht zu unserem gemacht werden sollte, auch wenn zahlreiche Propagandisten daran arbeiten.

Die EU-Sanktionen, die auch unbescholtene Bürger in Deutschland (Hüseyin Dogru) oder in der Schweiz (Jacques Baud) treffen, haben sich von Beginn an und absolut voraussehbar gegen die Interessen der hiesigen Bürger gerichtet. Und ebenso voraussehbar werden sie nicht dafür sorgen, dass Russland „ruiniert“ wird oder kapituliert.

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Die Ukraine macht gezielt Jagd auf zivile Busse

Von Thomas Röper – 17. August 2026

Alleine im Juli hat die ukrainische Armee mit Drohnen mindestens 24 zivile Busse angegriffen, was deutschen Medien jedoch praktisch keine Meldungen wert war. Stattdessen wollte ein deutscher Journalist von Selensky wissen, was Europa tun könne, um Kiew dabei zu helfen, noch mehr Russen zu töten.

Die Ukraine ist vor einiger Zeit dazu übergegangen, nicht nur gezielt Wohngebäude in Russland anzugreifen, sondern auch zivile Busse und Züge. Davon konnte man manchmal sogar in deutschen Medien, wie dem Spiegel erfahren. Der Spiegel berichtete beispielsweise am 8. Juni, dass ukrainische Drohnen auf der Krim einen Passagierzug angegriffen haben. Am 17. Juni gab es in der russischen Region Brjansk einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen aus Weißrussland kommenden Bus mit einer Kinderfussballmannschaft, bei dem eine Frau getötet und sieben weitere Personen, darunter fünf Kinder, verletzt wurden. Auch darüber berichtete der Spiegel, stellte das jedoch als russische Propaganda dar.

Es war aber keine russische Propaganda und die Sache hatte ein Nachspiel in der UNO, wo Weißrussland eine Verurteilung des ukrainischen Terrorangriffs erreichen wollte, jedoch haben nur China, Griechenland und Liberia den Angriff verurteilt. Die Vertreter der meisten westlichen Länder hingegen verurteilten den Angriff nicht. Sie erklärten entweder, sie könnten die Umstände des Vorfalls nicht bestätigen, oder beschränkten sich darauf, eine Untersuchung zu fordern. Der Vertreter Frankreichs erklärte, anstatt auf den Vorfall einzugehen, seine uneingeschränkte Unterstützung für die Ukraine.

Die deutschen Medien verschweigen fast alle ukrainischen Terrorangriffe auf Busse und andere zivile Ziele in Russland. Alleine im Juli hat die Ukraine mindestens 24 zivile Busse mit Drohnen angegriffen. Die tragischsten Angriffe auf Busse gab es am 20. Juli in Schebekino in der Region Belgorod, als fünf Zivilisten getötet und 27 verletzt wurden, am 2. Juli in Lisitschansk im Gebiet Lugansk, als zwölf Zivilisten verletzt wurden, ​​und am 29. Juli im Dorf Swetlodar im Gebiet Donezk, als zehn Fahrgäste eines Busses verletzt wurden.

Am 3. August hat die Ukraine einen Badestrand im Schwarzmeerkurort Archipo-Ossipowka angegriffen und dabei sieben Badegäste, davon drei Kinder, getötet und über 40 verletzt, einige davon schwer. Über diesen Vorfall berichtete der Spiegel ausnahmsweise, sprach dabei aber von ukrainischen „Gegenangriffen“ und formulierte den Artikel so, dass die russischen Angaben zweifelhaft klangen.

Wie gesagt verschweigen deutsche Medien die meisten ukrainischen Angriffe auf zivile Ziele in Russland. Aber wenn sie mal darüber berichten, dann fehlt in den Artikeln jede Kritik am Kiewer Vorgehen und auch nur Anzeichen von Mitgefühl sucht man darin vergebens. Stattdessen ist beispielsweise von „Gegenangriffen“ die Rede, was den ukrainischen Kriegsverbrechen einen Schein von Legalität gibt. Aber wie kann man „Gegenangriffe“ auf Kinder durchführen, die am Strand im Wasser plantschen oder in einem Bus auf dem Weg zu einem Fussballturnier sind? Haben die etwa die Ukraine angegriffen und sind daher legitime Ziele?

Ich weise nur der Vollständigkeit darauf hin, dass beispielsweise die deutsche Regierung ganz stolz darauf ist, für die Ukraine Drohnen zu produzieren und zu bezahlen, die dann Ziele in Russland angreifen, also auch gezielt Zivilisten töten. Und das gilt nicht nur für Deutschland, auch aus Großbritannien wurde gerade stolz gemeldet, dass britische Drohnen nun Ziele tief in Russland angreifen.

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Droht dem Russischen Haus in Berlin jetzt die Schließung?

Von Stefano di Lorenzo – 16. August 2026

Noch ist das Russische Haus in Berlin offen!

In den letzten Tagen haben sich die Forderungen nach einer Schließung des „Russischen Hauses“ (früher auch bekannt als „Russisches Haus der Wissenschaft und Kultur“) in Berlin verstärkt. Die Grünen und einige CDU-Politiker fordern schon seit Langem einen härteren Kurs gegen das Russische Haus.

Zuletzt schloss sich Steffen Krach, der Spitzenkandidat der SPD für die bevorstehenden Wahlen in Berlin, den Protesten gegen das Russische Haus an. In einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite schrieb Krach: „So kann es mit dem russischen Haus nicht weitergehen. Diese Einrichtung wird vor allem für Propaganda genutzt, ohne jeden Mehrwert für den freien kulturellen und wissenschaftlichen Austausch und sollte boykottiert werden. Aktuelle Recherchen von WDR und SZ deuten nun auch daraufhin, dass es der Spionage dient. […] Sollte der Austausch von Kultur und Wissenschaft weiterhin kolossal auf der Strecke bleiben, ist auch eine Schließung der Einrichtung zu prüfen, bis sich das Verhältnis zu Russland nach einem Frieden in der Ukraine wieder entspannt hat.“

Steffen Krach und die SPD wurden um eine Stellungnahme zu seinen Äußerungen gebeten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag keine Antwort vor.

Die Frankreich-Connection

Ein aktueller Bericht des französischen Innenministeriums behauptete, das Russische Haus in Berlin sei von den russischen Geheimdiensten als Tarnung genutzt worden. Dies stand im Zusammenhang mit der Ausweisung von Xenia Fedorova, einer russischen Journalistin und ehemaligen Direktorin von RT France. Das französische Innenministerium erließ am 29. Juli eine Ausweisungsverfügung gegen Xenia Fedorova.

Fedorova ist in Frankreich eine bekannte Medienpersönlichkeit. Seit dem Verbot von RT France im März 2022 trat die russische Journalistin häufig in französischen Fernsehsendern wie CNews und Canal+ auf und hatte eine regelmäßige Kolumne in der Wochenzeitschrift „Le Journal du Dimanche“. Alle gehören zur Belloré-Gruppe, einer der wichtigsten Mediengruppen in Frankreich. Das französische Innenministerium warf Fedorova vor, russische Propaganda zu verbreiten, und bezeichnete sie als „besonders schwere und aktuelle Bedrohung für die öffentliche Ordnung“.

Nach Angaben des französischen Innenministeriums soll Fedorova den Posten der Direktorin des Russischen Hauses in Berlin angestrebt haben. Fedorova weist jedoch diese Darstellung ausdrücklich zurück. In einem Interview mit Globalbridge erklärte die russische Journalistin, sie habe „niemals offizielle Angebote erhalten und ich habe mich nicht um den Posten [der Direktorin des Russischen Hauses] beworben“. Auch das Russische Haus dementierte die Gerüchte, wonach Fedorova die nächste Direktorin werden solle.

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Fünf Überlegungen zum fünften Jahrestag der Machtübernahme durch die Taliban

Von Andrew Korybko – 16. August 2026

Die stategische Lage in der Region ist geprägt von einer erstaunlichen Wende: Russland ist nun der wichtigste militärisch-technische Förderer der Taliban, während Pakistan zu ihrem größten Feind geworden ist.

Vor einem halben Jahrzehnt, am 15. August 2021, kehrten die Taliban an die Macht zurück; daher ist es an der Zeit, über ihre Stellung im In- und Ausland nachzudenken. Im Inland hat sich nichts Dramatisches ereignet: Die Taliban haben weiterhin die feste Kontrolle, weigern sich nach wie vor, eine ethnisch-politisch-inklusive Regierung zu bilden, und die Rechte der Frauen bleiben stark eingeschränkt. Gleichzeitig agieren die Taliban nun in einem ganz anderen regionalen strategischen Umfeld, das anhand der folgenden fünf Überlegungen zusammengefasst wird:

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1. Russland ist nun der wichtigste militärisch-technische Partner der Taliban

Russland war das erste und bislang einzige Land weltweit, das im vergangenen Jahr die Rückkehr der Taliban an die Macht offiziell anerkannt hat, was zu dem militärisch-technischen Abkommen in diesem Frühjahr führte. Auch wenn es offiziell nur um die Reparatur von Ausrüstung geht, erwarten viele, dass sich dies unweigerlich auf Waffenverkäufe, gemeinsame Übungen und andere intensivere Formen der Zusammenarbeit ausweiten wird – sofern dies nicht, wie manche vermuten, insgeheim bereits geschehen ist. Im Grunde genommen hat Russland die traditionelle Rolle Pakistans als wichtigster Partner der Taliban abgelöst.

2. Pakistan ist nun der größte Feind der Taliban

Pakistan wiederum ist nun der größte Feind der Taliban, nachdem die beiden Länder seit Anfang dieses Jahres in einen nicht erklärten Krieg verwickelt sind, der bis heute andauert (wenn auch mit deutlich geringerer Intensität). Ausgelöst wurde der militärische Konflikt durch die Unterstützung anti-pakistanischer Terrorgruppen durch die Taliban. Afghanistan und Pakistan stehen sich allerdings bereits seit der pakistanischen Unabhängigkeit feindlich gegenüber, da Kabul sich weigert, die Durand-Linie anzuerkennen, doch hatten diese Grenzstreitigkeiten bislang nicht zu einem militärischen Konflikt zwischen den beiden Ländern geführt. Sollte die militärische Fehde zwischen den Taliban und Pakistan zur neuen Normalität werden, könnte könnte diese weitreichende Folgen.

3. Russlands ehrgeizige Pläne zur Anbindung sind auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt

Aufgrund der jüngsten kriegerischen Entwicklung ist Russlands ehrgeiziger Plan, eine Landverbindung mit Pakistan über Afghanistan zu erschließen, auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Dies wiederum behindert die Umsetzung seines Gesamtplans, die neuerdings verbesserten Beziehungen zu Pakistan zu nutzen, um zwischen diesem Land und Indien zu vermitteln. Dennoch bietet der afghanisch-pakistanische Zwist Moskau auch die Gelegenheit, zu versuchen, zwischen den Taliban und Pakistan zu vermitteln, wenn die Erfolgsaussichten zugegebenermaßen auch gering sind.

4. Die Trump-Regierung will amerikanische Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram zurückverlegen

Vor dem Ausbruch des nicht erklärten afghanisch-pakistanischen Krieges Anfang dieses Jahres hatte US-Präsident Trump im vergangenen Jahr mehrfach erklärt, er wolle US-Truppen auf den Luftwaffenstützpunkt Bagram zurückverlegen. Es ist daher möglich, dass der Krieg des „wichtigen Nicht-NATO-Verbündeten“ Pakistan gegen die Taliban zumindest teilweise darauf abzielt, die Taliban dazu zu zwingen, diesem Plan zuzustimmen. Zwar liegt der regionale Fokus der USA derzeit auf dem Krieg gegen den Iran, der zeitgleich mit dem afghanisch-pakistanischen Krieg ausbrach, doch ist es nicht ausgeschlossen, dass Washington sein Fokus wieder auf Afghanistan richtet, sobald der Irankrieg beendet ist.

5. Eine engere Zusammenarbeit zwischen den USA und Pakistan gegen die Taliban könnte unvermeidlich sein

Es könnte daher unvermeidlich sein, dass sich die USA im Kampf gegen die Taliban eng mit Pakistan abstimmen. Beobachter können allerdings nur spekulieren, wie weit diese Kooperation in der Praxis gehen könnte. Mit zunehmender Schwere der militärischen Auseinandersetzung könnte dies in Form von verstärkter Unterstützung für bewaffnete Gruppen (einschließlich ISIS-K), grenzüberschreitenden Einfällen aus Pakistan (sei es durch die genannten Gruppen und/oder die pakistanische Armee) nach dem Vorbild des türkischen Präzedenzfalls während des Syrien-Kriegs und/oder US-Luftangriffen geschehen. Auf jeden Fall sollten sich die Taliban wappnen.

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Sollte Pakistan seinen Krieg gegen die Taliban verstärken, insbesondere wenn sich die USA einmischen, könnte Russland seine militärisch-technische Unterstützung Kabuls ausweiten. Diese wiederum würde mit ziemlicher Gewissheit zu einer surrealen Neuauflage des amerikanisch-sowjetischen Stellvertreterkriegs in Afghanistan in den 1980er Jahren führen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Verpulverte Billionen

Von Alex Günther – 15. August 2026

Die USA haben seit dem Zweiten Weltkrieg Billionen Dollar für Kriege ausgegeben – genug, um den weltweiten Hunger über Jahrzehnte hinweg mehrfach zu beenden.

Ein aktueller Kommentar von Rainer Rupp auf apolut, der sich auf einen bemerkenswerten Beitrag des früheren Biden-Beraters Michael Fuchs in der Zeitschrift Foreign Affairs bezieht, bringt eine Zahl in Erinnerung, die man kaum fassen kann: Allein der sogenannte „Krieg gegen den Terror“ nach dem 11. September 2001 hat die Vereinigten Staaten nach Berechnungen des Costs-of-War-Projekts der Brown University rund acht Billionen Dollar gekostet. Was diese Summe tatsächlich bedeutet, erschließt sich erst im Vergleich und dieser Vergleich lohnt sich.

Eine Zahl, die den Verstand übersteigt

Eine Billion ist eine Zahl mit zwölf Nullen – eintausend Milliarden. Acht Billionen Dollar für zwei Jahrzehnte Kriegsführung in Afghanistan, im Irak und an weiteren Schauplätzen ist damit eine Größenordnung, bei der menschliches Zahlenverständnis an seine Grenzen stößt. Zur Einordnung: Das Welternährungsprogramm und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen beziffern die jährlichen Kosten, um den weltweiten Hunger bis zum Jahr 2030 zu beenden, je nach Berechnungsmodell auf 37 bis 93 Milliarden Dollar. Selbst bei der oberen Schätzung von 93 Milliarden Dollar pro Jahr hätten die acht Billionen Dollar aus dem „Krieg gegen den Terror“ ausgereicht, um den Hunger auf der Welt 86 Jahre lang vollständig zu beenden.

Das Welternährungsprogramm selbst formuliert es so: Die Beendigung des weltweiten Hungers würde weniger als ein Prozent der globalen Militärausgaben eines einzigen Jahrzehnts kosten 21,9 Billionen Dollar wurden demnach allein in den vergangenen zehn Jahren weltweit für Rüstung ausgegeben.

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Putin beklagte die Verschlechterung der russisch-japanischen Beziehungen

Von Andrew Korybko – 16. August 2026

Eine Eskalation der Spannungen zwischen den beiden Ländern könnte unvermeidlich sein, da Japan die Führung an der nordostasiatischen Front des „Cordon sanitaire“ übernimmt, den die USA im vergangenen Jahr um Russland herum errichtet haben.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach Mitte August während seines Treffens mit den Kommandeuren der Pazifikflotte über die russisch-japanischen Beziehungen. Er beklagte die vonseiten Russlands unprovozierte Verschlechterung in den letzten Jahren, die ein solches Ausmaß angenommen habe, dass Japan nun „zum ersten Mal Russland in seinen jüngsten Militärdoktrinen zu den Hauptbedrohungsquellen gezählt hat“. Anschließend ging er kurz auf den Streit um die Kurilen-Inseln ein und bedauerte Japans politischen Kurswechsel von Handel und Dialog hin zu Sanktionen und Konfrontation.

Der Kommandeur der Pazifikflotte, Admiral Viktor Liina, führte aus, dass Japan Teil der neuen politischen und militärischen Bündnisse in der Region sei, die er als Bestandteile der NATO betrachte. Dabei handele es sich um den Trilateralen Pakt mit Südkorea und den USA; JAPHUS mit den Philippinen und den USA; die Quad-Allianz mit Australien, Indien und den USA; sowie AJUS mit Australien und den USA. Liina fügte hinzu: „Sie führen gemeinsame Einsatz- und Kampftrainingsübungen durch, deren Häufigkeit und Umfang stetig zunehmen.“

Anschließend wies Liina auf die führende Rolle hin, die Japan aufgrund seiner beschleunigten Remilitarisierung und der geplanten Abschaffung seiner drei Nicht-Atomwaffen-Prinzipien innerhalb dieser destabilisierenden Prozesse in Nordostasien spielt – was dazu führen könnte, dass Japan Atomwaffen besitzt, produziert und/oder beherbergt. Diese Entwicklungen verdeutlichen zudem, warum „ein hochrangiger russischer Diplomat Ende Juli auf die wachsende Bedrohung einging, die Japan für sein Land darstellt“.

Sie bestätigen auch die jüngste Einschätzung, dass „die USA das NATO-3.0-Konzept in Asien durch AUKUS+ umsetzen“, nachdem der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, Elbridge Colby, Anfang August während der ersten Etappe seiner Südostasien-Reise eine wegweisende Rede gehalten hatte. Zwar ist Liinas Beschreibung der Quad als Bestandteil der NATO umstritten, da Indien stolz auf seine Souveränität bedacht bleibt und nach wie vor ein verlässlicher Partner Russlands ist, doch deckt sich der Rest seiner Äußerungen zu diesem Thema mit den oben genannten Aussagen.

Die Bedeutung der Tatsache, dass Putin bei seinem Treffen mit den Kommandeuren der Pazifikflotte die Verschlechterung der russisch-japanischen Beziehungen beklagte und der Kommandeur der Pazifikflotte die wachsende Bedrohung durch Japan für sein Land thematisierte, liegt darin, dass Russland die sich wandelnde Sicherheitsdynamik in Nordostasien versteht. Wie bereits hier zu Beginn des Sommers erwähnt, wurde im vergangenen Jahr ein „Cordon sanitaire“ um Russland herum gebildet, als Folge der Neo-Reagan-Doktrin der derzeitigen Trump-Regierung, die den russischen Einfluss weltweit zurückdrängt.

Japan hat die Aufgabe, an der nordostasiatischen Front die Führung zu übernehmen, was sich wahrscheinlich durch die regelmäßige Stationierung von US-Raketen, Provokationen auf See (die zudem immer häufiger werden) sowie eine mögliche Nuklearisierung in Verbindung mit einer beschleunigten Remilitarisierung äußern wird. Russland bereitet sich entsprechend darauf vor, wie aus den Gesprächen zwischen Putin und seinen Kommandanten der Pazifikflotte hervorgeht; als Reaktion darauf wird die regionale Flotte wahrscheinlich ausgebaut und die Zusammenarbeit mit China und Nordkorea voraussichtlich verstärkt werden.

Die Leser sollten bedenken, dass Russland Japan niemals bedroht hat und dass es Japan war, das beschlossen hat, Russland aus Solidarität mit den USA mit den beschriebenen Mitteln zu bedrohen. Diese Politik untergräbt zudem Japans objektive wirtschaftliche Interessen, indem sie dem ressourcenarmen Inselstaat präventiv den Zugang zu den nahegelegenen russischen Energie- und Mineral- Ressourcen verwehrt (mit Ausnahme des von Sanktionen ausgenommenen Megaprojekts Sachalin-2). Das wäre ein Anreiz für die Regierung in Tokio, ihre antirussische Haltung zu überdenken.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Treiben westliche Siegesillusionen die Ukraine in einen Zusammenbruch?

Von Michael Schulenburg – 18. August 2026

Die europäischen NATO-Staaten schaden der Ukraine mit ihren Illusionen über Siege und Wunderwaffen und müssen ihre Politik endlich an einer realistischeren Einschätzung des Kriegsverlaufes orientieren. Als einzige reale Perspektive bleibt die Diplomatie. Nach fast fünf Jahren Krieg wäre es an der Zeit, dass die europäischen NATO-Staaten aktiv das Gespräch mit Russland suchen.

Noch am 26. Juli dieses Jahres zeigte sich Ursula von der Leyen bei ihrem Besuch in Kiew voller Siegeszuversicht: Das Blatt habe sich im Krieg gewendet, die Ukraine habe die Initiative zurückgewonnen, Russland sei in der Defensive. Als Ursache dieses vermeintlichen Umschwungs nach viereinhalb Jahren eines verheerenden Krieges gilt eine neue „Wunderwaffe“: Drohnen, die mithilfe von Palantir & Co bereitgestellter KI den Krieg tief ins russische Hinterland tragen und dort Ölraffinerien sowie andere kritische Infrastrukturen präzise zerstören können. Die russische Wirtschaft – insbesondere der Energiesektor – sei nun schwer angeschlagen und der von Russland begonnene Krieg ist „in voller Wucht“ im eigenen Land angekommen.

Auch auf dem Schlachtfeld, so die Darstellungen, habe die Ukraine mit autonom operierenden „Killerdrohnen“ erhebliche Erfolge erzielt. Diese könnten an der Front in einer Entfernung von 30 Kilometern alles Leben automatisch erfassen und vernichten. Technologie habe so den Mangel an ukrainischen Soldaten mehr als ausgeglichen. Russische Soldaten hingegen zahlten nun einen hohen Blutzoll, ohne militärische Erfolge vorweisen zu können. Das müsse die Angreifer zermürben und Putin zwingen, anzuerkennen, dass er den Krieg verlieren werde.

Begleitet wurden diese Darstellungen von medienwirksamen Drohnenangriffen auf Moskau und St. Petersburg. Kein Wunder also, dass etablierte westliche Medien in den letzten beiden Monaten voller Siegesmeldungen waren. Manche spekulierten gar, Russland könne nur noch sechs Monate durchhalten; ein Umsturz in Moskau sei möglich. Die strategisch wichtige Krim sei durch ukrainische Angriffe bereits weitgehend von Russland abgeschnitten. Putin werde nun als Verlierer an den Verhandlungstisch gezwungen – und zwar zu Bedingungen der europäischen NATO-Staaten, was einer russischen Kapitulation gleichkäme. Ihre Politik, die Ukraine massiv militärisch, politisch und finanziell zu unterstützen, gleichzeitig aber jegliche Gespräche zu verweigern, bis Russland „in die Knie gezwungen“ sei, schien aufgegangen zu sein.

Doch ist das wirklich so? Oder hat sich gar das Blatt in Wahrheit zugunsten Russlands gewendet?

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