Gegen die Europäisierung der Kriegsvorbereitung

Hervorgehoben

Von Bernhard Trautvetter – 8. Mai 2026

Die vorläufige Absage der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland ist zu begrüßen, sollte aber nicht zu Illusionen führen. Vielmehr sind die Forderungen der Friedensbewegung nun auszudehnen: gegen die Militarisierung der EU inklusive EU-eigener offensivfähiger und atomar bestückbarer Mittelstreckensysteme.

Teile der Friedensbewegung betrachten Trumps Absage an die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland als Erfolg, der die Chance einer neuen Einigung über Rüstungskontrolle bietet. Natürlich haben Friedenskräfte die Verantwortung, alle Anknüpfungspunkte für Kampagnen, die friedliche Entwicklungen stärken, aufzugreifen.

Aber es ist vor Illusionen über die Intrigen des militärisch-industriellen Komplexes zu warnen. Dabei ist erst einmal generell der 1961 scheidende US-Präsident Eisenhower zu zitieren, der in diesem Zusammenhang warnte:

[W]ir müssen uns davor hüten, dass der militärisch-industrielle Komplex unbefugt Einfluss ausübt, ob dies nun beabsichtigt oder unbeabsichtigt geschieht. Das Potential für den katastrophalen Anstieg unangebrachter Macht besteht und wird weiter bestehen.

Sein Nachfolger Kennedy drohte mit dem Krieg der USA mit der Atommacht Sowjetunion, sollten sowjetische Atomraketen unweit des Territoriums der USA auf Kuba stehenbleiben:

„Diese … Bereitstellung dieser offensiven Massenvernichtungswaffen bedeutet eine klare Bedrohung des Friedens und der Sicherheit des amerikanischen Kontinents. Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Gemeinschaft der Völker der Welt kann bewusste Irreführung und offensive Drohungen von Seiten irgendeiner Nation … dulden.“

Durch die auch nukleare Militarisierung Osteuropas durch die NATO, die sich in Richtung russische Westgrenze ausgedehnt hat, generieren die USA, die EU und die NATO eine umgekehrte Kubakrise, denn das, was Kennedy der Sowjetunion vorwarf, ist inzwischen die Politik des militärischen Westens, u.a. durch die Stationierung von atomwaffenfähigen Mittelstreckenarsenalen der USA, die als Abwehr tituliert, aber auch offensivfähig sind, die inzwischen in Polen und Rumänien stehen. Die Nuklearisierung der Ukraine ist auch schon längst ein Thema in der NATO. Sie spielte sicher auch eine Rolle in Russland in den Monaten vor der Großinvasion in die Ukraine.

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Siehe auch:

Erklärung aus der Friedensbewegung: US-Nein zur Stationierung neuer Mittelstreckenwaffen

Der deutsche Militarismus jubelt!

Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


So wurde das Ende des WKII gefeiert – in Moskau …

Von Stefano di Lorenzo und Ulrich Heyden – 10. Mai 2026

In Russland ist der Sieg über Hitler-Deutschland am 9. Mai 1945 noch immer ein guter Grund für ein Fest – ein aktuelles Bild aus dem Gorky-Park in Moskau von Ulrich Heyden.

Ein friedlicher 9. Mai in Moskau – Selenskyj machte seine Drohung nicht wahr (von Ulrich Heyden aus Moskau)

Der 9. Mai in Moskau blieb friedlich. In russischen Medien gab es keine Berichte über ukrainische Drohnenattacken auf die russische Hauptstadt. Die Ankündigung von Wladimir Selenskyj am 4. Mai, während der Militärparade zum 81. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland Drohnen über den Roten Platz kreisen lassen, wurde nicht zur Realität. Offenbar bekam Selenskyj kein grünes Licht von seinen Sponsoren in Europa und den USA. Das berichtete das Magazin Forbes am 8. Mai.

Die russische Führung hatte mit Raketenschlägen auf Kiew gedroht, sollte Selenskyj am 9. Mai Moskau angreifen. Vor dem 9. Mai hatten offizielle russische Stellen die Bewohner von Kiew und ausländische Botschaften in der Hauptstadt der Ukraine mehrmals aufgefordert, die Stadt zu verlassen, da russische Raketenangriffe auf das Zentrum von Kiew möglich seien. Diese Drohung hatte offenbar gewirkt.

 
Moskau nahm Kontakt mit China, Indien und den USA auf

Wie Wladimir Putin am Abend des 9. Mai vor Journalisten erklärte, habe sich Moskau nach der Drohung von Selenskyj mit den Führungen von China, Indien und den USA in Verbindung gesetzt und die Folgen eines ukrainischen Angriffs auf Moskau beschrieben. Trump habe daraufhin zwei zusätzlich Tage Waffenstillstand am 10. und 11. Mai sowie einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen. Russland habe Kiew eine Liste von 500 ukrainischen Kriegsgefangenen in Russland übermittelt. Kiew habe auf das Angebot eines Gefangenenaustausches jedoch nicht reagiert. 

Für Verhandlungen mit Kiew gäbe es zurzeit keine Grundlage, schrieb die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“. Selenskyj sei zum Rückzug aus dem Gebiet Donezk nicht bereit, und Trump sei „unfähig“, auf Selensky in dieser Frage einzuwirken.

Während es in Moskau friedlich blieb, habe die Ukraine den von Russland ausgerufenen Waffenstillstand am 9. Mai in 1.173 Fällen mit schweren Waffen verletzt. Außerdem habe es 7.151 ukrainische Drohnenangriffe gegeben. Auf ukrainische Angriffe habe die russische Seite „spiegelbildlich“ reagiert. 

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Putin im O-Ton über die Ukraine, den Iran, die USA und China

Einleitung und Übersetzung: Thomas Röper – 10. Mai 2026

Am Samstag hat sich [der russische Präsident Wladimir] Putin in einer Pressekonferenz über die nur knapp verhinderte Eskalation in der Ukraine, die Beziehungen zu den USA und China und zum Iran-Krieg geäußert und dabei viel Neues preisgegeben.

Ich habe in den letzten Tagen viel über die Provokationen Kiews berichtet, die, wenn sie eingetreten wären, zu einer Eskalation in der Ukraine geführt hätten. Dazu ist es schließlich nicht gekommen, und ich habe bereits berichtet, dass das offensichtlich das Verdienst von [US-]Präsident Trump ist, und in meinem Artikel angekündigt, Putins Aussagen, die er am Samstag dazu vor der Presse gemacht hat, zu übersetzen.

Eigentlich wollte ich nur Putins Aussagen zu diesem Thema übersetzen, aber dann fand ich die Pressekonferenz so interessant, dass sich sie komplett übersetzt habe, denn Putin hat sich dabei auch zu allen anderen aktuellen Themen der Weltpolitik und Russlands Position dazu geäußert. Außerdem habe ich schon seit einiger Zeit keine längeren Erklärungen von Putin übersetzt, weshalb es mal wieder an der Zeit dafür ist, um dem deutschen Publikum zu zeigen, wie Russland zu den aktuellen Themen steht.

Außerdem dürfte die Pressekonferenz für Stammleser des Anti-Spiegel interessant sein, weil Putin auch nach der faktischen Kriegsbeteiligung der Europäer gefragt wird und darauf sehr direkt antwortet, indem er zustimmt, dass die Europäer Krieg gegen Russland führen. Interessant sind dabei seine genauen Formulierungen.

Ich empfehle jedem, die Übersetzung bis zum Ende zu lesen, weil sie nicht nach Themen „geordnet“ ist. Die Journalisten haben zu allen möglichen Themen Fragen gestellt, weshalb die Pressekonferenz bei den Themen „hin und her springt“ und Themen immer wieder aufgegriffen wurden. Für europäische Leser dürfte es besonders interessant sein, wie Putin sich an verschiedenen Stellen über die Führung der EU und ihrer Mitgliedsländer äußert.

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Doch keine ukrainischen Provokationen zur Feier der Sieges über Nazi-Deutschland

Von Thomas Röper – 9. Mai 2026

Zur Feier des Sieges über Nazi-Deutschland in Moskau gab es nun doch keine ukrainischen Provokationen. Wie Putin nun erklärt hat, ist das vor allem US-Präsident Trump zu verdanken.

Ich habe in den letzten zwei Tagen darüber berichtet, dass die Ukraine mit Drohnenangriffen auf die Siegesparade in Moskau aus Anlass des Jahrestages des Siegs über Nazi-Deutschland gedroht hat und dass Russland gewarnt hat, in dem Falle werde es das Stadtzentrum von Kiew mit einem massiven Raketenangriff eindecken. Russland hat daher die Kiewer Zivilbevölkerung und die ausländischen Diplomaten vorsorglich aufgefordert, Kiew aus Sicherheitsgründen zu verlassen.

Der Tag der Feierlichkeiten in Russland ist nun vorbei und es gab keine ukrainischen Provokationen oder Angriffe, weshalb es auch keine russische Reaktion in Form eines Angriffs auf das Zentrum von Kiew gegeben hat.

Wie ernst die Lage und wie groß die Gefahr von ukrainischen Angriffen war, hat man an der Parade selbst gesehen, denn sie war so klein, bescheiden und kurz, wie wohl noch nie. Es sind lediglich einige Einheiten an der Ehrentribüne vorbeimarschiert, aber es waren weitaus weniger als in anderen Jahren. Und auf die Vorbeifahrt von Panzern und anderer schwerer Technik wurde ganz verzichtet.

Dass der Feier- und Gedenktag zum Kriegsende am Ende trotz der Drohungen Selenskys ohne ukrainische Provokationen – und damit auch eine extreme Eskalation des Ukraine-Krieges – verlaufen ist, war offensichtlich das Verdienst von Präsident Trump.

Am 8. Mai, also am Tag vor den Feierlichkeiten in Moskau, hat US-Präsident Trump eine Erklärung veröffentlicht, in der er eine dreitägige Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine vom 9. bis zum 11. Mai und einen Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen verkündet hat.

Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, ob das nur wieder eine weitere von Trumps großspurigen Erklärungen war, oder ob das tatsächlich mit Moskau und Kiew abgestimmt war.

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China, Iran, USA: Ein komplexes Spiel der Macht

Von Lorenzo Maria Pacini – 9. Mai 2026

Aus Washingtons Sicht ist das Bündnis zwischen Teheran und Peking ein strategischer Albtraum.

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Die strategische Lage des Konflikts

Der anhaltende Krieg der USA gegen den Iran geht weit über eine bloße regionale Krise hinaus; er ist ein deutlicher Beweis für die anhaltende Instabilität, die der amerikanischen globalen Hegemonie innewohnt. Durch ihre Missachtung des Völkerrechts, der Souveränität und der multilateralen Diplomatie bekräftigen die Vereinigten Staaten ihren Glauben an die Legitimität von Zwangsgewalt als Instrument der Kontrolle. Wie Zhao Minghao schreibt, wird Washingtons Einsatz von Gewalt die Ordnung nicht wiederherstellen, sondern lediglich die Brüche verschärfen, die das entstehende Weltsystem kennzeichnen.

Die von den USA angeführte Militäraktion gegen den Iran, die am 28. Februar 2026 begann, startete als eine Reihe gezielter „Enthauptungsschläge“, hat sich jedoch mittlerweile zu einer regionalen Konfrontation ausgeweitet, die die geopolitischen Grenzen im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus neu zieht. Was zunächst als taktischer Schachzug zur Ausschaltung der iranischen Nuklear- und Raketenkapazitäten erschien, hat sich zu einer vollwertigen strategischen Initiative zur Neugestaltung des globalen Kräfteverhältnisses entwickelt.

Für Peking stellt dieser Krieg einen direkten Angriff auf seine zentralen nationalen Interessen dar. China hat im Nahen Osten ein dichtes Netzwerk von Partnerschaften in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Verkehr aufgebaut, von denen viele auf den Iran als entscheidenden Knotenpunkt angewiesen sind. Rund 53 Prozent der chinesischen Rohölimporte stammen aus dieser Region, und über 30 Prozent werden durch die Straße von Hormus transportiert. Jede länger andauernde Unterbrechung stellt daher eine systemische Bedrohung für Chinas wirtschaftliche Stabilität und Energiesicherheit dar.

Unterdessen betrachten hochrangige Strategen in Washington ihre Kampagne als Gelegenheit, das zu zerschlagen, was sie als „Achse des Chaos“ bezeichnen – das informelle Bündnis zwischen Russland, dem Iran, Nordkorea und Venezuela. Diese Staaten, die alle US-Sanktionen und -Druck ausgesetzt sind, stützen sich zunehmend auf China als ihre diplomatische und wirtschaftliche Schutzmacht. Das Ziel der USA ist klar: Chinas globale Rohstoffversorgungskette zu schwächen und Peking zu zwingen, seinen außenpolitischen Einfluss neu auszurichten.

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Der US-Israel-Krieg gegen Iran und Libanon: Tag 71 – Eskalation im Hormuz, anhaltende Angriffe trotz „Waffenstillstand“

Von Peter F. Mayer – 9. Mai 2026

Am 71. Tag des US-israelischen Krieges gegen Iran und seine Verbündeten eskaliert die Lage erneut, besonders in der strategisch entscheidenden Strait of Hormuz. Die Realität ist eine fragile Waffenruhe, die ständig durchbrochen wird, massive humanitäre Kosten und eine globale Energiekrise, die sich verschärft.

Iranische Quellen berichten von anhaltenden Spannungen. Teheran wirft den USA vor, den Waffenstillstand verletzt zu haben, indem Schiffe im Strait of Hormuz angegriffen wurden. Fars News meldet, dass Iran US-Vorschläge prüft, aber keine Fristen akzeptiert. Gleichzeitig haben US-Kräfte iranische Schiffe attackiert, was zu Feuerwechseln führte. Präsident Trump behauptet, US-Zerstörer hätten „großen Schaden“ zugefügt, ohne selbst Verluste zu erleiden – eine Darstellung, die aus iranischer Sicht stark geschönt wirkt.

Al Jazeera berichtet von gegenseitigen Vorwürfen: Iran habe einen Tanker im Golf von Oman aufgebracht, während die USA Schiffe „deaktiviert“ hätten. Dies geschieht, obwohl die Waffenruhe nominell hält. Die Blockade iranischer Schifffahrt und die Kontrolle über den Hormuz – durch den normalerweise ein Fünftel des Weltöls fließt – treiben die globalen Energiepreise in die Höhe und belasten Lieferketten weltweit.

Trump in China: Verzweifelte Diplomatie oder Machtverlust?

Mitten in der anhaltenden Krise reist US-Präsident Trump nach China. Der Besuch unterstreicht die wachsende Erkenntnis in Washington, dass die USA die strategische Lage am Persischen Golf nicht mehr allein kontrollieren können.

Wie das US-amerikanische Portal Sonar21 analysiert, sind Russland und China ernsthaft dabei, die USA als Machtvermittler in der Region abzulösen. Beide Mächte nutzen den Konflikt, um ihre Präsenz auszubauen und alternative Sicherheitsarchitekturen für die Golfstaaten anzubieten.

Dieser Besuch Trumps wirkt wie ein Versuch, Peking als Vermittler oder zumindest als stabilisierenden Faktor einzubinden – ein Eingeständnis, dass die einseitige Militärstrategie an ihre Grenzen stößt. China, das einen Großteil seines Öls über den Hormuz bezieht, hat ein vitales Interesse an Stabilität und signalisiert bereits, dass es weder einen totalen Kollaps Irans noch eine unkontrollierte Eskalation akzeptieren wird.

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Selektiver Edelmut

Von Wolf Reiser – 9. Mai 2026

Als 1980 die Olympischen Spiele in Moskau stattfanden, gab es Boykottaufrufe und einen großen Entrüstungsfuror. 2026, im Jahr des Irankriegs, findet niemand etwas dabei, dass in den USA gebolzt wird.

„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, schrieb Bertolt Brecht. Nicht so im deutschen Sportbetrieb. Dieser kann geradezu als globales Zentrum moralischer Unbeflecktheit gelten. Da wird bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit für Vielfalt und Völkerverbrüderung geworben, treten Politikerinnen in Katar mit Regenbogen-Armbinden auf, wird zum Boykott gegen so gut wie jeden Austragungsort einer Großsportveranstaltung aufgerufen, der nicht London, Paris oder Barcelona heißt. Denn an allen anderen Flecken der Erde treibt das Böse sein Unwesen, und allen, die hier nicht fernbleiben, drohen moralische Kontamination und Kontaktschuld. Sport ist von einer spannenden Spaßveranstaltung zum Ort performativer Rechtgläubigkeitsbekundungen geworden. Wenn dies wenigstens konsequent geschehen würde, könnten wir ja notfalls damit leben. Warum aber, fragt der Autor in seinem Beitrag, gilt für die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko nicht, was einst für Veranstaltungen auf russischem Boden galt? Und dies, obwohl eines der genannten Länder noch einen völkerrechtswidrigen, unprovozierten Angriffskrieg am Laufen hat? Wo bleibt die breite Debatte über ein ethisch motiviertes Fernbleiben der Mannen um Julian Nagelsmann? Hat man etwa Angst vor dem missbilligenden Stirnrunzeln des großen Bruders in Übersee? Der DFB ist dabei, eine große Chance zu verspielen, ausnahmsweise einmal etwas Richtiges zu tun.

Frühling 2026. Ein lebensmüder Buckelwal erschüttert die Nation. In den ICEs der Bahn die üblichen Saalschlachten. Ricarda Lang meldet sich stündlich zum Ulmen-Fake. In Hannover werden 760 Teilnehmer am Ostermarsch verzeichnet. Alt und jung fordern Frieden und Freiheit. Man hört Trillerpfeifen. Eine derangierte Mischpoke aus Londoner Bankern, suizidären Evangelikalen, KI-Oligarchen und Zionisten bereitet den deutschen Zapfsäulen Kopfzerbrechen. Als Konsequenz des sogenannten „Iran-Konflikts“ verlangt die AfD den kompletten Abzug der US-Armee. Alle andern im Land warten auf Godot. Der DFB hält sich in der Causa Undav & Nagelsmann bedeckt. Wir leben in Zeiten, in denen wir laut Lothar Matthäus „den Sand nicht in den Kopf stecken dürfen.“

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CIA: Iran kann US-Seeblockade monatelang überstehen

Von Thomas Oysmüller – 8. Mai 2026

Ein geleakter CIA-Bericht hält fest, dass der Iran die US-Blockade der Straße von Hormus monatelang überstehen kann.

Die Washington Post berichtet am Donnerstag über eine vertrauliche, aktuelle CIA-Analyse. Diese kommt zum Schluss, dass der Iran die US-Marineblockade mindestens drei bis vier Monate lang überstehen kann, bevor es zu schwerwiegenderen wirtschaftlichen Schäden kommt. Das widerspricht der Darstellung, die Washington nach außen kommuniziert. Rubio und Trump erklären regelmäßig, der Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch.

Die Analyse der US-Geheimdienste ergab außerdem, dass Teheran trotz wochenlanger intensiver Bombardements durch die USA und Israel über erhebliche ballistische Raketenfähigkeiten verfügt. Der Iran habe etwa 75 Prozent seiner Vorkriegsbestände an mobilen Abschussvorrichtungen und etwa 70 Prozent seiner Vorkriegsvorräte an Raketen behalten, soll es im Bericht heißen.

Freilich muss auch die innenpolitische Perspektive berücksichtigt werden: Die Washington Post gilt als traditioneller Trump-Gegner und könnte versuchen, das Narrativ des Weißen Hauses über den Krieg zu stören. Der „geheime CIA-Bericht“ könnte von einem demokratischen Sympathisanten erstellt worden sein, mit dem Ziel, ihn an die Medien zu leaken. Ebenso könnte es sich lediglich um einen Entwurf handeln, den die Presse in dieser Form veröffentlicht hat. Grundsätzlich sollte man bei Berichten über Geheimdienstinformationen immer vorsichtig sein.

Der Bericht ist für die Ergebnisse der US-Militärkampagne tatsächlich ziemlich verheerend. So gebe es auch Hinweise darauf, dass das Regime fast alle seiner unterirdischen Lagerstätten wiederherstellen und wieder öffnen konnte.

Trump sieht das ganz anders und sagte am Mittwoch im Oval Office: „Ihre Raketen sind größtenteils zerstört, sie haben wahrscheinlich noch 18, 19 Prozent, aber im Vergleich zu dem, was sie hatten, nicht viel.“ Zudem erklärte Washington zur Seeblockade:
„Die Blockade des Präsidenten fügt echten, sich verstärkenden Schaden zu – sie unterbricht den Handel, zerquetscht die Einnahmen und beschleunigt den systemischen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das iranische Militär ist schwer geschädigt, seine Marine zerstört und seine Führer halten sich versteckt. Was bleibt, ist die Bereitschaft des Regimes, ziviles Leid in Kauf zu nehmen – es lässt sein eigenes Volk hungern, um einen Krieg in die Länge zu ziehen, den es bereits verloren hat.“

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Ukrainische Drohnen in Lettland, Finnland und Griechenland

Von Florian Rötzer – 9. Mai 2026

Fischer haben vor der Küste der griechischen Insel Lefkada eine ukrainische Magura V5 Marinedrohne entdeckt. Das Boot mit Antennen und Kommunikationssystemen wurde in einer Küstenhöhle gefunden, der Motor lief noch und es befand sich „aktiver Sprengstoff“ an Bord, so dass die griechischen Sicherheitskräfte vermuten, dass damit ein Schiff oder ein Öltanker im Kamikaze-Stil angegriffen werden sollte.

Am Freitag wurden die Zünder entfernt, die Küstenwache, der die Wasserdrohne von den Fischern übergeben worden war, schaltete die Batterien aus, um sie stillzulegen. An Bord wurden auch handschriftliche Dokumente gefunden, was Verwunderung auslöste, weil diese mit der Explosion bei einem Angriff vernichtet würden. Die Behörden gehen einigen spekulativen Theorien nach, beispielsweise dass es sich um eine Provokation, um Drogenhandel oder um einen geplanten Angriff auf einen Tanker der russischen Schattenflotte handelt. Aber es ist völlig unklar, wer die Drohne in griechische Gewässer gebracht hat bzw. wie sie dorthin gelangt ist.

Auch zuvor haben ukrainische Wasserdrohnen nicht nur Ziele im Schwarzen Meer angegriffen. Ende Dezember 2025 wurde der Tanker Qendil nördlich von Libyen mit einer Drohne angegriffen. Vermutet wird auch, dass im März 2026 der LNG-Tanker Arctic Metagaz der russischen Schattenflotte von einer ukrainischen Drohne attackiert wurde. Das Risiko bestand seither, dass durch das herumtreibende Wrack eine Umweltkatastrophe verursacht werden könnte, das Gas soll aber schon weitgehend ausgetreten sein. Mittlerweile scheint es eingefangen und vor der Küste Libyens verankert worden sein.

Es gibt fast gleichzeitig einen anderen Vorfall mit Drohnen in Lettland. Zwei Drohnen kamen aus russischem Gebiet. Eine stürzte in einem leeren Öldepot in der ostlettischen Stadt Rēzekne ab. Dabei wurde der Tank beschädigt, das Feuer konnte schnell gelöscht werden. Später vermutete die Polizei, es könnte dort auch eine zweite abgestürzt sein. Andererseits heißt es, die zweite Drohne sei noch nicht gefunden worden.

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Medwedews Artikel über die Remilitarisierung Deutschlands

Von Andrew Korybko – 8. Mai 2026

Medwedws aktueller Artikel ist die bislang ausführlichste Warnung eines hochrangigen russischen Regierungsvertreters darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow – dessen Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist – in Erwägung zieht, um dieser wachsenden, von Deutschland ausgehenden Bedrohung, die an das Jahr 1941 erinnert, entgegenzuwirken.

Der ehemalige russische Präsident und amtierende stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, veröffentlichte im Vorfeld des Sieges-Tages einen unglaublich detaillierten Artikel über die Remilitarisierung Deutschlands. Er ist viel zu lang, um ihn Punkt für Punkt zu besprechen, daher wird der vorliegende Beitrag zunächst nur die wichtigsten Erkenntnisse hervorheben, bevor er dessen Bedeutung analysiert. Medwedew widmet viel Zeit der Argumentation, dass Deutschland nie vollständig entnazifiziert wurde und dies auch nie ernsthaft versucht wurde. Das bildet den Hintergrund für die Gegenwart.

Ihm zufolge „hat der Prozess der endgültigen Beseitigung der politischen, rechtlichen und moralischen ‚Überbleibsel‘ des Zweiten Weltkriegs in Deutschland nach dem Beginn der militärischen Sonderoperation besondere Dynamik gewonnen.“ Ebenso: „Um die Auswirkungen gescheiterter geopolitischer Investitionen (in der Ukraine) abzumildern, strebt Berlin an, seine Position als führende militärische und politische Macht der Europäischen Union zu festigen.“ Dies führte zu einer beispiellosen Remilitarisierung, die von den USA abhängig ist, sowie zu informellen Diskussionen über den Einstieg in die Atomwaffen.

Zu diesem Thema warnte Medwedew, dass Russland seine eigenen Atomwaffen gegen Deutschland einsetzen könnte, um diese Bedrohung – die seiner Meinung nach auch die USA gefährden könnte – präventiv abzuwenden. Er widmete zudem viel Zeit der Argumentation, dass Deutschlands rechtliche Grundlagen illegitim seien, nicht zuletzt, weil es Ostdeutschland annektiert habe, ohne „allgemein anerkannte rechtliche Verfahren“ wie ein Referendum einzuhalten. Dennoch marschiert der größte Teil Europas nun nach Deutschlands antirussischer Pfeife, genau wie vor 85 Jahren im Jahr 1941.

Deutschland könne Russland niemals besiegen, selbst wenn ganz Europa hinter ihm stünde, glaubt Medwedew; daher sei „sein Ziel, seinen Verbündeten Washington in eine potenzielle Konfrontation zwischen Europa und Russland hineinzuziehen“. In Anbetracht dessen, dass „die Hauptaufgabe unseres Landes darin besteht, eine Wiederholung der Tragödie von 1941 zu verhindern … sollte das schlimmste Szenario eintreten, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zumindest zu gegenseitiger Zerstörung kommt und in Wirklichkeit zum Ende der europäischen Zivilisation, während unsere eigene Existenz weiterbesteht.“ Das sind sehr deutliche Worte.

Da sie von jemandem in seiner Position stammen, insbesondere von einem Hardliner, dessen Fraktion nun aus den hier erläuterten Gründen teilweise die Gemäßigten übertrumpft – warum Russlands Drohung mit massiven Vergeltungsschlägen gegen Kiew wahrscheinlich kein Bluff ist –, sollten sie vom Westen äußerst ernst genommen werden. Die Botschaft lautet, dass Russland nicht zulassen wird, dass Deutschland die Remilitarisierung Europas anführt, wobei diesmal Polen und die Ukraine als Rammböcke dienen und somit eine weitere Bedrohung ähnlich wie 1941 darstellen.

Frankreich und Großbritannien, unter deren nuklearem Schutzschild sich Deutschland stellen will (bevor es möglicherweise eigene Atomwaffen entwickelt), werden laut Medwedew „es wohl kaum riskieren, für Deutschlands sake in einer nuklearen Apokalypse zu verbrennen“. Dies erklärt seine Einschätzung, dass Deutschland stattdessen versuche, die USA in einen drohenden Krieg mit Russland hineinzuziehen. Es ist daher Aufgabe der USA, entweder ihre Unterstützung für die Remilitarisierung Deutschlands einzustellen, Artikel 5 im Vorfeld dieses Szenarios offiziell aufzuheben oder die Konsequenzen zu akzeptieren.

Medwedews Artikel ist die bislang detaillierteste Warnung eines hochrangigen russischen Beamten darüber, was der Kreml unter dem neu gewonnenen Einfluss von Hardlinern wie Sergej Karaganow, deren Einfluss auf Putin in den letzten Monaten gewachsen ist, in Erwägung zieht, um diese wachsende, von Deutschland angeführte Bedrohung à la 1941 abzuwenden. Trump könnte sein angestrebtes Vermächtnis als Friedensstifter trotz des Dritten Golfkriegs wiederherstellen, indem er dringend mit Putin zusammenarbeitet, um die europäische Sicherheitsarchitektur zu reformieren. Ob er dies tun wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Warum Europa sehenden Auges in die Katastrophe steuert

Patrik Baab interviewt Peter Hänseler – 7. Mai 2026

Hinweis: Dieses Interview dient der politischen Meinungsbildung und freien Meinungsäußerung gemäß Artikel 5 des Grundgesetzes:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.

(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Der Iran-Konflikt und die daraus resultierende Verschiebung der globalen Tektonik markieren eine Zäsur in der modernen Zeitgeschichte. Während die westliche Berichterstattung oft an der Oberfläche bleibt, legt der Jurist und Analyst Peter Hänseler die tieferliegenden Ursachen einer Politik offen, die jeglichen Kontakt zur Realität verloren zu haben scheint. Es ist das Bild eines Westens, der sich in seiner eigenen moralischen Überlegenheit verfängt, während die tatsächliche Macht in den Osten abwandert.

Im Gespräch mit Patrik Baab analysiert Peter Hänseler, warum wir es nicht nur mit einer regionalen Krise zu tun haben, sondern mit dem kollektiven Versagen einer politischen Klasse. Es geht um den „Wahnsinn an der Macht“, der bereit ist, die Stabilität ganzer Kontinente für ideologische Narrative zu opfern.

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