Globale Gleichheit legt bis zum 15. September 2025 eine Sommerpause ein. In dieser Zeit stellen wir auf dieser Seite nur ein reduziertes Angebot an neuen Nachrichten, Analysen und Hintergrundinformationen zur deutschen und internationalen Politik zur Verfügung.
Nun stellt sich die nächste Frage: Warum verändert sich das Klima?
In der öffentlichen Debatte entsteht meist der Eindruck, als gäbe es auf diese Frage eine einfache Antwort. Für viele ist sie inzwischen auf ein einziges Molekül reduziert: Kohlendioxid.
Das Klimasystem der Erde ist kein einfaches Ursache-Wirkungs-System. Es ist ein hochkomplexes Netzwerk natürlicher Prozesse. Es wird von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, die sich gegenseitig verstärken, abschwächen oder überlagern können. Die nachfolgenden Abschnitte stellen die wichtigsten natürlichen Einflussgrößen vor. Sie machen deutlich, wie komplex das Klimasystem tatsächlich ist und weshalb einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ihm nur selten gerecht werden. Auffallend ist, wie stark sich die öffentliche und politische Klimadebatte auf einen einzigen Faktor konzentriert: Kohlendioxid. Das bedeutet nicht, dass CO₂ keine klimatische Wirkung besitzt. Die Frage ist vielmehr, wie groß sein Einfluss im Zusammenspiel mit all den anderen Faktoren tatsächlich ist und welche politischen Schlussfolgerungen daraus gerechtfertigt sind. Dass mit der Beantwortung dieser Fragen inzwischen gewaltige wirtschaftliche und politische Interessen verbunden sind, sollte dabei ebenfalls nicht ausgeblendet werden. Darauf werde ich später noch zurückkommen.
Die Sonne – der Motor unseres Klimas
Ohne die Sonne gäbe es auf der Erde kein Leben. Sie liefert nahezu die gesamte Energie, die unser Klimasystem antreibt. Jeder Wind, jede Meeresströmung, jede Verdunstung und jeder Wasserkreislauf sind letztlich Folgen der Sonnenenergie.
An der Grenze zum Weltraum – noch bevor die Sonnenstrahlen in die Erdatmosphäre eintreten – treffen im Mittel rund 1.361 Watt Sonnenleistung auf jeden Quadratmeter, der der Sonne direkt zugewandt ist. Erst beim Durchgang durch die Atmosphäre wird ein Teil dieser Energie von Wolken, Wasserdampf und anderen Bestandteilen der Luft reflektiert oder absorbiert, sodass die Erdoberfläche deutlich weniger Sonnenenergie erreicht. 1.361 Watt entsprechen ungefähr der Leistung eines kräftigen Heizlüfters oder gut 13 einhundert Watt-Glühbirnen – und zwar auf jedem einzelnen Quadratmeter. Ein Teil dieser Energie wird von Wolken, Eisflächen und hellen Oberflächen wieder ins Weltall reflektiert. Der übrige Teil erwärmt Land und Meere, lässt Wasser verdunsten, treibt Winde an und setzt den gesamten Wasserkreislauf in Gang. Nahezu jedes Wetterereignis auf der Erde geht letztlich auf diese Energiequelle zurück.
Russlands übergeordnete Strategie scheint darin zu bestehen, möglichst viele Länder dazu zu bewegen, sich an Energie-, Transport- und Logistikprojekten in der Arktis zu beteiligen, um ihnen Anreize zu bieten, sich den Bemühungen der NATO zur Eindämmung Russlands in dieser Region entgegenzustellen – wenn auch nur auf politischer Ebene, im Idealfall jedoch unter Missachtung der Sanktionen.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow veröffentlichte im Vorfeld des jährlichen Östlichen Wirtschaftsforums, das diese Woche in Wladiwostok stattfindet, einen Beitrag zum Thema „Internationale Zusammenarbeit in der Arktis: Herausforderungen und Chancen“ [zur deutschen Übersetzung hier]. Der Zeitpunkt lässt vermuten, dass er davon ausgeht, dass auf der Veranstaltung entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Wie dem auch sei, erklärte er, dass eine neue Entwicklungsphase in der russischen Arktis gerade begonnen habe, nachdem erstmals ein chinesisches Containerschiff über die Nordostpassage (NSR) nach Murmansk gesegelt sei.
Russland sei bereit, dort mit „allen konstruktiv eingestellten ausländischen Staaten“ zusammenzuarbeiten, „vor allem mit China und Indien“. Beide Länder könnten die NSR für den Handel mit der EU nutzen, während Lawrow prognostizierte, dass „die Arktis in den nächsten 20 Jahren zu einem wichtigen Bereich der Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien werden könnte“. Alle BRICS-Länder sind ebenso zur Teilnahme an dieser Entwicklung eingeladen wie Weißrussland und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Er fügte hinzu, dass auch Südkorea und Singapur daran interessiert seien.
So vielversprechend das „enorme Potenzial des hohen Nordens in den Bereichen Ressourcen, Transport und Logistik“ auch sei, stelle doch die Militarisierung dieser Region durch die NATO eine Herausforderung dar, da die Gefahr bestehe, durch Fehleinschätzungen einen Konflikt auszulösen. In diesem Zusammenhang verurteilte Lawrow die Anfang dieses Jahres gestartete „Arctic Sentry“-Mission sowie die „groß angelegten Militärübungen unter Einbeziehung nicht zur Region gehörender Länder und die Einführung neuer Komponenten ihres Führungs- und Kontrollsystems“ in der Region. Er erwähnte es zwar nicht, aber Finnland spielt dabei eine Schlüsselrolle.
Ein weiteres Problem seien die Sanktionen, sagte Lawrow – möglicherweise in Anspielung auf die Entscheidung eines chinesischen Unternehmens, sich im Sommer 2024 aus Russlands „Arctic LNG 2“-Megaprojekt zurückzuziehen. Er bedauerte zudem, dass der Arktische Rat, der am 19. September sein 30-jähriges Bestehen feiert, seine Arbeit seit Beginn der militärischen Sonderoperation praktisch eingefroren habe. Dennoch bekräftigte er zwar die Bereitschaft Russlands, die „Arbeit in vollem Umfang wieder aufzunehmen“, sofern man „in gutem Glauben handelt“, erklärte aber gleichzeitig, dass Russland über die Fähigkeiten verfüge, seine Pläne auch ohne dies umzusetzen.
Russlands übergeordnete Strategie scheint darin zu bestehen, möglichst viele Länder dazu zu bewegen, sich an den Energie-, Transport- und Logistikprojekten in der Arktis zu beteiligen, um ihnen Anreize zu bieten, sich den Bemühungen der NATO zur Eindämmung Russlands in dieser Region entgegenzustellen – wenn auch nur politisch, im Idealfall jedoch durch die Missachtung von Sanktionen. Lawrows Prognose, dass „die Arktis in den nächsten 20 Jahren zu einem wichtigen Bereich der Zusammenarbeit zwischen Russland und Indien werden könnte“, deutet darauf hin, dass er sich vorstellt, Indien könnte dort einen Gegenpol zum wirtschaftlichen Einfluss Chinas bilden.
Russlands Balanceakt zwischen China und Indien ist nicht perfekt, und manchmal neigt sich die Waage eher zur einen oder zur anderen Seite, doch die zugrundeliegende Logik ist stichhaltig: Indien hilft Russland dabei, eine potenziell unverhältnismäßige Abhängigkeit von China präventiv zu vermeiden. Indien unterhält zudem enge Beziehungen zu den USA und dem Westen insgesamt, sodass seine Diplomaten diese davon überzeugen könnten, Indien zumindest von den arktischen Aspekten ihrer antirussischen Sanktionen auszunehmen, damit Indien Russland dabei helfen kann, das vorgenannte Ziel voranzutreiben, das auch im indischen Interesse liegt.
Das beste Szenario für Russland wäre ein Durchbruch im Verhältnis zum Westen, um zumindest diese regionale Dimension der Sanktionen aufzuheben, was dazu führen würde, dass Wirtschaftsmächte wie Japan, Südkorea und Singapur Indiens oben genannte Rolle ergänzen – doch das wird zunehmend unwahrscheinlich. Daher wird das Ausmaß der Rolle Indiens in der Arktis darüber entscheiden, ob Russlands Arktisstrategie bipolar oder chinazentriert ausfällt; Russland sollte deshalb in Betracht ziehen, sich dort den westlichen Sanktionen zu widersetzen, falls es keine Ausnahmeregelung erwirken kann.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Impressionen vom Wahlkampf in dem ostdeutschen Bundesland.
Erster Teil. Ein zweiter Teil dieser Reportage erfolgt in Kürze.
Merseburg, an einem heißen Wochentag im August. In Sachsen-Anhalt tobt der Wahlkampf, was auch hier in der alten Dom- und Universitätsstadt – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Halle an der Saale – nicht zu übersehen ist. Wahlplakate versperren den Blick auf die Architektur der frühen DDR-Zeit, welche die Straße, rund um den Hauptbahnhof zu prägen scheint.
„Hier in der Region kann man überhaupt nicht in irgendeiner Blase leben“
In einem indischen Bistro, unweit des Bahnhofgebäudes, herrscht Hochbetrieb. Arbeiter im Blaumann gönnen sich ein Feierabend-Bier, scherzen mit dem Inhaber, der vor über 20 Jahren aus dem Punjab nach Merseburg kam. Herr Singh schaut ehrlich amüsiert, als ihm die Frage nach fremdenfeindlichen Erlebnissen gestellt wird. „Singh heißt auf Deutsch Löwe!“, antwortet er lächelnd. „Ich weiß mich also zu verteidigen. Aber um ehrlich zu sein, ich habe keine Probleme. Schauen Sie doch selbst. Der Inder serviert eine neue Runde Bier an seine Stammkunden, derbe Männer in Arbeitskleidung, die nicht unbedingt eine linksliberale Lebenswelt repräsentieren.
„So Männer, noch ne Runde von Eurem kulturfremden Invasoren“, ruft Singh, um damit eine AfD-Parole zu persiflieren.
Ronko, 28, ist in Merseburg aufgewachsen. Der Fliesenleger berichtet von der politischen Stimmung auf dem Bau, während er sich eine Zigarette dreht. „Die meisten wählen Blau, stimmt schon, auch die Migranten mit deutschem Pass. Die AfD ist zur Arbeiterpartei geworden, ohne es zu sein“, gibt er zu bedenken. Sein Kollege Udo, ein bulliger Endvierziger, der früher einmal ein richtiges „Nazischwein“ war, wie er unumwunden zugibt, ergänzt. „Ich hatte vor 15 Jahren einen schweren Arbeitsunfall. Die ausländischen Kollegen, Kurden, Türken, Bosnier, haste nicht gesehen, kamen zu mir ins Krankenhaus und haben mich anschließend zu Hause besucht, meiner Frau die Arbeit abgenommen. Von den Deutschen, keine Spur. Glaub mir, danach war ich kein Nazi mehr. Trotzdem wähl ich AfD, eben weil das keine Nazis sind. Was denn sonst. Da gibt es auch genug Arschlöcher, dieser Rumäne zum Beispiel, wie heißt der noch genau? Tillschneider, den kannste in der Pfeife rauchen, aber Sigmund muss jetzt mal ran, bevor uns die anderen in den Krieg treiben!“
Delcy Rodriguez im Gespräch mit dem Chef des US Southern Command, General Francis Donovan, 6. Juli 2026 [Photo: Presidencia de Venezuela]
Am 24. Juni forderte das stärkste Erdbeben in Venezuela seit 125 Jahren mehr als 6.500 Todesopfer; Zehntausende gelten weiterhin als vermisst. Zwei Monate später, da ein Großteil der Bevölkerung noch immer in Zelten auf der Straße lebt, kündigte Donald Trump an, dass die US-Regierung die Kontrolle über Venezuelas Öl übernehmen werde.
Am Freitagabend prahlte Trump in den sozialen Medien damit, dass Washington sich „die Mehrheitskontrolle der USA über mehr als 65 Milliarden Barrel nachgewiesener Ölreserven in Venezuela“ gesichert habe. Dies entspricht einem Fünftel der venezolanischen Reserven, den größten der Welt. Tatsächlich beansprucht Washington damit jedoch die Kontrolle über die gesamte Ölindustrie.
Das Wall Street Journal hat inzwischen berichtet, dass ein privates Unternehmen unter der Leitung des venezolanischen Geschäftsmanns Alejandro Betancourt auf Jahrhunderte hinaus die Rechte zur Erschließung von 17 Ölfeldern erhalten wird. Das „Office of Strategic Capital“ des Pentagons wird über „Penny Warrants“ – also praktisch kostenlose Beteiligungen – einen Anteil von 35 Prozent übernehmen und ein Vorzugsrecht auf den Kauf von 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis erhalten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten sich das Öl eines Landes aneignet, in das es vor acht Monaten militärisch eingefallen ist – nicht als bloßer Vermittler oder Finanzier, sondern als Eigentümer.
Dies ist der bislang deutlichste Beweis dafür, dass der sich anbahnende Dritte Weltkrieg ein Krieg um koloniale Eroberung und Neuaufteilung ist. Das Öl wird beschlagnahmt, um Washingtons Kriege gegen den Iran, Russland und China zu finanzieren.
Die Maßnahme ist zudem untrennbar mit dem Handelskrieg gegen Kanada, der Umbenennung des Golfs von Mexiko und des Ontariosees sowie Trumps Nationaler Sicherheitsstrategie verbunden, die die amerikanische Vorherrschaft über die gesamte Hemisphäre beansprucht. Der US-Imperialismus macht die amerikanischen Kontinente zur Rohstoffbasis und zum Aufmarschgebiet für einen globalen Krieg.
Zwei Dinge werden dabei deutlich. Das erste ist der kriminelle Charakter der herrschenden Klasse der USA, die ihren früheren [immer schon verlogenen; die GG-Red.] Anspruch als Wahrer des Völkerrechts, der Menschenrechte und der Demokratie [spätestens seit Trump 2.0 unverhohlen; die GG-Red.] aufgegeben hat. Das zweite ist die Käuflichkeit und Feigheit der lateinamerikanischen Bourgeoisie und ihrer kleinbürgerlichen Apologeten – allen voran der Chavista-Bewegung, die 20 Jahre lang von pablistischen, stalinistischen und akademischen Strömungen als neuer Weg zum Sozialismus gepriesen wurde. Diese Bewegung ist heute maßgeblich an der Übergabe des nationalen Reichtums Venezuelas an das Pentagon beteiligt.
Am frühen Sonntagmorgen, den 30. August, haben US-Streitkräfte erstmals seit einem Monat wieder iranisches Gebiet bombardiert und dabei zwei Raketenwerfer auf der iranischen Insel Larak in der Straße von Hormus getroffen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten am Sonntag, bei den Angriffen seien mehrere Soldaten und Zivilisten getötet oder verwundet worden, und der Sprecher der Revolutionsgarde Hossein Mohebi nannte die Angriffe einen „strategischen und fatalen Fehler“ und kündigte Vergeltungsschläge an.
Der Krieg gegen den Iran, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, dauert nun schon ein halbes Jahr. Unter seinen ersten Opfern war auch der Oberste Führer Ali Chamenei. Im März hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, der Krieg wäre in „vier bis fünf Wochen“ beendet.
Die iranische Regierung ist weiterhin an der Macht, und die Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert wurde, ist für die meisten Schiffe noch immer nicht befahrbar. Laut Zahlen des iranischen Gesundheitsministeriums vom 10. Juni wurden mindestens 3.468 Menschen getötet und mehr als 26.500 verwundet. Seither wurden keine neuen Daten veröffentlicht.
Die Trump-Regierung begann den Krieg, um die Kontrolle über diese Engstelle zu erobern und damit die Energieversorgung Chinas, das mehr als 80 Prozent des exportierten iranischen Öls kauft, abzudrosseln. Während der mehr als einmonatigen Pause, die der Angriff am Sonntag beendet hat, verschärfte die US-Regierung ihre Seeblockade der iranischen Häfen und weitete ihren Wirtschaftskrieg aus, der sich hauptsächlich gegen Peking richtet.
Der Krieg hat zu einem sprunghaften Anstieg der Lebensmittel- und Treibstoffpreise geführt. Er hat die Krise der Bezahlbarkeit verschärft, mit der Arbeiter in den USA und auf der ganzen Welt konfrontiert sind. Der Benzinpreis lag in den USA am Freitag mit 4,09 Dollar pro Gallone 88 Cent höher als vor einem Jahr. Die Verbraucherpreise stiegen in den zwölf Monaten bis Juli um 3,4 Prozent, am stärksten die Lebensmittel- und Energiepreise. In den USA lehnt die große Mehrheit der Bevölkerung den Krieg ab: Laut einer Umfrage von CBS, die am Sonntag in Face the Nation zitiert wurde, sind 61 Prozent gegen den Krieg.
Am Mittwoch postete Trump auf Truth Social ein KI-generiertes Bild, das ihn vor einem Hintergrund von Rauch und Kampfflugzeugen zeigt, daneben ein Bild des ermordeten Chamenei mit der Aufschrift „MISSION ACCOMPLISHED 2026“ und ein Foto von George W. Bush mit dem Titel „MISSION NOT ACCOMPLISHED 2001-2021.“
Frankreich versuchte, die bereits bestehende Rivalität zwischen dem nigerianischen Militär und der Präsidentengarde, die durch die jüngsten Terroranschläge noch verschärft worden war, im Rahmen eines Komplotts zur Wiedererlangung seines verlorenen Einflusses auszunutzen.
Gerade fand in Niger eine gescheiterte Meuterei statt, nachdem einige Angehörige des Militärs in der jüngsten Phase der Rivalität zwischen diesen beiden Institutionen ihre Waffen gegen die Präsidentengarde gerichtet hatten. Jüngste Terroranschläge auf den Flughafen der Hauptstadt durch die „Provinz Sahel des Islamischen Staates“ (ISSP) und die mit Al-Qaida verbündete „Jamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (JNIM), die im andauernden Krieg in Mali mit der dortigen „Azawad-Befreiungsfront“ (FLA) verbündet ist, haben die Spannungen offenbar verschärft. Doch möglicherweise steckt noch mehr dahinter.
Der russische Botschafter Viktor Voropayev spekulierte, dass „diese jungen Offiziere höchstwahrscheinlich von außen gesteuert werden“ – eine Anspielung auf die historische Rolle Frankreichs bei der Inszenierung regionaler Staatsstreiche. Zum Hintergrund: Der letzte Staatsstreich im Sommer 2023 führte zum Abzug der französischen Streitkräfte aus Niger, und französische Medien berichteten Anfang des Jahres, dass ihr Land eine geheime Rolle im Krieg in Mali spiele. Mali, Niger und ihr Nachbarland Burkina Faso bilden die Sahel-Allianz, die zugleich eine Konföderation ist.
In diesem Zusammenhang fiel die Meuterei mit der Eröffnung ihres allerersten Konföderationsparlaments in der nigerianischen Hauptstadt Niamey zusammen, und die Meuterer griffen laut Voropayev erfolglos das Hotel an, in dem die Delegierten und Mitarbeiter der russischen Botschaft untergebracht waren. Er sagte außerdem, dass das Militärkommando seines Gastlandes Russland für die Unterstützung dankte, die dessen Afrika-Korps bei der Wiederherstellung der Ordnung geleistet hatte, nachdem zuvor darum gebeten worden war, und dass anschließend Berichte kursierten, wonach der Einsatz ihrer Drohnen entscheidend gewesen sei.
Angesichts dieser Tatsachen scheint es wohl so zu sein, dass Frankreich versuchte, die bereits bestehende Rivalität zwischen dem Militär und der Präsidentengarde – die durch die jüngsten Terroranschläge noch verschärft wurde – als Teil eines Komplotts auszunutzen, um seinen verlorenen Einfluss in diesem uranreichen Land zurückzugewinnen, doch Russland vereitelte dieses Vorhaben. Zur Erinnerung: Das Afrika-Korps ist in allen drei Mitgliedsstaaten der Sahel-Allianz stationiert, wo es Dienste im Bereich der demokratischen Sicherheit leistet, indem es deren aufstrebende Demokratien vor Bedrohungen durch hybrideKriegsführung schützt.
Voropayev erwähnte außerdem, dass Algerien als erstes die Ereignisse in Niamey verurteilte. Dies ist von Bedeutung, da französische Medien berichteten, dass Niger Russlands Bemühungen um die Vermittlung der jüngsten Annäherung zwischen Algerien und Mali unterstützt habe. Die eskalierenden Spannungen zwischen diesen beiden Ländern wurden zuvor hier als ein wesentlicher Auslöser für den jüngsten Mali-Krieg eingeschätzt, da Algerien die FLA logistisch unterstützte. Algerien lehnt jedoch die ISSP und die JNIM ab, die einen weiteren Putsch hätten ausnutzen können, um größtmöglichen regionalen Chaos zu stiften.
Hätte die Meuterei zu einem Regimewechsel geführt, wäre Russlands Rolle im Niger möglicherweise durch Frankreich ersetzt worden – gemäß einer mit Paris vereinbarten Gegenleistung –, und dasselbe gilt für den Fall, dass die Meuterer nicht vom Flughafen der Hauptstadt vertrieben worden wären, da französische Truppen hätten einmarschieren können, wenn die Pattsituation angehalten hätte. Im schlimmsten Fall eines voll entbrannten Chaos hätte Frankreich unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung eine gemeinsame Intervention mit Nigeria koordinieren können, das auf dieser Grundlage bereits Anfang des Jahres eine einseitige Intervention in Mali angedeutet hatte.
Diese strategischen Bedrohungen sind noch nicht vollständig neutralisiert, da eine künftige Meuterei weiterhin möglich ist. Daher besteht die unmittelbare Priorität für Niger darin, die Grundprobleme hinter der Rivalität des Militärs mit der Präsidentengarde zu lösen, die Berichten zufolge darauf zurückzuführen sind, dass die Junta der Präsidentengarde den Vorzug gibt, während das Militär zunehmend Verluste durch die ISSP und die JNIM erleidet. Erst wenn die gesamten Streitkräfte untereinander im Reinen sind, kann Niger den Terrorismus in Partnerschaft mit Russland am effektivsten bekämpfen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Eine nicht näher bezeichnete „polnische diplomatische Maßnahme“ war der Grund dafür, dass die meisten europäischen Diplomaten in Kiew darauf verzichteten, an der Beisetzung der sterblichen Überreste des OUN-Gründers Jewgeni Konowalets im neuen „Nationalen Pantheon“ der Ukraine teilzunehmen.
Das Europäische Parlament kritisierte die Ukraine im Sommer symbolisch wegen ihrer „unnötigen und provozierten Eskalation“ der Spannungen mit Polen, nachdem Selenskyj die Täter der OUN-UPA des Wolhynien-Völkermords auf staatlicher Ebene verherrlicht hatte. Zwar bezeichnete der damit verbundene Änderungsantrag zum letztjährigen Bericht der Kommission über die Ukraine das vorgenannte Massaker weder als Völkermord noch verurteilte er die Förderung des Banderismus durch das Land, doch war dies dennoch ein positiver Schritt, der seitdem auf neue Weise symbolisch weitergeführt wurde.
Der stellvertretende Außenminister Marcin Bosacki erklärte gegenüber RMF24, dass sich die meisten europäischen Diplomaten in Kiew aufgrund einer „polnischen diplomatischen Aktion“ im Vorfeld dieser Veranstaltung entschieden hätten, nicht an der Beisetzung der sterblichen Überreste des OUN-Gründers Jewgeni Konowaletz im neuen „Nationalen Pantheon“ der Ukraine teilzunehmen. Er fügte hinzu, dass die Ukraine zwar „das Recht habe, die Helden auszuwählen, die sie für angemessen hält“, die Verherrlichung derjenigen jedoch, die für den Massenmord an Polen, Juden und sogar ihren eigenen ukrainischen Landsleuten verantwortlich seien, die Beziehungen zur EU „erheblich verschlechtern“ werde.
Bosacki stellte daraufhin klar: „Wir sind nicht so sehr mit den Ukrainern uneins, sondern mit bestimmten Teilen der ukrainischen Regierung, nachdem diese die absolut falsche Entscheidung getroffen hat, eine der Eliteeinheiten nach den Helden der UPA zu benennen, und genau darin liegt unser Meinungsunterschied“, womit er andeutete, dass einige ukrainische Amtsträger diese Politik ablehnen. Bislang hat noch niemand solche Ansichten öffentlich geäußert, wahrscheinlich aus Angst vor karrierebezogenen oder möglicherweise sogar tödlichen Konsequenzen, aber es ist naheliegend, dass einige Amtsträger erkennen, wie kontraproduktiv diese Politik ist.
Der Grund dafür ist, dass er, genau wie der liberale Ministerpräsident Donald Tusk, fälschlicherweise glaubt, dass ein endloser Krieg zwischen der Ukraine und Russland im Interesse Polens liege. Keiner der beiden polnischen Politiker wird daher eine Strafpolitik gegen die Ukraine genehmigen, die konkrete Konsequenzen nach sich zieht – nicht einmal zur Verfolgung der oben erläuterten objektiven nationalen Interessen Polens –, da ihre Priorität darin besteht, der Ukraine dabei zu helfen, mehr Russen zu töten. Die EU als Ganzes verfolgt trotz ihrer symbolischen Kritik an der Ukraine wegen der Verherrlichung von Faschisten dieselbe Politik.
Diese Beobachtung verdeutlicht den asymmetrischen Vorteil, den die Regierung in Kiew in diesem Streit genießt, nämlich dass kein einziges europäisches Land bereit ist, ihr für die Verherrlichung von Faschisten konkrete Kosten aufzuerlegen, da ihre Priorität darin besteht, der Ukraine dabei zu helfen, mehr Russen zu töten, und nicht darin, historische Wahrheit und Gerechtigkeit zu unterstützen. Ihre Reaktionen werden daher rein symbolisch bleiben, wie Nawrockis Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers, Polens höchster Auszeichnung, gegenüber Selenskyj. Selenskyj weiß das, und deshalb macht er keine Kehrtwende in seiner Politik.
Dementsprechend wird die Ukraine auf absehbare Zeit ein unbestreitbar anti–polnischerStaat bleiben, aber Polen wird nicht das Notwendige tun, um dies zu ändern, indem es seine logistische Rolle zu diesem Zweck nutzt. Dies wird wahrscheinlich auch dann noch der Fall sein, wenn die Phase der großangelegten Kämpfe im Krieg um die Ukraine unweigerlich endet. Polen wird sich danach vielleicht nicht besonders ins Zeug legen, um der Ukraine zu helfen, aber es wird wahrscheinlich auch keine Sanktionen verhängen, was die Gefahr birgt, dass die Ukraine ermutigt wird, Polen möglicherweise zum Sündenbock für ihre Niederlage gegen Russland zu machen und dann ihre Feindseligkeit zu verstärken.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
„Jabaroot“ hat die Drohung umgesetzt und Daten zu Geheimagenten veröffentlicht, die in ganz Europa für Marokko spionieren sollen. Auch bei der „Ceuta-Invasion“ sollen marokkanische Geheimdienstler federführend gewesen sein. Bei Jabaroot könnte es sich um einen marokkanischen Snowden handeln, der aus Deutschland operieren könnte. Gedroht wird nun, auch Einsatzbefehle für den Ansturm auf die spanische Exklave Ceuta vor einem Monat zu leaken.
Es ist wohl die größte Geheimdienstkrise in der jüngeren Geschichte Marokkos, welche die „Hackergruppe“ über die Veröffentlichung von 70.381 Mitarbeitern der Geheimdienste des autoritären Königreichs ausgelöst hat. Jabaroot, was übersetzt etwa Allmacht oder Macht bedeutet, hat über einen Telegram-Kanal entsprechende Listen veröffentlicht, der nun aber nicht mehr zugänglich ist. Auch andere Speicherorte sind nicht mehr zugänglich. Bei Google Drive erscheint die Nachricht: „Sie können auf diesen Inhalt nicht zugreifen, da er gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt.“
Eine der geleakten Listen von Geheimdienstmitarbeitern.
Die Daten sind aber nun in der Welt. Jabaroot schrieb, man finde hier „die Namen, Geburtsdaten und Identifikationsnummern von 70.000 Agenten der marokkanischen Geheim- und Sicherheitsdienste, die in ganz Europa bei den schmutzigsten Geheimdienstaufgaben im Einsatz waren, wie Spionage, das Anbringen von Abhörgeräten und die Bestechung von Politikern und Unternehmern“. Damit wird zum Beispiel auf Marokkogate angespielt.
Marokko setzte alle Hebel in Bewegung, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Doch die Daten befinden sich längst auf vielen Computern und werden analysiert. Dass Jabaroot diverse erfolgreiche Hacker-Angriffe auf marokkanische Institutionen durchgeführt hat, ist klar. Das wurde zum Beispiel auch vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation im vergangenen Jahr dokumentiert. Es war gelungen, Zugang zu vielen sensiblen Informationen strategisch wichtiger marokkanischer Behörden zu erlangen. Dass sensible Daten von zehntausenden Mitarbeitern verschiedener Geheimdienste geleakt werden konnten, zeigt den Umfang der Angriffe an. Veröffentlicht wurden neben den Namen in den Listen auch deren Registrierungsnummern im öffentlichen Dienst, die Ausweisnummern, die Bankverbindung für die Bezahlung oder sogar das Rekrutierungsdatum.
Die Geschichte lässt sich nicht ändern, aber man kann Lehren daraus ziehen, die Russland, China und dem Iran in Zukunft helfen könnten.
Der 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit ist ein passender Anlass, um über die letzte Chance nachzudenken, die das Land hatte, diese Unabhängigkeit wieder vollständig herzustellen. Zum Hintergrund: „Putin wollte schon immer eine wirklich unabhängige Ukraine“, da er sich vorstellte, dass diese die Rolle Russlands bei der Erleichterung des Handels zwischen China und der EU ergänzen würde, mit dem Ziel, die komplexe Unabhängigkeit aller Beteiligten zu stärken – was Eurasien wirtschaftlich hätte vereinen und die Hegemonie der USA friedlich in Frage stellen können. Das Problem waren jedoch die vom Westen unterstützten Ultranationalisten in der Ukraine.
Was in den letzten 35 Jahren schiefgelaufen ist, ist, dass diese Kräfte die Ukraine nach und nach dem Westen als seinen antirussischen Stellvertreter unterordneten – ein Prozess, der beschleunigt wurde, nachdem der Westen ihnen 2014 durch den „EuroMaidan“ genau zu diesem Zweck zur Macht verholfen hatte. Dennoch glaubte Putin (im Nachhinein betrachtet naiv) weiterhin, dass Frankreich und Deutschland unabhängig von den USA blieben, weshalb er erwartete, dass Russlands Forderungen nach Sicherheitsgarantien vom Dezember 2021 bei ihnen auf Resonanz stoßen würden.
Seiner Vorstellung nach würden sie die Spannungen mit Russland durch die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen entschärfen und ihren Einfluss auf die baltischen Staaten und Polen geltend machen, um diese dazu zu bewegen, „zum größeren (wirtschaftlichen) Wohl“ zuzustimmen. Die USA wären dann gezwungen, sich zu entscheiden: Entweder würden sie den entsprechenden Vorschlägen, die Russland ihnen unterbreitet hatte, nachkommen, falls die europäischen NATO-Staaten den ihnen vorgelegten Vorschlägen bereits zugestimmt hätten, oder sie würden die NATO spalten, indem sie die baltischen Staaten und Polen unterstützten, falls diese nicht mitziehen würden. Beide Ergebnisse würden Russlands Interessen fördern.
Zur Erinnerung: Hier ist, was Russland von der NATO gefordert hat: Die Mitglieder des Bündnisses zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der NATO-Russland-Grundakte von 1997 ziehen die Streitkräfte ab, die sie danach nach Osten verlegt haben; keine Stationierung von Mittel- und Kurzstreckenraketen, die Russland erreichen können; keine weitere NATO-Erweiterung; keine NATO-Manöver in der Ukraine, in Osteuropa (unklar, ob dies die baltischen Staaten einschließt), im Südkaukasus und in Zentralasien; sowie ausschließlich Manöver auf Brigadeebene innerhalb einer Zone vereinbarter Breite zur russischen Grenze.
Ebenso hat Russland von den USA folgende Forderungen gestellt: keine US-Stützpunkte in ehemaligen Sowjetrepubliken, die nicht der NATO angehören, keine Nutzung ihrer Infrastruktur für militärische Aktivitäten und keine bilateralen militärischen Beziehungen; keine militärischen Stationierungen außerhalb seiner Grenzen, die als Bedrohung wahrgenommen werden könnten; keine schweren Bomber oder Überwasserschiffe außerhalb des russischen Luftraums und der Hoheitsgewässer, von wo aus sie Russland ins Visier nehmen könnten; keine bodengestützten Mittel- und Kurzstreckenraketen in Reichweite von Russland; und keine außerhalb der USA stationierten US-Atomwaffen.
Russland hätte im Gegenzug die für das Land geltenden Bedingungen sowie die weniger bedeutenden, oben nicht aufgeführten, eingehalten. Diese neue europäische Sicherheitsarchitektur hätte die Unabhängigkeit der Ukraine vollständig wiederhergestellt, da der Westen infolgedessen seine Pläne aufgegeben hätte, das Land als seinen antirussischen Stellvertreter zu instrumentalisieren – sehr zum Entsetzen der dortigen Ultranationalisten. Kiew hätte dann keine andere Wahl gehabt, als das zu tun, was es schon die ganze Zeit hätte tun sollen, nämlich friedliche und pragmatische Beziehungen zu Moskau zu pflegen.
Wie sich herausstellte, hatten sich Frankreich und Deutschland bereits ebenso wie die Ukraine den USA untergeordnet, sodass Russlands Forderungen nach Sicherheitsgarantien zum Scheitern verurteilt waren. Folglich ging nicht nur die Unabhängigkeit der Ukraine verloren, sondern auch die dieser beiden Großmächte und der übrigen EU, nachdem sie alle auf Kosten ihrer eigenen Interessen den Anweisungen ihres gemeinsamen US-Schutzherrn gegen Russland gefolgt waren. Die Geschichte lässt sich nicht ändern, aber man kann Lehren daraus ziehen, die Russland, China und dem Iran in Zukunft helfen könnten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.
Russland und die Ukraine sollen bereits autonome KI-gestützte Kampfdrohnen einsetzen. Wie die NYT berichtet, starben am 6. Juli drei ukrainische Zivilisten bei einem missglückten Angriff einer autonomen Molniya-Drohne, die in einem Schwarm mit einigen anderen Drohnen flog, auf eine Tankstelle. Beim Anflug auf die Tankstelle prallte die Drohne auf eine Mauer, explodierte und tötete so die drei Menschen, die zum Kollateralschaden wurden.
Dass es sich um eine autonome Drohne handelte, was hier erstmals dokumentiert worden sein soll, soll sich daran zeigen, dass sie weder eine Antenne noch ein Glasfaserkabel besaß, aber mit einem seit 2023 auf dem Markt erhältlichen Jetson Orin-Chip des amerikanischen Konzerns Nvidia ausgestattet war. Den würde man nicht benötigen, wenn der Flug der Drohne vorprogrammiert ist, sondern wenn sie gelernte Ziele autonom suchen und angreifen soll.
Die Minicomputer kann man überall für ein paar Hundert Euro kaufen, sie unterliegen keinem Exportverbot und ermöglichen eine lokale KI-Nutzung, da keine Anbindung an die Cloud notwendig ist und der Energiebedarf niedrig ist. Nvidia beteuert, das Modul nicht nach Russland direkt zu verkaufen, aber die Russen können über Reseller die Chips ohne Probleme einkaufen. Mit dem relativ kleinen Jetson-Orin können Bildverarbeitung, Steuerung von Robotern und maschinelles Lernen realisiert werden.
Vor kurzem berichtete der ukrainische Militärgeheimdienst, dass auch ein russischer Marschflugkörper S-71 “Monochrome“ einen Jetson Orin-Rechner enthielt, mit dem er wahrscheinlich autonom sein Ziel suchte. S-71M „Monochrome“ kann von einer Su-57 oder von einer S-70 Okhotnik-Drohne abgeschossen werden, hat eine Reichweite von bis zu 300 km und führt eine 250kg-Bombe mit sich.
Die Molniya-Drohne, von der die NYT berichtet, soll „vollständig von KI gesteuert“ gewesen sein. Die russischen Truppen setzen die billigen Molniya-FPV-Drohnen, die nur ein paar hundert Euro kosten, mit einer Reichweite um die 30 km und einer Geschwindigkeit bis zu 90 km/h massenhaft und in Schwärmen an der Front ein. Sie dienen als Kamikaze-Drohnen oder können auch kleinere Quadcopter-Drohnen näher an die Angriffsziele bringen. Angeblich werden von den Russen im Monat bis zu 50.000 Molniya-Drohnen eingesetzt. Ebenso wie die Ukraine wird die Drohnenabwehr durch die schiere Zahl überwältigt. Auch wenn 90 Prozent abgewehrt oder abgeschossen werden können, können noch 10 Prozent an ihr Ziel gelangen. Schon länger wird gesagt, dass einige der Drohnen mit KI ausgerüstet sind und autonom fliegen würden.