Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Sparkasse Karlsruhe: Sparen Sie sich die falschen Kontakte!

Von Christian J. Zeller – 26. Oktober 2026

Debanking, Symbolbild, KI-generiert
Quelle: Dieses Bild wurde mittels ChatGPT entwickelt.

Die Sparkasse Karlsruhe begründet die Kontokündigung des Journalisten Flavio von Witzleben unter anderem mit dessen Kontakt zu einem EU-Sanktionierten. Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wird aus dem Sanktionsrecht zunehmend ein Instrument politischer Kontaktschuld?

Die Sparkasse entfaltet für viele Bürger in Deutschland immer noch die unmittelbare Anmutung der Vertrauenswürdigkeit. Viele kennen sie noch, die Dame oder den Herrn von der Bank, die dem stolzen Grundschulkind das erste Sparbuch überreichte und so bei manchen die Grundlage für lebenslangen Wirtschaftssinn und Sparsamkeit legte. Die Gründe, der Sparkasse zu vertrauen, sind mittlerweile drastisch geschwunden. Sie nimmt bisweilen erfolgreichen Journalisten die finanziellen Mittel, wenn sie aus der geistigen Ödnis, die „unsere Demokratie“ bedeutet, ausbrechen.

Mit Wirkung zum 7. Januar wurde dem Youtuber Flavio von Witzleben von der Sparkasse Karlsruhe das Geschäftskonto gekündigt. Auf seinem Youtube-Kanal führt er wohlinformierte Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Weltanschauung. Flavio von Witzleben klagte vor dem Amtsgericht Karlsruhe gegen die Kontokündigung. Die Klage ist nach wie vor anhängig.

Nun ging von Witzlebens Anwalt Markus Haintz die Klageerwiderung der Sparkasse zu. Nach von Witzlebens Darstellung führt die Sparkasse folgende Umstände für die Kontokündigung an: So seien erstens ungewöhnlich viele Kleinspenden eingegangen. Bei gegenwärtig 199.000 Kanal-Abonnenten sind die zahlreichen Kleinspenden der Sparkasse Karlsruhe offenbar unerklärlich. Die Sparkasse vermutet deshalb Geldwäsche.

[Hier weiterlesen auf Overton-Magazin]

Gute und böse Nazis – der selektive Antifaschismus in Politik und Medien

Von Alexander Neu – 26. Oktober 2026

Ein Ustascha-Wachmann (kroatischer Faschist) steht inmitten von Leichen im Konzentrationslager Jasenovac, Jugoslawien, 1942. Jewish Historical Museum, Belgrade. Copyright: Public Domain

Dem deutschen Michel wird es wahrlich nicht leicht gemacht. Hat er doch in der Schule und auch im späteren Leben viel von den Nazis und Faschisten gehört, die Deutschland und Europa in den Abgrund rissen, 60 Millionen Tote, darunter sechs Millionen rassistisch motivierte Ermordungen der europäischen Juden und 27 Millionen getötete und ermordete sowjetische Staatsbürger – davon rund die Hälfte Zivilisten im Vernichtungskrieg im Osten. Hinzu kommen weitere viele Millionen Opfer in anderen europäischen, vornehmlich osteuropäischen Staaten. Der faschistische Vernichtungskrieg im Osten wird massenmedial und politisch weniger thematisiert als der Holocaust an den Juden. Das hat natürlich nichts mit der Politik der Zwei-Klassen-Opfer zu tun, sondern ist einfach mal so. Und wie ist es mit den Tätern, den Nazis? Auch hier beschleicht einen der Eindruck, dass es Zwei-Klassen-Nazis gibt. Die guten und die bösen Nazis.

Böse, gute und wenig wahrgenommene Nazis – Perversion in der Geopolitik?

Wenn es um die Identifikation böser Nazis geht, reicht ein Blick in die deutsche Geschichte. Die deutsche Variante des Faschismus, der Nationalsozialismus, stellt in der Menschheitsgeschichte wohl bislang die extremste, die grausamste Form der Menschenverachtung dar: Die Rassentheorie und damit einhergehend die vermeintliche „Rassenhierarchie“. Der Deutsche, der Arier, an der Spitze und der Jude als vermeintlicher „Untermensch“ ganz unten. Die anderen Völker irgendwie dazwischen – und je dunkler die Haut-, Augen- und Haarfarbe, desto weiter unten die Zuordnung in der vermeintlichen Hierarchie. Der deutsche Nationalsozialismus verkörperte gewissermaßen in Reinform das Böse. Daran sollten keine Zweifel gehegt werden.

Die deutschen Nazis waren allerdings nicht allein. In vielen europäischen Staaten gab es Sympathisanten und Kollaborateure. Das Vichy-Regime in Frankreich, die faschistischen Regime in Italien unter Mussolini und in Spanien unter Franco, ebenso wie das kroatische Ustaša-Regime unter Pavelic nach der ersten Zerschlagung Jugoslawiens. Und auch im Baltikum wie auch in der ukrainischen Sowjetrepublik konnten sich die deutschen Nazis auf Kollaborateure mit gleicher Gesinnung verlassen.

Allerdings wird über die europäischen faschistischen „Kooperationspartner“ der Nazis in Politik und Massenmedien auffällig wenig berichtet. Jeder kennt, oder sollte zumindest kennen, die Konzentrationslager Auschwitz, Dachau, Buchenwald etc. Wer aber kennt das ehemalige KZ Jasenovac in Kroatien, dem damaligen Jugoslawien? Das KZ Jasenovac war das größte Vernichtungs- und Konzentrationslager des faschistischen Ustaša-Regimes im sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien (NDH) während des Zweiten Weltkrieges. Dort wurden Menschen (Serben, Roma und jugoslawische Antifaschisten, darunter Kroaten und Bosnier) wegen ihrer Ethnie oder antifaschistischen Haltung bestialisch ermordet. Die kroatische Ustaša stand in ihrer Grausamkeit den deutschen Faschisten in nichts nach. Und auch Teile der slowenischen („Domobranzen“), der bosnisch-muslimischen („Waffen-SS-Gebirgs-Division ,Handschar´“) und albanischen („Balli Kombetar“) Bevölkerung gehörten zu den zuverlässigen und „fleißigen“ Schlächtern, die mit Nazi-Deutschland engstens kooperierten. Nicht minder die ukrainischen und baltischen Faschisten – auch sie eiferten ihren deutschen Kollegen in Fragen der Grausamkeit eifrig nach.

Hinzu kommt: Ehemalige SS-Mitglieder aus dem Ausland beziehen oder bezogen Renten aus Deutschland. Offensichtlich wird durchaus unterschieden zwischen bösen deutschen Nazis auf der einen und am liebsten gar nicht thematisierten europäischen, mit Deutschland verbündeten Nazis auf der anderen Seite.

Vorbildliche Demokraten und Freiheitskämpfer für westliche Werte oder verkappte gute Nazis?

Für den interessierten, und nur interessierten, Beobachter ist es schon auffällig, dass nicht nur Renten an alte SS-Mitglieder gezahlt wurden und vielleicht sogar noch gezahlt werden, sondern dass nach der deutschen Einheit 1990 Gruppierungen oder Staaten eine besondere Unterstützung durch Deutschland erhielten, die bereits mit Nazi-Deutschland eng kooperierten. Ist es schlicht Geschichtsvergessenheit oder steht eine Agenda dahinter? Ich vermag es nicht abschließend zu beurteilen. Der Leser möge sich sein eigenes Bild machen:

[Hier weiterlesen auf den NachDenkSeiten]

„Historische Mobilisierung“ in Frankreich als Antwort auf autoritäre Verbote

Von Ralf Streck – 26. Oktober 2026

Demo am Samstag in Paris mit hunderttausenden Teilnehmern. Screenshot: Video von sarakadaoui auf instagram

Der Möchtegern-Sonnenkönig oder kleine Napoleon, seines Zeichens abgehalfterter französischer Präsident Macron, hat versucht, die Demonstrationen am Wochenende praktisch zu verbieten. Doch die Menschen ließen sich ein Grundrecht nicht nehmen und mehr als 800.000 Menschen übernahmen trotz Verbot, Militärs und einem massiven Polizeiaufgebot die Straßen. Da Krawallbilder gebraucht wurde, prügelte die Polizei an vielen Orten auch in Aktionseinheit mit Nazis auf Demonstranten ein.

„Sie wollten uns zum Schweigen bringen und die Demonstrationen verbieten, doch wir sind noch zahlreicher geworden: Die Mobilisierung ist HISTORISCH!“, twitterte die linke französische Europaparlamentarierin Manon Aubry. Sie sprach dabei von den Massenmobilisierungen am Samstag im gesamten Land, wo sich weiter Schülerinnen und Schüler gegen den Bildungsnotstand auflehnen. Doch die Proteste sind längst weit darüber hinausgewachsen. Es wird gegen das immer teurere Leben, aber auch gegen das immer autoritärere Gehabe eines Präsidenten Emmanuel Macron Widerstand geleistet, der mit Ausgangssperren, der Mobilisierung des Militärs und zuletzt auch mit einem allgemeinen Demonstrationsverbot die Demokratie praktisch außer Kraft setzt. Die soll aber angeblich verteidigt werden.

Tatsächlich war die Mobilisierung vor allem in Paris kolossal, wie Bilder und Videos zeigen. Allein in der Hauptstadt sollen mehr als 250.000 Menschen demonstriert haben, es könnten aber auch deutlich mehr gewesen ein. „Kein Verbot wird die Mobilisierung aufhalten“, hat deshalb die Politikerin Aubry von der Linkspartei „La France Insoumise“ (Das Unbeugsame Frankreich/LFI) mit Blick darauf erklärt, dass die nächsten Großproteste schon geplant sind. So soll es am 31. Oktober unter anderem einen Kaufstreik geben und dann am 5. November einen Generalstreik.

Die Präsidentin der Linksfraktion im Europaparlament sprach sich klar gegen Gewalt aus. „Die Antwort kann NUR politischer Natur sein“, fügte Aubry an. Denn von Seiten der Macronisten und dem rechtsextremen „Rassemblement National“ (Nationale Sammlungsbewegung/RN) von Marine Le Pen wird stets behauptet, die LFI von Jean-Luc Mélenchon stehe hinter den Krawallen. Damit sollen die LFI und Mélenchon als aussichtsreicher Kandidat vor den Präsidentschaftswahlen in spätestens sechs Monaten diskreditiert werden.

Der konnte jedoch richtigerweise von einem „vollständigen Sieg der sozialen Bewegung“ sprechen. Dass LFI hinter der Gewalt steht, ist Unsinn. Sicher und nachgewiesen ist dagegen längst, dass sowohl sogenannte Sicherheitskräfte in Form von Polizeiprovokateuren (agents provocateurs) oder bekannte Rechtsradikale in die massiven Unruhen und die Plünderungen vor einer Woche verwickelt waren. Das hat Overton kürzlich hier schon ausgiebig herausgearbeitet.

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Israel fällt im Westjordanland ein und bereitet zusammen mit Trump neue Angriffe auf den Iran vor

Von Andre Damon – 25. Oktober 2026

Am Freitag, den 23. Oktober, riegelte die israelische Regierung das besetzte Westjordanland ab. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er bereite dort eine Militäroperation vor, wie es sie seit der Eroberung des Gebiets durch Israel im Jahr 1967 nicht mehr gegeben habe.

Im Bündnis mit der Trump-Regierung weitet die israelische Regierung den Völkermord in Gaza auf das Westjordanland aus. Gleichzeitig bereiten die USA und Israel eine neue Offensive gegen den Iran vor.

Beides ist Teil einer zusammenhängenden Operation zur Schaffung eines „neuen Nahen Ostens“, wie sie Präsident Joe Biden (Demokraten) im Oktober 2023 eingeleitet und Donald Trump seither durchgesetzt hat. Die vollständige Unterwerfung und ethnische Säuberung Palästinas ist eine logische Konsequenz der Kriegspläne der Regierungen von Trump und Netanjahu.

Netanjahu ordnete die Abriegelung nicht zufällig jetzt an: Am 27. Oktober finden die israelischen Parlamentswahlen und am 3. November die US-Zwischenwahlen statt. Vier Tage zuvor hielt sich US-Verteidigungsminister Pete Hegseth in Israel auf. Die New York Times schrieb am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, Hegseth und Netanjahu hätten über neue Angriffe auf den Iran nach den US-Zwischenwahlen diskutiert.

Genau wie bei den Angriffen der Hamas am 7. Oktober 2023, die Netanjahu als Vorwand für die Besetzung des Gazastreifens und die Vertreibung und Ausrottung seiner Einwohner nutzte, nimmt er diesmal einen Angriff auf israelische Soldaten zum Vorwand für die Offensive zur Annexion des Westjordanlands.

Zwei Soldaten, Stabsfeldwebel Ron Yonatan Roytman (23) und Feldwebel Yuval Shai Svilem (20), wurden am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt außerhalb von Hebron im südlichen Westjordanland getötet. Das israelische Militär behauptete, zwei Palästinenser aus Hebron hätten das Feuer auf den Kontrollpunkt eröffnet und seien später, nach einem 20-minütigen Schusswechsel, von israelischen Soldaten erschossen worden.

Netanjahu kündigte die Zerstörung des Stadtteils an, aus dem die mutmaßlichen Schützen kamen. Die Times of Israel berichtete am Freitag, er habe an dem Kontrollpunkt erklärt: „Zunächst werden wir diesen Ort zerstören, ihn vollständig umgestalten.“ Das Militär werde das „erfolgreiche und aggressive Vorgehen anwenden, das wir in den Flüchtlingslagern angewandt haben; [wir werden] von Haus zu Haus“ gehen.

Ebenfalls am Freitag erklärte Netanjahu, die Regierung erwäge „eine sehr umfangreiche Operation der IDF in Judäa und Samaria“, d.h. im Westjordanland, wie sie seit dem Krieg von 1967 „nicht mehr durchgeführt wurde“.

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Freitag, genau wie in Gaza werde „jedes Clan-Viertel in Hebron, aus dem die Terroristen heute hervorgekommen sind, von seinen Bewohnern geräumt werden“.

Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb am Freitag: „Es gibt keine Alternative zu einer umfassenden Militäraktion in Judäa und Samaria, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen, die Waffen einzusammeln und die Terroristen zu eliminieren, genau wie wir es in Gaza getan haben.“ Die Palästinensische Autonomiebehörde verwaltet die palästinensischen Städte im Westjordanland, und es gibt keine Beweise für eine Verbindung zu den bewaffneten Angreifern.

Bis Freitagabend zerstörte das Militär laut der Times of Israel palästinensische Gebäude in der Nähe von Hebron. Smotrich hatte zuvor erklärt, er habe die sofortige Zerstörung „eines großen Teils der illegalen arabischen Gebäude“ angeordnet. Das Militär erklärte am Abend, es habe „offensive Anti-Terror-Einsätze im Raum Hebron eingeleitet“.

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Sie sagen Frieden und meinen Krieg

Von Michael Silnizki – 25. Oktober 2026

Die Staats- und Regierungschefs von Belarus, Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine in Minsk während der Verhandlungen über das Minsk-2-Abkommen im Februar 2015. Bild: Kreml/CC BY-SA-4.0

Merz, Wadephul und der Waffenstillstand.

 „Die Geschichte ist der Mythos der bewussten Menschheit und der Krieg ihr blutiges Ritual.“ – Rita Bischof1

 1. Merz – Staatsmann oder Political Showman?

    Bei seinem geheim gehaltenen Ukrainebesuch ausgerechnet am Tag der Einheit hat Friedrich Merz dem Kiewer Regime erneut ein Milliarden-Hilfspaket zugesichert. Ziel der geheim gehaltenen Nachtfahrt formulierte Merz gleich nach seiner Ankunft am Kiewer Hauptbahnhof: „Die Ukraine braucht für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung. … Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns“.

Diese geradezu axiomatisch postulierten und seit Monaten mantraartig wiederholten Sätze suggerieren Stärke, erwecken den Eindruck eines starken Mannes, der vor lauter Kraft kaum gehen kann und ein Deutschland repräsentiert, das jederzeit kriegsbereit und kriegstüchtig ist. In Wirklichkeit zeigt aber die Äußerung, wie wenig Merz im zweiten Jahr seiner Regentschaft verstanden hat, worum es im Ukrainekonflikt geht und wie sehr er immer noch ein Rollenspieler und kein Machtspieler ist2.

   Merz simuliert die „Stärke“, die er nicht hat, und weigert sich zu begreifen, dass er mit seiner Simulation nicht nur Russland, sondern auch den Rest der Welt kaum beeindrucken kann. Gleichwohl droht Merz Russland unentwegt in alle Himmelsrichtungen. Sollte Russland keinem Waffelstillstand zustimmen, werde es „massive Hilfen“ für die Ukraine und Sanktionen gegen Russland geben, sagte er bereits vor gut einem Jahr bei seinem Besuch in Kiew am 10. Mai 2025.

Vor dem teilweise zerstörten Gebäude der Akademie der Wissenschaft im Zentrum Kiews stehend, meinte Merz am 3. Oktober 2026 entrüstet: Man sehe „die ganze Sinnlosigkeit des Krieges“. Dass Deutschland diese Sinnlosigkeit bis dato mit gut 100 Milliarden Euro (43,3 Milliarden Euro für zivile und 57,6 Milliarden Euro für militärische Unterstützung) tatkräftig unterstützt und damit sinnlos Öl ins Feuer gießt, darüber schwieg Merz geflissentlich.

An Putin gerichtet, fügte er sodann theatral hinzu: „Wir können sprechen, aber erst, wenn die Waffen schweigen. Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf.“ Irritiert und peinlich berührt, fragt sich unsereiner: Wem will Friederich Merz was vormachen? Trump verhandelt mit Putin bereits seit zwei Jahren, ohne dass die Waffen schweigen und ohne Bedingungen zu stellen. Aber Friederich III. „der Große“ stellt Bedingungen, bevor er sich gnädigerweise dazu herablässt, mit Putin zu sprechen.

Weiß der Bundeskanzler überhaupt, wie Kriege beendet werden? Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass er in seinem Leben kein einziges militärhistorisches Werk gelesen hat. Kriege werden nicht auf den Marktplätzen der Republik und anderswo mit Megafon in der Hand beendet, sondern in mühsamen, schweißtreibenden Friedensverhandlungen. Alles andere wäre Effekthascherei!

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Putin über Russlands Beweggründe für den Einsatz von Atomwaffen zur Verteidigung Kaliningrads gegen die NATO

Von Andrew Korybko – 25. Oktober 2026

Die militärischen Fähigkeiten der NATO in Europa stellen die konventionellen Streitkräfte Russlands in der Exklave völlig in den Schatten.

Putin wurde während der Fragerunde im Anschluss an seine Rede auf der Konferenz des Waldai-Klubs Anfang Oktober gebeten, sich zu der Erklärung seines Außenministeriums zu äußern, wonach Russland im Falle eines Angriffs auf Kaliningrad auf Atomwaffen zurückgreifen werde. Er erklärte: „Wir hätten es mit einem Gegner zu tun, dessen Bevölkerung doppelt so groß ist wie die unsere. Er verfügt über ein immenses wirtschaftliches und militärisches Potenzial. Ja, wir hätten nicht ein ausreichend umfangreiches Spektrum an Streitkräften und Mitteln zur Verfügung, um einer solchen Bedrohung entgegenzuwirken. Wir müssten uns in diesem Kampf auf unsere Wettbewerbsvorteile verlassen.“

Was diese Wettbewerbsvorteile angeht, erinnerte Putin alle daran, dass „niemand sonst über die Art von Schlagkraft verfügt, die Russland heute besitzt“, und fügte hinzu: „Wir bedrohen niemanden. Wir stellen lediglich fest, dass wir nicht allzu viele Mittel haben, um uns zu verteidigen.“ Seine Erklärung könnte viele „nicht-russische Pro-Russen“ schockieren, die glauben, Russland würde die europäische NATO einfach überrollen, so wie es einige seiner Gegner hysterisch in ihrer Panikmache behaupten.

Zunächst einmal hat die EU etwa dreimal so viele Einwohner wie Russland, nicht nur doppelt so viele. Zweitens heißt es in der Nationalen Verteidigungsstrategie von Trump 2.0, dass „die europäische NATO Russland in Bezug auf wirtschaftliche Größe, Bevölkerungszahl und damit auch latente Militärmacht in den Schatten stellt“ – sie muss nur richtig organisiert werden. Und schließlich sieht das NATO-3.0-Konzept, das die amtierende Trump-Regierung aktiv umsetzt, vor, dass die USA die Eindämmung Russlands mittels der europäischen NATO überwachen, wozu auch die Optimierung des oben genannten Zusammenspiels der Faktoren zu diesem Zweck gehört.

Die Westflanke des neuen „Cordon sanitaire“, den Trump 2.0 um Russland herum errichtet hat, ist am weitesten fortgeschritten, da sie NATO-Verbündete in der Arktis-Ostsee-Region, in Mitteleuropa und im Schwarzmeerraum miteinander verbindet. Zu den ersten beiden geografischen Regionen gehören der von Schweden angeführte Wikinger-Block, Deutschland und Polen, die alle drei in der Lage sind, Kaliningrad entweder allein oder gemeinsam anzugreifen. Zur Erinnerung: Deutschlands erster militärischer Auslandsstützpunkt seit dem Zweiten Weltkrieg wurde im vergangenen Frühjahr in Litauen eröffnet, das an Kaliningrad grenzt.

Diese russische Exklave ist nur geringfügig größer als Connecticut und hat etwas mehr als eine Million Einwohner, was eine Eroberung durch koordinierte Luft-, See- und Bodenangriffe relativ einfach macht – daher die Notwendigkeit, zu erklären, dass Russland zur Selbstverteidigung und zu Abschreckungszwecken auf Atomwaffen zurückgreifen würde. Zudem beherbergt Kaliningrad das Hauptquartier der russischen Ostseeflotte und soll vermutlich auch einige seiner Atomwaffen beherbergen, sodass die nationale Sicherheit Russlands durch dessen Zerstörung oder Einnahme erheblich beeinträchtigt würde.

Diese Fakten – Kaliningrads Status als Exklave, die Beherbergung eines regionalen Militärhauptquartiers und möglicherweise auch einiger Atomwaffen – verdeutlichen, warum Russland im Falle einer ernsthaften Aggression gegen die Region auf Atomwaffen zurückgreifen würde und dies zu Abschreckungszwecken auch erklärt hat, bei Kursk jedoch nicht. Kursk wurde lediglich von der Ukraine angegriffen, deren Streitkräfte die Stadt weder zerstören noch einnehmen konnten, und ihre Lage auf dem „russischen Festland“ erleichterte die Einleitung einer Gegenoffensive. Außerdem befanden sich dort weder ein regionales Militärhauptquartier noch Atomwaffen.

Nachdem nun die Unterschiede zwischen diesen beiden Fällen geklärt sind – die erklären, warum Russland erklärt hat, Kaliningrad mit Atomwaffen zu verteidigen, Kursk jedoch nicht –, stellt sich die Frage, ob dies ausreicht, um die europäische NATO abzuschrecken. Trotz der harten Rhetorik ihrer Staats- und Regierungschefs aus innenpolitischen Gründen sind sie immer noch Menschen mit Selbsterhaltungstrieb; daher könnten sie sich entscheiden, keinen Selbstmord zu begehen, indem sie davon Abstand nehmen, eine ernsthafte Aggression gegen Kaliningrad zu genehmigen, von der sie wissen, was darauf folgen würde.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Die Rolle der Türkei im Kampf des Westens gegen Russland um Einfluss in Armenien und dem Kaukasus

Von Ruslan Pankratow (Übersetzung/Einleitung: Thomas Röper) – 25. Oktober 2026

Derzeit wächst die Gefahr, dass Armenien mittelfristig zu einer Art „Ukraine 2.0“ ausgebaut wird, also einem weiteren „Anti-Russland“ an Russlands Grenze, das in einem Stellvertreterkonflikt des Westens gegen Russland instrumentalisiert werden kann. Dabei spielt die Türkei eine wichtige Rolle.

Der Kaukasus ist ein geopolitisch genauso komplizierte, wie wichtige Region, in der das kleine Land Armenien mit seinen nur etwa drei Millionen Einwohnern, das wohl nur wenige Menschen in Deutschland und Europa auf Anhieb auf der Landkarte finden würden, eine sehr wichtige Rolle spielt. Wie wichtig Armenien ist, sieht man beispielsweise daran, dass die USA in dem Land ihre zweitgrößte Botschaft der Welt gebaut haben, oder daran, dass die USA in wohl keinem Land der Welt so viel Geld pro Einwohner für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung ausgeben.

Armenien ist unter anderem deshalb so wichtig, weil im Kaukasus konkurrierende Logistikkorridore aufeinander treffen. Da sind einerseits Chinas Seidenstraße und Russlands Nord-Süd-Korridor, der Russland über den Iran einen Zugang zum indischen Ozean geben soll, und andererseits ist dort der „Sangesur-Korridor“, der Armeniens bisherigem Gegner Aserbaidschan mit seiner Schutzmacht Türkei verbindet. Dieser Korridor ist explizit gegen Russland und den Iran gerichtet.

Die Türkei hat dabei mehrere Interessen, denn einerseits geht es ihr um Einfluss im Kaukasus, aber Erdogan hat auch den Ehrgeiz, den Einfluss der Türkei auf die Turkvölker in Asien auszubauen, was ebenfalls gegen Russland, aber auch China gerichtet ist. Dass der Westen der Türkei dabei Rückendeckung gibt, ist klar, denn alles, was Russland schwächt, unterstützt der Westen natürlich.

Die Lage in der Region ist sehr kompliziert, aber da die Region das Potenzial hat, zu einem neuen großen Konfliktgebiet zu werden, berichte ich darüber immer mal wieder, auch wenn viele Leser bei diesen Artikeln wahrscheinlich eine Landkarte öffnen müssen, um sie besser zu verstehen. Hier übersetze ich den Artikel eines russischen Experten über die letzten Entwicklungen in dieser geopolitisch hochgradig spannenden Region. […]

Die türkisch-armenische Annäherung ist eine gesteuerte Falle

Durch eine strategische Blindheit an seinen südlichen Grenzen würde Moskau faktisch riskieren, dass an seinen Südgrenzen ein Anti-Russland entsteht.

Von Ruslan Pankratow, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für GUS-Staaten

Armenien und die Türkei lebten drei Jahrzehnte lang in einem Zustand, der einem Kalten Krieg im Kleinen glich: eine geschlossene Grenze, das Fehlen diplomatischer Beziehungen, die Erinnerung an den Völkermord von 1915 und das Bündnis zwischen Ankara und Baku – all dies ließ eine Normalisierung eher als Gegenstand einer rein theoretischen akademischen Übung erscheinen denn als praktische Politik. Nach der Katastrophe in Karabach im Jahr 2020 und der endgültigen Preisgabe von Karabach im Jahr 2023 aber hat sich die Lage radikal verändert. Jerewan geriet in einen strategischen Zusammenbruch, während Russland aufgrund Jerewans Außenpolitik in die Rolle eines „abwesenden Verbündeten“ rutschte. Vor diesem Hintergrund war es denn, dass Armenien eine scharfe Wende in Richtung Westen vollzog – und damit einhergehend eine beschleunigte Annäherung an die Türkei.

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Der Iran-Krieg und die „schreckliche Macht des Geldes“

Von Alastair Crooke – 24. Oktober 2026


Die gewaltsame Fortsetzung des Angriffskrieges gegen den Iran steht offenbar für November auf dem Plan der USA. Der Start wird für nach den Midterm-Wahlen am 3. November erwartet. Nicht nur Trump verkündet das ganz offen, auch Außenminister Marco Rubio tut es.

Der „große Plan“, „den Platz [der westlichen Zivilisation] an der Spitze der Welt zu sichern“ (wie Marco Rubio es formulierte), erfordert zwei Instrumente zur Durchsetzung: Die Schürung zerstörerischer revolutionärer Leidenschaft von unten (heute als „Regimewechsel“ bezeichnet); und zweitens den Einsatz dessen, was Theodor Herzl in einem mittlerweile berühmten Satz als „die schreckliche Macht des Geldes, um unwiderstehlichen Druck auf die internationale Politik auszuüben“ bezeichnete, um die herrschenden Schichten in ein Machtnetzwerk einzubinden, das das „Grand Design“-„Projekt“ vorantreiben würde.

Genau das beobachten wir bei Trumps Krieg gegen den Iran. Der israelisch-amerikanische Angriff im Juni 2025 war in erster Linie ein „Enthauptungs-Angriff“, der darauf abzielte, sowohl die politische als auch die militärische Führung des Iran außer Gefecht zu setzen, während bewaffnete, vom Mossad ausgebildete Kräfte – unter anderem die MEK und belutschische Separatisten – in den Iran eingeschleust werden sollten, um von der Basis aus eine Revolution anzuzetteln. Zu dieser Zeit wurde der Sohn des ehemaligen Schahs – unglaubwürdig – den westlichen Medien als künftiger Führer des Iran präsentiert.

Es hat nicht funktioniert. Und nun verkündet Netanjahu, Israel habe „neue Beweise“ dafür, dass der Iran darauf hinarbeitet, eine Waffenkomponente für sein Atomprogramm herzustellen. Er sagt Trump, dass er nun die Zerstörung des Iran zu Ende bringen müsse. Und um Trump weiter zu motivieren, berichtet die führende israelische Tageszeitung Ma’ariv, dass Israel Likud-Umfrageergebnisse direkt ins Weiße Haus weitergeleitet habe, wonach Netanjahu die israelischen Wahlen am 27. Oktober gewinnen könnte. Dem Bericht zufolge veranlassten diese Likud-Informationen (die den meisten anderen israelischen Umfragen widersprechen) Trumps uneingeschränkte Wahlunterstützung für Netanjahu.

Gleichzeitig schwingen die pro-zionistischen Milliardärsspender die „schreckliche Macht des Geldes“ gegenüber Trump: „Wir werden nichts weniger als die Niederlage des Iran akzeptieren. Wenn Sie weiterhin ein Abkommen anstreben, werden wir Ihnen unsere finanzielle Unterstützung entziehen.“

Hochrangige aktuelle und ehemalige Sicherheitsbeamte in Israel weisen jedoch die Notwendigkeit eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs auf den Iran sowie die Behauptung zurück, es gäbe neue Beweise dafür, dass der Iran auf eine Atomwaffe zusteuere —

IDF-Stabschef Zamir sagte gegenüber dem israelischen Sender Channel 13: „Wir sehen keine Notwendigkeit, den Iran vor den Wahlen anzugreifen“.

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Die Protestbewegung der Schüler und das Eingreifen der Arbeiterklasse

Von Peter Schwarz – 24. Oktober 2026

Zehntausende Protestierende marschieren während der Demonstration am 17. Oktober 2026 in Paris entlang des Boulevard Saint-Martin in Richtung Place de la République (Bild: WSWS)

Die Massenproteste in Frankreich breiten sich über ganz Europa aus. Nicht weniger als neun Länder – neben Frankreich auch Serbien, Albanien, Spanien, Italien, Griechenland, Belgien, Portugal und Irland – haben in den vergangenen Tagen und Wochen Massenproteste erlebt, die meist von Schülern und Studierenden ausgingen.

Und die Bewegung wächst weiter. In Österreichs Hauptstadt Wien gingen am Donnerstag rund 40.000 gegen die Kürzung des Universitätsbudgets um zehn Prozent auf die Straße. In Deutschland beteiligen sich regelmäßig mehrere zehntausend Jugendliche an den „Schulstreiks gegen Wehrpflicht“.

Von größter Bedeutung ist dabei die wachsende Rolle der Arbeiterklasse. Für November sind in mehreren betroffenen Ländern größere Streiks und nationale Protesttage geplant, an denen sich Millionen Arbeiter beteiligen werden. Das macht deutlich, dass es hier nicht nur um Protest geht. Es entwickelt sich ein grundlegender Klassenkonflikt, der direkt die Frage der Macht stellt.

Wer bestimmt über die Gesellschaft? Die milliardenschweren Oligarchen, die Konzernchefs und ihre Politiker, die alle verfügbaren Mittel zur Steigerung ihrer Profite, für die Aufrüstung und für die Kriege gegen Russland und im Nahen Osten einsetzen? Oder die Arbeiterklasse, die große Mehrheit der Bevölkerung, die eine sichere Zukunft, gute Bildung, bezahlbare Mieten, Energie und Lebensmittel und sichere Renten und Gesundheitsversorgung braucht?

Die meisten der geplanten Streiks und nationalen Protesttage werden von den offiziellen Gewerkschaften organisiert, die nicht die geringste Absicht haben, die Machtfrage zu stellen. Sie unterstützen die Kriegs- und Sparpolitik ihrer Regierungen und arbeiten beim Abbau von Arbeitsplätzen und Löhnen eng mit den Konzernen zusammen.

Sie setzen sich an die Spitze der Bewegung, um sie unter Kontrolle zu halten. Sie haben die Aktionen so lange wie nur möglich hinausgezögert, beschränken sie von vornherein auf einen oder wenige Tage und schüren die Illusion, die Regierungen würden dem Druck von unten nachgeben, obwohl diese Polizei und Militär gegen die Protestierenden einsetzen, Tausende verhaften lassen und die extreme Rechte stärken.

Doch was die Bewegung antreibt, sind reale Klassenfragen: Das Fehlen jeder Zukunftsperspektive für die Jugend; steigende Lebenshaltungskosten, Energiepreise und Mieten; die Verschwendung von hunderten Milliarden für Aufrüstung und Krieg, während Renten und Sozial-, Gesundheits- und Bildungsausgaben zusammengestrichen werden; die unüberbrückbare Kluft zwischen einer Oligarchie, deren Luxus keine Grenzen kennt, und der Masse der Bevölkerung, die jeden Cent umdrehen muss.

Anders als etwa in den 1970er Jahren haben die europäischen Regierungen keinen Spielraum mehr für Zugeständnisse. Das verleiht der Bewegung eine mächtige Dynamik und eine internationale Dimension.

[Hier weiterlesen auf der WSWS]

Israel vor der Wahl

Von Moshe Zuckermann – 24. Oktober 2026

Die Knesset, das israelische Parlament. Bild: Adiel lo/CC BY-SA-3.0

Was bedeutet es, wenn man im israelischen Politdiskurs von „schicksalhaften Wahlen“ redet?

US-Präsident Donald Trump hat bekundet, Benjamin Netanjahu bei den bevorstehenden Wahlen in Israel zu unterstützen. Zwei Tage zuvor erklärte er noch, sich bei den Wahlen nicht einmischen und niemanden unterstützen zu wollen. Oft genug will es scheinen, als halte sich Trump für göttlich; auf jeden Fall lässt sich feststellen, dass seine Wege, ähnlich wie die des allmächtigen Schöpfers von Himmel und Erde unergründlich seien.

Er selbst hat gestanden, dass er von israelischen Personen gedrängt worden sei, seine Unterstützung Netanjahus zu veröffentlichen, er sich aber geweigert habe, dies zu tun. Warum er sich nun, eine Woche vor den Wahlen, eines anderen besonnen hat, bleibt sein Geheimnis. Es hieß bei nicht wenigen Kommentatoren, Trump verarge Netanjahu, ihn zweimal in den Krieg mit Iran mit haltlosen Versprechungen über den Verlauf des Waffengangs hineingeritten zu haben; aber es kam dann nicht zum Sturz des Mullah-Regimes, das Potenzial der Produktion von atomaren Waffen ist mitnichten eliminiert, und auch die Herstellungskapazität von Langstreckenraketen ist wieder aufgebaut worden. Zudem hat der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran eine globale Energiekrise ausgelöst, die die Lebenhaltungskosten in den USA sehr hat ansteigen lassen. Nicht sehr hilfreich für Trump bei den bevorstehenden Midterms – alles eher Gründe für den US-Präsidenten, sich vom israelischen Premier zu distanzieren, zumal Netanjahu bei den meisten US-Bürgern merklich an Ansehen verloren hat, ja regelrecht verhasst ist. Es gibt keine andere Erklärung für Trumps erratisches Verhalten, als die, dass er die kandidierenden Rivalen Netanjahus kaum kennt, nicht zuletzt, weil sie ihn nicht interessieren, wie ihn offenbar Israel bzw. Israels Schicksal nicht sonderlich interessiert. Der Nahe Osten ist ihm mittlerweile insgesamt eine Last, die ihm zwar gute Geschäfte in den Golfstaaten, aber ansonsten vor allem narzisstische Kräkungen einbringt.

Zweifelhaft ist gleichwohl, ob Trumps deklarierte Unterstützung für Netanjahu sich ernstlich auf das Wahlvolk in Israel auswirken wird. Dem war nicht immer so – es gab Zeiten, da wurde jeder Besuch des israelischen Premiers im Weißen Haus, jede erzwungene Rede vor dem amerikanischen Kongress, auch jeder Auftritt vor der UN-Generalversammlung in New York von israelischen Medien und seinen servilen Parteigängern frenetisch bejubelt. Er bewege sich in einer „ganz anderen Liga“, hieß es in seiner Wahlpropaganda, habe guten Kontakt sowohl zu Trump als auch zu Putin, vertrete mithin Israels Interessen meisterlich auf der Weltbühne. Lang, lang ist’s her – der frühere Glanz ist längst verblichen; der kranke, auch gealterte Netanjahu ist nicht mehr der große Politmagier, der als begnadeter Kampagner fähig war, fintenreich jede Wahl für sich zu entscheiden.

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