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Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Das Geschwätz über das angebliche „Machtbeben“

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam – 22. September 2026

Eine parteipolitische Wachablösung ist kein Systemwechsel. Das Establishment verteidigt seine Fleischtöpfe mit Zähnen und Klauen.

Beitragsbild KI-generiert

Schallende Watschen der Wählerschaft wirken (vorerst) nicht. Kanzler Merz, vollmundig sich selbst überhöhend: „[…] Reformen sind das Mittel gegen das autoritäre Gift, das mit der Faszination des Autoritären immer tiefer in unsere Gesellschaft eindringt. Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit […]. Ich werde das aufbringen, als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“[1] Dafür hat der Mann aktuell gerade mal noch 15 Prozent Zustimmungswert. 84 Prozent der Bevölkerung sind gegen seine Reformpolitik.[2] Das provoziert die Frage: Regiert Merz noch demokratisch – oder schon autoritär? Erweitert: Ist Deutschland eine Demokratie – oder doch nur ein Gemeinwesen, das alle äußeren Merkmale von Demokratie aufweist, ohne deren Kern zu besitzen?

Unmissverständlich war, wen Merz als autoritäre Giftspritze angriff, auch wenn er den Namen am Wahlsonntagabend nicht aussprach: die AfD, derzeit auf Höhenflug in der Wählergunst. Sein neidvoll-gehässiger Spruch über diese Partei dürfte sie zwar kalt lassen, dafür aber zum fortgesetzten Niveauverlust im politischen Meinungsstreit hierzulande erheblich beitragen. Die am Wahlsonntag sorgfältig vermiedene Debatte über ein Verbotsverfahren gegen die AfD wird nach kurzer Pause aufleben und weiter angeheizt werden. Der faschistoide Ungeist dahinter: „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.[3]

Mit Blick auf die selbstgerechten Demonstranten, die derzeit allerorten nach einem Parteiverbot rufen[4], weil die AfD „gesichert rechtsextremistisch[5] sei: Ob diese bedauernswerten Mitläufer „gesichert katholisch“ sind? Im Ernst: Die rechthaberische Propagandafloskel „gesichert …-extremistisch“ unsres parteipolitisch verseuchten Geheimdienstes ist bescheuert. Wer sie ohne Würgereiz schluckt, sollte sein weltanschauliches Fundament überprüfen. Falls er den Satz „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen“[6] für unzeitgemäßes Gelaber hält, mag er sich getrost für „gesichert undemokratisch“ halten.

Gesichert ist, dass Unionschristen, Sozis, Grüne und Linke derzeit mit viel Eifer und Fleiß Stellungnahmen, Studien und Gutachten zur Frage sammeln, ob die AfD genügend Gründe für einen Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht liefert.[7] Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wüst hat ihn öffentlich gefordert.[8] Haben die, haben wir keine größeren Sorgen als das Gezeter einiger Wiedehopfe in der AfD?

Das mangelhafte Geschichtsbewusstsein der vermeintlich linken bzw. kritischen Aktivisten ist erschütternd. Parteiverbote und politische Verfolgung sind Relikte der Nazi-Zeit. Ein Schandmal, das auch die Bundesrepublik verunstaltet.

Der Ungeist ist längst aus der Flasche

Nur elf Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus, am 17. August 1956, wurde die KPD wieder verboten.[9] Diesmal von „wehrhaften Demokraten“. Weder das Gericht noch die veröffentlichte Meinung hielten den Kommunisten zugute, dass sie die Speerspitze des Widerstands gegen die Hitler-Diktatur gewesen waren und dafür einen hohen Blutzoll zahlten. 150 000 KPD-Mitglieder waren in „Schutzhaft“ genommen und in die Konzentrationslager verfrachtet, mindestens 20 000 ermordet worden[10]; ihr Vorsitzender, Ernst Thälmann, wurde nach elf Jahren qualvoller Einzelhaft auf direkten Befehl Hitlers im August 1944 in Buchenwald erschossen.[11]

Im „Schwur von Buchenwald“ hieß es: „Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.[12] Viel wurde nicht daraus. Schon der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, umgab sich mit Nazis übelster Sorte; den Hans Globke, Mitwirkender an den Nürnberger Rassengesetzen[13], machte er gar zum Chef des Bundeskanzleramtes.[14] „Er ist das prominenteste Beispiel für die Kontinuität der Verwaltungseliten zwischen dem NS-Staat und der frühen Bundesrepublik Deutschland“.[15]

Ein eindrucksvolles Beispiel fürs Fortwirken der Nazi-Ideologie ist das KPD-Verbotsurteil des Bundesverfassungsgerichts.[16] Längst weiß man, wie es herbeigeführt wurde: mit politischem Druck aus dem Kanzleramt, mit üblen Manipulationen und unter Missachtung der Gewaltenteilung. „Es ist damals zwischen Bundesregierung und Bundesverfassungsgericht taktisch und inhaltlich abgestimmt worden.“ [17] Die Folge: Wie zu Nazi-Zeiten wurden Kommunisten verfolgt, verächtlich gemacht, ins Gefängnis geworfen, ihrer beruflichen Existenz beraubt.[18] Das Unrechtsurteil ist bis heute nicht aufgehoben.[19]

Gesinnungsterroristen

Unter dem Alt-Nazi und späteren Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger wurde der antikommunistische Gesinnungsterror fortgesetzt und bekam mit den „Notstandsgesetzen“ eine weitere antidemokratische „Rechtsgrundlage.[20] Sie inspirierten auch beim Vorgehen gegen die 1968 gegründete Deutsche Kommunistische Partei, DKP.[21] Mit einem Verbotsverfahren in Karlsruhe hielt man sich erst gar nicht mehr auf. Unser „Rechtsstaat“ ging vielmehr gleich dazu über, 3,5 Millionen Bürger nach DKP-Mitgliedschaft oder -nähe auszuspionieren, Berufsverbote gegen sie zu verhängen, ihnen die Existenzgrundlage zu nehmen.[22]

Um Legendenbildungen vorzubeugen: Das wird bis heute so gemacht.[23] Obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) 1995 urteilte, die Berufsverbote-Praxis verstoße gegen die Konvention für Grund- und Menschenrechte[24], wurde sie damals nicht beendet und keine generelle Entschädigung ihrer Opfer beschlossen[25]. Im Gegenteil: In den Bundesländern werden Berufsverbote neuerdings wieder verstärkt verfügt, zum Beispiel im rot-grün regierten Hamburg.[26]

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Der Krieg und seine Verbrecher

Von German-Foreign-Policy.com – 22. September 2026

Das Kosovo-Sondertribunal in Den Haag verurteilt den ehemaligen UÇK-Anführer Hashim Thaçi wegen vielfacher Folterverbrechen und Morde. Thaçi und die UÇK dienten auch Berlin 1999 als Bodentruppen im Jugoslawienkrieg.

Ein aktuelles Urteil des Kosovo-Sondertribunals in Den Haag bestätigt: Die Bundesregierung und die NATO haben den Krieg gegen Jugoslawien im Jahr 1999 in enger Kooperation mit Serienfolterern und -mördern geführt. Das Tribunal hat in der vergangenen Woche den ehemaligen UÇK-Anführer Hashim Thaçi und drei weitere UÇK-Funktionäre wegen Folter in mehr als 300 Fällen und Mord in rund 100 Fällen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Demnach trägt Thaçi Verantwortung für zahlreiche dieser Fälle, darunter nicht zuletzt solche, die von seinen Gefolgsleuten verübt wurden, als er Anfang 1999 in Rambouillet und in Paris Verhandlungen über die Zukunft des Kosovo mit Politikern westlicher Staaten führte, darunter auch Bundesaußenminister Josef Fischer. Thaçi galt damals als die wohl zentrale Bezugsperson des Westens im Kosovo – und dies auch später noch, als er zunächst als Ministerpräsident, dann als Präsident des Kosovo amtierte. Die UÇK mit ihren Folterern und Mördern fungierte 1999 de facto als Bodentruppe der NATO. Das wohl größte Verbrechen begingen damals allerdings Deutschland und die NATO selbst: die Entfesselung eines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs.

„Eine terroristische Gruppierung“

Die Zusammenarbeit der westlichen Staaten, darunter Deutschland, mit Hashim Thaçi begann 1998, als Thaçi zum politischen Anführer der Mitte der 1990er Jahre von ihm mitgegründeten UÇK aufstieg. Die UÇK wurde Anfang 1998 von Experten als Mafiaorganisation eingestuft, die ihre Gelder insbesondere aus dem Drogenhandel bezog.[1] Auch Zwangsprostitution zählte demnach zu den Verbrechen, mit denen einige Mitglieder der UÇK Geld verdienten.[2] Noch Anfang 1998 hatte der US-Sondergesandte für das Kosovo, Robert Gelbard, bekräftigt: „Die UÇK ist ohne jede Frage eine terroristische Gruppierung.“[3] Zu jener Zeit freilich vollzog das US-Außenministerium einen Kurswechsel, entfernte die Vereinigung laut einem Bericht des Wall Street Journal von seiner Liste von Terrororganisationen [4] und bahnte – im Kampf gegen Jugoslawien – eine intensive Zusammenarbeit mit ihr an. Der UÇK fiel dabei zunächst die Aufgabe zu, Belgrads Kontrolle über das Kosovo zu unterminieren. Thaçi wurde zum zentralen Ansprechpartner des Westens. Er führte die UÇK-Delegation Anfang 1999 bei den Verhandlungen in Rambouillet und in Paris, die halfen, den Überfall auf Jugoslawien am 24. März 1999 zu legitimieren. Auf Fotos aus Rambouillet ist Thaçi unmittelbar vor US-Präsident Bill Clinton und Bundesaußenminister Josef Fischer zu sehen.[5]

Folterer und Mörder

Während Clinton und Fischer in Rambouillet und in Paris mit Thaçi verhandelten, setzte die UÇK im Kosovo ihre Verbrechen fort, für die Thaçi sowie drei Mitangeklagte laut dem Urteil des Kosovo-Sondertribunals in Den Haag zumindest Mitverantwortung tragen. Demnach unterhielt die UÇK in den Jahren 1998 und 1999 Lager, in denen Serben, Roma und der UÇK nicht genehme Albaner festgehalten wurden – und in denen sie Misshandlung und Folter durch UÇK-Mitglieder ausgesetzt waren. Gefangene wurden dort verprügelt, zuweilen bis zur Bewusstlosigkeit; ihnen wurden Arme, Beine, Rippen gebrochen, Fingernägel ausgerissen, Zähne ausgeschlagen; einige wurden kopfüber an den Füßen aufgehängt. Immer wieder kam es zu Todesopfern. Das Kosovo-Sondertribunal hat allein im Prozess gegen Thaçi sowie seine drei Mitangeklagten mehr als 300 Fälle von Misshandlung und Folter sowie rund 100 Morde belegen können, die unter ihrer Aufsicht oder sogar Mitwirkung begangen wurden.[6] Dass sie den damals im Kosovo aktiven westlichen Geheimdiensten verborgen geblieben wären, ist nicht wirklich vorstellbar. Dessen ungeachtet spannten die NATO-Staaten die UÇK auch während ihres Krieges gegen Jugoslawien von März bis Juni 1999 als Bodentruppe ein; und in den Jahren danach blieb Thaçi einer ihrer wichtigsten Ansprechpartner in Prishtina.

(Bildquelle: x.com, verschiedene Posts)

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Zur Verteidigung der jüdischen Siedler Israels im Westjordanland

Von Joseph Massad – 21. September 2026

Großbritannien, Frankreich und Kanada haben den Handel mit den Siedlungen verboten, während sie den Staat, der sie errichtet, bewaffnet und belohnt hat, verschonen

In westlichen Kreisen häufen sich scharfe und vehemente Verurteilungen jüdischer Siedler im Westjordanland (jedoch nicht in Ostjerusalem oder auf den Golanhöhen).

Anfang dieses Monats haben das Vereinigte Königreich, Frankreich und Kanada – die zu den Hauptunterstützern von Israels Völkermord im Gazastreifen gehören – den Handel mit jüdischen Siedlungen im Westjordanland verboten und sich damit endlich einem Boykott angeschlossen, den Spanien, Irland und andere Länder, die sich gegen den Völkermord aussprechen, schon lange zuvor begonnen hatten. Der Handel mit Produkten aus den Siedlungen stellte schon immer einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar.

Sogar der extrem christlich-zionistische US-amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee, besuchte das Westjordanland, um die Gewalt der Siedler als „Terrorakt“ zu verurteilen – allerdings lehnt er den europäischen Boykott als „Diskriminierung des jüdischen Volkes“ ab und beschuldigte den britischen Außenminister Ed Miliband, der selbst Jude und Zionist ist, des „Judenhasses“.

Unterdessen werden die europäischen Länder und Kanada, die Boykotte gegen die jüdischen Siedlungen im Westjordanland angekündigt haben, weiterhin Produkte aus der jüdischen Siedlerkolonie Israel selbst importieren.

Israel reagierte mit seiner üblichen Überheblichkeit und Wut auf Großbritannien, kündigte ein Einreiseverbot für elf britische Abgeordnete in alle von Israel kontrollierten Gebiete an und schloss das britische Konsulat in Jerusalem.

Worum geht es hier eigentlich? Warum gehen Europäer und Kanadier plötzlich gemeinsam gegen jüdische Siedler im Westjordanland vor? Was haben die Siedler getan, das so schrecklich ist, dass es eine derart heftige Verurteilung und einen Boykott hervorruft?

Die Boykottbefürworter verweisen auf zunehmende Gewalt durch Siedler (was bedeutet, dass frühere Gewalttaten von Siedlern nicht ausreichten, um einen Boykott auszulösen). Sie stützen den Boykott zudem auf das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs aus dem Jahr 2024, in dem Israels fortgesetzte Präsenz in den besetzten palästinensischen Gebieten – dem Westjordanland, Ostjerusalem und dem Gazastreifen – als rechtswidrig eingestuft wurde.

Allerdings werden die israelische Besatzung und die jüdischen Siedlungen in Ostjerusalem, im Gazastreifen, im Westjordanland und auf den syrischen Golanhöhen bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert als völkerrechtswidrig erklärt. Bereits im November 1967 betonte die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats die Unzulässigkeit der Aneignung von Gebieten durch Krieg und forderte den Rückzug der israelischen Streitkräfte aus den in jenem Jahr besetzten Gebieten.

Warum müssen diese armen Siedler zu Unrecht die Hauptlast tragen, obwohl sie doch nur Nebendarsteller in dieser massiven Unterdrückung sind?

In der Resolution 446 vom März 1979 wurden die Siedlungen für rechtlich unwirksam erklärt, während die Resolution 465 vom März 1980 Israels Siedlungspolitik als eklatanten Verstoß gegen die Vierte Genfer Konvention bezeichnete. Tatsächlich stimmten sowohl Großbritannien als auch Frankreich für die Resolutionen 242 und 465, während Frankreich für die Resolution 446 stimmte und Großbritannien sich der Stimme enthielt.

Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs (IGH) von 2024 bekräftigte und erweiterte lediglich diese UN-Resolutionen, schuf jedoch keine neuen Rechtsgrundlagen hinsichtlich der Rechtswidrigkeit der Siedlungen.

Darüber hinaus übersteigt die von der israelischen Armee gegen Palästinenser im Westjordanland (ganz zu schweigen von den Palästinensern im Gazastreifen und in Ostjerusalem) ausgeübte Gewalt bei weitem die der vielgeschmähten jüdischen Siedler. Die Armee vertrieb 1967 300.000 Palästinenser und hat seitdem Tausende getötet, während die Siedler höchstens Dutzende getötet und Hunderte weitere vertrieben haben.

Dennoch wurde kein Boykott Israels – oder zumindest seiner Armee – angekündigt, was zu dem Schluss führt, dass die Gewalt der israelischen Armee kein schwerwiegendes Vergehen darstellt, das Sanktionen verdient.

Warum müssen diese armen Siedler zu Unrecht die Hauptlast der Konsequenzen tragen, wo sie doch nur Nebendarsteller in der massiven Unterdrückung sind, die die zionistische Bewegung sowie der israelische Staat und das israelische Militär dem palästinensischen Volk seit den 1880er Jahren auferlegt haben?

Biblische Ansprüche

Jüdische Siedler, die sich vor Mai 1948 zu militärischen Banden organisiert hatten, und danach die israelische Armee haben während der zionistischen Eroberung Palästinas von 1947 bis 1949 nicht nur fast 800.000 einheimische Palästinenser vertrieben und 13.000 getötet, sondern auch biologische Kriegsführung betrieben.

Sie vergifteten die Brunnen palästinensischer Dörfer mit Typhus- und Ruhrbakterien – ein Kriegsverbrechen, das unter der Aufsicht des Siedlerführers David Ben-Gurion begangen wurde.

Wenn sich die heutigen jüdischen Siedler im Westjordanland auf die Bibel berufen, um ihre Eroberung des Westjordanlands zu rechtfertigen, so taten dies auch die sogenannten „säkularen“ jüdischen Siedlerführer Israels, sowohl vor als auch nach 1967. Es war Ben-Gurion, der nicht müde wurde, uns daran zu erinnern, dass „Gott uns [Palästina] versprochen hat“.

Es war auch Ben-Gurion, der 1956 „die Araber“ als „Amalek“ bezeichnete. Das israelische Militär entnahm den Namen für seine Operation von 1948 zur Vergiftung palästinensischer Brunnen, „Operation Wirf dein Brot“, ebenfalls einem Bibelvers aus dem Buch Kohelet.

Zu den nach biblischen Figuren benannten israelischen Militäroperationen im Jahr 1948 gehörten unter anderem die „Operation Nachshon“, die „Operation Yiftach“ und die „Operation Yoav“. Das israelische Militär entlehnt weiterhin Operationsnamen aus der Bibel, darunter „Operation Rising Lion“ für den Krieg von 2025 gegen den Iran und „Pillar of Defense“ für den Krieg von 2012 gegen die Palästinenser im Gazastreifen.

Selbst Israels Waffen tragen biblische Namen, darunter die ballistischen Raketen „Jericho“ und die „David’s Sling“-Raketen. Seine Panzer heißen „Merkava“, was „Streitwagen“ bedeutet – ein Verweis auf das Buch Ezechiel.

Es ist wahr, dass Siedler in den 2000er Jahren absichtlich Brunnen und Wasserversorgungen in palästinensischen Dörfern verunreinigten, indem sie schmutzige Windeln und andere Verunreinigungen hineinwarfen. Doch sie haben diese nicht mit biologischen Kampfstoffen verseucht, die in zionistischen Laboren entwickelt wurden, wie es Ben-Gurion 1948 tat.

Während die heutigen jüdischen Siedler relativ kleine Pogrome verüben, begingen die zionistischen Siedler 1948 schreckliche Massaker, ganz zu schweigen vom andauernden Völkermord im Gazastreifen, der von nichts zu übertreffen ist, was die weitaus weniger gewalttätigen jüdischen Siedler heute tun.

Wie die jüdischen Siedler im Israel vor und nach 1948 erheben auch die jüdischen Siedler nach 1967, insbesondere die amerikanischen Siedler, dieselben biblischen Ansprüche wie Ben-Gurion, dass Gott ihnen „Judäa und Samaria“ gegeben habe, anstatt neue Ansprüche geltend zu machen.

Selektive Bestrafung

Die israelische Armee hat seit Beginn ihres Völkermords an den Palästinensern im Gazastreifen am 7. Oktober 2023 bereits mehr als 1.200 Palästinenser im Westjordanland getötet, ein Viertel davon Kinder.

Allein im Jahr 2026 haben die israelische Armee und jüdische Siedler fast 100 Palästinenser im Westjordanland getötet, darunter 19 Kinder. Davon wurden 23 bei Angriffen von Siedlern getötet. Unterdessen hat die israelische Armee allein in den letzten Monaten mehrere Flüchtlingslager im Westjordanland massiv zerstört und deren Bewohner vertrieben.

Großbritanniens Handelsverbot für Siedlungsgüter ist reine Augenwischerei. Damit es wirkt, muss es Sanktionen gegen Israel vorsehen

Es sind die israelische Regierung und das Militär, nicht die Siedler, die die Möglichkeit einer sogenannten Zwei-Staaten-Lösung zunichte gemacht haben – die den Europäern und Kanadiern so am Herzen liegt, die ihren Boykott der Siedlungen als Mittel zur Verteidigung dieser „Lösung“ rechtfertigten.

Es sind die Regierung und das Militär, die die eigentlichen Entscheidungsträger hinter dem israelischen Expansionismus und der Kolonisierung sind. Die Siedler sind lediglich ihre Fußsoldaten, doch gerade sie werden von den Boykottierenden zu Unrecht bestraft.

Dies ist eine schwere Ungerechtigkeit, der sofort entgegengewirkt und Abhilfe geschaffen werden muss.

Wenn die europäischen und kanadischen Unterstützer der israelischen Besatzung und des Völkermords sowie diejenigen, die beides ablehnen, gerecht handeln und Israels Regime der jüdischen Vorherrschaft sowie dessen Kolonisierung palästinensischen Landes beenden wollen, dann sollte der Staat Israel bestraft werden – und nicht ein paar unglückliche Siedler, die ohne die volle Unterstützung dieses Staates machtlos wären.

Der Beschluss der zwölf Länder, den Handel mit den Siedlungen zu verbieten, wird keinerlei wirtschaftliche Auswirkungen auf die jüdische Siedlerkolonie haben und die jüdische Kolonisierung nicht aufhalten. Ein solcher Handel ist verschwindend gering im Vergleich zu dem massiven Handel, den diese Länder mit Israel betreiben.

Nur ein pauschaler, kategorischer Boykott des völkermörderischen Staates Israel und all seiner Organe würde solche Ergebnisse erzielen.

Und das wäre den Siedlern gegenüber erst fair.

Joseph Massad ist Professor für moderne arabische Politik und Geistesgeschichte an der Columbia University in New York. Er ist Autor zahlreicher Bücher sowie wissenschaftlicher und journalistischer Artikel. Zu seinen Büchern zählen „Colonial Effects: The Making of National Identity in Jordan“, „Desiring Arabs“, „The Persistence of the Palestinian Question: Essays on Zionism and the Palestinians“ und zuletzt „Islam in Liberalism“. Seine Bücher und Artikel wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf Middle East Eye]

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Gemeinsam für den VW-Sparkurs

Von German-Foreign-Policy.com – 21. September 2026

Volkswagen treibt den größten Konzernumbau seiner Geschichte voran und will 100.000 Arbeitsplätze weltweit streichen. Niedersachsens SPD-geführte Landesregierung und die IG Metall tragen den Sparkurs mit.

Volkswagen treibt den größten Konzernumbau seiner Geschichte voran und kann dabei auf die Unterstützung der niedersächsischen Landesregierung und der IG Metall zählen. Der Aufsichtsrat des Konzerns hat sich Anfang September einstimmig auf die Fortsetzung des Sparkurses verständigt. Zuvor war öffentlich über einen Machtkampf zwischen den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, dem Land Niedersachsen und der Beschäftigtenseite spekuliert worden. Konzernchef Oliver Blume will die Modellpalette halbieren, die Produktionskapazitäten um rund eine Million Fahrzeuge reduzieren und weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze streichen. Ziel ist eine operative Umsatzrendite von neun Prozent; im ersten Halbjahr 2026 waren es lediglich 3,8 Prozent. Nun sollen bis 2030 rund 30,9 Milliarden Euro eingespart werden. Konzernintern wird bereits ein Szenario durchgerechnet, das Einsparungen von mehr als 40 Milliarden Euro erforderlich machen könnte. Offen ist zudem die Zukunft mehrerer deutscher Werke. Als mögliche Alternative zur Autoproduktion gewinnt die Rüstungsindustrie an Bedeutung. In Osnabrück soll künftig gemeinsam mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael produziert werden; die IG Metall begrüßt die Pläne.

Weniger Autos, höhere Rendite

Mit dem „Zukunftsplan 2030“ will Volkswagen-Vorstandschef Oliver Blume die größte Umstrukturierung der Unternehmensgeschichte vornehmen: Die Modellpalette soll halbiert, die Produktionskapazitäten um rund eine Million Fahrzeuge abgesenkt und weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Volkswagen prüft erstmals, ausschließlich für den chinesischen Markt produzierte Modelle nach Europa zu importieren und sie perspektivisch auch in Europa produzieren zu lassen. Gleichzeitig setzen andere europäische Hersteller auf eine stärkere Kooperation mit chinesischen Unternehmen.[1] VW verfolgt mit dem Rotstift ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 will der Konzern weltweit etwa neun Millionen Fahrzeuge absetzen und eine operative Umsatzrendite von neun Prozent erwirtschaften – das heißt: für 100 Euro Umsatz neun Euro operativen Gewinn. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 lag die Umsatzrendite bei 3,8 Prozent.[2]

Eskalation nach Drehbuch

Ende August fanden im Volkswagen-Konzern an vielen großen Standorten Betriebsversammlungen statt. Oliver Blume begab sich auf eine Rundreise zu mehreren Standorten – passenderweise im konzerneigenen Privatjet. Am Rollfeld in Emden protestierten Gewerkschafter gegen die Sparpläne.[3] Anfang September beriet sich der Volkswagen-Aufsichtsrat. Im Vorhinein wurde medial heftiger Streit inszeniert. Drei verschiedene Beschlussvorlagen sollen auf dem Tisch gelegen haben – normalerweise trifft der Aufsichtsrat Entscheidungen im Konsens. Zu diesem Zeitpunkt wurde spekuliert, der Streit könne zu einer außerordentlichen Hauptversammlung führen. Insidern zufolge drohten die Aktionärsfamilien Porsche und Piëch, die schon lange auf harte Einsparungen drängen, mit einem solchen Szenario. Verhandelt wurde auch eine Neustrukturierung des Konzerns, um den Einfluss Niedersachsens, das 20 Prozent der Stimmanteile im Volkswagen-Konzern hält, zurückdrängen zu können – besonders den Einfluss auf die VW-Stammmarke. Diese sowie die Konzernmarken Audi oder Škoda könnten von der Wolfsburger Holding separiert und als eigenständige Tochtergesellschaften geführt werden, hieß es. Einen ähnlichen Schritt erwog der Konzern auch für seine Komponentensparte.[4] Die Androhung einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde als Manöver gewertet, um die im VW-Gesetz festgelegte Vetoposition des Landes Niedersachsen mit seinen 20 Prozent in Teilen auszuhebeln.[5]

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Fico will verhindern, dass eine „False-Flag“-Aktion die Slowakei in einen Krieg mit Russland hineinzieht

Von Andrew Korybko – 20. September 2026

Artikel 5 des Nordatlantikvertrags schreibt den Einsatz militärischer Gewalt zur Unterstützung eines Verbündeten nicht vor, und er war ganz sicher nicht dazu gedacht, durch „False-Flag“-Aktionen (oder sogar echte Unfälle) ausgenutzt zu werden, wie es die Liberalen in Polen offenbar beabsichtigen.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico sorgte kürzlich für Schlagzeilen, als er seinen Landsleuten mitteilte, dass er alles in seiner Macht Stehende tun werde, um sein Land aus einem Krieg mit Russland herauszuhalten – auch dann, wenn es gemäß Artikel 5 zur Teilnahme an einem solchen Konflikt aufgefordert werde. Bei derselben Veranstaltung warnte er zudem, dass die europäische NATO und Russland einem Krieg näher seien als je zuvor, und fügte in Bezug auf jene seiner Amtskollegen, die gerade die Ukraine besucht haben, hinzu: „Ich bin zutiefst besorgt, dass sie lediglich nach einem Vorwand für einen größeren Konflikt zwischen der NATO und Russland suchen.“

Dies gilt insbesondere für die regierenden Liberalen in Polen, die offenbar eine massive Eskalation gegen Russland planen – allerdings nur, wenn es ihnen gelingt, den konservativen Präsidenten dazu zu manipulieren, sich darauf einzulassen. Der liberale Ministerpräsident Donald Tusk schürt bereits seit dem Frühjahr Ängste vor einem russischen Angriff, hat seine Rhetorik in diesem Monat jedoch bis zur Hysterie gesteigert, während Außenminister Radek Sikorski provokativ behauptete, dass „Russland bereits im Krieg mit Europa“ stehe. Sie könnten daher gemeinsam mit Selenskyj eine „False-Flag“-Aktion inszenieren.

Als er letztes Jahr nach seinem Ausscheiden aus dem Amt über den Vorfall von Przewodów Ende 2022 sprach, bei dem eine fehlgeleitete ukrainische Luftabwehrrakete zwei Polen tötete, bestätigte der ehemalige konservative polnische Präsident Andrzej Duda […] verspätet, dass Selenskyj versucht hatte, Polen in einen Krieg mit Russland hineinzumanipulieren“. Damals „versuchte die Ukraine, die NATO dazu zu verleiten, den Dritten Weltkrieg auszulösen, nachdem sie [selbst] versehentlich Polen bombardiert hatte“, indem sie vorgaukelte, es handele sich um eine russische Rakete; doch Duda ging nicht auf diesen Köder ein, obwohl einige dachten, er würde es tun.

Ebenso führten die versehentlichen Einflüge russischer Drohnen nach Polen im September 2025 (wahrscheinlich verursacht durch Störsignale, die sie vom Kurs abbrachten) nicht dazu, dass sein Nachfolger Karol Nawrocki den Köder schluckte, nachdem Tusks Regierung gelogen hatte, dass eine russische Rakete ein Haus zerstört habe, obwohl es sich um eine fehlgeleitete Luftabwehrrakete handelte. Der gescheiterte Versuch des polnischen „Deep State“, Nawrocki in einen Krieg mit Russland zu manipulieren – vor gerade einmal einem Jahr – dient als Präzedenzfall für die begründete Vermutung, dass etwas Ähnliches erneut versucht werden könnte.

Nawrockis Sprecher warf Tusk kürzlich vor, „eine erfundene Lüge zu verbreiten, um die öffentliche Meinung aufzuheizen“, nachdem dieser behauptet hatte, einen CIA-Bericht erhalten zu haben, der vor einem bevorstehenden Angriff Russlands warnte, und Trump bestätigte, dass Nawrocki die Lage „unter Kontrolle“ habe. Die USA planen Berichten zufolge zudem einen massiven Abzug ihrer Truppen aus Europa, was sie nicht in Kauf nehmen würden, wenn sie ernsthaft damit rechneten, dass Artikel 5 bald von Russland auf die Probe gestellt werden könnte. Es ist daher nicht zu erwarten, dass weder Nawrocki noch Trump auf irgendeine „False-Flag“-Aktion hereinfallen.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass sie es doch täten und Sikorskis zuvor vorgeschlagene Pläne, entweder russische Geschosse über der Ukraine abzufangen oder dort eine Flugverbotszone zu verhängen, von Nawrocki genehmigt würden – trotz der realen Gefahr, den Dritten Weltkrieg auszulösen –, dann möchte Fico seinem Volk klarmachen, dass die Slowakei nicht in den Krieg hineingezogen wird. Schließlich schreibt Artikel 5 den Einsatz militärischer Gewalt zur Unterstützung eines Verbündeten nicht vor, und er war sicherlich nicht dazu gedacht, durch „False-Flag“-Operationen (oder sogar echte Unfälle) ausgenutzt zu werden, wie es die Liberalen in Polen offenbar tun wollen.

Der litauische Drohnenvorfall der vergangenen Woche war wahrscheinlich ein ukrainischer „False-Flag“-Vorfall, wie hier erläutert, und wenn man dies mit der jüngsten Panikmache der europäischen Elite unter Führung des Duos Tusk-Sikorski in Bezug auf Russland in Verbindung bringt, gibt es Grund zu der Annahme, dass in Polen ein „False-Flag“-Vorfall geplant wird. Solange Nawrocki standhaft bleibt, insbesondere wenn Trump (dem er tendenziell folgt) ins Wanken gerät, wird die geplante massive Eskalation gegen Russland, die ein glaubwürdiges Risiko für einen Dritten Weltkrieg birgt, abgewendet werden. Es könnte alles allein an ihm hängen.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Trump-Regierung verheimlicht US-Todesopfer im Krieg gegen den Iran

Von Andre Damon – 20. September 2026

Laut einem Bericht der Washington Post vom 18. September wurden im Krieg gegen den Iran bisher mindestens 22 US-Soldaten getötet, vier mehr als die offiziell gemeldeten 18 Todesopfer.

Die Post berief sich auf sechs US-Regierungsvertreter, die laut Angaben der Zeitung mit den internen Daten zur Erfassung von Opfern vertraut sind. Fünf von ihnen bezifferten die militärischen Todesopfer gegenüber der Post auf 22 oder mehr, laut dem sechsten wurden seit Beginn des Kriegs am 28. Februar 23 Soldaten und drei Vertragsmitarbeiter getötet. Die Post schrieb, die Namen der Toten sowie Datum, Ort und Todesursache seien „weiterhin unklar“.

Das Pentagon weigert sich, die Fragen der Post zu den nicht erfassten Todesfällen zu beantworten.

Die Regierung verheimlicht, wie viele Amerikaner in dem illegalen Angriffskrieg, den sie gemeinsam mit Israel und unter offener Missachtung des Völkerrechts führt, schon ums Leben gekommen sind. Laut Al Jazeera wurden im US-israelischen Krieg im Iran bis zum 28. August mindestens 3.527 Menschen getötet; die Zahlen hat Al Jazeera auf der Grundlage von Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums und anderer offizieller Stellen ermittelt.

Die Mehrheit der US-Bevölkerung lehnt den Krieg ab. Laut einer Umfrage von Reuters und Ipsos vom 11. bis 14. September, sieben Wochen vor der Zwischenwahl am 3. November, missbilligen 59 Prozent der Befragten die US-Militärschläge gegen den Iran.

US-Präsident Donald Trump erklärte am 4. September im Oval Office: „Ich nenne es einen militärischen Konflikt, weil es für uns eine Kleinigkeit ist. (…) Wir haben 18 Leute verloren.“

Angesichts des zunehmenden Debakels im Iran berät die Regierung über eine weitere Eskalation. Trump erklärte am Donnerstag gegenüber Axios, er stehe in Bezug auf den Iran vor einer „großen Entscheidung: Will ich dort einmarschieren und sie vernichten oder nicht?“

In der Woche bis zum 20. Juli strich das Pentagon die Namen von vier weiteren Soldaten, nur wenige Tage nach ihrem Tod, aus der öffentlichen Datenbank Defense Casualty Analysis System, womit es die offizielle Zahl der Toten von 18 auf 14 reduzierte. Später führte es die vier wieder in der Kategorie „Auslandseinsätze“ auf, eine Kategorie die für alle Personen geschaffen wurde, die ab dem 7. Juli getötet oder verwundet wurden.

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Müssen wir mit einem neuen „Jalta-45“ rechnen und uns auf eine in Einflusssphären geteilte Welt einstellen?

Von Alexander Kouzminov – 20. September 2026

Vom 4. bis 11. Februar 1945, also noch vor der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, trafen sich die Staatschefs der USA Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill von Großbritannien und Josef Stalin von der UdSSR in Jalta auf der Krim, um über die Aufteilung der Welt nach dem Ende des Krieges zu diskutieren und zu entscheiden. Im Liwadija-Palast in Jalta ist dieses historische Treffen in Form von lebensgroßen Puppen nachgebildet und kann von Touristen wie ein Museum besucht werden. (Foto: Christian Müller)

Die Welt durchlebt derzeit eine äußerst instabile Phase, die mit dem Übergang zu weitreichenden geopolitischen Veränderungen einhergeht. Diese Veränderungen werden sich auf die Struktur der internationalen Beziehungen auswirken und eine neue historische Ära einläuten. Bislang lässt sich noch nicht eindeutig bestimmen, wie die wichtigsten Parameter der entstehenden neuen Weltordnung aussehen werden. Angesichts der derzeit angespannten Lage auf internationaler Ebene können wir lediglich versuchen, die groben Umrisse der Zukunft zu skizzieren.

Bislang ist nur eines offensichtlich: Die politische Weltkarte wird radikal neu gezeichnet werden – und neue Supermächte werden entstehen. Das Kräfteverhältnis zwischen ihnen wird sich neu verteilen, und die Staaten werden gegenseitige Regeln aushandeln, bestehende Abkommen bekräftigen und neue schließen müssen.

Der kollektive Westen untergräbt das Völkerrecht und etablierte Normen. Beispiele hierfür sind: zahlreiche illegale Sanktionen und Instrumente der direkten physischen Einflussnahme; oder die Zerstörung von Industrie- und Logistikanlagen sowie Pipelines. Es werden Versuche unternommen, internationale Transportkorridore zu blockieren und Handelsschiffe zu beschlagnahmen. Es werden illegale Beschränkungen verhängt, verbunden mit Drohungen sogenannter Sekundärsanktionen gegen diejenigen, die sich nicht den Interessen anderer beugen, sondern ausschließlich ihre nationalen Interessen schützen.

Gleichzeitig gibt es in den Ländern, die Sanktionen verhängt haben, Probleme wie Haushaltsdefizite, wachsende Staatsverschuldung und industrielle Rezession. Somit sind diese Länder selbst mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert.

Die Gefahr eines umfassenden Konflikts in ganz Eurasien ist sehr real, was Anlass zu ernsthafter Sorge gibt. Nach unseren Erkenntnissen setzen europäische Staats- und Regierungschefs auf eine kontrollierte Eskalation und folgen damit der Strategie des Balancierens am Rande des Krieges, die von westlichen Geheimdiensten im letzten Jahrhundert entwickelt wurde“, sagte Sergej Naryschkin, Direktor des Auslandsgeheimdienstes (SVR) Russlands, auf dem 22. Treffen der Leiter der Sicherheits- und Geheimdienste der GUS-Mitgliedstaaten in St. Petersburg.[1]

Sergej Naryschkin ist der Ansicht, dass sich die europäischen Staats- und Regierungschefs auf diese Weise selbst in eine Falle treiben – die von Politikern in Gang gesetzten Propagandamechanismen zeichnen ein derart düsteres Weltbild, dass sie zu dessen Geiseln werden.

Irgendwann kann die allgemeine Spannung ein solches Ausmaß erreichen, dass jedes noch so unbedeutende Ereignis das gesamte System zum Einsturz bringen kann. Diplomatie funktioniert in dieser Situation nicht mehr. Und die Mächte geraten buchstäblich in einen totalen Krieg, oft mit verheerenden Folgen für alle. Wir sind verpflichtet, eine solche Entwicklung zu verhindern“, sagte Naryschkin.

Angesichts des derzeitigen düsteren Weltbildes, der globalen Spannungen und der Bedingungen, die zu einem totalen Krieg führen könnten, ist es höchst wahrscheinlich anzunehmen, dass sich die führenden Mächte derzeit auf die Grundzüge einer neuen Weltordnung einigen.

Großen globalen Ereignissen gehen stets Verhandlungen hinter den Kulissen voraus, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Welt hat einen Punkt erreicht, an dem eine Entscheidung über den weiteren Weg getroffen werden muss. Schlüsselfiguren haben begonnen, diese Entscheidung privat und fernab der Öffentlichkeit zu treffen. Einfache Logik legt nahe, dass der erste Schritt darin besteht, sich darauf zu einigen, wie diese Entscheidung tatsächlich aussehen könnte.

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Polens regierende Liberale scheinen eine massive Eskalation gegen Russland zu planen

Von Andrew Korybko – 19. September 2026

Die Panikmache der liberalen polnischen Regierung bezüglich angeblich drohender russischer Angriffe auf Polen sowie insbesondere der Vorschlag des Ministerpräsidenten für eine „Koalition gegen ballistische Raketen“ mit der Ukraine sind besorgniserregend. Sie deuten auf den Willen der Regierung hin, dass Polen russische Geschosse über der Ukraine abfängt. Dafür müsste die Regierung jedoch zunächst den Präsidenten dazu bewegen, dies zu genehmigen.

Der polnische Außenminister Radek Sikorski sorgte erneut für Schlagzeilen, kurz nachdem er behauptet hatte, die europäische NATO würde „Russland recht schnell besiegen“, sollte es zu einem Krieg kommen. Diesmal sagte er, dass russische hybride Aktionen gegen Europa „kinetisch“ geworden seien, wie die jüngsten Vorfälle mit Drohnen und Raketen belegten. Er erklärte daraufhin: „Russland eskaliert eindeutig; Russland befindet sich im Krieg mit Europa.“ Sikorskis dramatische Schlussfolgerung folgte bezeichnenderweise auf die jährliche Rede der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen.

Kürzlich wurde erläutert, dass „Von der Leyens Verteidigungspläne Europa auf den Weg in einen Krieg mit Russland bringen“, da die militärischen Entscheidungsprozesse der Union optimiert und ihr Einfluss auf Nichtmitglieder wie die Ukraine ausgeweitet werden, die Teil eines neuen Europäischen Sicherheitsrates sein wird. Darüber hinaus werden die genannten Mitglieder das Recht gemäß Artikel 4 haben, Notfallsitzungen einzuberufen, wann immer sie sich bedroht fühlen, und die EU wird die faktische Fusion ihrer Verteidigungsindustrie mit der der Ukraine fortsetzen.

Sikorski kam am Tag nach ihrer Rede zu dem Schluss, dass „Russland sich im Krieg mit Europa befindet“; dieser Tag fiel mit dem Datum zusammen, an dem die Polen an das erinnern, was die meisten von ihnen als die sowjetische Invasion von 1939 betrachten – von der Moskau behauptet, sie habe der Befreiung der unterdrückten Ostslawen gedient, nachdem die Regierung ins Ausland geflohen war. Am selben Tag warnte der liberale Ministerpräsident Donald Tusk, dass „das wahrscheinlichste Szenario“ in naher Zukunft darin bestehe, dass Russland Drohnen- oder Raketenangriffe gegen Polen durchführe, die es dann als „Unfälle“ darstelle.

Praktisch auf Kommando – und manche Polen vermuten zynischerweise, dass es sich um eine vorab geplante Überreaktion zur Erzielung dramatischer Wirkung handelte – heulten die Luftschutzsirenen in den ostpolnischen Städten Lublin und Rzeszów, nachdem Russland einen weiteren Präzisionsschlag gegen ukrainische Ziele an der Grenze durchgeführt hatte. Nachdem letzte Woche der erste derartige Angriff auf die Eisenbahninfrastruktur stattgefunden hatte, war hier bereits vorausgesagt worden, dass weitere folgen könnten, sodass dies keine Überraschung war. Dennoch verlieh dies Tusks Warnung vom Frühjahr, wonach ein russischer Angriff „in wenigen Monaten“ bevorstehe, den Anschein von Glaubwürdigkeit.

Tusk ging mit seiner Panikmache noch einen Schritt weiter und behauptete, er habe einen Bericht des CIA-Chefs erhalten, der vor russischen Angriffen auf Polen warne; doch der außenpolitische Sprecher des konservativen Präsidenten Karol Nawrocki warf ihm vor, „eine erfundene Lüge zu verbreiten, um die öffentliche Meinung aufzuhetzen“. Er ging nicht näher auf das Ziel ein, doch Tusks Ankündigung, dass Polen sich gerade der ukrainischen „Koalition gegen ballistische Raketen“ angeschlossen habe, und Sikorskis Lobbyarbeit dafür, dass Polen russische Geschosse über der Ukraine abfangen solle, lassen erahnen, was sie wollen.

Polen hat dies bisher noch nicht versucht, da der frühere konservative Präsident Andrzej Duda und sein Nachfolger Nawrocki als Oberbefehlshaber das letzte Wort haben. So sehr Nawrocki Russland auch verachtet – was sich in seiner jüngsten Verwendung einer ethnonationalistischen Beleidigung gegenüber der russischen Bevölkerung zeigt –, wird er die Existenz Polens nicht gefährden, indem er eine derart dramatische Eskalation gegen Russland genehmigt. Die regierende liberale Koalition ist jedoch weniger zurückhaltend und könnte daher mit der Ukraine unter einer Decke stecken, um eine False-Flag-Aktion zu inszenieren, um ihn dazu zu manipulieren.

Ihre jüngsten Äußerungen könnten daher ein Versuch sein, die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, diese Eskalation zu akzeptieren. Parallel dazu könnten sie hinter den Kulissen daran arbeiten, gemeinsam mit ihren europäischen NATO-Verbündeten Szenarien durchzuspielen, je nach Russlands Reaktion – doch all das ist irrelevant, wenn die USA sich nicht einmischen wollen. So wie es aussieht, will Trump keine möglicherweise unkontrollierbare Eskalation riskieren, daher ist es unwahrscheinlich, dass Nawrocki – der sich den USA unterordnet, so wie Tusk sich Deutschland unterordnet – dies genehmigen wird, egal was passieren mag.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

An diesem Jom Kippur muss sich die ganze Welt bei Israel entschuldigen

Kommentar von Gideon Levy (Haaretz) – 20. September 2026

In diesem Jahr sollte Jom Kippur abgesagt werden, wahrscheinlich für immer. Israel steht bereits jenseits von Gut und Böse. Juden sind unfähig zu sündigen, ganz einfach, weil alles, was sie tun, stets gerecht, moralisch, rechtmäßig und sogar erhaben ist. Auch das Fasten muss abgesagt werden: Dieses Jahr werden wir wie Könige schlemmen, denn wir haben es verdient.

Sollen doch die Nichtjuden fasten. Sie haben es verdient. Soll doch Gott fasten. Er hat es schließlich auch verdient, nach allem, was er uns angetan hat. Sollen doch die Tausenden hungernden palästinensischen Häftlinge fasten, nicht die Juden, die niemandem jemals etwas zuleide getan haben. Das Fasten steht den zwei Millionen Kriegsflüchtlingen im Gazastreifen zu. Sie verdienen es zu fasten, nicht wir. Wir verdienen nur Gutes, und wir haben nichts, wofür wir uns entschuldigen müssten. Wir waren und bleiben ein auserwähltes Volk, eine Villa im Dschungel. Eine Nation von Löwen muss sich niemals entschuldigen.

Wenn heute Abend in Israel Selichot (Bußgebete) zu hören sind, werden wir wissen, dass Israel seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973 nichts gelernt hat: Die irrige Vorstellung, dass Israel überhaupt fähig ist zu sündigen, ist nach wie vor tief verwurzelt.

An diesem Jom-Kippur-Vorabend sollte sich die ganze Welt bei Israel entschuldigen. Die Palästinenser sollten um Vergebung bitten für alles, was sie den Juden seit den Anfängen des Zionismus angetan haben. Wie sie versucht haben, sich der Gründung eines fremden Staates in ihrem Land zu widersetzen, wie sie es immer noch wagen, sich über die Nakba zu beklagen, und wie sie seitdem versucht haben, sich dem zionistischen Projekt zu widersetzen, das die ewige jüdische Vorherrschaft zwischen dem Fluss und dem Meer anstrebt.

Wie können sie es wagen, sich dagegen zu wehren, im Käfig von Gaza und im Westjordanland zu leben? Sie sind es, die um Vergebung bitten sollten. Weil sie sich der Besatzung widersetzen, sollten sie in Moscheen Sühne suchen; sich an ihren Gott wenden und sagen: „Vergib uns, unser Vater, denn wir haben gesündigt, erlasse uns die Schuld, unser König, denn wir haben übertreten.“

Auch alle anderen Nationen der Welt sollten sich bei Israel entschuldigen. Die Briten sollten sich für die Balfour-Erklärung entschuldigen und für die Sanktionen, die sie dem gerechtesten, rechtmäßigsten und moralischsten Unterfangen der Welt auferlegen wollen: dem Siedlungsvorhaben. Ebenso alle europäischen Länder, die ihrem Beispiel folgen wollen. Tut mir leid, Siedler.

In den USA sollten sich die Menschen heute Abend zu Massenentschuldigungen gegenüber Israel versammeln, denn 67 Prozent der Amerikaner haben ihre Meinung über das Land zum Schlechten geändert und 55 Prozent haben erwogen, die fortgesetzte Zuführung riesiger Vermögen nach Israel zu überdenken. Jeder, der es jemals gewagt hat, Israel zu kritisieren, sollte sich entschuldigen. Wofür genau? Was kann man Israel vorwerfen? Alle Menschen mit Gewissen auf der Welt, die angesichts des Massakers an tausend Säuglingen und 20.000 Kindern nicht schweigen konnten, müssen sich bei Israel entschuldigen, bevor sich das Tor schließt.

Die 9.000 in Israel inhaftierten palästinensischen Häftlinge, die meisten ohne Gerichtsverfahren, müssen sich heute Abend ebenfalls entschuldigen, weil sie so viel Platz einnehmen und solche Mengen an Lebensmitteln und Medikamenten verbrauchen. Entschuldigungen auch an die Farmschläger für die Palästinenser, die es wagen, sich auf ihrem Land in den Weg zu stellen.

Und eine große Entschuldigung an die Soldaten der IDF. Die Soldaten der israelischen Heilsarmee sind es, die heute Abend die größte Entschuldigung verdienen. Eine Entschuldigung an diejenigen, die es gewagt haben, die Moral einer Armee in Frage zu stellen, die fast 100.000 Menschen getötet hat. Eine Entschuldigung an die Soldaten, die 200 Menschen als „Kollateralschaden“ getötet haben, um einen Gesuchten zu erlegen. Eine Entschuldigung an die Piloten, die Ein-Tonnen-Bomben auf Zeltlager abgeworfen haben und so empört waren, als jemand es wagte, sie als Kindermörder zu bezeichnen. Wie konnten Menschen in Israel und auf der ganzen Welt es wagen, die Reinheit des Herzens und die Absichten unserer unschuldigen Piloten und Soldaten in Frage zu stellen?

Entschuldigung an die israelischen Faschisten, dafür, dass sie ohne Grund so genannt wurden. „Und für Verleumder soll es keine Hoffnung geben“ (Ne’ilah-Gebet): Entschuldigung an diejenigen, die jetzt zu einem Lynchmord gegen die Urheber des „Kollateralschadens“ aufstacheln. Rachel Szor und Yuval Abraham müssen sich heute Abend entschuldigen, weil sie es gewagt haben, die Wahrheit zu sagen.

„Wir haben Unrecht getan, wir haben böse Ratschläge gegeben, wir haben gelogen, wir haben rebelliert, wir haben provoziert … wir haben gesündigt.“ Wir in Israel und auf der ganzen Welt, alle, die es gewagt haben, den jüdischen Staat und seine vorbildliche Gesellschaft zu verleumden, müssen heute Abend eine große Entschuldigung aussprechen. Wir, und niemand sonst.

[Zum vollständigen Originalbeitrag in englischer Sprache mit Bildern auf Haaretz]

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Von der Leyens Verteidigungspläne bringen Europa auf den Weg in einen Krieg mit Russland

Von Andrew Korybko – 19. September 2026

Das Einzige, was den Dritten Weltkrieg, der zunehmend unvermeidlich erscheint, noch abwenden könnte, wäre eine entschiedene Wiederherstellung der Abschreckungskraft durch Russland.

In ihrer jährlichen Rede schlug die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, mehrere Verteidigungsinitiativen vor, von denen die am meisten beachtete die Ernennung Kanadas zum ersten „assoziierten Mitglied“ der EU ist, mit dem Ziel, „die verteidigungsindustriellen Grundlagen zu integrieren“ und „die Arktis zu einem gemeinsamen Vorzeigeprojekt zu machen“ u. a. In diesem Zusammenhang wurde Kanada eingeladen, einem neuen Europäischen Sicherheitsrat beizutreten, dem auch die Ukraine, Großbritannien, Norwegen und weitere, nicht näher bezeichnete Länder angehören werden, die wahrscheinlich ebenfalls am EU-eigenen Artikel 4 teilnehmen werden.

Dies bezieht sich auf das Recht der Mitglieder, dringende Konsultationen einzuleiten, wann immer sie sich bedroht fühlen. Die Einbeziehung der Ukraine deutet sehr stark darauf hin, dass dies als eine weitere der vielen Sicherheitsgarantien fungieren wird, die führende Mitglieder der europäischen NATO diesem Land bereits gewährt haben. Zu diesem Thema schlug von der Leyen ein gemeinsames Projekt mit der Ukraine zur Schaffung eines modularen Raketenabwehrsystems vor und kündigte an, dass mit den verbleibenden Mitteln der „Security Action For Europe“ (SAFE) weitere gemeinsame Projekte aufgelegt werden sollen.

Auf innenpolitischer Ebene soll eine neue europäische Sicherheitsstrategie verabschiedet werden, deren Einzelheiten sie zwar nicht nannte, die aber vermutlich die Haltung der Union gegenüber Russland in der absehbar angespannten Nachkriegsordnung prägen wird. Schließlich kündigte von der Leyen ein „Europäisches Instrument für strategische Enabler“ an, womit sie das bezeichnete, was sie als „die entscheidenden Unterstützungsressourcen und Kraftmultiplikatoren, auf die sich jede glaubwürdige Verteidigung stützt“ beschrieb. Von der Luft- und Raketenabwehr bis hin zu strategischem Transport und Luft-Luft-Betankung. Vom Weltraum bis zum Cyberspace.“

Insgesamt werden von der Leyens miteinander verknüpfte Verteidigungsvorschläge die entsprechenden Entscheidungsprozesse der EU optimieren, ihren Einfluss auf Nichtmitglieder ausweiten und Europa insgesamt bis 2030 auf einen Krieg mit Russland vorbereiten, ganz im Sinne früherer Prognosen einiger ihrer Vertreter. Indem die Ukraine durch ihre Einbindung in den vorgeschlagenen Europäischen Sicherheitsrat stillschweigend als Verbündeter im Rahmen der gegenseitigen Verteidigung und ihre Rüstungsindustrie als Teil der EU behandelt wird, wird die Ukraine auch in der neuen Ära der wahrscheinlichste Auslöser für einen Krieg zwischen der EU und Russland bleiben.

Die Kriegshysterie, die den Block erfasst hat, dürfte zudem als föderalistisches Machtspiel ausgenutzt werden, während sich die EU von einer Wirtschaftsunion und später einer Art politischer Union zu einer Militärunion entwickelt. Es wird erwartet, dass das Deutschland unter von der Leyen die militarisierte EU anführen wird, sowohl aufgrund seines vorherrschenden wirtschaftspolitischen Einflusses auf die Union als auch aufgrund seiner Fähigkeit, deutlich mehr für Verteidigung auszugeben als jedes andere Mitglied. Obwohl Polen derzeit über das größte Militär der europäischen NATO verfügt, ist das deutsche Militär auf dem besten Weg, dieses in den Schatten zu stellen.

Polens regierende Liberale stellen sich vor, dass das Land im Rahmen von „NATO 3.0“ Deutschlands wichtigster Juniorpartner bei der Eindämmung Russlands sein wird, während die konservative Opposition, die vor allem durch den Präsidenten vertreten wird, sich vorstellt, dass es der wichtigste Partner der USA sein wird. Sollten die Amtsinhaber nach den nächsten Sejm-Wahlen im Herbst 2027 an der Macht bleiben, wäre Polens geopolitisches Schicksal besiegelt; eine Rückkehr der Konservativen (wahrscheinlich in einer Koalition mit den libertär-nationalistischen Kräften) könnte jedoch dazu führen, dass Polen versucht, ein Intermarium-Bündnis zu schmieden, um Deutschlands wiederauflebender Hegemonie ein Gegengewicht zu bieten.

Dies sind die beiden wahrscheinlichsten Szenarien dafür, wie die Westflanke des neuen „Cordon sanitaire“ aussehen wird: entweder eine von Deutschland dominierte, militarisierte EU oder eine militarisierte EU, in der das von Polen geführte Intermarium ein Gegengewicht zur deutschen Hegemonie über den Block bildet und gleichzeitig deren Bemühungen zur Eindämmung Russlands ergänzt. So oder so hat von der Leyen Europa gerade auf den Weg in einen Krieg mit Russland gebracht, und das Einzige, was den Dritten Weltkrieg, der zunehmend unvermeidlich erscheint, noch abwenden könnte, ist, wenn Russland seine Abschreckungskraft entschlossen wiederherstellt.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.