Von Patrick Martin und Joseph Kishore – 27. Januar 2028
Nach der Hinrichtung des Intensivpflegers Alex Jeffrey Pretti durch Einsatzkräfte der US-Einwanderungsbehörde in Minneapolis wurde die Trump-Regierung in den vergangenen Stunden zu einem taktischen Rückzug gezwungen. Dieser Rückzug bedeutet jedoch keine Abkehr vom autoritären Kurs – es handelt sich vielmehr um ein Nachjustieren und eine Neuaufstellung. Die Gefahr einer Diktatur ist nach wie vor so präsent und ernst wie zuvor.
Angesichts einer Welle öffentlicher Empörung und Proteste hat das Weiße Haus versucht, die provokativsten Lügen und Angriffe zurückzunehmen, die von Trumps Spitzenvertretern unmittelbar nach der Tötung von Pretti verbreitet wurden. Am Montag verteidigte Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, bewusst nicht die Aussagen von Stephen Miller und der Ministerin für innere Sicherheit, Kristi Noem, die Pretti als „inländischen Terroristen“ bezeichneten, der versucht habe, Strafverfolgungsbeamte zu „ermorden“. Leavitt betonte stattdessen, dass „wir uns von den Fakten leiten lassen“. Sie behauptete, was eine offensichtliche Lüge ist, dass „niemand im Weißen Haus, einschließlich Präsident Trump, möchte, dass Menschen verletzt oder getötet werden“.
Aserbaidschan, die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan, die alle seit 1979 „Freinde“ des Iran sind und deren militärisch-strategische Interessen zunehmend konvergieren, werden voraussichtlich jede größere Instabilität des Landes ausnutzen, die auf eine weitere mögliche Runde von US-Angriffen folgen könnte, sollte Trump seine Meinung ändern.
Das Wall Street Journal veröffentlichte kürzlich einen provokanten Artikel von Melik Kaylan mit dem Titel „Ein zerbrochener Iran wäre vielleicht gar nicht so schlecht”, dessen Untertitel behauptet, dass „seine Grenzen künstlich sind und eine Spaltung die Absichten Russlands, Chinas und anderer Länder vereiteln würde”. Er argumentiert, dass „die Möglichkeit eines Bürgerkriegs nach einem Regimewechsel sowie einer Einmischung durch externe Interessen durchaus gegeben ist“, was vermutlich durch eine Farbrevolution und/oder US-Angriffe herbeigeführt werden könnte, obwohl er dies nicht ausdrücklich schreibt.
Der offensichtliche Zweck seines Artikels besteht darin, sein vermutlich uninformiertes Publikum darüber zu belehren, dass ein großer Teil der Iraner Aserbaidschaner und Kurden sind, die seiner Meinung nach aufgrund willkürlich gezogener Grenzen Teil des Iran geworden sind, was faktisch nicht zutrifft, da sie seit Jahrtausenden Teil der persischen Zivilisation sind. Die heutigen Grenzen des Iran sind das Ergebnis der Kriege, die er in den letzten Jahrhunderten gegen seine mächtigeren Nachbarn verloren hat, und nicht willkürlich gezogen wie die Grenzen Afrikas in der Kolonialzeit, wie manche aufgrund von Kaylans Ausführungen vermuten könnten.
Nachdem dies „klargestellt” ist, prognostiziert er in seinem Artikel, dass eine „Spaltung“ des Iran den Einfluss Russlands in Zentralasien verringern und zu Verlusten bei chinesischen Investitionen führen würde, was vorhersehbar mit einem Aufruf zur Bewaffnung der Sezessionisten enden würde, um dies zu erreichen. Obwohl dieses Szenario unwahrscheinlich ist, kann es dennoch nicht ausgeschlossen werden, da Trump den Iran möglicherweise bombardieren wird, sobald die regionalen Seestreitkräfte der USA aufgebaut und mehr Abfangraketen nach Israel geschickt worden sind, was zu einem Regimewechsel und dann zu einer „Balkanisierung” führen könnte.
Das soll nicht heißen, dass dies tatsächlich eintreten wird, sondern nur, dass es möglich ist und dass der regionale Kontext den Interessen der nationalen Einheit des Iran zuwiderläuft. Pakistan und Saudi-Arabien, seit 1979 „Freinde“ des Iran, haben im vergangenen September einen gegenseitigen Verteidigungspakt geschlossen, dem nun auch der andere „Feind“ Türkei beitreten will. Der Iran wäre dann umzingelt, da die Türkei bereits gegenseitige Verteidigungsverpflichtungen gegenüber Aserbaidschan hat, was zu einem aserbaidschanisch-iranischen Konflikt führen könnte, in den die Türkei und dann auch die anderen Länder hineingezogen würden.
Wenn US-Angriffe den Iran stark destabilisieren, könnte Aserbaidschan seine ethnischen Verwandten militärisch unterstützen, was dazu führen könnte, dass auch die Türkei interveniert, möglicherweise unter dem Vorwand, neue kurdische Separatistenbedrohungen zu unterbinden. Saudi-Arabien unterstützte den Versuch des Irak, die mehrheitlich arabische Provinz Khuzestan im Iran während ihres Krieges in den 1980er Jahren zu annektieren, sodass es einen Präzedenzfall für eine Wiederaufnahme solcher Einmischungen gibt, während Pakistan unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung, wie es ihn bereits im Januar 2024 für die Bombardierung des Iran genutzt hat, im iranischen Belutschistan intervenieren könnte.
Die umstrittene Niederlage des Iran während des 12-tägigen Krieges mit Israel, der den Höhepunkt des Westasiatischen Krieges nach dem 7. Oktober darstellte, könnte diese vier Länder dazu veranlasst haben, den Iran als „den kranken Mann“ der Region zu betrachten, ähnlich wie das Osmanische Reich seit dem 19. Jahrhundert bis zu seinem Zusammenbruch wahrgenommen wurde. Ebenso könnten einige von ihnen allerdings auch Bedenken hinsichtlich der Folgen eines Zusammenbruchs des Iran haben, was erklären würde, warum die Türkei und Saudi-Arabien Trump Berichten zufolge davor gewarnt haben, Teheran den geplanten Todesstoß zu versetzen.
Dennoch ist zu erwarten, dass diese beiden Länder sowie auch Aserbaidschan und Pakistan jede größere Instabilität im Iran, die durch eine Farbrevolution und/oder US-Angriffe verursacht werden könnte, opportunistisch ausnutzen werden. Wenn einer dieser Staaten unter irgendeinem Vorwand militärisch aktiv wird, könnte dies die anderen ermutigen, ebenfalls zu handeln, insbesondere wenn die Raketenkapazitäten des Iran durch US-amerikanische (und/oder israelische) Angriffe radikal geschwächt werden und es zu ernsthaften Problemen bei der Befehls- und Kontrollstruktur kommt. Um es klar zu sagen: Dies ist nicht wahrscheinlich, sondern nur möglich, kann aber nicht ausgeschlossen werden.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Von Nikita Beluchin (Übersetzug/Einleitung: Thomas Röper) – 27. Januar 2026
[…] Für nicht-westliche politische Beobachter waren die letzten Tage unterhaltsam, denn während die USA Dänemark wegen Grönland offen mit militärischer Gewalt gedroht haben, haben die europäischen Politiker mit Warnungen vor der „russischen Bedrohung“ Grönlands reagiert und zum Schutz sogar eine Handvoll Soldaten nach Grönland geschickt, was allerdings nicht den angeblichen Gegner Russland verärgert hat, sondern den „Verbündeten“ USA, der umgehend mit Sanktionsdrohungen gegen seine europäischen „Verbündeten“ reagierte.
Die Besessenheit von einer angeblichen russischen Bedrohung ist seit Jahrzehnten ein ständiger Begleiter der dänischen Regierung, obwohl Russland nie irgendwelche Drohungen gegen Dänemark ausgesprochen hat und obwohl Dänemark nicht einmal mit der Befürchtung argumentieren kann, Russland könnte Dänemark entlang einer gemeinsamen Grenze angreifen, schließlich liegen hunderte Kilometer Meer zwischen allen russischen und dänischen Küsten.
Ein russischer Analyst hat die Gründe für die dänische Politik analysiert und ich habe seinen in der TASS erschienen Artikel übersetzt. […]
Nikita Beluchin darüber, warum Kopenhagen von der Konfrontation mit Moskau besessen ist.
Bei seinem Versuch, Grönland in die Finger zu bekommen, war Donald Trump sich nicht zu schade, zu behaupten, dass die gesamte NATO von Russland oder China bedroht würde, sollten die USA die Insel nicht bekommen. Es seien Moskau und Peking, die Grönland beherrschen wollten, und Dänemark könne nichts dagegen tun.
Obwohl Kopenhagen erklärte, es seien keine russischen oder chinesische Schiffe in der Region, folgte schnell eine Rhetorik, die mit der amerikanischen Position übereinstimmte. So erklärte beispielsweise Generalmajor Søren Andersen, Chef des dänischen Arktiskommandos in Grönland, schon Mitte Januar in einem Reuters-Interview, die dänische Armee konzentriere sich gezielt auf die Abwehr potenzieller russischer Aktivitäten, nicht auf die der USA.
Dänemark sei besessen von der Konfrontation mit Russland, was eine Zusammenarbeit beider Seiten unmöglich mache, sagte Wladimir Barbin, der russische Botschafter in Dänemark, in einem Interview mit der TASS.
Von Ian Proud (Übersetzung: Thomas Röper) – 27. Januar 2026
[…] Die EU setzt bekanntlich ausschließlich auf eine Verlängerung des Krieges in der Ukraine durch Waffenlieferungen und finanzielle Unterstützung des korrupten Regimes in Kiew. Das kann nicht überraschen, denn durch einen Frieden haben die politischen Eliten in der EU nichts zu gewinnen, aber dafür sehr viel zu verlieren.
Sollte in der Ukraine Frieden einkehren, wird die EU aus diversen Gründen gezwungen sein, die Ukraine weiterhin in ungefähr der gleichen Höhe zu finanzieren, wie während des Krieges. Das Problem dabei wird für die politischen Eliten der EU sein, dass sie den Menschen in Europa nach Kriegsende nicht mehr Russland als Schuldigen der Misere präsentieren können.
Warum die EU Kiew im Falle eines Friedens in der Ukraine trotzdem weiterhin in unveränderter Höhe finanzieren muss, hat der ehemalige britische Diplomat Ian Proud in einem Artikel erklärt, den ich übersetzt habe. […]
Ein Ende des Ukraine-Krieges könnte für Europa ebenso verheerende wirtschaftliche und politische Folgen haben wie seine Fortsetzung.
Von Ian Proud | Strategic Culture Foundation
Die eklige Wahrheit ist, dass ein Ende des Ukraine-Krieges für Europa ebenso verheerende wirtschaftliche und politische Folgen haben könnte wie seine Fortsetzung.
Die Ukraine steht bereits vor einer Finanzierungslücke von 63 Milliarden US-US-Dollar für das Jahr 2026, und ich wäre überrascht, wenn diese Zahl nicht noch steigen würde, sollte der Krieg weitergehen. Die massive fiskalische Orgie bei den Ausgaben der Ukraine wird von zwei Faktoren getrieben: Den enormen Kosten für die Aufrechterhaltung einer stehenden Armee von fast einer Million Menschen und den gewaltigen Ausgaben für den Import von Waffen aus dem Westen zur Führung des Krieges.
Kurz nachdem sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Italiens rechtsextreme Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am vergangenen Freitag bei den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen demonstrativ lächelnd den Kameras präsentierten, wurde in den Vereinigten Staaten erneut ein Einwohner von Minneapolis von Einsatzkräften der Abschiebebehörde ICE getötet. Der Krankenpfleger Alex Pretti wurde im Zuge einer Razzia regelrecht exekutiert – ein weiterer Mord im Rahmen der eskalierenden faschistischen Offensive der Trump-Regierung.
Weder die Bundesregierung noch eine andere europäische Regierung verurteilten dieses Verbrechen. Und das, obwohl sich die transatlantischen Spannungen zuletzt massiv verschärft haben – etwa im Zusammenhang mit den imperialistischen Konflikten um Grönland und die Arktis. Dieses Schweigen ist kein diplomatisches Versehen. Es ist Ausdruck einer tiefgehenden politischen Übereinstimmung.
Zum einen halten sich die europäischen Mächte mit Kritik an Washington bewusst zurück. Sie wollen das Bündnis mit dem US-Imperialismus so lange wie möglich aufrechterhalten, bis sie selbst militärisch hochgerüstet sind und eine eigenständige Rolle bei der imperialistischen Neuaufteilung der Welt spielen können. Zum anderen – und das ist der noch grundlegendere Punkt – teilen sie den Kern von Trumps Politik: Militarismus nach außen, autoritäre Herrschaft nach innen und eine brutale Abschottung gegenüber Flüchtlingen.
Als Reaktion auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Grönland mit militärischen Mitteln an sich zu reißen, hat die dänische sozialdemokratische Regierung die Anfang des Monats auf der Insel stationierten Soldaten mit scharfer Munition ausgerüstet und ihnen befohlen, im Falle eines Angriffs den Kampf aufzunehmen. Der Bericht des öffentlich-rechtlichen dänischen Senders DR, der diese Details enthüllte, verdeutlicht das Ausmaß des Zusammenbruchs des transatlantischen Bündnisses. Auch Trumps vorläufiger Rückzieher beim Thema Grönland auf dem Weltwirtschaftsforum vergangene Woche wird dies nicht wieder rückgängig machen.
Trump begann das Jahr mit dem Einmarsch in Venezuela und der Entführung von Präsident Nicolas Maduro. Zudem drohte er wiederholt mit Bombenangriffen auf den Iran, um das bürgerlich-klerikale Regime in Teheran zu stürzen. Laut dem Bericht von DR sahen sich die dänischen Behörden unter diesen Umständen gezwungen, sich „auf das schlimmste vorstellbare Szenario vorzubereiten“.
Die von der EU beschlossene Sanktionierung von Einzelpersonen, die journalistisch und/oder politisch tätig sind, und die in oder auch außerhalb der EU leben, ist konkret die beabsichtigte Abschaffung der Meinungsfreiheit – und sie ist eine absolute Schande für Europa und ein klares Indiz für Europas kulturellen Untergang. Wir publizieren hier zuerst einen Artikel von RT/DE darüber, was die Sanktionierung für die betroffenen Menschen bedeutet, und anschließend einen Artikel von Fyodor A. Lukyanov, dem Chefredakteur der russischen Zeitschrift Russia in Global Affairs, der gleichzeitig mit dem Schweizer Jacques Baud von der EU sanktioniert wurde. Der Leser kann dann selber entscheiden, ob es gerechtfertigt ist, den Schreiber eines solchen Artikels zu sanktionieren. (cm)
Einsatzkräfte der Immigration and Customs Enforcement (ICE) in Richfield (US-Bundesstaat Minnesota) am 15. Januar 2026 [AP Photo/Adam Gray] Während die Trump-Regierung die Besetzung von Minnesota durch Militär und Polizei trotz massenhaften Widerstands fortsetzt und auf der ganzen Welt Krieg führt, haben die Demokraten mehrheitlich zusammen mit den Republikanern einen Militärhaushalt in Rekordhöhe verabschiedet.
Am Donnerstag verabschiedete das US-Repräsentantenhaus mit 341 zu 88 Stimmen ein kombiniertes Verteidigungs- und konsolidiertes Ausgabengesetz (H.R. 7148). Dabei stimmten 149 Demokraten mit „Ja“, nur 64 mit „Nein“. Ein separater Gesetzentwurf zur Finanzierung des Heimatschutzministeriums und der Immigration and Customs Enforcement (H.R. 7147) wurde mit 220 zu 207 Stimmen angenommen, darunter den Stimmen von sieben Demokraten.
Die Republikaner machten kein Geheimnis daraus, wofür die Demokraten stimmten. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, der Abgeordnete Tom Cole, erklärte am Donnerstag nach der Abstimmung, der Gesetzentwurf „setzt sich für Amerikas Militärmacht ein und sorgt dafür, dass unsere tapferen Soldaten die Mittel, Waffensysteme und Kapazitäten haben, um jedem Gegner auf der ganzen Welt jederzeit entgegenzutreten“. Er fasste den Zweck des Gesetzentwurfs in drei Worten zusammen: „America First, vollfinanziert.“
Aufmerksame Beobachter können zwischen den Zeilen lesen und auch Russlands Unmut über Trump erkennen.
Die erste Pressekonferenz des russischen Außenministers Sergej Lawrow Ende Januar befasste sich mit vielen Themen, darunter vor allem mit dem Plan der Europäer, Trumps Friedensplan für die Ukraine zu untergraben. Ihm zufolge spricht Großbritannien „immer häufiger im Namen der EU“ und spielt daher eine führende Rolle bei diesen Bemühungen, „die sich auf eine Sache konzentrieren – einen sofortigen Waffenstillstand, ergänzt durch rechtliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Die Frage ist, worauf sich diese Sicherheitsgarantien beziehen.“
Nach Ansicht von Lawrow besteht das Ziel darin, „das derzeitige Nazi-Regime zu erhalten“, das „die Krim, Noworossija und den Donbass niemals rechtlich als Teil Russlands anerkennen wird … Und ein Waffenstillstand entlang der derzeitigen Kontaktlinie, nach dem ‚der Westen helfen wird‘, ist für uns inakzeptabel, weil sie dort Stützpunkte errichten werden.“ In diesem Szenario werden „[Frankreich und Großbritannien] eine multinationale Truppe in der Ukraine stationieren, dort ein Netzwerk von Militärzentren (Stützpunkten) aufbauen … und mehr Waffen in die Ukraine pumpen, um die Russische Föderation zu bedrohen“.
Um diese Ziele zu erreichen, versuchen sie, „Trump (von ihren Vorzügen) zu überzeugen und ihn (dann) dazu zu bringen, Putin zu zwingen, dies zu akzeptieren, und dass sie alle dafür eintreten werden“, sobald dies geschieht. „Trumps Idee, die wir in Anchorage diskutiert und unterstützt haben, wurde von dieser europäischen Elitegruppe kategorisch abgelehnt.“ Lawrow erwähnte es nicht, aber Trump hat sich nicht gegen die Untergrabung seines ukrainischen Friedensplans durch die Europäer gewehrt, der Russland viel besser gefiel und zumindest vermutlich die Absicht erklärte, die Grundprobleme zu lösen.
Diese Beobachtung deutet stark darauf hin, dass Trump erneut unter den Einfluss anderer gerät, in diesem Fall unter den Einfluss kriegstreiberischer Europäer und ihrer neokonservativen Verbündeten in den USA, möglicherweise nachdem er dazu verleitet wurde, Russlands Zurückhaltung als eine Schwäche anzusehen, die er ausnutzen kann, um die Interessen seines Landes [bzw. die der es beherrschenden Oligarchie; die Red.] maximal im Sinne eines Nullsummenspiels voranzutreiben. Diese Interessen bestehen darin, Russland zu möglichst vielen Zugeständnissen zu zwingen, idealerweise zu solchen, die seine strategische Gesamtposition schwächen, was Putin jedoch weiterhin ablehnt, da er [verständlicherweise; die Red.] keinen Grund sieht, dem nachzukommen.
In Zusammenhang mit diesem Ziel ist Lawrows Warnung vor dem Versuch der USA, eine strategische Überlegenheit gegenüber Russland zu erlangen, relevant. Er sprach darüber ebenfalls während derselben Pressekonferenz. Die Relevanz besteht darin, dass die Neutralisierung der nuklearen Zweitschlagfähigkeiten Russlands durch die vier miteinander verbundenen Mittel, die er angesprochen hat und die hier analysiert wurden, solche Zugeständnisse wahrscheinlicher machen könnten. Russland ist jedoch in der Lage, diese Fähigkeiten zu behalten, sodass dieses Ziel auf diese Weise nicht erreicht werden wird.
Daher besteht die einzige Möglichkeit für die USA, ihr Nullsummenspiel fortzusetzen (sofern Trump weiterhin dem Einfluss kriegstreiberischer Europäer und ihrer neokonservativen Verbündeten in den USA erliegt), indem sie den Krieg fortsetzen und gleichzeitig den Druck auf Russland durch sekundäre Sanktionen verstärken, was derzeit beides geschieht. Trump hätte die Europäer dafür bestrafen können, dass sie seinen in Anchorage vereinbarten Friedensplan für die Ukraine untergraben haben, oder ihnen zumindest klarmachen können, dass sie damit aufhören sollen, aber bisher hat er beides nicht getan, sehr zum Leidwesen Russlands [sowie auch der unter dem Krieg leidenden ukrainischen Bevölkerung; die Red.].
Es ist nicht auszuschließen, dass Trump dies eines Tages tun wird, doch vorerst ist Moskau zu Recht skeptisch gegenüber seinen Absichten, will aber auch nicht riskieren, den US-Präsidenten durch die offene Äußerung dieser Meinung zu verärgern und damit das Worst-Case-Szenario, dass er den Konflikt noch verschärft, zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden zu lassen. Das erklärt, warum Lawrow während seiner Pressekonferenz nur die Europäer kritisierte und nicht Trump. Aufmerksame Beobachter können jedoch zwischen den Zeilen lesen und auch Russlands Unmut über den US-Präsidenten erkennen.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Wie so oft in diesen Tagen hängt ein entscheidender Angriff auf den Iran letztendlich von Trumps Psychologie und seinem Bedürfnis ab, die Aufmerksamkeit aller um ihn herum auf sich zu ziehen.
Trump versteht, dass seine maximalistischen Äußerungen, so verrückt sie auch erscheinen mögen – und sind –, dennoch in der Regel zu einem „Image des starken Mannes” führen. Trumps Karriere basiert auf der Prämisse, dass seine Anhänger den „starken Mann” lieben und jedes Anzeichen von Schwäche die Illusion von Stärke beeinträchtigt. Das hat für ihn im Allgemeinen gut funktioniert.
Die europäischen Eliten finden dies jedoch schwer zu verdauen – was vielleicht verständlich ist – und verfallen in Wutausbrüche.
Der Schlüssel liegt, wie Trump-Beobachter Michael Wolff vermutet hat, darin, dass Trump tagelang sagt, dass „dies oder jenes“ entweder „auf die einfache oder auf die harte Tour“ gemacht wird, und der Wendepunkt in der Regel dann kommt, wenn er sich aus seinen maximalistischen Positionen zurückziehen muss, wobei er immer behauptet, dass alles ein Erfolg der „Kunst des Deals“ war – und das Ergebnis genau das ist, was er von Anfang an beabsichtigt hatte.