Sommerpause

Hervorgehoben

Von der Redaktion – 8. August 2025

Globale Gleichheit legt bis zum 15. September 2025 eine Sommerpause ein. In dieser Zeit stellen wir auf dieser Seite nur ein reduziertes Angebot an neuen Nachrichten, Analysen und Hintergrundinformationen zur deutschen und internationalen Politik zur Verfügung.

Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Warum gibt es in Armenien keinen Protest gegen das brutale Vorgehen der Regierung gegen die Opposition?

Von David Martirosjan (Übersetzung/Einleitung: Thomas Röper) – 20. August 2026

Anfang Juni gab es in Armenien Parlamentswahlen, die die pro-westliche Regierung laut offiziellen Angaben deutlich gewonnen hat. Seitdem geht die Regierung unerwartet brutal gegen die Opposition vor, deren Vertreter massenhaft verhaftet und enteignet werden. Warum gibt es dagegen keinen Protest im Land?

Seit den Wahlen in Armenien vom 7. Juni dieses Jahres sammle ich die Meldungen aus dem Land. Armenien ist ein kleines, aber geopolitisch sehr wichtiges Land und der Westen investiert viel Geld und Mühe darin, das eigentlich traditionell Russland nahestehende Armenien an sich zu binden. Diese Aufgabe soll der vor fast zehn Jahren in einer Farbrevolution an die Macht gekommene Ministerpräsident Paschinjan umsetzen.

Dessen Partei hat die Wahlen vor drei Monaten deutlich gewonnen und eigentlich hätte man erwarten müssen, dass die Unterdrückung der Opposition nach dem deutlichen Wahlsieg nachlässt, die bereits während des Wahlkampfes begonnen hat und sogar von der OSZE kritisiert und von deutschen Medien wie dem Spiegel erwähnt wurde. Das ist selten, denn normalerweise stellen Medien wie der Spiegel umkämpfte pro-westliche Länder gerne als regelrechte Musterdemokratien dar und verschweigen die dortige Unterdrückung der Opposition. Das können wir in der Ukraine, in Moldawien und anderen Ländern beobachten, weshalb ich die Berichte über Armenien bemerkenswert fand. Der Spiegel hat darüber beispielsweise unter der Überschrift „Entscheidung im Südkaukasus – Festnahmen und Skandale überschatten Wahl in Armenien“ berichtet.

Aber in den Tagen und Wochen nach der Wahl ging die systematische Verfolgung aller Regierungskritiker erst richtig los, worüber es im Westen natürlich keine Berichte gab. Ich habe die Meldungen gesammelt, um irgendwann eine detaillierte Chronologie der Ereignisse zu veröffentlichen, wozu ich bisher nicht gekommen bin. Nun hat ein Experte in der TASS in einem Artikel erklärt, warum es in Armenien keinen Widerstand gegen die brutale Zerschlagung der Opposition gibt und ich habe seinen Artikel übersetzt. In den nächsten Tagen schreibe ich auch den Artikel über die detaillierte Chronologie der Ereignisse. […]

Verfolgung der Opposition: Warum Moskau sich weigert, an Armeniens Loyalitätsdebatte teilzunehmen

David Martirosjan erklärt, warum das Festhalten an der Vergangenheit die Zukunft verspielt.

Kaum hatte die Zentrale Wahlkommission Armeniens die Ergebnisse der Parlamentswahlen im Juni, bei denen die Regierungspartei „Ziviler Vertrag“ das Mandat zur Regierungsbildung errang, festgestellt, wurde das Land von einer Kampagne gewaltsamen Drucks gegen Regierungsgegner erfasst. Dutzende führende Politiker und Hunderte Aktivisten führender politischer Kräfte, von Gagik Tsarukjan bis Samvel Karapetjan, gerieten ins Visier. Das offensichtliche Ziel dieser massiven Welle von Verhaftungen und Durchsuchungen ist die vollständige Zerschlagung der Opposition vor den wichtigen Kommunalwahlen im Oktober 2026 und die vollständige Monopolisierung der Macht im Land.

Wer betroffen ist

Laut offiziellen Angaben wurden per Ende Juli 2026 287 Oppositionelle strafrechtlich verfolgt. Von denen wurden 263 festgenommen, 121 in Untersuchungshaft genommen oder unter Hausarrest gestellt, die übrigen wurden anderen restriktiven Maßnahmen unterworfen.

Das wichtigste Paradoxon der Situation besteht darin, dass diese groß angelegte Säuberung keine Massenproteste ausgelöst hat. Dabei versucht die Regierung nicht einmal, die Motive ihres Vorgehens zu verschleiern.Ministerpräsident Nikol Paschinjan hat offen einen Kurs der Enteignung und Zerstörung der wirtschaftlichen Basis seiner Gegner verkündet. Er erklärte offen, die Oppositionsführer müssten „hungern“, mit anderen Worten, ihnen müsse die finanzielle Unterstützung vollständig entzogen werden, um so ihren Einfluss auf Wahlen zu eliminieren.

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Deutschland und die israelische Regierung: Nicht reden, sondern handeln!

Von Jürgen Hübschen – 20. August 2026

Itamar Ben Gvir
שי קנדלר, CC0, via Wikimedia Commons

„Empörung über israelischen Minister“: So lautet die Schlagzeile in der SZ vom 19. August 2026. Was ist passiert und ist die Reaktion der Bundesregierung ausreichend?

Der israelische Minister für Nationale Sicherheit und Chef der an der Regierung beteiligten Partei Otzma Jehudit (Jüdische Stärke), Itamar Ben-Gvir hatte am Wochenende gefordert, Palästinenser im Gazastreifen gezielt zu töten. In einem Podcast mit der ehemaligen Gaza-Geisel, Rom Braslavski, hatte Ben-Gvir u.a. wörtlich gesagt: „Ich denke, in Gaza sollten gezielte Tötungen ausgeführt werden-jede Nacht sollten 30 bis 40 Menschen getötet werden. Nicht nur diejenigen, die eine unmittelbare Bedrohung darstellen“ ‒ und der Minister weiter, in Gaza gebe es „Menschen, die es nicht verdienen zu leben. Sie sollten nicht leben. Sie sind nicht einmal Menschen.“ Ben-Gvir verlangte in dem Gespräch die Annexion des Gazastreifens und die erneute Errichtung von israelischen Siedlungen. Der Minister wörtlich: „Ich sehe den gesamten Gazastreifen als unser Gebiet an.“

Der Minister ist zuständig für die Polizei und den Justizvollzug und hatte sich in dem Podcast damit gebrüstet, dass er die Haftbedingungen für palästinensische Gefangene extrem verschärft habe. Ben-Gvir wörtlich: „Sie leiden sehr, es ist schrecklich für sie, und ich bin froh, dass es schlecht für sie ist.“

Ben-Gvir und seine Gesinnungsgenossen

Ben-Gvir ist mit seinen Aussagen und seiner Haltung kein Einzelfall. Bereits am 9. Oktober 2023 hatte der  damalige israelische Verteidigungsministers Yoav Gallant, zwei Tage nach dem Hamas-Massaker in einer Erklärung angeordnet:

„Wir verhängen eine vollständige Belagerung des Gazastreifens. Es wird keinen Strom und kein Essen, und kein Benzin geben, alles ist geschlossen. Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und wir handeln entsprechend.“

Im aktuellen Kabinett Netanjahus hatte Finanzminister Bezalel Smotrich z.B. am Wochenende die vollständige Eroberung des Gazastreifens und die Vertreibung der Palästinenser gefordert. Vor Religionsstudenten hatte der rechtsextreme Politiker erklärt, es gebe keine andere Lösung. Israel müsse dort eine Militärregierung errichten, jüdische Siedlungen bauen und die Auswanderung der palästinensischen Bevölkerung fördern.

Bezalel Smotrich ist der Vorsitzende der rechtsextremen, nationalreligiösen Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit (Nationalreligiöse Partei – Religiöser Zionismus).

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Was ist dran an den Meldungen, die Russen würden ihre Bankkonten plündern?

Von Thomas Röper – 20. Juli 2026

Westliche Medien melden, die Russen würden ihre Bankkonten plündern, weil sie befürchten, der Staat könne ihre Gelder einziehen, um den Krieg weiter zu finanzieren. Was ist dran an diesen Meldungen?

Als ich sah, dass westliche Medien berichten, in Russland würden die Menschen regelrecht die Banken stürmen, um ihre Konten zu plündern, weil sie befürchten würden, der Staat könnte die Gelder zur Finanzierung des Krieges einziehen, musste ich wegen dieser erneuten plumpen Propaganda laut lachen. Der Spiegel titelte beispielsweise „Angst vor Beschlagnahmung – Russen heben offenbar Milliarden von ihren Konten ab“.

Diese Meldungen waren nicht wahr, sie waren wieder einmal das Ergebnis der Tatsache, dass die heutigen westlichen “Experten” schlicht keine Ahnung von Russland haben. Das beginnt schon bei der schlichten Tatsache, dass der russische Staat trotz aller Behauptungen westlicher Medien, Russland stehe vor dem Bankrott und seine Wirtschaft werde bald zusammenbrechen, finanziell recht gut dasteht. Russland braucht keine Zwangsmaßnahmen, um den Krieg zu finanzieren. Die russische Staatsverschuldung liegt bei etwa 20 Prozent des BIP, während sie in Deutschland bei über 60 und bei den USA sogar bei 120 Prozent liegt. Hinzu kommt, dass Russland seinen Haushalt aus laufenden Steuereinnahmen und Reserven finanziert, während die Staaten des Westens bekanntlich Jahr für Jahr zwei- oder sogar dreistellige Milliardenbeträge an Schulden aufnehmen müssen.

Aber damit niemand behauptet, ich würde hier „russische Propaganda“ verbreiten, werde ich hier ausführlich aus einem Spiegel-Artikel zitieren, der – was selten genug ist – recht gut erklärt, was in Russland tatsächlich vor sich geht. In dem Artikel fragt der Autor, ob die Meldungen der westlichen Medien tatsächlich stimmen, und er beantwortet die Frage kurz und knapp:

„Die kurze Antwort lautet: Nein. Weder räumen die Russen panisch ihre Konten leer, noch geraten die Banken in Schieflage. Auch Russlands Fähigkeit, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren, ist kurz- bis mittelfristig wohl nicht gefährdet.“

Damit ist eigentlich alles gesagt, aber der Spiegel-Redakteur erklärt auch recht gut, woher die Meldungen kommen:

„Ausgangspunkt der Meldungen über den vermeintlichen Kontensturm sind laut »Washington Post« neue Daten der russischen Zentralbank. Die Zeitung schreibt, dass allein in den ersten zwei Augustwochen umgerechnet rund 3,4 Milliarden Dollar von russischen Banken abgezogen worden seien. Im Juli seien es ebenfalls 7,3 Milliarden Dollar gewesen, nach einem Minus von 4,5 Milliarden im Juni. Diese Summen klingen zunächst einmal imposant. Allerdings liegt die Gesamtsumme der Bankeinlagen russischer Privatkunden bei umgerechnet mehr als 800 Milliarden Dollar. Und obwohl die Nettoabhebungen der Bürger seit Monaten hoch liegen, war die Summe der Bankeinlagen auch im Juni noch gewachsen. Anders gesagt: Die Russen heben zwar deutlich mehr Geld von ihren Konten ab als etwa noch im Jahr 2025. Von einer Plünderung der Ersparnisse kann aber keine Rede sein.“

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Das von Washington genehmigte türkisch-ukrainische Waffenabkommen hätte für Moskau keine Überraschung sein dürfen

Von Andrew Korybko – 19. August 2026

Auch wenn die Türkei aus pragmatischen Gründen ihre Wirtschafts- und Energiebeziehungen zu Russland aufrechterhält, ist sie dennoch einer der ältesten Rivalen Russlands – was sowohl russische Diplomaten als auch Experten stets im Hinterkopf behalten sollten.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, zeigte sich kürzlich überrascht darüber, dass die Türkei eine Reihe von in den USA hergestellten Waffen an die Ukraine weiterverkauft. Dazu gehören „12 Mehrfachraketenwerfer und mehr als 2.500 ungelenkte Streumunition für diese, sowie 47.000 203-mm-Streugranaten und 70 ATACMS-Kurzstreckenraketen“. Diese Vereinbarung überraschte sie, da die USA und die Türkei, wie sie es formulierte, „bestrebt waren, eine besondere Rolle bei der Beilegung der Ukraine-Krise zu spielen“.

Sacharowa warnte daraufhin: „Versuche, friedensstiftende Rhetorik auszunutzen und gleichzeitig die ukrainischen Nazis mit Waffen zu beliefern, untergraben unweigerlich das gegenseitige Vertrauen, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die türkischen Behörden mehrfach versichert hatten, auf die Lieferung tödlicher Waffen an Kiew zu verzichten.“ Zwar ist unklar, ob dies Konsequenzen für die russisch-türkischen Beziehungen haben wird, doch hätte all dies für sie keine Überraschung sein dürfen, insbesondere nicht die Rolle der Türkei bei diesem neuen Waffengeschäft.

Wie dem Russland-Experten Farhad Ibragimov kürzlich in Erinnerung gerufen wurde, nachdem er die Herausforderung heruntergespielt hatte, die die Türkei für sein Land darstellt: „Die Türkei stellt Russland geostrategisch unabhängig von der NATO heraus“, insbesondere heutzutage entlang der gesamten südlichen Peripherie Russlands im Südkaukasus, am Kaspischen Meer und in Zentralasien. Die im August 2025 vorgestellte „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) dient nicht nur diesem behaupteten, sondern mindestens ebenso dem unausgesprochenen zusätzlichen Zweck eines militärlogistischen Korridors der NATO von der Türkei tief ins eurasische Kernland.

Angesichts der großstrategischen Konsequenzen von TRIPP, die darauf hinauslaufen, die Südflanke des „Cordon sanitaire“ um Russland herum zu straffen und möglicherweise sogar eine weitere Sonderoperation in der Zukunft auszulösen, hätte Russland als selbstverständlich annehmen müssen, dass die Türkei die Ukraine weiterhin bewaffnen würde. Bedauerlicherweise haben russische Experten wie Farhad Ibragimov, der Präsident des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten Dmitri Trenin, und der Programmdirektor des Valdai-Clubs Timofei Bordachev die von der Türkei ausgehende Bedrohung allesamt heruntergespielt.

Dies könnte dazu beigetragen haben, die politischen Entscheidungsträger in ein falsches Sicherheitsgefühl zu wiegen, was teilweise erklärt, weshalb Sacharowa von der Rolle der Türkei bei diesem neuen Waffengeschäft so überrascht war – was an sich schon sehr überraschend ist und darauf hindeutet, dass das russische Außenministerium die von TRIPP ausgehende Bedrohung nicht vollständig erkennt und versteht. Schließlich haben sowohl der Leiter der Dritten GUS-Abteilung, Michail Kalugin, als auch der stellvertretende Außenminister Michail Galuzin dieses Projekt in den letzten Monaten heruntergespielt, was mit den Einschätzungen der oben genannten Experten übereinstimmt.

Ein stärkeres Bewusstsein für die Bedrohung, die die Türkei für Russland darstellt, insbesondere durch TRIPP, bedeutet nicht, dass Russland präventive militärische Maßnahmen jeglicher Art ergreifen sollte. Vielmehr würde dies lediglich die Formulierung und Umsetzung der Politik optimieren, über deren Einzelheiten nur spekuliert werden kann. Am wichtigsten ist jedoch, dass die genannten Prozesse nicht länger durch anhaltendes Wunschdenken in Bezug auf die Türkei beeinträchtigt werden, wie es derzeit offenbar der Fall ist und was in der Folge das Risiko beinhaltet, suboptimale politische Maßnahmen zu formulieren.

Im besten Fall dient Sacharowas Überraschung über die Rolle der Türkei bei diesem neuen Waffengeschäft als längst überfälliger Weckruf für die Institution, die sie vertritt. Es ist keine Kleinigkeit, dass die Türkei fast ein halbes Jahrzehnt nach Beginn der groß angelegten militärischen Phase dieses Konflikts so viele in den USA hergestellte Waffen an die Ukraine weiterverkauft. Auch wenn die Türkei pragmatisch ihre Wirtschafts- und Energiebeziehungen zu Russland aufrechterhält, ist sie dennoch einer der ältesten Rivalen Russlands [und NATO-Mitglied; die Red.] – was russische Diplomaten und Experten gleichermaßen stets im Hinterkopf behalten sollten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die „islamische NATO“ könnte tatsächlich eine Herausforderung für Russland darstellen

Von Andrew Korybko – 19. August 2026

NATO versus Russland

RT hat einen aktuellen Artikel des Programmdirektors des Valdai-Clubs, Timofei Bordachev, mit dem Titel „Warum das Mekka-Bündnis zu Russlands Gunsten wirken könnte“ übersetzt und erneut veröffentlicht. Bordachev argumentiert, dass die islamische NATO „die amerikanische Strategie erschwert, die regionale Unabhängigkeit fördert und Washingtons Fähigkeit, im gesamten Nahen Osten eine einheitliche politische Ordnung durchzusetzen, weiter einschränkt“. Er hält den Block zudem für von Natur aus schwach, da es darin weder eine Hegemonialmacht noch einen gemeinsamen Feind gebe.

Was Bordachev dabei übersieht, ist, dass die islamische NATO mit den USA verbunden ist, da die Türkei ein NATO-Verbündeter ist, während Pakistan und Saudi-Arabien „wichtige Nicht-NATO-Verbündete“ sind. Zu seiner Ehrenrettung muss man anmerken, dass er feststellt: „Keines dieser Länder verfügt weder über die Stärke noch über die Entschlossenheit, die US-Hegemonie im Nahen Osten zu beenden“, doch das auffällige Fehlen der oben genannten Fakten spielt die Rolle dieses Blocks herunter. Dieser ermöglicht es den USA, in Westasien „von hinten zu führen“, während sie sich „(zurück) nach (Ost-)Asien ausrichten“, um China robuster in Schach zu halten.

Bordachev räumt auch ein, dass „jedes Mitglied der neuen Gruppierung Moskau unabhängig voneinander Schwierigkeiten bereiten könnte, sei es im Südkaukasus, in Zentralasien oder in der gesamten muslimischen Welt, aber es besteht kaum eine Chance, dass sie einen anhaltenden Angriff auf russische Interessen koordinieren werden.“ Bordachev hat zwar Recht, dass jedes dieser drei Länder Russland an seiner Südfront herausfordern könnte, doch er spielt diese Bedrohungen erneut herunter – wofür er bereits Anfang dieses Jahres hier, hier und hier konstruktiv kritisiert wurde.

Kurz gesagt dient die „Trump-Route für internationalen Frieden und Wohlstand“ (TRIPP) dem unausgesprochenen doppelten Zweck eines militärischen Logistikkorridors der NATO entlang der südlichen Front Russlands, wo die Türkei Russland durch ihre zunehmend militarisierte „Organisation der Turkischen Staaten“ (OTS) herausfordert. Was den Monat Mai betrifft: „Die russische Triade ist sich nun einig hinsichtlich der von Süden ausgehenden Bedrohungen durch die NATO“, nachdem entsprechende Einschätzungen seitens der Präsidialverwaltung, des Verteidigungsministeriums und des Außenministeriums vorgelegt wurden.

Der Präsident des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten, Dmitri Trenin, und der russische Experte Farhad Ibragimov spielten die von der Türkei ausgehende Herausforderung danach jedoch weiterhin herunter, worauf in den zuvor verlinkten Analysen eingegangen wurde. In diesem Zusammenhang „deutete Russland seine latente Bedrohungswahrnehmung gegenüber Pakistan an“, und zwar etwa zur gleichen Zeit, als die russische Triade ihre Bedrohungsanalyse zur Türkei veröffentlichte, insbesondere hinsichtlich deren Rolle in Afghanistan und der Frage, wie Ankara die Rückkehr des US-Militärs in die gesamte Region erleichtern könnte.

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte implizit Mitte Juli den Verdacht, dass Pakistan den Zustrom von Waffen und Terroristen über seine Grenze hinweg nach Afghanistan zulässt. Wie dem auch sei, Russland beäugt nur die Türkei und Pakistan mit Argwohn, nicht Saudi-Arabien. Dennoch könnten die Saudis hypothetisch die beiden Herausforderungen finanzieren, die die Türkei und Pakistan für die Interessen Russlands an seiner südlichen Peripherie darstellen, und alle drei könnten dies über die „islamische NATO“ enger koordinieren.

Um auf Bordachev zurückzukommen: Er kam zu dem Schluss, dass „Russland nicht darauf angewiesen ist, dass die Mitglieder dieser neuen Gruppierung zu Freunden oder Verbündeten werden; es braucht sie lediglich dazu, die Aufmerksamkeit und die Ressourcen seiner Gegner zu binden, während Moskau sich weiterhin auf die Ukraine konzentriert.“

Die islamische NATO bindet jedoch nicht die Aufmerksamkeit und die Ressourcen von Russlands Hauptgegner, den USA, da ihre Mitglieder buchstäblich dessen Verbündete sind. Ihr Militärbündnis ist daher darauf ausgerichtet, die Interessen der USA gegenüber Russland voranzutreiben, nicht sie zu behindern, doch Bordachev ist sich dessen ganz offensichtlich nicht bewusst.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Im Rausch der Kriegspropaganda

Von Michael Silnizki – 19. August 2026

Außenminister Lawrow beim Interview. Bild: mid.ru

Lawrows missdeutetes Interview.

 „Wadephul weist Lawrows Drohung als ‚absurde Propaganda‘ zurück.“ Süddeutsche Zeitung, 18. August 2026

1. Lawrow und seine Gegnerinnen

    In einem Interview mit Vesti sprach der russische Außenminister, Sergej Lawrow, am 14. August 2026 u. a. über die Beziehungen zu Tokio, den Druck der EU auf Vučić, die Beteiligung der USA am Verhandlungsprozess und erklärte sich zu einem Dialog mit dem Westen auf prinzipientreuer Basis bereit.

Im Verlauf des Interviews kam es dann zu einer Äußerung, die in Deutschland viel Empörung und Aufregung auslöste. Erst wenn man die in Rede stehende Passage des Interviews genau liest, wird klar, wie deplatziert und theatral die ganze Empörung ist.

Es ging in dem uns interessierenden Teil des Interviews um die russischen Vergeltungsmaßnahmen als Reaktion gegen die Angriffe des Kiewer Regimes auf die russische zivile Infrastruktur und Zivilbevölkerung, die in Deutschland und Europa totgeschwiegen werden:

   Frage: „Wie können wir gegen solch skrupellose Gegner gewinnen? Schließlich vertreten wir völlig unterschiedliche Werte. … Unsere Werte sind völlig anders und stehen in krassem Gegensatz zu diesen terroristischen Aktionen.“

   Lawrow: „Die Vertreter des Regimes prahlen sogar nach jedem dieser Terroranschläge stolz in den sozialen Medien damit, wie >großartig< sie bei dem Angriff auf einen Strand, ein Wohnheim, in dem Mädchen für den Lehrerberuf ausgebildet wurden, und andere rein zivile Ziele gewesen seien.“

Frage: „Wie können wir solche Gegner bekämpfen? Wir werden uns doch nicht auf ihre Methoden herablassen?“

   Lawrow: „Wir werden uns nicht auf dieses Niveau herablassen, aber wir werden unsere eigenen Methoden deutlich härter anwenden, um alles zu zerstören, was Kiews Kriegsmaschinerie aus dem Westen speist. Und wir tun dies bereits. Sie fangen schon an zu stöhnen“ (Мы не опустимся, но свои собственные методы сделаем гораздо более жёсткими для разрушения всего, что подпитывает военную машину Киева со стороны Запада. И мы это уже делаем. Они уже начинают стонать).

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„Wir müssen uns überlegen: Wie vergelten wir?“

Von Sevim Dagdelen – 19. August 2026

Peter R. Neumann
GrunpfnulCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Während der Westen das Völkerrecht mit Füßen tritt, fordert ein NATO-Knappe offen Vergeltung und verdeckte Operationen gegen Russland – und treibt damit die Eskalation voran.

Prof. Peter R. Neumann ist ein gerne gesehener Gast am NATO Defense College und regelmäßig an Konferenzen, Vorträgen und Seminaren mit Institutionen wie der NATO Defense College Foundation beteiligt. 

Neumann arbeitet seit Jahren auf eine Eskalation des NATO-Stellvertreterkrieges gegen Russland hin. Beachtenswert ist seine jüngste Einlassung im ZDF, sogenannte Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland als Reaktion etwa auf den Drohnenfund am Leipziger Flughafen in Deutschland verüben zu wollen. „Wir müssen uns überlegen: Wie vergelten wir?“, so Neumann, der sich in diesem Zusammenhang auch für „verdeckte Operationen“ gegen Russland aussprach. Die Argumentationsfigur, eigene Angriffe als Vergeltung darstellen zu wollen, weckt Assoziationen an deutsche Legitimationsfiguren zum Beginn des Zweiten Weltkriegs und des Überfalls auf die Sowjetunion, sicherlich unfreiwillig. 

Unbestreitbar dürfte sein, dass Neumann mit seinem Ruf nach Vergeltung etwaigen „false flag“-Operationen argumentativ Tür und Tor öffnet.

Neumann, von den Mainstreammedien als „renommierter Experte“ gehandelt, ist mit seinem Ruf nach einer weiteren Zuspitzung gegenüber Russland nichts weiter als ein NATO-Sprecher, der darauf drängt, endlich einen offenen Krieg mit Russland zu riskieren, wenn nicht gar heraufzubeschwören.

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Wachsende Unterstützung für den ukrainischen politischen Gefangenen Bogdan Syrotjuk – „New York Times“ hüllt sich schuldbewusst in Schweigen

Von Andre Damon – 19. August 2026

Bogdan Syrotjuk mit einem Bild von Leo Trotzki in einer alten sowjetischen Ausgabe von John Reeds 10 Tage, die die Welt erschütterten, April 2023

Am Montag, dem 10. August, verurteilte ein Gericht im ukrainischen Perwomajsk den ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk unter Kriegsrecht wegen Hochverrats. Das Gericht verhängte gegen ihn eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren, weil er zur Einheit der russischen und ukrainischen Arbeiter gegen den Krieg aufgerufen hatte.

Die Reaktionen auf das Urteil sind bedeutsam und umfassend. Mehr alisr El Amria textile workersms 600 Menschen in mehr als 40 Ländern, darunter auch in der Ukraine und in Russland, haben seit der Urteilsverkündung Protestbriefe verfasst, und die Petition für Bogdans Freilassung zählt mittlerweile mehr als 6.000 Unterzeichner. Historiker, Ärzte, Lehrer und Rentner haben an das Gericht geschrieben und die Aufhebung des Urteils gefordert.

Diese Reaktion steht in scharfem Kontrast zum Schweigen der großen Medien in den Vereinigten Staaten und insbesondere der New York Times. Die Times hat nie über Bogdans Fall berichtet, weder über seine Festnahme und Inhaftierung am 25. April 2024 noch über seine Verurteilung am 10. August.

Die Times kann sich nicht auf Unwissenheit berufen. Am Dienstag, dem 11. August, schrieb David North, Chefredakteur der World Socialist Web Site (WSWS), an Philip Pan, den internationalen Redakteur der Times, und forderte die Zeitung auf, über den Fall zu berichten. North wies darauf hin, dass die Times am Tag der Urteilsverkündung im Fall Bogdan einen Bericht mit der Überschrift „Russisches Gericht verbietet der einzigen Antikriegspartei des Landes die Kandidatur für das Parlament“ veröffentlicht hatte. In dem Bericht wird die siebenjährige Haftstrafe erwähnt, zu welcher der stellvertretende Vorsitzende der Partei „Jabloko“, Maxim Kruglow, wegen eines Social-Media-Beitrags aus dem Jahr 2022 verurteilt worden war. Die Zeitung hatte gleichzeitig nichts über einen Ukrainer berichtet, der zu einer mehr als doppelt so langen Haftstrafe verurteilt worden war.

„Wenn die Unterdrückung politischer Antikriegsaktivitäten in Russland eine ausführliche Berichterstattung rechtfertigt – und das tut sie zweifellos –, dann verdient die Verurteilung eines ukrainischen Sozialisten zu 15 Jahren Haft wegen Aktivitäten, zu denen auch die Veröffentlichung von Antikriegsartikeln gehört, eine nicht minder ernsthafte Auseinandersetzung“, schrieb North.

Die Times antwortete nicht. Eine Woche nach der Urteilsverkündung gegen Bogdan veröffentlichte sie einen Artikel auf der Titelseite mit der Überschrift „Von Russland festgehalten: Ukrainer verspürt ‚erdrückende‘ Angst“, zusammen mit einer neunminütigen Audiofassung. Darin wird über Artem Murdid berichtet, einen ukrainischen Bankangestellten, der im März 2023 im besetzten Melitopol festgenommen und von einem russischen Gericht wegen Terrorismus zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Vier Journalisten arbeiteten in Kiew, Berlin und Moskau an dieser Geschichte. Die Times hat Reporter in der Ukraine, in Kiew, eine Tagesfahrt von der Region Nikolajew entfernt, wo Bogdan vor Gericht gestellt und inhaftiert wurde.

Die Times druckte Murdids Schilderung der Folter ab, räumte dabei jedoch mit eigenen Worten ein, dass es „unmöglich ist, dies zu überprüfen“, und rechtfertigte die Veröffentlichung damit, dass sie „mit Dutzenden Berichten übereinstimmt“. Bogdans Fall bedürfte keiner solchen Selbsterklärung: Das Urteil ist ein öffentliches Dokument, die Gutachten liegen in schriftlicher Form vor, die als Landesverrat angeführten WSWS-Artikel sind veröffentlicht und für jedermann einsehbar. Für Bogdan Syrotjuk hat die Times keine einzige Zeile übrig.

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Die Fälle Martens/Doğru zeigen die ganze Heuchelei des Deutschen Journalistenverbands

Von Tobias Riegel – 19. August 2026

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) spielt sich aktuell zum Beschützer des durch russische Behörden bedrohten FAZ-Journalisten Michael Martens auf – der hatte gefragt, wie man helfen könne, „mehr russische Soldaten“ zu töten. Gleichzeitig schweigt der Verband seit Monaten zu den EU-Sanktionen gegen den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru. Mehr Doppelmoral als beim DJV ist kaum auszudenken.

Die russische Nachrichtenagentur Tass hat laut Medien berichtet, dass russische Behörden Ermittlungen wegen „Anstiftung zu Hass oder Feindschaft“ gegen den FAZ-Journalisten Michael Martens aufgenommen hätten. Martens hatte kürzlich bei einer Pressekonferenz in Serbien öffentlich gefragt, wie Europäer helfen könnten, „mehr Russen zu töten? Mehr russische Soldaten, natürlich“. Im Falle einer Verurteilung in Russland drohen Martens laut dem Bericht bis zu sechs Jahre Haft. Derzeit werde geprüft, ob ein internationaler Haftbefehl ausgestellt und „vorsorglich“ ein Urteil in Abwesenheit gesprochen werde, berichtete Tass weiter.

Darauf hat der Bundesvorsitzende des Deutsche Journalistenverbands (DJV), Mika Beuster, laut Mitteilung des DJV folgendermaßen reagiert:

Welche Fragen Journalisten bei einer Pressekonferenz stellen, geht die Justiz nichts an – auch nicht die russische.“

Es sei „bezeichnend für das autokratische System von Wladimir Putin, dass die Distanzierung der FAZ von der Frage offenbar nicht zur Kenntnis genommen“ werde. Auf diese missglückte „Distanzierung“ der FAZ ist Markus Klöckner in diesem Artikel eingegangen. Beuster sagte außerdem:

Es darf keinen Schauprozess in Moskau gegen einen deutschen Journalisten geben.“

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Die „Deutsche Welle“ irrt: Eritrea ist keine „aufstrebende Macht“!

Von Andrew Korybko – 18. August 2026

Die bittere Armut des Landes, die Abwanderung eines Fünftels seiner Bevölkerung und das Fehlen jeglicher moderner Luft-, Drohnen-, Raketen- und Seestreitkräfte belegen dies.

Die öffentlich finanzierte Deutsche Welle (DW) veröffentlichte Mitte August einen Artikel mit der Überschrift „Eritrea, eine aufstrebende Macht an einer globalen Schifffahrtsader“. Sie stützt sich dabei hauptsächlich auf die Meinung von Abdurahman Sayed, Direktor des Horn of Africa Centre for Regional Integration in London, um zu ihrer Schlussfolgerung zu gelangen, die fast ausschließlich auf der geostrategischen Lage des Landes am Roten Meer gegenüber dem Jemen beruht. Das Problem ist jedoch, dass dies kategorisch falsch ist, da gerade Eritrea keine „aufstrebende Macht“ ist.

Das Land ist unglaublich arm, es ist bekanntermaßen schwierig, dort Geschäfte zu machen, es ist diplomatisch weitgehend isoliert und verfügt praktisch nicht einmal über eine Luftwaffe oder Marine, mit der es Macht über das Rote Meer hinweg ausüben könnte. Eritreas einzige Bedeutung für die breitere internationale Gemeinschaft liegt darin, dass es eine Quelle für Migranten ist (die DW merkt an, dass etwa ein Fünftel der Bevölkerung aufgrund von Armut und Menschenrechtsverletzungen durch den Einparteienstaat geflohen ist) und eine Plattform für andere darstellt, um mit ihren eigenen Streitkräften regionalen Einfluss auszuüben.

Das Land könnte hypothetisch als Tor zum Binnenstaat Äthiopien dienen, dem zweitbevölkerungsreichsten Land Afrikas mit einer der weltweit höchsten BIP-Wachstumsraten von 9,2 Prozent, doch sein seit über drei Jahrzehnten regierender Machthaber weigert sich, einen pragmatischen Kompromiss einzugehen, um diese Chance zu nutzen. Tatsächlich „droht Eritreas hybrider Krieg gegen Äthiopien, das gesamte Horn von Afrika in Brand zu setzen“ – zum Vorteil Ägyptens, das Eritreas traditionelle Schutzmacht und zugleich Äthiopiens traditioneller Rivale ist.

Leser können die oben verlinkte Analyse zur Vertiefung ihrer Kenntnisse über die regionale Geopolitik nachlesen, doch es reicht im Grunde aus aus zu wissen, dass Eritrea trotz der Rhetorik seiner Vertreter eher als Objekt regionaler Angelegenheiten denn als Subjekt fungiert, was darauf zurückzuführen ist, dass es de facto ein Protektorat Ägyptens ist. Zwar kontrolliert Ägypten nicht die tägliche Politikgestaltung Eritreas, doch nutzt es Eritrea ganz eindeutig als Stellvertreter im Kampf gegen Äthiopien. Eritreas untergeordneter Status gegenüber Ägypten schließt jede Möglichkeit aus, dass es jemals zu einer „aufstrebenden Macht“ werden könnte.

Eritrea ist daher ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die geostrategische Lage eines Landes nicht automatisch zu regionalem Einfluss in der von der DW beschriebenen Art führt. Eritrea kann die maritime Sicherheit nicht aus eigener Kraft beeinflussen, geschweige denn Luft- oder Raketenangriffe gegen die Houthis durchführen; alles, was es tun kann, ist, Äthiopien durch seinen Einfluss (und in einigen Fällen durch seine Kontrolle) über bewaffnete staatsfeindliche Gruppen zu untergraben. Das absolut Maximum, was es in den beiden zuvor genannten Fällen tun kann, ist, zu diesem Zweck ausländische Streitkräfte zu beherbergen.

Gelegenheitsbeobachter wissen es vielleicht nicht oder haben es vergessen, aber Eritrea beherbergte etwas mehr als ein halbes Jahrzehnt lang emiratische Streitkräfte im Rahmen der Anti-Houthi-Bemühungen Abu Dhabis, bevor diese sich 2021 zurückzogen; es gibt also einen Präzedenzfall dafür, dass es in Zukunft Streitkräfte anderer Länder zum gleichen Zweck beherbergen könnte. Das bedeutet jedoch nicht, dass Eritrea zu einer „aufstrebenden Macht“ wird, genauso wenig wie die Tatsache, dass das benachbarte Dschibuti Streitkräfte von fast einem halben Dutzend Ländern – darunter amerikanische und chinesische – beherbergt, es zu einer „aufstrebenden Macht“ macht.

DW hat seine Überschrift wahrscheinlich als Clickbait gewählt, da es schwer zu glauben ist, dass die Redakteure wirklich der Meinung sind, Eritrea sei eine „aufstrebende Macht“. Das ist es nicht, und davon ist es sogar weit entfernt. Die bittere Armut, die Abwanderung eines Fünftels der Bevölkerung und das Fehlen jeglicher moderner Luft-, Drohnen-, Raketen- und Seestreitkräfte belegen dies. Eritrea verfügt gerade aufgrund seiner geostrategischen Lage über vielversprechendes Potenzial, doch solange Isaias Afwerki an der Macht bleibt, ist nicht mit einer Verbesserung zu rechnen, und Eritreas sozioökonomische Lage wird sich wahrscheinlich sogar weiter verschlechtern.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.