Washingtons „wirtschaftlicher D-Day“ gegen den Iran verschärft den Konflikt mit China

Von Andre Damon – 27. August 2026

Trump: „JEDES Land, das zulässt, dass seine Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Einrichtungen dem Iran in irgendeiner Form helfen, wird GEWALTIGE wirtschaftliche Konsequenzen zu spüren bekommen.“

Am Montag startete die Trump-Regierung, in den Worten von Finanzminister Scott Bessent, einen „wirtschaftlichen D-Day“ gegen den Iran – eine Kampagne von Sekundärsanktionen gegen alle Länder, Banken und Unternehmen, die Handel mit Teheran betreiben. Sie richtet sich vor allem gegen China, das etwa neun Zehntel der iranischen Ölexporte abnahm, bevor die US-Blockade sie zum Erliegen brachte.

Die amerikanischen und israelischen Luftangriffe, die seit sechs Monaten andauern und bei denen bis zum 10. Juni mindestens 3.468 Menschen im Iran getötet wurden, haben die Regierung in Teheran nicht zu Fall gebracht, und die meisten Schiffe meiden weiterhin die Straße von Hormus. Jetzt bringt die US-Regierung den Krieg auf die Ebene der Weltwirtschaft, was auf eine Konfrontation mit China zusteuert.

Bessent kündigte am Montag bei einer Pressekonferenz in Washington an, die Sekundärsanktionen der USA, die bereits für die iranische Ölindustrie und den Bankensektor gelten, auf Gold, digitale Vermögenswerte sowie den Luftfahrt- und Technologiesektor auszuweiten.

Zu den fast 60 Unternehmen, Personen und Schiffen, gegen die am Montag Sanktionen verhängt wurden, gehören laut der Auswertung der Sanktionsliste durch Al Jazeera Handels- und Logistikkonzerne in China und Hongkong sowie juristische Personen in Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich, Griechenland, Syrien, der Ukraine und den Marshallinseln.

Bessent erklärte: „Jedes Land hat eine festgelegte Zeitspanne, um die von uns identifizierten Aktivitäten zu beenden.“ Welche Länder gemeint sind, sagte er nicht. Experten erklärten gegenüber CNN, dass China, Indien, die Türkei, der Irak und die VAE am stärksten betroffen seien.

Auf die Frage von Reportern, ob chinesische Banken betroffen sein würden, antwortete Bessent: „Niemand befindet sich außerhalb der Reichweite von US-Sanktionen.“ Er erklärte weiter, dass „bis Ende dieser Woche eine wichtige Mitteilung über Sanktionen gegen ein Finanzinstitut“ zu erwarten sei.

US-Präsident Donald Trump hatte die Kampagne letzten Mittwoch durch einen Truth-Social-Post in Gang gesetzt. Er schrieb: „JEDES Land, das zulässt, dass seine Finanzinstitute, Unternehmen, Flughäfen oder staatlichen Einrichtungen dem Iran in irgendeiner Form helfen, wird GEWALTIGE wirtschaftliche Konsequenzen zu spüren bekommen.“

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Marxismus, KI und die Furcht des „Spiegel“ vor der Revolution

Von Fabian Winter – 27. August 2026

Wenn sich Der Spiegel als eines der einflussreichsten deutschen Nachrichtenmagazine genötigt sieht, Karl Marx auf den Titel zu heben, kann es nicht gut stehen um den Kapitalismus. Auf dem Cover der Ausgabe vom 6. August prangt das Konterfei des Revolutionärs unter der Überschrift „Marx hat es geahnt“ – für eine Titelstory über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie.

Spiegel Titel 33/2026

„Naht das Ende des Kapitalismus, das Karl Marx prophezeit hat?“, fragen die Autoren Simon Book und Nicola Abé gleich im Auftakt ihres Artikels. Damit greifen sie die brennende Frage auf, die Arbeiter und Jugendliche weltweit angesichts ihrer Erfahrungen mit einem Wirtschaftssystem umtreibt, das ihnen nur noch Weltkrieg, soziale Ungleichheit und faschistische Diktatur zu bieten hat.

Durch Künstliche Intelligenz erfasst die Automatisierung nun erstmals auch in großem Maßstab geistige und akademische Arbeit. Der Artikel beklagt: „Bis vor wenigen Jahren galt Bildung als sichere Eintrittskarte in ein materiell unbeschwertes Leben. Heute ist unklar, was ein Abitur oder ein Studium noch wert sind.“ Die Universität Stanford beziffere den Beschäftigungsrückgang junger Menschen in KI-exponierten Tätigkeiten auf 16 Prozent.

Entsprechend sind die Protagonisten des Artikels entlassene Tech-Ingenieure und arbeitslose Hochschulabsolventen. Die Beschäftigten in Autowerken, Lagerhallen, Schlachthöfen, Krankenhäusern und Zustelldiensten, deren Löhne und Arbeitsbedingungen seit Jahrzehnten zerstört werden, kommen in dem langen Text nicht vor. Doch der Kapitalismus verknüpft das Schicksal beider Gruppen objektiv miteinander, indem er nun auch immer größere Teile der akademisch ausgebildeten Schichten proletarisiert.

Entsprechend sind die Protagonisten des Artikels entlassene Tech-Ingenieure und arbeitslose Hochschulabsolventen. Die Beschäftigten in Autowerken, Lagerhallen, Schlachthöfen, Krankenhäusern und Zustelldiensten, deren Löhne und Arbeitsbedingungen seit Jahrzehnten zerstört werden, kommen in dem langen Text nicht vor. Doch der Kapitalismus verknüpft das Schicksal beider Gruppen objektiv miteinander, indem er nun auch immer größere Teile der akademisch ausgebildeten Schichten proletarisiert.

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Nachricht einer Frau aus der Hölle der ICE-Haft

Von Maryam Tahmasebi – 26. August 2026

„Wenn so etwas uns passieren konnte – einer gesetzestreuen Familie, bestehend aus zwei Professoren und einem kleinen Jungen –, dann kann es jedem passieren.“ – Das ist die Botschaft von Maryam Tahmasebi, einer iranisch-stämmigen Professorin am Pierce College in Los Angeles, die gemeinsam mit ihrem 16-jährigen Sohn seit Anfang April in Texas in ICE-Haft sitzt (ICE = United States Immigration and Customs Enforcement) – einer US-Bundes-Polizei- und Zollbehörde mit breitem Aufgabenfeld, unter anderem zuständig für den „Schutz der Nationalen Sicherheit und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“), während ihr Ehemann getrennt von ihnen in einer anderen Strafanstalt festgehalten wird. Die NachDenkSeiten veröffentlichten ihren Hilferuf, den Globale Gleichheit hier übernimmt..

Die Familie lebte und arbeitete seit 2014 in den USA und hatte seit 2016 unbefristetes Aufenthaltsrecht. Die Eltern arbeiteten als Psychologie-Professoren an unterschiedlichen Colleges in Los Angeles, der Sohn ging zur High School, bis Marco Rubio nach der Festnahme im April ihre Green Cards für ungültig erklärt hat.

Die Anklage: reine Sippenhaft. Der Ehemann von Frau Tahmasebi, Eissa Hashemi, ist Sohn der Frau, die anno 1979 Sprecherin der iranischen Geiselnehmer in der US-Botschaft in Teheran und später in frauen- und familienpolitischen Ämtern im Iran aktiv war.

Zeitlich ging die Festnahme unmittelbar der damaligen Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran in Pakistan voraus, sie erfolgte nach den ersten Militärschlägen der USA und Israels gegen den Iran. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Aktuell wird nicht einmal die „freiwillige“ Ausreise der Familie erlaubt, es droht also bis auf Weiteres ein unbefristetes Leben in Haft.

Frau Tahmasebis Brief im Wortlaut:

Mein Mann, mein Sohn und ich sind seit Monaten eingesperrt – obwohl wir eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung haben und nicht vorbestraft sind. Es ist ein unerträglicher, endloser Albtraum.

Mein Name ist Maryam Tahmasebi, und ich bin Professorin für Psychologie und Statistik am Pierce College in Los Angeles – oder besser gesagt: Ich war es bis zum 9. April, als sich mein Leben und das meiner Familie für immer verändert haben.

An diesem Tag hielt ich gerade eine Vorlesung, als mir mein Sohn eine SMS schickte, in der stand, dass mein Mann ihn nicht von der Schule abgeholt hatte und nicht ans Telefon ging, was überhaupt nicht seine Art ist. Ich holte meinen Sohn von der Schule ab, eilte nach Hause und rief die Polizei an, weil ich dachte, ihm müsse etwas Schreckliches zugestoßen sein. Trotzdem kam mir nie in den Sinn, dass er von der ICE festgenommen worden sein könnte. Wir haben eine rechtmäßige dauerhafte Aufenthaltserlaubnis mit gültigen Green Cards. Mein Ehemann, Eissa Hashemi, ist ebenfalls Professor und hat sein Leben der Betreuung von Doktoranden im Fachbereich Wirtschaftspsychologie der Chicago School gewidmet. Wir haben beide viele Doktoranden betreut, darunter auch Veteranen, die diesem Land jahrzehntelang gedient haben. Wir haben keinerlei Vorstrafen – nicht einmal einen Strafzettel. Ich glaubte an die „Rechtsstaatlichkeit“ und vertraute darauf, dass die Regierung uns auf legalem Wege benachrichtigen würde, falls mit unserem Aufenthaltsstatus etwas nicht in Ordnung sein sollte.

Ich war mehr als schockiert, als mir klar wurde, dass eine Online-Verleumdungskampagne ohne jegliche Grundlage oder rechtliche Handhabe die US-Regierung dazu gebracht hatte, zu versuchen, unsere Green Cards über Nacht zu entziehen – ohne ordnungsgemäßes Verfahren und ohne uns überhaupt davon in Kenntnis zu setzen. Die Regierung hatte beschlossen, meinen Mann dafür zu bestrafen, dass er der Sohn einer Frau ist, die 1979 – noch bevor Eissa überhaupt geboren wurde – als Übersetzerin für die iranischen Geiselnehmer tätig war.

Ich bin hierhergekommen, weil ich mir und meiner Familie ein Leben aufbauen wollte, das von meinen eigenen Handlungen bestimmt wird und nicht von denen anderer. Doch nun wird unser Leben durch etwas auf den Kopf gestellt, das jemand anderes vor fast 50 Jahren getan hat.

Stell dir vor, du bist eine unabhängige Frau, die sich jeden Tag durch die Gewässer des Sexismus und des Patriarchats kämpft, und dann wird dir gesagt, dass nicht nur deine eigenen Ideen und akademischen Leistungen keine Rolle spielen, sondern dass du nun auch irgendwie für Entscheidungen verantwortlich bist, die du nie getroffen hast, und für Dinge, die geschahen, bevor du überhaupt geboren wurdest. Dass man keine eigene Identität hat und dass die eigene Existenz aufgrund von Verwandtschaftsverhältnissen negiert werden kann. Das ist eine Bestrafung aufgrund der Abstammung. Ich hatte gehofft, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, das Land, das ich liebte, anders sein würden.

Schließlich zeigte der Standort meines Mannes auf seinem Handy an, dass er sich in einem ICE-Zentrum in der Innenstadt von Los Angeles befand. Ich sprach dort eine Minute lang mit ihm. Er sagte, man habe ihm mitgeteilt, dass unser Sohn und ich in Sicherheit seien, solange er in Gewahrsam sei. Das stellte sich als Lüge heraus. Am nächsten Tag, als ich meinen Sohn zur Schule brachte, war mein Auto von Fahrzeugen des DHS umzingelt, und mein Sohn und ich wurden festgenommen. Ich musste mit ansehen, wie meinem Sohn, der die Highschool besucht und seit 12 Jahren einen legalen Wohnsitz in Kalifornien hat, Handschellen angelegt wurden. Wir wurden über Nacht von Los Angeles nach Texas gebracht – unter schrecklichen Bedingungen, auf die ich in diesem Brief nicht näher eingehen möchte. Seitdem leben wir in Texas.

Mein Sohn und ich haben über 120 Tage im Dilley Immigration Processing Center verbracht, getrennt von meinem Mann, der in das South Texas Detention Center in Pearsall, Texas, gebracht wurde. Dort herrschen noch schrecklichere Bedingungen, und er muss sie ganz allein ertragen. Als ich darum bat, dass mein Mann zu uns nach Dilley, einem sogenannten „Familienhaftzentrum“ (allein die Existenz eines solchen Begriffs ist zutiefst beunruhigend), zurückgebracht wird, wurde mir mitgeteilt, dass in unserem konkreten Fall die Trennung von Familien die offizielle Politik und die Regel sei.

Ich habe mich schwer getan, zu verstehen, wie so etwas Menschen widerfahren kann, die nie gegen das Gesetz verstoßen haben – und das in einem System, von dem ich glaubte, es beruhe auf Rechtsstaatlichkeit.

Die letzten vier Monate waren für uns die Hölle, und unsere körperliche und psychische Gesundheit hat sich in einer Weise verschlechtert, die möglicherweise erst in Jahren wieder rückgängig gemacht werden kann. Wir dürfen nur alle zwei Wochen zehn Minuten lang unter Aufsicht mit meinem Mann sprechen. Mein Sohn, der nur Englisch spricht und seit der Vorschule das kalifornische Schulsystem besucht, hat große Schwierigkeiten, zu verstehen, warum das einzige Land, das er als seine Heimat betrachtet, ihn so behandelt.

Was uns widerfahren ist, war gezielt darauf ausgerichtet, unseren Körper und unseren Geist zu brechen. Ich bin eine Mutter, keine Märtyrerin, daher würde ich die Gesundheit und das Wohlergehen meines Sohnes stets über alle meine Träume und Bestrebungen stellen. Doch selbst als wir die schwere Entscheidung trafen, um die Erlaubnis zu bitten, die Vereinigten Staaten – den Ort, den wir als unser Land und unser Zuhause betrachten – freiwillig verlassen zu dürfen, lehnte die Regierung dies nicht nur ab, sondern deutete sogar an, dass sie gegen jede gerichtliche Entscheidung, die uns die Ausreise gestattet, Berufung einlegen würde.

Mit anderen Worten: Sie wollen unsere unbefristete Inhaftierung fortsetzen, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Aber zu welchem Zweck? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt. Mir fällt kein Grund ein, warum wir diese strafende Tortur durchmachen müssen. Wir haben weder Geld noch Macht, die uns helfen, uns schützen oder uns Gunst verschaffen könnten. Wir sind zwei Pädagogen aus der Arbeiterklasse, die ein Leben der Arbeiterklasse in einer Mietwohnung geführt haben und uns nie hätten vorstellen können, dass uns so etwas passieren würde.

Deshalb brauchen wir Ihre Hilfe. Wir leiden unermesslich und sind in einem unerträglichen, endlosen Albtraum gefangen. Ich möchte, dass mein Sohn ein normales Leben führen kann und seine Tage nicht in diesem schrecklichen Internierungslager in Dilley verbringen muss. Kein Kind hat das verdient. Kein Mensch hat das verdient. Wir bitten jeden, der ein Gewissen hat, uns dabei zu helfen, diesen Albtraum zu beenden. Es gibt noch mehr, was ich sagen möchte, aber dies ist die „zensierte“ Version dessen, was ich im Moment getrost aussprechen kann. Ich möchte mit folgenden Worten schließen: Wenn so etwas uns passieren konnte – einer gesetzestreuen Familie, bestehend aus zwei Professoren und einem kleinen Jungen –, dann kann es jedem passieren.

– Maryam Tahmasebi

Der Brief ist im englischen Original bei The Nation erschienen, wo er inzwischen hinter einer Registrierungs-Schranke liegt und weswegen wir ihn hier als PDF anhängen. Übersetzung von Carsten Weikamp mit Hilfe von DeepL.

Titelbild: Maryam Tahmasebi (privat)

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor

35 Jahre unabhängige Ukraine: Das Krim-Parlament protestierte

Von Urs P. Gasche – 25. August 2026

Die Halbinsel Krim war das Ferienparadies par excellence – und ist es zumindest für russische Touristen bis heute. Vor allem die Südküste zwischen Sewastopol und Feodossija lädt zum Badenein, wie das Bild zeigt. (Foto: Christian Müller)

Es war die Ukraine und nicht Russland, welche sich gegen den Willen der dortigen Bevölkerung die Krim angeeignet hatte.

Darüber wird nicht gerne informiert. Auch jetzt nicht, 35 Jahre nachdem das Parlament der Ukraine am 24. September 1991 das Land – einschließlich der Krim – für unabhängig von der Sowjetunion erklärte. Die Halbinsel Krim, die als autonomes Gebiet der Sowjetunion bereits ein eigenes Parlament hatte, protestierte lautstark.

Das Austrittsgesetz der UdSSR gab den Sowjetrepubliken (wie der Ukraine) und den autonomen Regionen (wie der Krim) das Recht, sich entweder von der UdSSR zu trennen oder sich einer neuen, lockeren sowjetischen Union anzuschliessen. Auf der Krim hatten 93 Prozent der Abstimmenden bereits Anfang 1991 für die »Wiederherstellung der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik Krim als Subjekt der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken« und als Vertragspartei des Unionsvertrags ausgesprochen.1 Der Ja-Anteil entsprach 75 Prozent aller 1,8 Millionen Stimmberechtigten.

Die Krim wollte also im Falle einer Auflösung der Sowjetunion eine autonome Einheit der neuen sowjetischen Union werden – unabhängig von der Ukraine.

Doch die Ukraine hat der Krim am 1. Dezember 1991 dieses Recht gegen den Willen der Krim-Bevölkerung verweigert. Die Krim verfügte über kein eigenes Militär und konnte sich nicht wehren.

Damit hat sich die Ukraine die Halbinsel rechtswidrig angeeignet.

Seither haben die Bewohner der Krim mehrmals demokratisch mit überwältigenden Mehrheiten russlandfreundliche Kandidatinnen und Kandidaten gewählt – und nicht anti-russische, einseitig pro-westliche oder ukrainisch-nationale.

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Selenskyj schließt Wahlen aus, während die ukrainische Diktatur Kriegsgegner inhaftiert

Von Johannes Stern – 25. August 2026

Bild: tkp

Inmitten einer sich verschärfenden politischen Krise, die durch den wachsenden Widerstand der Bevölkerung gegen den eskalierenden Krieg gegen Russland ausgelöst wird, wetterte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Wochenende gegen freie und offene Wahlen und erklärte, eine Abstimmung würde „das Land zerstören“.

„Wahlen wären im Moment ein Tsunami für den Staat, der die Ukraine spalten würde“, erklärte Selenskyj gegenüber Journalisten in Äußerungen, die der Kyiv Independent am Sonntag veröffentlichte. „Wenn wir das Land zerstören wollen, dann können wir während eines solchen Kriegs Wahlen abhalten.“

Selenskyj reagierte damit auf den ehemaligen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, den er im Juli entlassen hatte. Fedorow hatte in einer Videoansprache am 18. August Wahlen während des Kriegs gefordert. Die Ukraine befinde sich in einer „systemischen Regierungskrise“, erklärte Fedorow, und müsse „einen legalen, sicheren und realistischen Mechanismus finden, der es der Ukraine ermöglicht, ihren vollständigen demokratischen Prozess zu erneuern“. Seine Forderung nach Wahlen stellt keine demokratische oder gegen den Krieg gerichtete Alternative dar.

Selenskyj hat offen ausgesprochen, was die Regierungen und Medien der Vereinigten Staaten und Europas seit viereinhalb Jahren bestreiten. Sein Argument lautet, dass das politische System, dem er vorsteht, nur aufrechterhalten werden kann, solange die Bevölkerung vom Wählen abgehalten und die politische Opposition unter dem Kriegsrecht unterdrückt wird.

Selenskyj sagt nicht, welche Spaltung er fürchtet, aber es ist die zwischen der Regierung und der Bevölkerung, die sie an die Front schickt. Eine Wahl würde zu einem Referendum über den Krieg selbst werden. Gallup stellte am 30. Juni fest, dass 66 Prozent der Ukrainer ein möglichst rasches Ende des Kriegs durch Verhandlungen wünschen, während 24 Prozent dafür sind, bis zum Sieg weiterzukämpfen.

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Am Unabhängigkeitstag verlieh Selenskij Biletskyi, dem rechtsnationalistischen Gründer des Asow-Regiments, den Titel „Held der Ukraine“

Von Florian Rötzer – 25. August 2026

Zur Feier des Unabhängigkeitstages der Ukraine war man in Kiew offensichtlich ziemlich sicher, dass Russland die Hauptstadt nicht angreifen wird. Luftalarm gab es in Kiew nicht. Es waren die Präsidenten von Estland, Litauen, Moldawien, Finnland und der EU sowie die Regierungschefs von Großbritannien, Luxemburg und Lettland zur auf dem offenem Sophia-Platz stattfindenden Feier gekommen, wo sie Orden von Selenskij empfingen und dafür natürlich weitere Unterstützung versprachen. Es wurden unterschiedliche Orden verliehen, wer warum höher oder weniger hoch geehrt werden sollte, entzieht sich meiner Kenntnis. Großbritannien wurde jedenfalls hervorgehoben, der neue Regierungschef Burnham erhielt die Auszeichnung „Dankbarkeit des ukrainischen Volkes“ für Unterstützung von Beginn an.

Für die von Deutschland, Frankreich und Großbritannien initiierte Koalition der Willigen war das die Gelegenheit, in einer Videokonferenz aus Kiew zu erklären, dass sie die militärische Hilfe und die Sanktionen verstärken werden – for as long as it takes. Zudem wurde wieder die Verlegung von Truppen in die Ukraine angekündigt, was nur bedeuten kann, dass Friedensverhandlungen erschwert werden sollen: „Die Koalition wird die ‚Multinational-Force Ukraine‘ weiterhin auf einen Einsatz vorbereiten, sobald eine glaubwürdige Einstellung der Feindseligkeiten erreicht ist – als Teil eines umfassenderen Pakets robuster, politisch und rechtlich verbindlicher Sicherheitsgarantien, um die künftige Sicherheit und den Wohlstand der Ukraine nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands zu gewährleisten.“ Die britische Regierung erlaubt der Ukraine die Herstellung von Storm Shadow/SCALP.

Neben der Ordensverleihung gab es eine Parade von 100 Boden-, Luft- und Wasserdrohnen auf der Chreschtschatyk-Straße, dazu Wasserdrohnen auf dem Dnepr und Drohnen in der Luft. Demonstriert werden sollten die technischen Innovationen und dass die Ukraine den Unterstützerstaaten bald etwas für ihre Sicherheitszurückgeben können.

Maria Berlinskaya, bekannte Maidan-Aktivistin, Kämpferin in Freiwilligenverbänden, „Mutter der Drohnen“ und Gründerin von Victory Drones und Victory Neurones, machte darauf aufmerksam, dass die Roboter wegen des Ereignisses wahrscheinlich nicht an die Front geschickt wurden: „Einige Hersteller behaupten, sie würden seit mehreren Wochen Bodenrobotersysteme an das Logistikkommando liefern. Aus irgendeinem Grund erreichten diese Lieferungen jedoch nie die Front. Und dann, am Unabhängigkeitstag, wurde ihnen eine Erklärung präsentiert. Ich weiß nicht, wie viel Wahrheit darin steckt. Falls es stimmt, ist es blanker Schwachsinn. Jeden Tag stirbt jemand an seinen Wunden, weil er nicht evakuiert werden kann und keine Bodenroboter zur Verfügung stehen.“

Man muss immer wieder feststellen, dass Russland sich mit Angriffen auf die politische Führung zurückhält. Auch die ausländischen Politiker, die ihre Wallfahrt nach Kiew machen, scheinen sich sicher zu sein, dass sie keine Angriffe zu befürchten haben. Die USA und Israel haben vorgeführt, dass die Führung eines Landes durch Luftschläge getötet werden oder ein Präsident wie der von Venezuela entführt werden kann, ohne große Proteste der Weltöffentlichkeit hervorzurufen. Offenbar schreckt Moskau dennoch weiterhin davor zurück, um keine Eskalation zu beschwören. Vielleicht gibt es Absprachen mit den USA?

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Aufdeckung des jüngsten Einmischungsversuchs der Ukraine in Polen

Von Andrew Korybko – 25. August 2026

Das ukrainische „Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation“ griff einen aktuellen Bericht von Reuters auf, in dem unter Berufung auf polnische Amtsträger und Experten behauptet wurde, dass „Russland den Streit zwischen Polen und der Ukraine ausnutzt, um seine Desinformationskampagne zu verstärken“.

Der Kern der Sache ist, dass KI-gestützte Bots angeblich den polnischen Informationsraum mit polarisierenden Beiträgen überschwemmen, die darauf abzielen, die bilateralen Spannungen auf staatlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene zu verschärfen. Diese eskalierten, nachdem Selenskyj Ende Mai auf staatlicher Ebene die Täter der OUN-UPA des WolhynienVölkermords verherrlicht hatte.

Dem Reuters-Bericht gingen Meldungen polnischer Medien über den Plan der Ukraine voraus, die Beziehungen zu Polen zu verbessern, wozu auch die Bemühungen ihrer Geheimdienste gehören, Beweise für eine russische Finanzierung anti-ukrainischer Gruppen aufzudecken (oder zynischerweise zu erfinden). Diese Analyse hier argumentiert, dass Kiews Vorgehen einer Einmischung in Polen gleichkommt, da es sich gegen die Opposition richtet – die durchweg der Ukraine kritisch gegenübersteht – sowie gegen Organisatoren früherer Bauernproteste, die ihre Demonstrationen wieder aufnehmen könnten, sollte es zu einer weiteren Getreidekrise kommen, vor der hier gewarnt wird.

Polens regierende liberale Koalition behauptet seit langem ohne jegliche Beweise, dass ihre Gegner von Russland unterstützt werden – eine falsche Behauptung, die bereits zu Beginn des Sommers hier widerlegt wurde. Doch selbst wenn die Ukraine und Polen diese dich abzeichnende Verleumdungskampagne gegen die Opposition und die Organisatoren früherer Bauernproteste noch nicht koordinieren, nutzt die Ukraine den jüngsten Bericht für ihre antirussische Propaganda aus.

Ihr „Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation“ hat den Reuters-Artikel geteilt, um der Unterstellung falsche Glaubwürdigkeit zu verleihen, die Polarisierung in Polen hinsichtlich der Ukraine nach Selenskys schockierendem Schritt Ende Mai sei auf russische Einmischung zurückzuführen. Diese als Waffe eingesetzte Erzählung soll diejenigen diskreditieren, die seitdem eine ablehnende Haltung gegenüber der Ukraine eingenommen haben – sowohl Politiker als auch Durchschnittswähler –, während die Ukraine präventiv von Vorwürfen freigesprochen wird, sie selbst mische sich in Polen ein. Es handelt sich daher um eine unbestreitbare hybride Kriegs-Provokation.

Betrachten wir einmal den Inhalt dessen, was von einigen in Polen und dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine vorgebracht wird, unter dessen Dach das „Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation“ arbeitet.

Deren Erzählung ist tatsächlich sehr herablassend. Sie geht davon aus, dass die polnische Bevölkerung von sich aus nichts daran auszusetzen hätte, dass Selenskyj die Nazi-Kollaborateure von der OUN-UPA auf staatlicher Ebene verherrlicht, und dass sie deren Verherrlichung nur unter russischem Einfluss kritisieren könnte, nachdem sie von der russischen Propaganda ständig an dieses Thema erinnert worden sind.

Die Erzählung unterstellt zudem, dass plumpe Beiträge anonymer Accounts in der Lage sind, den durchschnittlichen Polen zu beeinflussen, der angeblich nicht erkennen kann, dass deren Syntax und Rhythmus für einen polnischen Muttersprachler unnatürlich sind. Und dass sie somit darauf hindeuten, dass der Autor ein Ausländer ist, oder sie von KI gnereiert wurden. Die naheliegende Schlussfolgerung lautet, dass jeder in Polen, der derzeit der Ukraine kritisch gegenübersteht, ein „nützlicher Idiot“ Russlands ist – was eine Beleidigung der Intelligenz aller Polen darstellt. Dies könnte auch als Vorwand für Zensur dienen.

Die Erkenntnis aus diesem Beispiel ukrainischer Einmischung in Polen – die zugegebenermaßen im Moment noch mild und indirekt ist, aber voraussichtlich im Vorfeld der nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 zunehmen wird – ist, dass dabei die Meinung polnischer Amtsträger und Experten ausgenutzt wird, um die Öffentlichkeit auf das vorzubereiten, was wahrscheinlich kommen wird. Nicht nur der durchschnittliche Pole ist Ziel dieser Provokation, sondern die Bevölkerung des Westens insgesamt.

Ihr will das Regime in Kiew weismachen, dass die Polen der Ukraine gegenüber nur wegen der „nützlichen Idioten“ Russlands – und möglicherweise sogar „Agenten“ in den Reihen der Opposition – eine ablehnende Haltung eingenommen haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

„Moskaus Mitschuld am Weltkrieg“

Von German-Foreign-Policy.com – 25. August 2026

Das darf nie vergessen werden: Der Plan der Nazi-Schergen war, Leningrad durch Blockierung der Zugänge auszuhungern – und Hunderttausende Menschen, nicht zuletzt auch Frauen und Kinder, verhungerten tatsächlich. Erst nach über 870 Tagen gelang es der Roten Armee am 27. Januar 1944, die Blockade zu durchbrechen und Leningrad zu befreien. (Foto Archiv)

Eine führende deutsche Tageszeitung öffnet sich für die Relativierung der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg und für die Zuschreibung einer Kriegs-„Mitschuld“ an die Sowjetunion.

Eine führende deutsche Tageszeitung öffnet sich für die Relativierung der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg. Wie es in einem ganzseitigen Beitrag heißt, den die einflussreiche Frankfurter Allgemeine Zeitung in der vergangenen Woche veröffentlichte, habe die Sowjetunion – „diktiert von dem Bedürfnis nach Krieg in Europa“ – per Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrags am 23. August 1939 „grüne[s] Licht“ für den deutschen Überfall auf Polen gegeben. Dies erst habe „die destruktive Entfaltung“ der „gleichsam instinktiven Disposition“ von Adolf Hitler zum Krieg „ermöglicht“; „ein vorsätzlich handelnder Stalin“ habe sich dadurch „mitschuldig“ am Zweiten Weltkrieg gemacht. Der Autor des Textes, der Historiker Manfred Kittel, sorgte bereits vor Jahren für Schlagzeilen, als in der Berliner Staats-Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung unter seiner Leitung drastisch revisionistische Tendenzen zutage traten. Aktuell beklagt Kittel „Stalins Mittäterschaft beim Entfesseln des Krieges 1939“ und will eine „fatale Rolle des russischen Imperialismus klar und deutlich […] benennen“ – bis heute. Bereits 2025 hatte er Russlands Krieg gegen die Ukraine zum „Vernichtungskrieg“ erklärt.

„Falsche Volkspädagogik“

Kittel war einer breiteren Öffentlichkeit in den Jahren ab 2009 bekannt geworden. Damals wurde er zum Direktor der Ende 2008 gegründeten Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ernannt, deren Aufgabe es war, in Berlin ein Dokumentationszentrum über Zwangsmigration zu schaffen. Als Kern des Zentrums galt die Darstellung der Umsiedlung deutschsprachiger Bevölkerungsteile aus diversen Staaten Ost- und Südosteuropas infolge der deutschen Massenverbrechen im Zweiten Weltkrieg. Kittel hatte den Posten des Stiftungsdirektors trotz – oder wegen – der inhaltlichen Orientierung seiner 1993 publizierten Dissertation erhalten, in der er die Ansicht vertrat, die NS-Verbrechen seien schon in der frühen Bundesrepublik unter Bundeskanzler Konrad Adenauer angemessen aufgearbeitet worden; wer das in Abrede stelle, bereite einer „Zerknirschungsmentalität“ den Boden.[1] Wolle man die „breite Masse des Volkes“ zur „Vergangenheitsbewältigung“ motivieren, dann rieche dies nach „falscher Volkspädagogik“.[2] 2008 war unter Kittels „Koordination“ am Münchener Institut für Zeitgeschichte (IfZ), finanziert mit Steuergeldern, eine „Machbarkeitsstudie“ zur Erforschung der NS-Vergangenheit von Funktionären der Vertriebenenverbände erstellt worden, deren Autor über einen in Massenmorde involvierten SS-Obersturmführer behauptete, ob der Mann „auch innerlich nationalsozialistisch ausgerichtet“ gewesen sei, lasse sich nicht klären.[3]

„Reise in ein besetztes Land“

Unter Kittels Leitung sorgte die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung gleich mehrmals für Schlagzeilen. Im Sommer 2010 etwa wurde bekannt, dass reguläre sowie stellvertretende Mitglieder des Stiftungsrats offen revisionistische Positionen vertraten. So hatte ein Mitglied des Gremiums eine Reise nach Nordostpolen („Ostpreußen“) einst als „Reise in ein besetztes Land“ bezeichnet. Ein stellvertretendes Mitglied hatte in einem Zeitungsbeitrag suggeriert, Polen könne eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg tragen; weiter hieß es in dem Artikel, erst Großbritannien habe den „Krieg um Danzig zu einem weltweit ausgetragenen Krieg“ gemacht.[4] Einen letzten Skandal provozierte die Stiftung unter Kittels Leitung im Herbst 2014, als sie – eine Art Vorarbeit für das geplante Dokumentationszentrum zum Thema Zwangsmigration – im Berliner Deutschen Historischen Museum eine Ausstellung eröffnete. Darin wurden nicht nur die NS-Massenverbrechen als die Ursache für die Umsiedlung der deutschsprachigen Bevölkerungsteile aus den Ländern Ost- und Südosteuropas beschwiegen; es wurden auch drastisch überhöhte Opferzahlen genannt. So hieß es, es hätten „mehr als zwei Millionen Deutsche ihr Leben während gewaltsamer Vertreibungen aus Polen, Böhmen und Ostpreußen verloren“.[5] Beim Deutschen Historischen Museum konnte man dagegen erfahren, bei den Umsiedlungen seien in den Jahren „zwischen 1944 und 1947 bis zu 600.000“ Menschen zu Tode gekommen – wissenschaftlich gesichert.

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USA und Kanada im Handelskrieg

Von Nick Beams – 24. August 2026

Wie der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, befinden sich Kanada und die USA handelspolitisch „im Krieg“. Zuvor waren mehrwöchige Verhandlungen mit der Trump-Regierung um deren Vorhaben gescheitert, einen Zoll von 50 Prozent auf kanadische Güter im Wert von 20 Milliarden Dollar zu erheben – was fünf Prozent der kanadischen Exporte in die USA im Gesamtwert von 380 Milliarden Dollar entspricht.

Bedeutsam an dem Angriff der USA auf ihren engsten Handelspartner ist die Tatsache, dass erstmals eine Bestimmung des Tariff Act von 1930 angewandt wurde. Dieses Gesetz, das auch als Smoot-Hawley Act bekannt ist, hatte in den Handelskriegen der 1930er-Jahre eine verheerende Rolle gespielt.

Bis Ende letzter Woche schien sich in den Verhandlungen zwischen den USA und Kanada eine Einigung abzuzeichnen. Die Zölle sollten ursprünglich am 19. August in Kraft treten, doch US-Präsident Trump kündigte einen dreitägigen Aufschub an. Er erklärte, die beiden Länder hätten eine Vereinbarung erzielt, die „noch der endgültigen Ausformulierung der Dokumente“ bedürfe.

Doch offenbar steckte der Teufel im Detail. Am Samstag scheiterten die Verhandlungen; beide Seiten überschütteten sich mit Vorwürfen und versuchten, ihre eigenen nationalistischen Pläne voranzubringen.

Carney verkündete, er habe die Gespräche ausgesetzt, weil die US-Seite in letzter Minute Änderungen eingebracht habe, die „unfair und unökonomisch“ waren und „die Zuverlässigkeit jeglicher Vereinbarung infrage stellten“. Später erklärte er in einer Rede, Kanada befinde sich handelspolitisch „im Krieg“ mit den USA.

Er erklärte vor der Presse: „Man befindet sich im Krieg, wenn man angegriffen wird, und wir wurden angegriffen.“

Carney gab an, zu den Änderungen, welche die USA in letzter Minute gefordert hätten, gehörten auch Versuche, die Bestrebungen abzuwehren, mehr kanadische Inhalte in Online-Streamingdiensten anzubieten, u.a. auf Französisch, das in Kanada eine der Amtssprachen ist.

Carney erklärte, die kanadische Seite habe erkannt, dass sich Amerika verändert habe, und dass „seine Unterschrift manchmal nichts wert ist“.

„Was sie uns angeboten haben, können wir nicht akzeptieren, und wir werden ihnen nicht geben, was sie gefordert haben. Wir waren nicht bereit, Kanadas Souveränität zu gefährden oder unsere wichtigsten Industriezweige zu schwächen.“

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Welche Rolle wird Somalilands angeblich geplanter neuer Luftwaffenstützpunkt für die Region spielen?

Von Andrew Korybko – 24. August 2026

Es ist verfrüht, vorherzusagen, dass Somaliland seinen Verbündeten aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und/oder Israel gestatten wird, von seinem Territorium aus die Houthis anzugreifen. Doch es wird ihnen sicherlich erlauben, einen Teil ihrer Kampfflugzeuge dort zu stationieren, um eine von Ägypten und/oder der Türkei unterstützte Invasion durch Somalia abzuwehren und so sein Fortbestehen zu sichern.

Le Monde berichtete Anfang Juli, dass „die VAE diskret einen Militärstützpunkt in Somaliland für die USA und Israel“ am Flughafen Berbera errichten und diese Infrastruktur bereits seit letztem Oktober ausbauen. Der Zeitrahmen ist wichtig, da diese Arbeiten nur zwei Monate vor der offiziellen Anerkennung von Somalilands erneuter Unabhängigkeitserklärung von 1991 durch Israel begannen – Israel war das erste Land, das diese Anerkennung aussprach. Hier wurde argumentiert, dass Israel einen Stützpunkt in der Nähe der Houthis anstrebe und zudem die türkischen Militäraktivitäten in Somalia im Auge behalten wolle.

Im selben Monat scheiterten die Verbündeten der VAE bei dem Versuch, Saudi-Arabien im Jemen herauszufordern, was zur Vertreibung der emiratischen Streitkräfte und zum Verlust ihres Einflusses in diesem Land führte. Dies wiederum machte Somaliland für die VAE als ihren letzten verbliebenen Stützpunkt im Golf von Aden noch bedeutender. Zum Hintergrund: Die VAE und Somaliland sind seit Jahren enge Partner, daher überrascht der Bericht von Le Monde über den Bau eines Luftwaffenstützpunkts durch die VAE in Somaliland nicht. Es kommt auch nicht unerwartet, dass die USA und Israel diesen ebenfalls nutzen könnten.

Berichten zufolge erwägen die USA eine Diversifizierung ihrer regionalen militärischen Abhängigkeit von Dschibuti, das sich zunehmend an China annähert, während Israel, wie bereits erwähnt, Somaliland offiziell anerkannt hat. Somaliland liegt direkt neben Dschibuti, sodass es nicht allzu schwierig wäre, einen Teil oder sogar die gesamte militärische Infrastruktur der USA dorthin zu verlegen. Außerdem grenzt es an Somalia, wo die USA gelegentlich Anti-Terror-Angriffe und Razzien gegen Al-Shabaab durchführen, was Somaliland zu einem sehr attraktiven militärischen Partner für die USA macht.

Diese Beobachtungen untermauern den Bericht von Le Monde, wonach die USA den neuen Luftwaffenstützpunkt, den die VAE angeblich am Flughafen Berbera errichten, letztendlich nutzen könnten – ebenso wie Israel. Alle drei sind zudem enge Verbündete untereinander mit sehr ähnlichen regionalen Sicherheitsinteressen, die Somaliland ihnen möglicherweise von seinem Territorium aus verfolgen lassen würde – im Gegensatz zu Dschibuti, das den USA nicht gestattet, von seinen dortigen Stützpunkten aus Angriffe auf die Houthis zu fliegen. Somalilands Kalkül könnte sein, dass die allgemeinen Vorteile eines solchen Vorgehens die Sicherheitsrisiken bei weitem überwiegen.

Zu diesem Thema erklärte Netanjahu im Vorfeld der ersten Phase des Angriffskrieges gegen den Iran, dass Israel in der Region ein sogenanntes „Hexagon“ aufbaue, um sich gegen das zu stellen, was er als „die radikale schiitische Achse … und die sich abzeichnende radikale sunnitische Achse“ bezeichnete, und es ist wahrscheinlich, dass Somaliland in diesem Netzwerk eine Rolle spielen wird. Bereits Anfang des Jahres wurde gewarnt, dass „die Berichten zufolge enge türkisch-ägyptische Zusammenarbeit im Sudan ein schlechtes Omen für Somaliland sein könnte“, da es sich dabei um die beiden Schutzmächte Somalias handelt, die dessen Ansprüche auf Somaliland unterstützen.

Somaliland würde einen Angriff von einer dieser beiden Seiten nicht überleben, weshalb seine realistischste Hoffnung auf Überleben darin besteht, amerikanische, emiratische und israelische Streitkräfte als Abschreckung zu beherbergen, wobei die möglichen Kosten durch Houthi-Angriffe im Vergleich zu dem oben genannten Invasionsszenario verblassen würden. Zwar ist es verfrüht, vorherzusagen, dass Somaliland zulassen wird, dass sein angeblich neuer Luftwaffenstützpunkt am Flughafen Berbera gegen die Houthis eingesetzt wird, doch wird es seinen Verbündeten sicherlich gestatten, einen Teil ihrer Jets dort zu Abschreckungszwecken zu stationieren.

Sollte die Existenz Somalilands dadurch gesichert sein, ist es möglich, dass sich weitere Staaten Israel anschließen und Somaliland offiziell anerkennen werden, was die regionale Dynamik neu gestalten könnte, sollte dies dazu führen, dass Somaliland eine größere Rolle bei der Erleichterung des globalen Handels mit dem Binnenstaat Äthiopien spielt. Letzteres ist Afrikas zweitbevölkerungsreichstes Land mit einer laut Weltbank himmelhohen BIP-Wachstumsrate von 9,2 Prozent, sodass die wirtschaftliche Attraktivität einer Anerkennung Somalilands für viele verständlicherweise verlockend ist. Vorerst muss Somaliland jedoch sein Überleben sichern.

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[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.