Aufrufe & Appelle

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Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


Netanjahus UN-Rede: „Es geht nicht um Territorien“

Von Moshe Zuckermann – 3. Oktober 2026

Der israelische Regierungschef Netanjahu hielt eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Screenshot aus UN-Video

Was besagt die vor der UN-Vollversammlung gehaltene Rede Benjamin Netanjahus?

Am 25.9. hielt Israels Premierminister, Benjamin Netanjahu, eine Rede vor der UN-Vollversammlung. Ich habe überlegt, ob ich sie umfassend analysieren sollte, musste aber sehr bald einsehen, dass ich dann nahezu jeden Satz dieses nicht gerade kurzen Textes auseinandernehmen müsste. Denn die Rede strotz nur so vor Lügen, Halbwahrheiten, polemischen Entstellungen und perfiden Manipulationen. Das ist die Mühe nicht wert. Und so will ich hier nur zwei, drei Auslassungen Netanjahus kommentieren; sie sollen stellvertretend für die gesamte Rede stehen, die sich an Selbstgerechtigkeit, Larmoyanz und Verblendung kaum überbieten lässt.

Bevor Netanjahu mit seiner Rede auf dem Podium begann, erhoben sich Dutzende von Delegierten aus verschiedenen Ländern und verließen den Saal. Netanjahu wandte sich darauf an den Präsidenten der Versammlung mit den Worten: “Herr Präsident, bevor ich beginne, nur eine kurze Ankündigung. Wenn es hier noch irgendwelche anderen moralischen Feiglinge gibt, die diese Halle noch nicht verlassen haben, dann tun Sie es bitte jetzt. Vielen Dank.” Es ist verständlich, dass der Redner auf die im Saal entstandene Peinlichkeit reagieren wollte; es handelte sich ja um einen performativen Akt, der ihn bloßstellen sollte, was offenbar auch gelang. Es gab Zeiten, in denen Netanjahus Reden in der Vollversammlung so bejubelt wurden, dass man ihn nachgerade als Meister dieser internationalen Veranstaltung apostrophierte. Lang ist das her. Ob Netanjahu überhaupt würde reden dürfen, war insofern fragwürdig, als ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt. Verweilen sollte man aber bei dem Ausdruck “moralische Feiglinge”, den er verwendete.

Diese Worte als Anklage aus dem Munde eines Benjamin Netanjahu sprechen jedem Anstand und moralischem Anspruch Hohn. Denn Netanjahu selbst ist moralisch völlig verkommen. Nicht von ungefähr läuft schon seit Jahren ein Prozess gegen ihn wegen Korruption, Betrug und Veruntreuung, der so lange dauert, weil er es darauf angelegt hat, ihn nicht zum Ende gelangen zu lassen. Mit gutem Grund, denn er könnte bei einer Verurteilung im Gefängnis landen. Um dies zu verhindern, hat er die Staatsinteressen Israels seinen privaten Interessen unterstellt und betreibt bis zum heutigen Tag eine Politik der Aushöhlung der israelischen Justiz, die auf eine objektive Auflösung der Gewaltenteilung des zionistischen Staates hinausläuft. Alle ihm dabei zur Verfügung stehenden Mittel zur Besudelung, Verleumdung, Diskreditierung und Kompromittierung von Personen und Instanzen, die ihm im Wege stehen, verwendet er unentwegt in hinterhältiger Verschlagenheit und geübter manipulativer Effizienz (die bei seiner Wählerschaft sehr gut ankommt).

Vor der Rede Netanjahus verließen die meisten den Raum. Screenshot aus UN-Video

Aber die moralische Feigheit drückt sich vor allem darin aus, dass er, der kraft seines Amtes Hauptverantwortliche für das Desaster des 7. Oktober, welches er in seiner UN-Rede ausführlich beklagt, sich seit dem ersten Tag nach der Katastrophe konsequent weigert, eine staatlich eingesetzte Untersuchungskommission zuzulassen, weil sie zweifellos offenlegen würde, wie sehr er an der Genese des Unglücks schuldig ist. Er war es, der seit Jahren die Hamas mit Katar-Geldern hochhielt, weil er am Konzept festhielt, dass die verhandlungswillige PLO eine Gefahr darstelle, wohingegen die ideologisch verhandlungsresistente Hamas eine Garantie dafür sei, dass es nicht zur Errichtung eines palästinensischen Staates komme. Verhandlungen laufen auf politische Lösungen hinaus, Netanjahu aber will den Konflikt nicht lösen, er will ihn lediglich verwalten. Was diese Einstellung gezeitigt hat, weiß man seit dem 7. Oktober allzu gut.

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Ein amerikanischer Albtraum: Die gescheiterte Hinrichtung der Christa Pike

Von Kate Randall – 3. Oktober 2026

Bild: AI USA

Es gibt Vorfälle in der heutigen amerikanischen Gesellschaft, die so barbarisch sind, dass sie die Empfindungen eines jeden Menschen schockieren, der für soziale Gleichheit, Gerechtigkeit und menschliche Würde eintritt. Der Versuch des Bundesstaates Tennessee, Christa Gail Pike am Mittwochabend hinzurichten, ist ein solches Ereignis.

Die Entschlossenheit der rechten Mehrheit am Obersten Gerichtshof der USA, diese Frau hinrichten zu lassen, ist verachtenswert. Gleiches gilt dafür, dass kein Teil des politischen Establishments sich entschieden gegen die Folter ausgesprochen hat, die Pike zugefügt wurde – oder gegen die gesamte barbarische Praxis der Todesstrafe im Amerika des 21. Jahrhunderts. Sie alle stehen hinter dem Recht des Staates, zu töten. Die Welt hat allen Grund, empört zu sein.

Die 50-jährige Pike hat drei Jahrzehnte in einer Todeszelle in Tennessee verbracht, davon mehr als ein Vierteljahrhundert in quasi vollständiger Isolationshaft in einer Zelle, die gerade einmal etwa zwei mal vier Meter groß ist. Im Januar 1995, als sie 18 Jahre alt war, lockten sie und ihr 17-jähriger Freund, Tadaryl Shipp, die 19-jährige Colleen Slemmer, eine Mitschülerin am Knoxville Job Corps, in einen Wald, wo sie sie schlugen, folterten und töteten. Es war ein schreckliches Verbrechen, und Pike hat dies auch als solches anerkannt. „Ich habe das Leben von jemandes Kind, Schwester, Freundin genommen“, schrieb sie in ihrem Gnadengesuch. „Es macht mich heute krank, wenn ich daran denke, dass ich fähig war, ein solches Verbrechen zu begehen.“

Pike sollte die erste Frau werden, die in Tennessee seit der Zeit vor dem Bürgerkrieg hingerichtet wurde, als der Staat noch ein Sklavenstaat war. Am Dienstagabend lehnte der Oberste Gerichtshof Pikes Antrag auf einen Aufschub in einem aus zwei Sätzen bestehenden Beschluss ohne nennenswerte Gegenstimmen ab. Eine Stunde, bevor sie in der Riverbend Maximum Security Institution in Nashville hingerichtet werden sollte, am Mittwoch gegen 9:00 Uhr morgens, beschloss ein Gremium des US-Berufungsgerichts des 6. Bezirks mit 2:1 Stimmen, die Hinrichtung auszusetzen. Die Staatsanwaltschaft von Generalstaatsanwalt Jonathan Skrmetti wandte sich eilig an den Obersten Gerichtshof und prangerte „missbräuchliche Verzögerungstaktiken“ an. Gegen 17:50 Uhr gaben die Richter seinem Antrag statt und hoben den Aufschub mit 6:3 Stimmen auf.

Pike ist eine von mehr als 2.000 Menschen in den Todeszellen des Landes. Sie stammen überwiegend aus der Arbeiterklasse und aus armen Verhältnissen, viele von ihnen leiden unter psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Wie Pike hatten viele eine von Missbrauch geprägte Kindheit. Im Alter von zwei bis fünf Jahren wurde sie vom Freund ihrer Großmutter sexuell missbraucht, mit elf Jahren von einem 37-jährigen Nachbarn vergewaltigt und mit 17 Jahren erneut von einem Fremden vergewaltigt. Ihre Anwälte führen Beweise dafür an, dass der starke Alkoholkonsum ihrer Mutter während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Frontallappens im Gehirn geführt habe. Erst nach ihrer Verurteilung wurden bei ihr eine bipolare Störung und eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ihr unerfahrener, vom Gericht bestellter Anwalt legte der Jury nichts dergleichen vor. Sie wurde für schuldig befunden und zum Tode verurteilt.

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Pflegereform: Merz-Regierung verschärft den Notstand

Von Marianne Arens – 3. Oktober 2026

Sommer 2021: Pflegekräfte von Vivantes und der Charité in Berlin kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen

Am 30. September hat das Bundeskabinett der Pflegereform zugestimmt. Für die Pflegebedürftigen und alle, die für sie sorgen, steigen die Kosten und verschlechtern sich die Bedingungen; für viele sozialpflichtig Beschäftigte werden die Beiträge erhöht.

Der Gesetzentwurf „zur Neuordnung der sozialen Pflegeversicherung (Pflegeneuordnungsgesetz, PNOG)“ von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), dem am vergangenen Mittwoch auch die SPD im Kabinett zustimmte, soll ab dem 1. Januar 2027 greifen. Sein Hauptzweck besteht darin, bis zu 8 Milliarden Euro einzusparen. Damit ist die Reform Bestandteil einer Politik, die die Kosten des verheerenden Kriegskurses vollständig der arbeitenden Bevölkerung aufhalst, ohne die Superreichen anzutasten.

Der Gesetzentwurf bereitet auf 249 Seiten Worthülsen wie „Prävention und Rehabilitation“, „Stärkung der häuslichen Pflege“ und „Entbürokratisierung“ aus, um den Sozialabbau als Fortschritt zu verkaufen. Bezeichnend ist jedoch, was auf den ganzen 249 Seiten fehlt: Da steht nichts über mehr Pflegepersonal, bessere Arbeitsbedingungen oder geringere Kosten für Betroffene und Beitragszahler.

Dabei übersteigen die Pflegekosten schon heute die finanziellen Möglichkeiten von Millionen Arbeiterinnen und Arbeitern. Besonders der Eigenanteil für einen Aufenthalt im Pflegeheim ist in den letzten Monaten exorbitant gestiegen und beträgt im bundesweiten Durchschnitt rund 3.500 Euro im Monat. Das ist für die große Mehrheit schlicht unerschwinglich.

Die Regierung sorgt dafür, dass sich die meisten Pflegebedürftigen ein Heim überhaupt nicht mehr leisten können. Systematisch verlagert sie die Pflege aus den kostenintensiven stationären Einrichtungen auf die Pflegebedürftigen selbst, auf ihre Angehörigen, die unbezahlt pflegen, und auf Pflegekräfte, deren Löhne und Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert werden. Aktuell werden in Deutschland rund fünf Millionen Menschen, etwa 85 Prozent der Pflegebedürftigen, zu Hause gepflegt.

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Vermögen der reichsten 0,1 Prozent der US-Bevölkerung seit 2019 verdoppelt – Gewinne erreichen Rekordanteil am Gesamteinkommen

Von Andre Damon – 3. Oktober 2026

Laut Zahlen der Federal Reserve, die im September veröffentlicht wurden, haben die reichsten 0,1 Prozent der amerikanischen Haushalte ihr Vermögen zwischen Ende 2019 und dem 30. Juni 2026 mehr als verdoppelt.

Die Zahlen zeigen die Umverteilung von Vermögen von unten nach oben, die sich unter der Trump-Regierung massiv beschleunigt hat. Sie hat Sozialausgaben drastisch gekürzt, gleichzeitig Regulierungen abgeschafft und die Steuern für die Finanzelite gesenkt. Doch insgesamt nimmt die soziale Ungleichheit bereits seit Jahrzehnten massiv zu – unter demokratischen wie unter republikanischen Präsidenten.

Seit Ende 2024 ist der Anteil der obersten 0,1 Prozent am nationalen Haushaltsvermögen von 14,0 auf 15,0 Prozent angestiegen – schneller als unter jeder anderen Regierung, seit die Fed 1989 mit der Erfassung der Daten begann.

Laut den Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA), die am Mittwoch veröffentlicht wurden, stiegen die Unternehmensgewinne nach Steuern im zweiten Quartal auf 11,8 Prozent des Bruttoinlandseinkommens (das in der US-Wirtschaft erwirtschaftete Gesamteinkommen), und damit auf den höchsten jemals verzeichneten Anteil. Der Anteil von Löhnen, Gehältern und Sonderleistungen an diesem Einkommen fiel erstmals seit 1929, dem Jahr des Crashs an der Wall Street, auf unter die Hälfte.

Innerhalb von sechseinhalb Jahren wuchs das Vermögen der rund 137.000 Haushalte, die zu den obersten 0,1 Prozent gehören, von 13,4 Billionen auf 27,9 Billionen US-Dollar – ein Anstieg von mehr als 60 Prozent selbst nach Berücksichtigung der Inflation. Das durchschnittliche Haushaltsvermögen stieg von 101,9 Millionen auf 203,7 Millionen Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 42.923 US-Dollar pro Tag seit Ende 2019. Ein Arbeiter, der den mittleren Vollzeitlohn von 1.251 US-Dollar pro Woche verdient, bräuchte etwa acht Monate, um diesen Betrag zu verdienen.

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Europäische Mächte reagieren auf russische Atomwarnungen mit weiterer militärischer Eskalation

Von Johannes Stern – 2. Oktober 2026

Anfang der Woche hat Moskau die NATO formell davor gewarnt hatte, dass ein Versuch, die russische Exklave Kaliningrad zu blockieren oder zu isolieren, den Einsatz von Atomwaffen provozieren könnte. Drauf reagieren die europäischen Regierungen nicht mit Bemühungen, vom Abgrund zurückzuweichen, sondern mit Ankündigungen verstärkter Militärhilfe für die Ukraine, beschleunigter Aufrüstung und Vorbereitungen auf eine direkte Konfrontation mit Russland.

Das öffentliche Auftreten der europäischen Regierungen ist von außerordentlichem Vabanquespiel geprägt. Jede russische Warnung wird als Einschüchterung oder Bluff abgetan, während jede neue Konfrontation als Rechtfertigung für eine noch stärkere militärische Eskalation angeführt wird.

Am Donnerstag trat Bundeskanzler Friedrich Merz in Münster gemeinsam mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten und NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Hauptquartier des 1. Deutsch-Niederländischen Korps auf.

Merz erklärte, der Ukrainekrieg „betrifft uns ganz unmittelbar“, versprach, Deutschland und seine Verbündeten würden Kiew „mit aller Kraft“ unterstützen, und erklärte, Berlin arbeite „mit Hochdruck“ daran, eine glaubwürdige militärische Abschreckung Russlands sicherzustellen. Er verband diese Politik ausdrücklich mit höheren Investitionen in Deutschlands „militärische Stärke“ und „wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit“.

Jetten erklärte, Europa sehe sich einer „neuen Sicherheitsrealität“ gegenüber und müsse zeigen, dass es bereit sei, „alles Notwendige“ zu tun, um sich zu verteidigen. Er verwies auf steigende Militärausgaben, den Einsatz von F-35-Kampfjets, eine beschleunigte gemeinsame Rüstungsproduktion und eine deutsch-niederländische Geheimdienstkooperation, die auf ein „beispielloses Niveau“ gehoben worden sei.

Rutte wurde noch deutlicher. Russland versuche, so erklärte er, die NATO einzuschüchtern und dazu zu bewegen, ihre Unterstützung für die Ukraine zurückzufahren. Seine Antwort laute, „Ruhe zu bewahren, weiterzumachen und die Ukraine weiter zu unterstützen“. Er fügte hinzu, die Antwort der NATO auf russische Maßnahmen werde darin bestehen, die Ukraine noch stärker zu unterstützen.

Der Ort des Treffens unterstrich die militärische Bedeutung dieser Erklärungen. Nach Angaben der NATO ist das Deutsch-Niederländische Korps ein „Hauptquartier für die Kriegführung“, das eine internationale Streitmacht von 50.000 Soldaten befehligen kann und für NATO-Truppen zuständig ist, die zur Verteidigung Estlands und Lettlands an Russlands Ostseegrenze vorgesehen sind. Das Treffen fand unmittelbar statt, bevor Rutte im Namen der NATO der „Internationale Preis des Westfälischen Friedens“ verliehen wurde.

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Die deutsche Militärküste

Von German-Foreign-Policy.com – 2. Oktober 2026

Im Bremerhavener Hafen wird die Militärlogistik für den Umschlag von Kriegsgerät für eine Milliardensumme modernisiert; die Stadt soll zum Militärdrehkreuz werden. Zudem wird ein fünfter Marinestützpunkt aufgebaut – wohl in Emden.

Mit dem Ausbau des Bremerhavener Hafens zum Hochleistungs-Militärdrehkreuz und dem Aufbau eines fünften deutschen Marinestützpunkts vermutlich in Emden treibt die Bundesregierung die Militarisierung der deutschen Küste voran. In Bremerhaven soll die Logistik modernisiert und ausgebaut werden, die notwendig ist, um immense Mengen an Waffen und Munition in höchstmöglichem Tempo anlanden und an potenzielle Kriegsschauplätze in Osteuropa transportieren zu können. Das sieht eine Absichtserklärung vor, die das Verteidigungsministerium und städtische Stellen aus Bremen in dieser Woche unterzeichnet haben. Die Bundesregierung stellt dafür bis zu 1,35 Milliarden Euro bereit, das Bundesland Bremen mehr als 212 Millionen Euro. Bremen ist das Bundesland mit der höchsten Armutsgefährdung und der größten Kinderarmut bundesweit. Die Vergabe einer dreistelligen Millionensumme für den Ausbau der Militärlogistik – statt für die Armutsbekämpfung – wird auch von den an der Landesregierung beteiligten Senatorinnen der Partei Die Linke unterstützt. Zudem will die Bundesregierung einen fünften deutschen Marinestützpunkt aufbauen – Berichten zufolge in Emden.

„Wie in alten Zeiten“

Der Bremerhavener Hafen, der zweitgrößte in Deutschland nach Seegüterumschlag – hinter Hamburg und vor Wilhelmshaven –, gilt als bestens geeignet für den Umschlag militärischer Güter. Er hat bedeutende Kapazitäten für das Anlanden nicht nur von Containern, sondern auch von Fahrzeugen; er verfügt über schwerlastfähige Flächen, die selbst hochgewichtiges Kriegsgerät wie Kampfpanzer tragen können. Zudem kann er außerhalb von Schleusen erreicht werden, was ihn deutlich einfacher und schneller zugänglich macht. Nicht zuletzt ist die Anbindung an Straßen und vor allem Schienen gut, was für den raschen Weitertransport von Waffen und Munition im Spannungs- und Kriegsfall entscheidend ist. Die spezielle Eignung des Hafens als Umschlagplatz für das Militär ist auch Ergebnis seiner Geschichte: Er wurde bereits seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den US-Streitkräften genutzt; in den Jahren des Kalten Kriegs war er ihr zentraler Umschlaghafen in der Bundesrepublik und wurde entsprechend ausgebaut. Nach 1990 verlor er für die USA an Bedeutung; mit der Eskalation des Ukraine-Konflikts nahm die US-Präsenz dann aber wieder zu, zunächst im Rahmen von Manövern wie etwa Defender Europe 2020, ab 2022 dann auch im Kontext des Ukraine-Kriegs. Schon 2023 hieß es in Fachkreisen, Bremerhaven fungiere als „Rüstungs-Drehkreuz wie in alten Zeiten“.[1]

Für Militärlogistik optimiert

Die Bundesregierung ist nun bemüht, die Leistungsfähigkeit des Hafens für die militärische Logistik weiter zu erhöhen. So sollen etwa, wie es heißt, „Hafenbecken vertieft, Straßen und Bahnverbindungen ausgebaut“ werden.[2] Containeranlagen sollen modernisiert und auf schwerere Lasten ausgerichtet werden; das gilt für die Kräne ebenso wie für die Stellflächen, für die zudem eine Ausweitung auf neue Flächen vorgesehen ist. „Der effiziente Umschlag von Militärgerät beschränkt sich längst nicht mehr auf Panzer“, wird ein Sprecher des Hafenbetreibers Bremenports zitiert; Waffen und Munition würden heute auch in Containern geliefert und müssten im Kriegsfall „zügig von Bord geholt und weitergeleitet werden“.[3] Um das sicherzustellen, ist zudem der Bau einer neuen Eisenbahndrehbrücke im Kaiserhafen geplant. Die aktuelle Brücke sei ein „Nadelöhr“, das das Durchschleusen von Kriegsgerät unangemessen verlangsame, heißt es. Es kommt hinzu, dass die strikte Fokussierung auf die Militärlogistik auch recht kostspielige Schutzmaßnahmen erforderlich macht. So sollen nicht nur neue Zäune und Sichtschutzanlagen gebaut, sondern etwa auch Drohnenabwehrsysteme installiert und Vorkehrungen in puncto Cybersicherheit getroffen werden. Details dazu werden nicht mitgeteilt.

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Die Pläne der USA für einen schrittweisen Regimewechsel im Sudan könnten zu einer Teilung nach libyschem Vorbild führen

Von Andrew Korybko – 1. Oktober 2026

Laut einem angesehenen Experten besteht das Motiv der USA darin, „den russischen Einfluss vom Roten Meer fernzuhalten“.

Ein hochrangiger Berater des sudanesischen Generals Abdel Fattah al-Burhan, des Oberbefehlshabers der sudanesischen Streitkräfte (SAF), der den Sudan auch im Ausland vertritt, warnte vor den Plänen der USA für sein Land. Amjad Farid bezeichnete den Vorschlag eines 90-tägigen Waffenstillstands durch den US-Chefberater für arabische und afrikanische Angelegenheiten, Massad Boulos, als „Versuch, Druck auf uns auszuüben, damit wir eine de-facto-Teilung des Landes nach libyschem Vorbild akzeptieren“. Dies geschah, nachdem die USA Burhan angeblich das Visum für die Teilnahme an der UN-Generalversammlung verweigert hatten, nachdem er diesen Plan abgelehnt hatte.

Radio France Internationale führte kürzlich ein Interview mit dem sudanesischen Forscher Suliman Baldo, dem Direktor des in den USA ansässigen „Sudan Transparency and Policy Observatory“, über die Politik der USA. Er kam zu dem Schluss, dass die USA beschlossen haben, Burhan die Stirn zu bieten, und verwies dabei auf Medienberichte aus den USA über den angeblichen Einsatz chemischer Waffen durch die SAF gegen die von Mohamed Hamdan Daglo („Hemedti“) angeführten Rebellen der „Rapid Support Forces“ (RSF) sowie auf die Erklärung des Außenministeriums, wonach beide Seiten illegitim seien.

Baldo kam zu dem Schluss, dass die USA „den russischen Einfluss vom Roten Meer fernhalten“ wollen. Russland ist einer der Waffenlieferanten der sudanesischen Armee und verfolgt nach wie vor Pläne zur Errichtung eines Militärstützpunkts am Roten Meer in Port Sudan. Davon wollen weder die Amerikaner noch die Saudis etwas wissen. Deshalb engagieren sich die Amerikaner weiterhin im Sudan.“ Diese Interessen wurden zu Beginn des Krieges Anfang 2023 in mehreren Beiträgen analysiert, die in diesem hier vom letzten Monat über die diesbezügliche Politik Russlands aufgezählt wurden.

Verbindet man Baldos Erkenntnisse mit denen von Farid vor dem Hintergrund des US-Waffenstillstandsplans, der neuen Druckkampagne der USA gegen Burhan wegen des angeblichen Einsatzes chemischer Waffen durch seine Seite sowie der Erklärung des Außenministeriums, dass sowohl er als auch Hemedti illegitim seien, wird die amerikanische Politik gegenüber dem Konflikt deutlich. Sie zielt auf einen schrittweisen Regimewechsel in beiden Lagern ab, wobei die faktische Teilung des Sudans institutionalisiert werden soll, indem jeder Seite weitgehende Autonomie gewährt wird, und die neuen nationalen Behörden sollen ihr Abkommen über den russischen Marinestützpunkt aufkündigen.

Russlands Interessen sind daher genau entgegengesetzt: der SAF dabei zu helfen, die RSF zu vernichten; die funktionale Einheit des Sudans zu bewahren; und letztendlich ihr lange hinausgezögertes Abkommen über den Marinestützpunkt umzusetzen. Die ersten beiden Interessen decken sich mit denen der „islamischen NATO“ (Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan) sowie ihres engen ägyptischen Partners; alle vier leisten Burhan aus rein geografischen Gründen wesentlich bedeutendere Unterstützung als Russland, wobei Ägypten an vorderster Front steht. Ebenso stehen sie im Widerspruch zu den Interessen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die die RSF unterstützen.

Und das, obwohl Putin die VAE Ende 2023 als Russlands „wichtigsten Handelspartner in der arabischen Welt“ bezeichnet hat und eine enge Freundschaft mit Präsident Mohamed bin Zayed pflegt. Ebenso stehen die „islamische NATO“ und Ägypten den USA nahe, dennoch lehnen die USA Burhan (und auch Hemedti, trotz der Nähe der VAE zu den USA) weiterhin ab. Hypothetisch könnte ein groß angelegter Deal also dazu führen, dass diese beiden an der Macht bleiben, die faktisheTeilung des Sudans institutionalisiert wird und Khartum Moskau schließlich seinen Marinestützpunkt gewährt; doch der politische Wille dazu fehlt.

Jede Seite glaubt nach wie vor, dass sie die andere besiegen oder zumindest ihr Territorium ausdehnen kann, bevor die faktische Teilung des Sudans institutionalisiert wird; daher ist zu erwarten, dass der Konflikt andauert und sich verschärft, bis entweder eine Seite die andere zu einem ungleichen Abkommen zwingt oder ein ausländischer Staat direkt eingreift. Sollte Ägypten dies in großem Umfang zur Unterstützung der SAF tun, nachdem Kairos historischer Rivale Äthiopien gerade Ägypten und den Sudan beschuldigt hat, eine neue Rebellenallianz zu unterstützen, dann könnten die beiden Konflikte verschmelzen – mit katastrophalen Folgen für die Region.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Was der „Spiegel“ über Russlands Warnung an die NATO verschweigt

Von Thomas Röper – 1. Oktober 2026

Russland hat die NATO vor einer weiteren Eskalation bei Kaliningrad gewarnt, auf die Russland auch mit Atomwaffen reagieren würde. Der Spiegel hat darüber zwar berichtet, seinen Lesern aber mal wieder verschwiegen, worum es dabei geht.

Russland hat die NATO davor gewarnt, die Lage um die russische Exklave Kaliningrad weiter zu eskalieren. Für diese Warnung gibt es handfeste Gründe, das Publikum der deutschen Mainstream-Medien jedoch nicht kennt. Entsprechend leicht war es für den Spiegel, die russische Warnung in ein vollkommen falsches Licht zu stellen. Schauen wir uns daher zunächst den Grund für Russlands Warnung und dann den Spiegel-Artikel darüber an, um zu verstehen, wie die „Propaganda durch Weglassen“ der deutschen Medien funktioniert.

Provokationen der NATO bei Kaliningrad

Die russische Exklave Kaliningrad ist den Strategen der NATO ein Dorn im Auge und das sagen sie auch ganz offen. Ich habe darüber viel berichtet und will hier nur einige Beispiele anführen, die vollständige Liste würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion gibt es Transitabkommen, die es Russland erlauben, Kaliningrad mit der Bahn durch das Staatsgebiet von Litauen zu versorgen. Über diesen Transit gibt es Abkommen, die zunächst Russland und Litauen und nach dem EU-Beitritt Litauens dann die EU und Russland abgeschlossen haben.

Aber die Baltenstaaten sind für ihre extrem anti-russische Politik bekannt und Litauen versucht immer wieder, den Transit zu stoppen, Kaliningrad also de facto unter eine Blockade zu stellen. Auch wenn die EU diese Versuche bisher ausgebremst hat, wird in Brüssel über Wege nachgedacht, wie man Kaliningrad trotz der bestehenden Verträge blockieren und dem einen pseudo-legalen Anstrich verpassen kann.

Aus diesem Grund hat Russland auch schon früher vor einer Eskalation in der Region gewarnt, weil „die EU und die baltischen Staaten, insbesondere Litauen, versuchen, die lebenswichtigen Lieferungen in die Region unter fadenscheinigen Vorwänden zu beeinträchtigen und den normalen Güter- und Personenverkehr zu behindern“, was sowohl über eine Blockade der Landverbindung als auch durch „die Verschärfung der Kontrolle der Schifffahrt in der Ostsee und den dänischen Meerengen der Ostsee, sowie durch die Schaffung von Hindernissen für den internationalen Seehandel in dieser Region“ geschehen soll.

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Europäische NATO-Mitglieder befürchten, in einem von ihnen provozierten Krieg mit Russland von Trump im Stich gelassen zu werden

Von Andrew Korybko – 30. September 2026

Die von der EU geplante Schaffung eines Mechanismus nach dem Vorbild von Artikel 4 deutet darauf hin, dass die europäischen NATO-Mitglieder vermuten, dass der amerikanische Anführer des Bündnisses ihre Bedrohungswahrnehmung – was auch immer diese sein mag, wobei es sich im Kontext nur um Russland handeln kann – möglicherweise nicht teilt, was mindestens eines der Mitglieder dazu veranlasst, dringende Konsultationen zu beantragen.

Die Financial Times berichtete kürzlich, dass die EU plant, den Vorschlag der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Einrichtung eines Mechanismus nach dem Vorbild von Artikel 4 unter den Mitgliedern des Blocks voranzutreiben. Gemäß der NATO-Charta „halten die Vertragsparteien Konsultationen ab, wann immer nach Ansicht einer von ihnen die territoriale Integrität, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Vertragsparteien bedroht ist.“ Da die meisten EU-Mitglieder jedoch bereits NATO-Mitglieder sind, könnte dieser Vorschlag überflüssig erscheinen.

Das ist im Wesentlichen richtig, doch die Bedeutung liegt in der Andeutung, dass die „europäische NATO“ (E-NATO) den Verdacht hegt, der amerikanische Anführer der Union teile möglicherweise nicht ihre Bedrohungswahrnehmung – was auch immer es sein mag, das mindestens einen von ihnen dazu veranlasst, dringende Konsultationen zu beantragen. Daraus lässt sich ableiten, dass die Andeutung lautet, man könne sich nicht darauf verlassen, dass die USA sie durch die Entsendung von Truppen und/oder die Durchführung von Luftangriffen bedingungslos unterstützen, sollten die Spannungen (die sich im vorliegenden Kontext nur auf Russland beziehen können) in einen heißen Krieg eskalieren.

Dementsprechend baut die E-NATO parallele Entscheidungsmechanismen für den Fall auf, dass sie allein gegen Russland vorgehen muss; in diesem Fall könnten die USA sich heraushalten, mit der Begründung, sie hätten von der von der E-NATO während ihrer Artikel-4-Konsultationen vorgeschlagenen Vorgehensweise abgeraten. Dennoch könnten die USA im Sinne von Artikel 5 die E-NATO weiterhin mit Waffen, Geheimdienstinformationen und Logistik unterstützen, so wie sie und der Rest der NATO insgesamt derzeit die Ukraine unterstützen.

Die E-NATO-Führer haben Panik geschürt, dass Russland entweder bald ihre Entschlossenheit auf die Probe stellen oder dies spätestens um das Jahr 2030 tun könnte – daher die Dringlichkeit, mit der sie von der Leyens Vorschlag im Sinne von Artikel 4 vorantreiben wollen. Parallel dazu planen die USA Berichten zufolge, bis zu 40.000 ihrer 80.000 Soldaten in Europa abzuziehen, sobald die Überprüfung der europäischen Truppenpräsenz durch das Pentagon bis Jahresende abgeschlossen ist, was dieser Aufgabe eine zusätzliche Dringlichkeit verleiht, selbst wenn die USA einen ständigen Stützpunkt in Polen erhalten.

In diesem Zusammenhang hat die regierende liberale Koalition Polens die Hysterie der „E-NATO“ bezüglich eines russischen Angriffs auf das Bündnis angeheizt, doch ihr Außenminister traf sich gerade am Rande der UN-Generalversammlung mit seinem belarussischen Amtskollegen – das erste Treffen der Spitzenpolitiker beider Länder seit einem Jahrzehnt. Die daraus resultierende „Schneeglöckchen-Diplomatie“, die von Radek Sikorskis Bemerkung unmittelbar danach inspiriert ist – „ein Schneeglöckchen kann blühen, wenn das Wetter günstig ist“ –, könnte, falls sie erfolgreich ist, die Hysterie lindern, die er und seine Koalition ausgelöst haben.

Selbst in diesem Best-Case-Szenario, das immer noch leicht entgleisen könnte, würden sich Polen und der Rest der E-NATO aufgrund der Angst ihrer liberalen Eliten vor Russland (unabhängig von deren Irrationalität) wahrscheinlich nie ganz wohl fühlen; daher ist es für sie nach wie vor wichtig, der Schaffung eines Mechanismus nach dem Vorbild von Artikel 4 Priorität einzuräumen. Die Hauptrolle dabei wird wohl Polen spielen, da es aufgrund seiner zentralen Rolle an der Westflanke des neuen „Cordon sanitaire“ um Russland herum eine überproportionale Bedeutung in der neuen Sicherheitsarchitektur einnimmt.

In diesem Fall wäre der realistischste Garant für Stabilität der parallele Abzug einiger E-NATO-Truppen aus den baltischen Staaten und einiger russischer Truppen aus Weißrussland, sofern die USA zunächst einen Teil ihrer eigenen Truppen aus den baltischen Staaten abziehen, wobei Polen dann die Verantwortung für deren Sicherheit im Krisenfall übernehmen würde. Die Schaffung eines Krisenkontrollkanals zwischen Russland (das für Weißrussland verantwortlich ist), der E-NATO (mit Polen an der Spitze und verantwortlich für die baltischen Staaten) und den USA würde dann den Frieden sichern.

Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat.

Befördert United Airlines Militärfracht auf Passagierflügen nach Israel?

Von Nora Barrows-Friedman – 30. September 2026

Ein neuer Untersuchungsbericht von Forschern der Palestinian Youth Movement, des People’s Embargo for Palestine, der Democratic Socialists of America und der Movement Research Unit hat ergeben, dass United Airlines zwischen Juli 2025 und Februar 2026 am Transport von mehr als 2.700 Sendungen beteiligt war, die ausdrücklich Militärfracht nach Israel beförderten.

Die Fracht war für Elbit Systems, Israels größten Waffenhersteller, sowie für Lockheed Martin Israel, direkt an das israelische Militär und an den Luftwaffenstützpunkt Nevatim bestimmt, wo Israels gesamte F-35-Flotte stationiert ist.

Die Transporte wurden ausgesetzt, als die USA und Israel Ende Februar den Iran angriffen, wurden jedoch Anfang September wieder aufgenommen.

„Die durch viele der in diesem Bericht genannten Güter ermöglichten Fähigkeiten haben israelische Kriegsverbrechen im Gazastreifen, im Libanon und im Iran begünstigt“, heißt es in dem Bericht, und bis auf 45 der von ihnen identifizierten Transporte starteten alle von den USA aus vom Flughafen Newark in New Jersey und landeten am Ben-Gurion-Flughafen in der Nähe von Tel Aviv.

Andere Lieferungen wurden auf Passagierflügen befördert, die von Flughäfen in Dallas, Chicago, Washington, D.C., Houston, Atlanta und San Francisco abflogen, „was die Nutzung öffentlicher Infrastruktur zur Aufrechterhaltung der militärischen Frachtversorgungskette nach Israel und damit Israels Völkermord und Krieg in der gesamten Region noch deutlicher hervorhebt“, fügt der Bericht hinzu.

Belal Elsiesy von „People’s Embargo for Palestine“ und Shatha Mahmoud von Arms Embargo Now Canada erklären im Podcast von „The Electronic Intifada“, dass United Airlines dadurch haftbar und mitschuldig am andauernden Völkermord Israels sei.

Elsiesy und Mahmoud sind zudem Aktivisten der „Palestinian Youth Movement“.

„Was wir sehen, ist eine breite Palette von Lieferungen, die alles von so kleinen und grundlegenden Dingen wie Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben bis hin zu speziell für Panzer und gepanzerte Fahrzeuge bestimmten Teilen sowie F-35-Teilen umfassen“, sagt Elsiesy.

„Wenn wir über diese Teile sprechen, ist es wichtig, die konkreten Verbindungen zum Völkermord in Gaza anzusprechen. Das ist keine abstrakte Angelegenheit. Und gerade weil die meisten dieser Lieferungen an Elbit Systems, Israels größten Waffenhersteller, und direkt an diese Luftwaffenstützpunkte gehen, bedeutet dies, dass sie den Völkermord ganz konkret begünstigen.“

Elsiesy erklärt, dass Hardware für Merkava-Panzer transportiert wird, darunter Teile für die Commander Open Architecture Panoramic Sight (COAPS)-Systeme – hochentwickelte optische Zielfernrohre, die die Zielerfassung auf große Entfernungen ermöglichen und in die Kernsysteme von Panzern und gepanzerten Kampffahrzeugen sowie in die Visiere der Maschinengewehrschützen integriert sind.

„Nur zur Erinnerung: Das sind die Panzer, die dazu benutzt wurden, Krankenhäuser zu belagern, Palästinenser zu überfahren und Hunderte von Kugeln auf die 5-jährige Hind Rajab abzufeuern“, erklärt er.

Diese beiden Zielgeräte sind in Kombination „speziell für eine ‚Shoot-Kill‘-Konfiguration ausgelegt und sollen laut Elbits eigener Marketingaussage gezielt die Tödlichkeit erhöhen.“

Mahmoud merkt an, dass ihre Arbeit bei „Arms Embargo Now Canada“ Teil einer breiten Koalition ist, die sich weltweit gegen Elbit Systems engagiert. Sie sagt, dass sich die kanadische Scotia Bank aufgrund anhaltenden öffentlichen Drucks bereits aus Elbit zurückgezogen habe.

„Wir wollen ein Waffenembargo durch das Volk“, erklärt sie im Podcast von ‚The Electronic Intifada‘.

„Wir haben es satt, von oben herab ein Waffenembargo von unseren Politikern zu erwirken, die offensichtlich kein moralisches Gewissen haben, also werden wir dieses Waffenembargo selbst durchsetzen. Und wir sehen, dass der Druck wirkt.“

Sie fügt hinzu, dass Aktivisten von den Gesetzgebern fordern, die Nutzung öffentlicher Infrastruktur für diese militärischen Frachttransporte zu verbieten.

„Das sind unsere Flughäfen. Das sind unsere Autobahnen. Das sind unsere Straßen. Und es sind unsere Arbeiter und unsere Menschen, die diese Ladungen verladen und dazu benutzt werden, Komponenten in die israelische militärische Lieferkette zu befördern. Und wir wollen daran nicht beteiligt sein.“

Solange Fluggesellschaften weiterhin Fracht für das israelische Militär befördern, sagt Mahmoud, „werden wir Schlüsselbereiche der Lieferkette identifizieren – von Partnerschaften mit Elbit bis hin zu Tochtergesellschaften und Unternehmen, die Komponenten dafür herstellen; jede Verbindung, bei der es eine Verflechtung gibt, werden wir auf jeder lokalen Ebene aufspüren, ins Visier nehmen, isolieren und sicherstellen, dass Elbit nicht existiert und kein Teil unserer öffentlichen Infrastruktur ist und dass wir nicht Teil dieses Völkermords sind.“ “

Kürzlich forderten 14 Bürgerrechts- und humanitäre Organisationen, darunter American Muslims for Palestine, das American Friends Service Committee, Codepink und Democracy for the Arab World Now (DAWN), die Führungsspitze von United Airlines und ihren Vorstand auf, den Transport von Waffen und Waffenkomponenten nach Israel auf Passagierflügen unverzüglich einzustellen.

[Zum Originalbeitrag auf The Electronic Intifada Podcast]

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