Aufrufe & Appelle

Hervorgehoben



Bis hierher und nicht weiter! Wir protestieren gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Oberst Jacques Baud und den Kriegskurs der EU


Fordert die Freilassung des sozialistischen Kriegsgegners Bogdan Syrotiuk aus einem ukrainischen Gefängnis!


Waffenstillstand sofort! Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen an die Ukraine! Kein Krieg gegen Russland! Abzug aller Atomraketen aus Europa!


Freiheit für Julian Assange! Aufruf des Komitees zur Verteidigung von Julian Assange und Chelsea Manning …


Kein Krieg gegen den Irak! – Kein Blut für Öl und Macht! Aufruf der Initiative gegen den Irak-Krieg vom November 2002…


„Europa verheimlicht nicht mehr, dass es Krieg gegen Russland führt“

Interview mit Fjodor Lukjanow. Interview: Anna Cherkasova – 18. Juli 2026

In Russland wird immer deutlicher gesagt, dass Europa de facto bereits mit Russland im Krieg ist, und dass Russland darauf irgendwann entsprechend reagieren muss.

Ich warne seit langem davor, dass die offene Beteiligung der Europäer am Krieg gegen Russland irgendwann dazu führen muss, dass Russland entsprechend antwortet. Es ist ja nicht nur so, dass Polen, die Baltenstaaten und Finnland die Ukraine nicht daran hindern, ihre Lufträume für Angriffe auf Ziele in Russland zu nutzen, sondern offensichtlich werden Drohen für Angriffe auf Russland auch in den Baltenstaaten gestartet.

Und als wäre das noch nicht genug, werden die Drohnen und Raketen, die in Russland einschlagen ganz offiziell in Europa hergestellt und von Europa bezahlt. Und da die Ukraine keine eigene Satellitenaufklärung hat, muss man kein Hellseher sein, um zu verstehen, wer der Ukraine dafür die Ziel- und Aufklärungsdaten liefert, zumal die Staaten des Westens das ja auch gar nicht verheimlichen.

Der russische Experte Karaganow fordert schon lange, dass Russland auf die kleinen Eskalationsschritte, die von der Lieferung von Schutzwesten im März 2022 zur Lieferung von Panzern, Langstreckenraketen und Kampfjets geführt haben, von Beginn an hart hätte reagieren müssen. Und zwar notfalls sogar mit dem Einsatz einer Atomwaffe, um den Europäern zu zeigen, dass Russland es ernst meint.

Inzwischen geben immer mehr russische Experten Karaganow Recht und gestehen ein, dass – wenn die russische Regierung 2022 auf ihn gehört hätte – der Krieg wahrscheinlich schnell geendet hätte, weil der Westen sich dann nicht getraut hätte, sich so offen an dem Krieg zu beteiligen. So interpretieren die Europäer die russische Geduld jedoch als Schwäche und fühlen sich bemüßigt, immer offener am Krieg gegen Russland teilzunehmen.

Nun hat Fjodor Lukjanow, der Chef der berühmten Waldai-Konferenz und einer der führenden russischen Geostrategen, in einem Interview in diesen Chor eingestimmt, was deshalb bemerkenswert ist, weil Lukjanow eigentlich bekannt für seine deeskalierende Haltung ist. Thomas Röper hat das Interview übersetzt.

Fjodor Lukjanow: Halbherzige Maßnahmen reichen nicht, denn Europa verheimlicht nicht mehr, dass es Krieg gegen Russland führt

Während die Europäer entspannt Kaffee trinken und ihre Staatschefs Krieg „spielen“, haben die USA beschlossen, das Andenken an ihren wichtigsten Falken, Lindsey Graham, durch die Annahme ihres härtesten Sanktionsgesetzes gegen Russland zu verewigen. Der Westen hat keine Angst mehr vor roten Linien mehr, was bedeutet, dass es an der Zeit ist, dass Russland nun auch Ziele außerhalb der Ukraine angreift.

Fjodor Lukjanow, Vorsitzender des Präsidiums des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik, äußerte sich dazu in einem Interview mit Ukraina.ru.

Die EU wird Wehrpflichtigen aus der Ukraine ab März 2027 nicht mehr als Flüchtlinge aufnehmen, wie der Pressedienst des Rates der EU am 15. Juli mitteilte.

Bereits am 14. Juli hatte Donald Trump während eines offiziellen Treffens mit dem irakischen Premierminister Ali al-Zaidi im Weißen Haus den vom verstorbenen Lindsey Graham eingebrachten Gesetzentwurf zu Sanktionen gegen Russland kommentiert: „Es besteht eine gute Chance, dass das geschieht.“

Frage: Die neue Fassung von Grahams Gesetzentwurf scheint hinsichtlich der Sekundärsanktionen gegen China und Indien abgeschwächt. Kann man sagen, dass die Versuche, Russland zu isolieren, gescheitert und die USA zum Rückzug gezwungen sind?

Lukjanow: Über diese Sanktionen wurde lange gesprochen. Der verstorbene Senator Graham hat im vergangenen Jahr wiederholt erklärt, alles sei bereit und der Präsident stehe kurz vor der Unterzeichnung des Dokuments, doch dann ist alles „im Sande verlaufen“. Nun könnte sein unerwarteter Tod seltsamerweise als Katalysator dienen: Trump hat bereits erklärt, dass das Andenken an eine so herausragende Persönlichkeit bewahrt werden müsse. Daher gehe ich davon aus, dass das Gesetz verabschiedet wird.

Die Besonderheit der amerikanischen Planung liegt darin, dass Graham ein Meister der Inszenierung war. Das Ziel ist es, „unerschütterliche Entschlossenheit“ zu demonstrieren. Gleichzeitig agieren die Amerikaner jedoch sehr vorsichtig, um ihre eigenen Interessen nicht zu gefährden. Anders als die Europäer, die sich eher von politischen Parolen leiten lassen, meiden die USA [bei Sanktionsgesetzen] sorgfältig Themen, bei denen sie auf Russland angewiesen sind.

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Durch Fehleinschätzungen und Eskalation wächst die Gefahr eines Krieges mit Russland

Von Harald Kujat 18. Juli 2026

Löscharbeiten in Kiew am 16. Juli. Bild: DSNS.GOV.UA

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler, Helmut Schmidt, äußerte in einem Interview im Mai 2014: »Zurzeit gibt es leider niemanden, der konstruktive Vorschläge zur Zukunft der Ukraine vorbringt.« Und weiter: »Ich halte nichts davon, einen dritten Weltkrieg herbeizureden, erst recht nicht von Forderungen nach mehr Geld für Rüstung der Nato. Aber die Gefahr, dass sich die Situation verschärft wie im August 1914, wächst von Tag zu Tag.» Worte von bestürzender Aktualität.

Die gleiche Sorge brachte der amerikanische Ökonom und ehemalige Wirtschaftsberater beim Aufbau osteuropäischer Marktwirtschaften, Jeffrey Sachs, in zwei offenen Briefen zum Ausdruck. Sachs forderte den Bundeskanzler auf, »den offenen Krieg mit Russland zu verhindern«, denn, »wenn wir vom Abgrund des Krieges wegwollen, müssen wir ehrlich sein.» In seinen Briefen hat Sachs konkrete Versäumnisse der deutschen Außenpolitik seit der Wiedervereinigung dargelegt. Dieses Prinzip der absichtsvollen Blindheit: des »Nicht-Hörens» und »Nicht-Sehen-Wollens« und »Nicht-Bedenken-Wollens« müsse überwunden werden.

Weder zum Zeitpunkt des Vorstoßes der russischen Streitkräfte auf Kiew im Februar 2022 noch danach ist von Seiten der Vereinigten Staaten und schon gar nicht von den EU-Staaten und Großbritannien ein ernsthafter Versuch unternommen worden, den Krieg zu verhindern noch den Krieg durch einen Verhandlungsfrieden zu beenden. Im Gegenteil, der Krieg ist politisch, finanziell und materiell unterstützt und auf inzwischen mehr als viereinhalb Jahre verlängert worden. Die von Jeffrey Sachs beschriebenen Versäumnisse wirken bis heute in der aktuellen Außenpolitik als Fehleinschätzungen fort.


Der Artikel von General a.D. Harald Kujat ist zuerst in der aktuellen Ausgabe der Zeitung Zeitgeschehen im Fokus erschienen.


Die Ukraine versuchte von Anfang an, NATO-Staaten in den Krieg zu ziehen

Im Mai 2024 griff die Ukraine die Woronesch-Radarstationen bei Armavir und Orsk des interkontinental-strategischen Frühwarnsystems Russlands, im Juni 2025 die Stützpunkte der interkontinentalstrategischen Bomberflotte in Olenja, Belaja, Djagilewo und Iwanowo-Sewerny an. Die Angriffe waren ohne jede Bedeutung für die Verteidigung der Ukraine und den Verlauf des Krieges: Diese Systeme dienen ausschließlich der nuklearstrategischen Abschreckung Russlands.

Die Ukraine hat mit ihren Angriffen vorsätzlich das Risiko einer Fehlkalkulation und eine nukleare Eskalation der beiden nuklearen Supermächte mit unabsehbaren Folgen in Kauf genommen. Ebenso wie beim Vorstoß auf das russische Kernkraftwerk Kursk im August 2024 war es das Ziel der Ukraine, den Krieg auf eine strategische Ebene zu eskalieren, um die NATO an ihrer Seite gegen Russland einzubinden.

Insbesondere der Angriff auf die strategische Bomberflotte (Operation »Spinnennetz«) wurde von westlichen Medien als beispiellos, kühn, genial oder als »Game Changer« gewertet, während das Eskalationspotential und die daraus erwachsenden Gefahren weit über den Ukraine-Krieg hinaus nur vereinzelt thematisiert wurden.

Die russische Nukleardoktrin bezeichnet »Handlungen eines Gegners gegen besonders wichtige staatliche oder militärische Einrichtungen der Russischen Föderation, deren Ausfall die Reaktionsmaßnahmen der Nuklearstreitkräfte vereiteln würde«, als eine Bedingung für den Nuklearwaffeneinsatz. Im russischen Verständnis gehören zu den »wichtigen militärischen Einrichtungen« vor allem Führungs- und Kommandozentralen, Frühwarnsysteme und strategische Nuklearkräfte.

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Der Zorn ist echt, die Alternative nicht: Wie eine angebliche „Mitte“ den Boden schafft, den die AfD bewirtschaftet

Von Detlef Koch – 18. Juli 2026

Eine Frage drängt sich auf: Wie konnte eine Partei sich zur vermeintlich letzten „Notbremse“ stilisieren, wenn doch ihre Wirtschafts-, Sozial- und Rüstungspolitik den mehrheitlichen Interessen der Bevölkerung widerspricht? Die Antwort beginnt nicht bei der AfD, sondern bei den Parteien, die seit Jahrzehnten an den wahren Interessen der Bürger vorbeiregieren.

Die dissoziale Politik der selbsternannten Mitte

Menschen erleben steigende Mieten, verfallende Schulen, die schleichende Erosion des Gesundheitssystems, unsichere Beschäftigung und eine marode Infrastruktur. Gleichzeitig lässt man die untere Hälfte der Gesellschaft schmerzhaft spüren, dass man selbst ihre einfachsten Bedürfnisse für unwichtig erachtet. Eine Untersuchung von Lea Elsässer und Armin Schäfer zeigte eindrücklich, dass das, was Bürger und Bürgerinnen mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollten, eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit hatte, umgesetzt zu werden.[1]

Haben wir eine „radikale Mitte“?

Radikalität erwarten wir von der AfD und möglicherweise einem nicht unerheblichen Teil ihrer Wähler. Die sind hier aber gar nicht gemeint. Es geht vielmehr um etablierte Parteien, die Sozialabbau, Privatisierung, militärische Eskalation oder Grundrechtseingriffe als alternativlose Vernunft der „Mitte“ ausgeben.

Besonders sichtbar wird diese Radikalisierung in der Sicherheitspolitik. Im März 2025 änderten Union, SPD und Grüne das Grundgesetz: Verteidigungs- und bestimmte Sicherheitsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen nicht mehr unter die Schuldenbremse.[2] Wenige Monate später verpflichteten sich die NATO-Staaten, bis 2035 fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für militärische und sicherheitsbezogene Zwecke aufzuwenden.[3] Die damit verbundenen Risiken für den sozialen Frieden und den massiven Angriff auf Rentner und arme Menschen wurden ausgeblendet, oder Friedrich Merz bezichtigte die Bürger indirekt der Faulheit oder des Blaumachens.

Die Energiepreiskrise hatte bereits 2021 begonnen. Russlands Angriff auf die Ukraine und die anschließende Eskalation des Wirtschaftskonflikts – insbesondere die von Russland 2022 auch als Reaktion auf westliche Sanktionen massiv gekürzten Gaslieferungen – verschärften sie dramatisch. [Anm. der GG-Red.: Das stimmt so nicht: Die von Medien und Politik verbreitete Behauptung, die russische Intervention in der Ukraine habe die Energiepreise in Europa explodieren lassen, ist eine Legende.Tatsächlich begann die Krise bereits im Sommer 2021, also lange vor der Eskalation in der Ukraine. Ausgelöst wurde sie durch eine unsinnige Reform des EU-Gasmarktes durch die EU-Kommission. Darin wurde unter anderem der Börsenhandel, also Spekulationen mit Gas erlaubt. In der Folge haben die Importeure die Gasmengen in der EU künstlich verringert, um die Preise an der Börse in die Höhe zu treiben. Sie kauften das Gas weiterhin für 200 bis 300 Dollar pro tausend Kubikmeter (in Russland) ein, haben es an der europäischen Börse aber bereits im Oktober 2021, auf dem Höhepunkt der ersten Gaskrise, für bis zu 2.000 Dollar weiterverkauft. Die kommende Krise war bereits im Sommer 2021 absehbar.] Danach hat die EU die Krise künstlich weiter verschärft, indem sie dem Betrieb von Nord Stream 1 mit Sanktionen ein Ende gesetzt hat. Die Bundesregierung hat das Ihre dazu getan, indem sie Nord Stream 2 nicht in Betrieb genommen hat. Es folgten weitere Maßnahmen der EU, wie Sanktionen auf russisches Pipeline-Öl, die die Krise weiter verschärft haben. In der Folge hat die EU beschlossen, den Import von russischem Gas ab 2027 komplett zu verbieten.]

Die hohe Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten – auch infolge eines zu langsamen Ausbaus erneuerbarer Energien – erhöhte die Verwundbarkeit gegenüber diesem Preisschock.[4] Im zweiten Halbjahr 2025 kostete Haushaltsgas 79 Prozent, Strom 23 Prozent mehr als vier Jahre zuvor.[5] Das wirkte auf gering entlohnte Beschäftigte, arme Rentner und kleine Betriebe wie eine Enteignung.

Ähnliches gilt für die im Artikel 5 des Grundgesetzes geschützte Meinungsfreiheit. Viele Menschen erleben den Debattenraum verengt – selbst bei allgemeinen politischen Fragen oder harmloser Regierungskritik. Im Januar 2026 glaubten 36 Prozent der Befragten einer Mannheimer Studie, sich öffentlich zur Migrationspolitik nicht frei äußern zu können. 30 Prozent berichteten, ihre Meinung dazu bewusst zurückzuhalten.[6] Im öffentlichen Bereich sind die Werte besonders beim Völkermord an den Palästinensern mit 33 Prozent und bei Fragen ‚kultureller bzw. religiöser Vielfalt‘ mit 31 Prozent sehr hoch. Das ist nicht unberechtigt, denn jeder kann durch die „falsche Meinung“ ins Visier der Cancel Culture geraten und einen hohen sozialen Preis für seine Meinung bezahlen.

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Fliegerhorst statt Kanzleramt: Der Tagungsort als Botschaft der Vorbereitung auf den Atomkrieg

Von Ulrich Rippert – 18. Juli 2026

Am gestrigen Freitag tagte in einer Wartungshalle des Militärflugplatzes Nörvenich bei Köln der Deutsch-Französische Sicherheits- und Verteidigungsrat unter Leitung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Dass zwei Regierungschefs europäischer Kernländer ihre politischen Beratungen ausgerechnet zwischen Kampfjets und Hangartoren abhalten, ist kein Zufall, sondern demonstrative Inszenierung. Umrahmt von zwei französischen Rafale- und zwei deutschen Eurofighter-Kampfjets sollte der Öffentlichkeit das Bild vermittelt werden: Die beiden größten Volkswirtschaften der Europäischen Union bereiten sich auf einen Atomkrieg vor.

Präsident Macron und Bundeskanzler Merz im November 2025 in Berlin [Photo by European Union, 2026 / CC BY 4.0]

Bereits am Vortag, unmittelbar vor Macrons Ankunft in Deutschland, hatten zwei mit Atomwaffen bestückbare Rafale-Jets gemeinsam mit zwei Eurofightern der Bundeswehr eine Luftbetankung durch ein französisches Tankflugzeug geübt. Am Freitag folgten auf dem Fliegerhorst weitere gemeinsame „Wartungsübungen“ deutscher und französischer Soldaten an den Flugzeugen des jeweils anderen Landes. Was sich wie gegenseitige Instandhaltungshilfe anhört, hat in Wahrheit große politische Tragweite, denn es bereitet die logistische und operative Integration der beiden nationalen Luftwaffen in eine gemeinsame atomare Kommandostruktur vor.

Was in den Regierungsverlautbarungen als „Vertiefung der Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung“ firmiert, ist der praktische Auftakt zu einer Politik, die im März dieses Jahres zwischen Merz und Macron vereinbart worden war. Der Sicherheitsrat beschloss nun als nächsten konkreten Schritt, dass sich im Herbst erstmals deutsche Soldaten aktiv an einem französischen Nuklearmanöver beteiligen werden. Damit wird die Bundesrepublik, die bislang im Rahmen der nuklearen Teilhabe der NATO auf US-Atombomben und von der Bundeswehr bereitgestellte Trägerflugzeuge angewiesen war, erstmals unmittelbar in die Nukleardoktrin einer zweiten Atommacht eingebunden.

Bereits am Donnerstag wurde zum Auftakt des Treffens auf Schloss Bensberg eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die folgende Punkte umfasst:

  • Einrichtung einer „ständigen nuklearen Lenkungsgruppe“, die – so die offizielle Sprachregelung – „die strategische Kultur und die gemeinsame Bedrohungsanalyse vertiefen“ soll. Was sich harmlos anhört, bedeutet faktisch die Integration deutscher Militärs in die nukleare Planung Frankreichs. Deutsche Offiziere sollen künftig an der Einsatzplanung von Atomwaffen mitwirken, die im Kriegsfall auf Ziele in Russland niedergehen würden.
  • Beginn gemeinsamer Nuklearübungen noch in diesem Jahr. Französische Rafale-Kampfflugzeuge mit nuklearer Bewaffnung sollen – darauf deuten die Beratungen in Nörvenich hin – zeitweise auf deutschen Stützpunkten stationiert und in gemeinsame Manöver eingebunden werden. Die „Force de frappe“, Frankreichs nukleare Abschreckungsstreitmacht, erhält damit erstmals operationelle Basen auf deutschem Boden.
  • Enge Zusammenarbeit in den Bereichen „Deep Precision Strike“ (punktgenauer Einsatz weitreichender Flugkörper) und Luftverteidigung vereinbart. Diese Begriffe beschreiben die Fähigkeit, Ziele tief im gegnerischen Territorium – sprich: in Russland – mit konventionellen und potenziell nuklearen Waffen anzugreifen.

Die Absprachen stellen einen historischen Bruch mit der deutschen Nachkriegsordnung dar. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 hatte sich die Bundesrepublik verpflichtet, auf atomare, biologische und chemische Waffen zu verzichten. Sie ist Unterzeichnerin des Atomwaffensperrvertrags. Die jetzt eingeleitete nukleare Kooperation mit Frankreich unterläuft diese Verpflichtungen faktisch, auch wenn die Bundesregierung formal an ihnen festhält.

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Christopher Nolans »Die Odyssee« ist politische Bildung

Von Stefan Piasecki – 17. Juli 2026

Szene aus dem Film Die Odyssee. Bild: Universal Studios

Das vergiftete Geschenk der Zivilisation.

Christopher Nolans Die Odyssee beginnt dort, wo andere Verfilmungen enden würden. Nicht mit der Heimkehr des Helden, sondern mit dem Sieg. Troja brennt. Rauch steigt über den Mauern auf, Schreie verhallen zwischen den Ruinen einer Kultur, die eben noch existierte. Erst später wird deutlich, dass dieser Auftakt nicht den Triumph einer Armee zeigt, sondern den Beginn einer moralischen Katastrophe. Ausgerechnet der berühmteste Sieg der europäischen Mythologie wird zum Ursprungsbild einer Erzählung über Schuld, Kulturexport und Angriffskrieg. Damit gelingt Nolan eine bemerkenswerte Verschiebung. Er verfilmt Homers Epos nicht als Abenteuer eines listenreichen Königs, sondern als Geschichte eines Mannes, der lernen muss, mit den Folgen seines eigenen Sieges zu leben.

Die Odyssee ist niemals ohne die Ilias zu denken. Während Homers älteres Epos den zehnjährigen Krieg um Troja schildert, erzählt die Odyssee von den zehn Jahren danach. Der Krieg ist gewonnen, Helena zurückgebracht, die Helden kehren heim. Doch was in den klassischen Lesarten als glückliche Heimreise erscheint, verwandelt Nolan in eine Untersuchung über die Unmöglichkeit der Rückkehr. Niemand kehrt wirklich heim, weil niemand derselbe geblieben ist. Die Vergangenheit reist mit.

Die Produktion entfaltet diese Idee mit großer Konsequenz. Nolan nutzt modernste Großformatkameras und reale Schauplätze, verzichtet weitgehend auf digitale Überwältigung und entwickelt stattdessen eine Bildsprache, die den Mythos entzaubert, ohne ihm seine Größe zu nehmen. Gewalt erscheint nicht spektakulär, sondern unerquicklich. Die Kamera verweilt nicht auf heroischen Gesten, sondern auf Gesichtern, die den Preis des Sieges tragen. Gerade die grandiose Inszenierung verweigert sich der Verherrlichung des Monumentalen.

Die eigentliche Erzählung entwickelt sich spiralförmig. Odysseus reist durch das Mittelmeer, begegnet Monstern, Königen, Zauberinnen und Göttern. Doch immer wieder kehrt der Film in Rückblenden nach Troja zurück. Mit jeder Erinnerung verändert sich der Blick auf das Geschehen, es ist eine mit der Zeit aufsteigende Perspektivik, von der aus der Sieg mit seinen Konsequenzen zunehmend vernetzter und verdichteter erscheint. Anfangs wirkt das Trojanische Pferd noch als jener geniale Einfall, der in Schulbüchern als Symbol militärischer Klugheit gilt. Später erkennt man darin ein vergiftetes Geschenk der Zivilisation. Nicht eine Stadt wird eingenommen und eine Königin gerettet, sondern eine Kultur ausgelöscht. Das Pferd trägt keine Hoffnung in sich, sondern den Tod. Was als List gefeiert wurde, erscheint nun als Werkzeug eines Völkermordes.

Dieser Perspektivwechsel verändert alle Figuren. Helena ist keine gerettete Schönheit mehr. Die einst bewunderte Königin trägt die Spuren des Krieges sichtbar in ihrem Gesicht und in ihrer Haltung. Sie entschuldigt sich für die unzähligen Opfer, die ihre Rückkehr gefordert hat. Ihre Rettung hat niemanden erlöst. Auch die Sieger finden keinen Frieden. Schlaf bedeutet Alpträume, Erinnerungen und Stimmen der Gefallenen. Im Hades begegnet Odysseus jenen Männern, die ihm vertraut hatten. Nun werfen sie ihm Verrat vor. Sie fühlen sich belogen, benutzt und einem höheren Zweck ausgeliefert, dessen moralischer Anspruch mit jedem Toten hohler klingt. Hier erkennt Odysseus sich selbst.

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Wenn die Kinder zum Angriffsziel werden

Von Vijay Prashad – 16. Juli 2026

Ein palästinensisches Mädchen in Gaza mit einem Kochtopf unterwegs während des Kriegs, um Essen zu besorgen.

Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete ist zu dem Schluss gekommen, dass Kinder selbst zu absichtlichen Zielen der israelischen Militärpolitik geworden sind.

Am 23. Juni veröffentlichte die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen für die besetzten palästinensischen Gebiete, einschließlich Ostjerusalem und Israel, einen der vernichtendsten Berichte, die jemals von einem UN-Untersuchungsgremium zum israelischen Völkermord im Gaza-Streifen erstellt wurden.

Schon der Titel ist fast unerträglich zu lesen: „Die Essenz der Kindheit wurde zerstört“. Hinter diesem Titel steckt eine Anschuldigung von außerordentlicher Schwere. Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass israelische Behörden und Sicherheitskräfte palästinensische Kinder gezielt zur Zielgruppe genommen haben und dass diese Handlungen auf Völkermord, Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen hinauslaufen, neben den Kriegsverbrechen im besetzten Westjordanland.

Der Bericht ist kein emotionaler Appell. Er ist ein äußerst sorgfältiges juristisches Dokument, das auf Zeugenaussagen, forensischen Beweisen, Satellitenbildern, militärischen Analysen, medizinischen Gutachten und jahrelanger Dokumentation basiert. Was er darstellt, ist nicht bloß ein weiterer Katalog ziviler Opfer. Er zeigt auf, dass das Töten, Verstümmeln, Aushungern, Inhaftieren und die psychische Zerstörung palästinensischer Kinder nicht als Kollateralschaden erklärt werden können. Die Kommission kommt vielmehr zu dem Schluss, dass Kinder selbst zu absichtlichen Zielen der israelischen Militärpolitik geworden sind. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Die Konsequenzen einer solchen Erkenntnis reichen weit über Gaza hinaus. Sie werfen grundlegende Fragen über die Zukunft des Völkerrechts selbst auf.

Ein außerordentlich ernster Bericht

Die Kommission schätzt, dass seit Oktober 2023 mindestens 20.179 palästinensische Kinder getötet und mehr als 44.000 verletzt wurden. Etwa 30 Prozent aller getöteten Palästinenser waren Kinder. Allein diese Zahlen machen den Gaza-Krieg zu einem der tödlichsten Konflikte für Kinder in der modernen Geschichte.

Die Wichtigkeit des Berichts liegt jedoch nicht nur in den Zahlen, sondern in seinen Schlussfolgerungen hinsichtlich des Vorsatzes.

Er dokumentiert wiederholte Vorgänge, bei denen Kinder von Scharfschützen erschossen, von Drohnen angegriffen, auf der Suche nach Nahrung oder Wasser getroffen oder getötet wurden, obwohl sie keine militärische Bedrohung darstellten – was offensichtlich hätte sein müssen. Der Bericht untersucht den wiederholten Einsatz hochexplosiver Sprengstoffe in dicht besiedelten Zivilgebieten, lange nachdem die vorhersehbaren Folgen für Kinder unbestreitbar geworden waren.

Er beschreibt detailliert Angriffe auf Entbindungskliniken, Stationen für Neugeborene, Schulen, Waisenhäuser und Schutzräume und auch die Blockade von Nahrung, Wasser und Medikamenten. Der Bericht zeigt auf, wie Hunger, Krankheit und der Kollaps der medizinischen Versorgung zu Kriegsinstrumenten geworden sind, die sich gegen eine ganze Zivilbevölkerung richten, deren jüngste Mitglieder am stärksten gefährdet sind. (Hervorhebung durch die Globalbridge-Redaktion.)

Die Kommission untersucht auch israelische Inhaftierungspraktiken, die palästinensische Minderjährige betreffen. In Gaza und der Westbank festgenommene Kinder beschreiben Folter, sexuelle Gewalt, erniedrigende Behandlung und das Verschwindenlassen in Haftanstalten, ohne dass ihre Familien darüber informiert werden. Solche Misshandlungen, so das Fazit, sind Teil eines umfassenderen Systems kollektiver Bestrafung, das sich über Generationen hinweg gegen die palästinensische Gesellschaft richtet.

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Ist Russland ein wichtiger Schlag gegen die ukrainische Luftabwehr gelungen?

Von Daria Fedotova (Übersetzung: Thomas Röper) – 16. Juli 2026

In letzter Zeit sind die russischen Luftangriffe auf die Ukraine erfolgreicher geworden und Kiew gesteht ein, dass es oft nicht eine einzige russische Rakete abfangen konnte. Was ist der Grund dafür und wie lange wird Russland diesen Vorteil behalten?

In letzter Zeit werden besonders schwere russische Luftangriffe auf militärische Ziele und die Rüstungsindustrie in der Ukraine gemeldet, wobei Kiew inzwischen offen eingesteht, dass ihm die Mittel zur Luftverteidigung ausgehen und es manchmal nicht eine einzige russische Rakete abfangen kann.

Viele vermuten, der Grund für die russischen Erfolge sei der Mangel an Luftabwehrraketen in der Ukraine, aber möglicherweise gibt es noch einen weiteren Grund, denn russische Analysten vermuten, bei den russischen Angriffen sei ein wichtiger Kommandopunkt der ukrainischen Luftabwehr zerstört worden, was die Vorwarnung vor Angriffen und die Koordination von Abwehrmaßnahmen behindern würde. Ich habe dazu einen russischen Artikel vom 13. Juli übersetzt, in dem ein Luftabwehrexperte seine Einschätzung abgibt. […]

„Die russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte haben die ukrainische Luftverteidigung zerschlagen“: Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre zentrale Kommandostelle verloren

Nach einem hochpräzisen Angriff haben die ukrainischen Streitkräfte ein Dutzend qualifizierter Luftverteidigungsoffiziere verloren.

Die zentrale Kommandostelle der ukrainischen Luftverteidigung wurde höchstwahrscheinlich bei den jüngsten Angriffen der russischen Luft- und Weltraumstreitkräfte auf Militäreinrichtungen des Gegners zerstört. Militärs weisen darauf hin, dass das verdächtig lange Schweigen der Luftverteidigung des Gegners vor Angriffen ein indirekter Beweis dafür ist.

Der Militärexperte und Luftverteidigungshistoriker Jurij Knutow sprach in einem Interview mit MK die Folgen dieser Niederlage und merkte an, dass die Zerstörung der Kommandostelle die Ausschaltung des amerikanischen KI-gestützten Gefechtsführungssystems bedeutet, das die Amerikaner auch im Iran eingesetzt haben.

Am Sonntag, dem 12. Juli, erschien ein Bericht über die mögliche Zerstörung des zentralen Kommandos der ukrainischen Luftverteidigung. Laut Angaben des Militärs wird das indirekt durch den drastischen Rückgang der Effektivität der ukrainischen Luftverteidigung bei der Abwehr russischer Angriffe sowie durch das Versagen des Frühwarnsystems für Luftbedrohungen bestätigt. „Es gibt keine Meldungen mehr wie ‚Zwei Raketen, zwei Minuten bis zum Ziel oder eine wir verfolgen aktiv russische Flugzeuge und Raketen’“, berichten Quellen.

Militäranalysten schließen daraus, dass alle ukrainischen Luftverteidigungseinheiten nun isoliert und unabhängig agieren. Darüber hinaus haben unsere Präzisionsschläge wahrscheinlich viele hochqualifizierte Luftverteidigungsspezialisten getötet.

Laut dem Militärexperten Jurij Knutow sind die Präzisionsschläge unserer Luft- und Weltraumstreitkräfte, der Marine und der Raketentruppen des Heeres für den Gegner sehr schmerzhaft, insbesondere in jüngster Zeit:

„Dabei muss man berücksichtigen, dass wir unsere Angriffe nicht mit voller Stärke durchführen. Unter diesen Umständen scheint unsere Aufklärung tatsächlich sehr gute Arbeit geleistet zu haben. Hier kann man sich an das zerstörte Lager in Wyschnewe erinnern, in dem Uranmunition gelagert war. Die Folgen eines Angriffs auf eine solche Anlage wären aus Sicht der Umwelt eine Katastrophe, vergleichbar mit einem kleinen Tschernobyl. Das spricht Bände über die wahre Haltung der ukrainischen Regierung gegenüber ihrer Bevölkerung, denn die Lagerung solcher Munition in einer Stadt ist ein Verbrechen.“

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„Foreign Affairs“ hat Recht: Das alte Modell der nuklearen Abschreckung ist passé

Von Andrew Korybko – 15. Juli 2026

Der NATO-Russland-Stellvertreterkrieg in der Ukraine, die Kriege in Westasien und die indisch-pakistanischen Auseinandersetzungen im Frühjahr 2025 haben die Annahmen der letzten fast 80 Jahre in Bezug auf strategische Sicherheit auf den Kopf gestellt – mit ungewissen Folgen für die strategische Stabilität.

Rose Gottemoeller, die US-Staatssekretärin für Rüstungskontrolle und internationale Sicherheit aus der Obama-Ära, veröffentlichte letzten Monat in Foreign Affairs einen aufschlussreichen Artikel mit dem Titel „Die seltsame Niederlage der nuklearen Abschreckung“. Dieser wird in diesem Beitrag zusammengefasst und kurz analysiert. Der Kernpunkt ist, dass die ukrainische „Operation Spiderweb“, die iranischen Angriffe auf Israel und die indisch-pakistanischen Zusammenstöße im Frühjahr 2025 gezeigt haben, dass Atomwaffen allein Gegner nicht abschrecken. Das alte Modell der nuklearen Abschreckung ist daher nicht mehr gültig.

Was früher „Abschreckung durch die Androhung nuklearer Vergeltungsmaßnahmen“ war, weicht nun der Abschreckung durch Verhinderung im Sinne einer „Entmutigung des Angreifers, indem ein Angriff durch robustere Verteidigungsmaßnahmen als sinnlos erscheint“. Israel wird in dieser Hinsicht aufgrund seiner mehrstufigen Luftabwehr als Vorreiter dargestellt, doch selbst diese hat sich als unzureichend erwiesen, um das Land – einschließlich seiner Plutoniumaufbereitungsanlage in Dimona – vollständig zu schützen. Zudem spielen sehr klare Kosten-Nutzen-Abwägungen eine Rolle, die gegen den verteidigenden, atomar bewaffneten Staat sprechen.

Gottemoeller stellt interessanterweise fest, dass „widersprüchliche Trends hinsichtlich der nuklearen Abschreckung bestehen. Die nukleare Stabilität zwischen den beiden Supermächten der Zeit des Kalten Krieges scheint konventionelle Konflikte in Europa und Ostasien in Schach zu halten. Der neue Konkurrent, China, könnte diese Stabilität stören, doch vorerst hält sie an. In Südasien hingegen kommt es zu konventionellen Kriegen, obwohl beide Seiten über Atomwaffen verfügen. Diese Realitäten legen nahe, dass die bestehenden Atommächte ihre Atomwaffen weiterhin aufrechterhalten müssen“.

Sie rät: „Die Länder müssen die sich wandelnde Landschaft der konventionellen Kriegsführung erkennen und begreifen, wie Drohnen und ballistische Raketen die zentrale strategische Rolle von Atomwaffen bedrohen. Regierungen müssen bessere Verteidigungsmaßnahmen entwickeln und ein widerstandsfähiges Bollwerk gegen konventionelle Angriffe auf ihre Nuklearstreitkräfte errichten.“ Sie schlägt außerdem vor, dass sie ihre erklärte Politik überdenken sollten, und argumentiert, dass Russland in ein schlechtes Licht geriet, nachdem es erklärt hatte, Atomwaffen einsetzen zu können, falls seine Triade angegriffen würde, sich dann aber dagegen entschied, als die Ukraine genau dies tat.

Insgesamt ist Gottemoellers Beitrag aufschlussreich und für alle, die sich für dieses Thema interessieren, durchaus lesenswert. Wie es der Zufall will, spiegelt ihr Vorschlag die Äußerungen des ehemaligen russischen Top-Spions Andrey Bezrukov wider, der auf die dringende Notwendigkeit seines Landes hinwies, seine kritische Infrastruktur zu sichern. Im Gegensatz zu ihr argumentierte Bezrukov jedoch überzeugend, dass die Ukraine als Stellvertreter des Westens fungiere, um nach dem Prinzip des „kochenden Frosches“ durch schrittweise eskalierende Provokationen die Reaktion Russlands unterhalb der nuklearen Schwelle zu halten.

Bezrukov behauptete zudem, dass die USA Russlands nukleare Fähigkeiten durch weitere „Operation Spiderwebs“ und weltraumgestützte Systeme neutralisieren wollen. Seine Ausführungen darüber, wie Atommächte zu diesem Zweck nicht-nukleare Staaten als Stellvertreter gegen andere Atommächte einsetzen können, sowie seine Warnung vor weltraumgestützten Systemen sind relevant für das Thema der sich entwickelnden Trends zur strategischen Stabilität und des Wandels der nuklearen Abschreckung. Gottemoeller und Bezrukov sollten daher in dieser Hinsicht als die führenden Denker ihrer jeweiligen Länder angesehen werden.

Die Kernaussage von Gottemoellers Artikels lautet, dass der Proxy-Krieg in der Ukraine, die Kriege in Westasien und die indisch-pakistanischen Zusammenstöße im Frühjahr 2025 die Annahmen der letzten fast 80 Jahre über strategische Sicherheit auf den Kopf gestellt haben – mit ungewissen Folgen für die strategische Stabilität. Zwar bleibt das herkömmliche Denken im Hinblick auf das Szenario eines konventionellen Konflikts zwischen Russland und den USA relevant, doch selbst dieses wurde durch den Einsatz der Ukraine als Stellvertreter gegen Russland durch die USA weitgehend untergraben, sodass es nun an der Zeit ist, dass Experten völlig neue Modelle entwickeln.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors. Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der Redaktion von Globale Gleichheit wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

[[Zum Originalbeitrag in englischer Sprache auf dem Substack-Blog des Autors.]

Zum Autor: Andrew Korybko ist ein in Moskau lebender US-amerikanischer politischer Analyst, der sich auf die geopolitische Entwicklung sowie insbesondere den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert.

Russland verhindert ukrainische Angriffe auf die russischen Nuklearstreitkräfte

Von Thomas Röper – 15. Juli 2026

Die Ukraine hat wieder versucht, mit mehreren Terrorzellen die russischen Nuklearstreitkräfte anzugreifen, aber der russische Geheimdienst konnte das verhindern und die Terroristen festnehmen. Im Erfolgsfalle hätte sogar eine nukleare Eskalation drohen können.

Vor etwa einem Jahr haben westliche Medien euphorisch über die ukrainische sogenannte „Operation Spinnennetz“ berichtet, bei der ukrainische Terroristen mehr als 100 Drohnen nach Russland geschmuggelt und diese dann aus Lastwagen gegen vier Flugplätze der russischen Nuklearstreitkräfte gestartet haben. Über die Folgen gingen die Meldungen auseinander, die Ukraine behauptete, sie habe dabei viele Flugzeuge der russischen Nuklearstreitkräfte beschädigt oder zerstört, Russland hingegen meldete, der Schaden halte sich in engen Grenzen.

Das Spiel mit dem Feuer

Das Problem bei diesen Angriffen war, dass dabei Teile der russischen Nuklearstreitkräfte beschädigt wurden, was für eine Atommacht ein Grund für eine nukleare Reaktion ist. Auch in der russischen Atomdoktrin ist das eindeutig so festgelegt.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Nuklearstreitkräfte sind die letzte und ultimative Sicherheitsgarantie einer Atommacht. Wenn diese beschädigt wird, indem beispielsweise nötige Frühwarnradare oder auch Trägersysteme beschädigt werden, dann läuft eine Atommacht Gefahr, sich gegen einen atomaren Angriff nicht mit gleicher Münze verteidigen zu können.

Dass die Ukraine im letzten Sommer – offensichtlich mit Billigung oder sogar Unterstützung des Westens – die russischen Nuklearstreitkräfte angegriffen hat, war daher brandgefährlich. Wie würden die USA wohl reagieren, wenn der Iran Terroristen in den USA anwirbt, ihnen hochmoderne Kampfdrohnen zur Verfügung stellt und diese dann US-amerikanische Atombomber auf Flugplätzen in den USA angreifen würden?

Der Westen scheint Russlands Geduld mit Schwäche zu verwechseln, denn Ende Juni versprach Selensky – ohne irgendwelche Widerworte aus dem Westen –, Russland „40 Tage der Hölle“, denn Kiew werde eine Operation des ukrainischen Geheimdienstes SBU starten. Er nannte keine Details, doch Experten vermuteten, dass er Terroranschläge auf russischem Territorium meinte.

„Operation Spinnennetz 2.0“

Später sickerte durch, dass es um eine Art „Operation Spinnennetz 2.0“ gehen soll. Auf Deutsch findet sich dazu praktisch nichts im Netz, wer aber unter dem englischen Begriff „Spiderweb 2.0“ sucht, der findet durchaus einige Hinweise darauf.

Und tatsächlich scheint es genau darum gegangen zu sein, denn der russische Geheimdienst FSB hat in den letzten Tagen Terroranschläge ukrainischer Geheimdienste auf drei Militärflugplätze vereitelt. Dabei ging es um Ukrainka in der Region Amur, Schagol in der Region Tscheljabinsk und den Flugplatz bei Rostov am Don.

Der Flugplatz Ukrainka ist ein russischer Langstreckenflugplatz im Fernen Osten, der im Juni 2025 eines der Ziele der ersten Operation Spinnennetz gewesen ist, doch der Lkw mit den Drohnen für den Flugplatz explodierte auf dem Weg dorthin. Nach der Operation Spinnennetz wurden dort strategische Bomber Tu-95MS, Tu-22M3 und Tu-160 stationiert.

Laut der Pressestelle des FSB konnten die geplanten Angriffe dank rechtzeitig erhaltener Informationen verhindert und die gesamte Kette der Drahtzieher neutralisiert werden.

Im Rahmen der Operationen haben ukrainische Geheimdienste mit Sprengköpfen und mobilen Bodenstationen ausgestattete FPV-Drohnen in die Region Brjansk transportiert. Der Transport erfolgte in Containern, die von Starrflügler-Drohnen und Fesselballons transportiert wurden. Anschließend wurden die Kampfdrohnen getarnt als Haushaltsgeräte in Pkw mit doppelwandigen Anhängern weiter ins Land transportiert. Am Ziel angekommen wurden die Drohnen in angemieteten Garagen montiert und für den Kampfeinsatz vorbereitet. Allerdings war die Gruppe da bereits im Visier des FSB und alles wurde beobachtet und mit versteckten Kameras aufgezeichnet.

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Wie die USA die NATO umbauen wollen und was das für Europa, Asien und den Nahen Osten bedeutet

Von Mehmet Ali Guller (Übersetzung: Thomas Röper) – 15. Juli 2026

Der NATO-Gipfel hat gezeigt, wie die USA sich die Zukunft der NATO vorstellen und wie sie die NATO dazu umbauen wollen. Wenn der Plan aufgeht, kann das zu tektonischen Verschiebungen in der weltweiten Machtpolitik führen.

Über die sehr kurze Abschlusserklärung des NATO-Gipfels habe ich bereits ausführlich berichtet und dabei auch aufgezeigt, dass die Jubel-Meldungen aus Europa, die Trump-Regierung würde wieder auf den Kurs der EU zurückkehren, verfrüht waren. Auch Trumps Vorgehen gegen den Iran hat das bestätigt.

Aber Trumps Vorgehen gegen den Iran zeigt, welche geopolitischen Pläne die USA haben und wie sie die NATO umbauen wollen, um ihre weltweite Machtprojektion zu erhalten. Dazu ist bei The Cradle ein sehr interessanter Artikel erschienen, den ich übersetzt habe.

Die Strategie der USA und der Übergang zu NATO 3.0

Eine kürzere Abschlusserklärung verdeckt tiefere Spannungen, während Washington versucht, die Rolle der NATO von Europa auf Westasien und den asiatisch-pazifischen Raum auszurichten.

von Mehmet Ali Guller | The Cradle

Die sechs Punkte umfassende Abschlusserklärung des NATO-Gipfels in Ankara gehört zu den kürzesten der vergangenen Jahre und ähnelt der fünf Punkte umfassenden Erklärung des letztjährigen Gipfels in Den Haag. Zum Vergleich: Die Erklärung des Brüsseler Gipfels von 2021 umfasste 79 Punkte, jene von Madrid im Jahr 2022 immerhin 22 Punkte, die Erklärung von Vilnius im Jahr 2023 gar 90 Punkte und die von Washington im Jahr 2024 insgesamt 38 Punkte.

Die deutliche Verkürzung spiegelt die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Europa wider. Die Erklärung fällt deshalb so knapp aus, weil die Bereiche, in denen Einigkeit besteht, begrenzt bleiben. Die Debatte darüber, ob die NATO lediglich ein „Papiertiger“ sei, wurde nicht gelöst, sondern lediglich vertagt. In der Erklärung wird dieses Problem vorübergehend mit dem Slogan „ein stärkeres Europa in einer stärkeren NATO“ kaschiert.

Die Erklärung von Ankara richtet sich gegen Russland und Iran

Der erste Punkt der sechsteiligen Erklärung von Ankara bekräftigt das Bekenntnis zu Artikel 5 des Washingtoner Vertrages, während der letzte Punkt dem Gastgeberland Dank ausspricht.

Die übrigen vier Punkte konzentrieren sich auf Russland, enthalten ein Unterstützungspaket in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar für die Ukraine, sehen eine Ausweitung der Verteidigungsausgaben vor, verweisen auf Waffengeschäfte im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar und gehen am Rande auch auf den Iran ein.

Die Donroe-Doktrin und die NATO 3.0

Washington versucht, die NATO an eine aus seiner Sicht neue strategische Phase anzupassen, die hier als NATO 3.0 bezeichnet wird. Die sogenannte Donroe-Doktrin zielt darauf ab, die Vorherrschaft auf der westlichen Hemisphäre zu festigen, mehr Verantwortung auf die Verbündeten in Europa und anderswo zu übertragen sowie China im asiatisch-pazifischen Raum durch Partnerschaften einzukreisen.